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6:1! Deutschland spielt besser als der eigene Ruf

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Trainer Mauricio Pochettino hatte seine Entlassung bei Tottenham
 

Fever Pit’ch

20. November · Ausgabe #289 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Trainer Mauricio Pochettino hatte seine Entlassung bei Tottenham Hotspur vermutlich noch nicht verdaut, als ihn die ersten Spekulationen aus München erreichten. Der Argentinier beim FC Bayern: Das hätten sie wohl gerne.
Schnell wurden die Sprachbarrieren ignoriert, die mangelhaften Kenntnisse von der Bundesliga, eine Überprüfung, ob die Vorstellungen, Wünsche und Ansprüche des Vereins deckungsgleich mit denen des Trainers sind.
So ist Fußball: Meinungsstärke übertölpelt gerne die Nachrichtenschwäche. Natürlich wäre Pochettino ein guter Trainer für die Bayern. Aber inzwischen wurden so viele Namen gehandelt, dass der Überblick verlorengeht.
Wenn der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge tatsächlich eine so lange Kandidatenliste pflegte, wie man ihm inzwischen unterstellt, könnte Bayern München die zweite Mannschaft gleichzeitig mit bestücken.
Wie wird das erst, wenn Bundestrainer Joachim Löw irgendwann seine Arbeit beim DFB beendet? Wird der Verband eine ebenso lange Liste von Kandidaten vorhalten?
Einen wegweisenden Mittwoch wünscht
Euer Pit Gottschalk

6:1! Deutschland spielt besser als der eigene Ruf
Gerührt und nicht geschüttelt: So feiert Serge Gnabry Tore. Foto: Imago / Beautiful
Gerührt und nicht geschüttelt: So feiert Serge Gnabry Tore. Foto: Imago / Beautiful
Das Netz tanzt: Deutschland hat einen neuen Fußballgott
Von Pit Gottschalk
Ein ganzes Jahr lang war die Unzufriedenheit mit der deutschen Nationalmannschaft nicht zu überhören. Die Löw-Truppe lieferte seit der historischen WM-Blamage 2018 genügend Anlässe zur Kritik: Die Leistungen waren bisweilen unbeständig und versprachen zunächst keine Besserung. Man muss nur an das 2:4 gegen die Niederlande denken.
Jetzt, am Ende des Jahres, sollte man fairerweise festhalten: Die Bilanz von Bundestrainer Joachim Löw fällt weitaus besser aus, als es die öffentliche Wahrnehmung vermuten lässt. Sieben Siege, zwei Unentschieden und eine Niederlage, eben jene gegen Holland: Das kann sich für eine Mannschaft, die einen Umbruch meistern muss, sehen lassen.
Nationalmannschaft schießt sich zum Gruppensieg
Erfolgreiche EM-Quali – der Trainer hat geliefert
In der EM-Qualifikationsgruppe C erzielte Deutschland die meisten Tore, nämlich 30, was einem Schnitt von 3,75 Treffern pro Spiel entspricht, und kassierte nur sieben Stück. In allen Gruppen weisen nur vier Nationen eine bessere Tordifferenz aus: Belgien (+37) und Italien (+33), England (+31) und Spanien (+26), die erklärten Titelfavoriten. 
Längst behauptet eine neue Generation das Spielfeld, vorneweg Serge Gnabry, mit jetzt 13 Toren in 13 Länderspielen der beste deutsche Fußballspieler des Jahres. Die Art, wie er seine Tore schießt, gibt dem deutschen Spiel etwas Unvorsehbares, Tempo und Tiefe, kurzum: eine Zielstrebigkeit, wie man sie voriges Jahr in Russland noch vermisst hat.
Sieben Siege und eine Niederlage
Deshalb ist der Gruppensieg so wichtig
Wenn man also alles schlecht redet, weil vielleicht die Abwechslung auf der Trainerbank ausfällt, dann ist das schwerlich mit Fakten zu belegen. Der Bundestrainer tut ja, was man von ihm erwartet hat, er tauscht sein Personal aus. Nur zwei Weltmeister von 2014 sind noch dabei, Manuel Neuer und Toni Kroos. Ihre Daseinsberechtigung ist unumstritten.
Es gibt deshalb wahrscheinlich keinen zwingenden Grund, mit düsteren Gedanken ins EM-Jahr 2020 zu gehen. Die Historie spricht eh für eine Überraschung. Den WM-Blamagen von 1978 und 1994 folgte jeweils der EM-Sieg, 1980 und 1996. Wer in der Qualifikation die Niederlande hinter sich lässt, muss einem erneuten Duell nicht bange entgegensehen. 
Die besten Netzreaktionen zum Länderspiel
Diese 20 Mannschaften sind qualifiziert
FUMS
13 Tore in 13 Spielen. Wenn #Gnabry so weiter macht, wird Miro Klose spätestens nach der EM nervös.

#FUMSLIVE #GERNIR
10:04 PM - 19 Nov 2019
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18 Uhr, Sport Digital: Transfermarkt-TV
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Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Youssoufa für Deutschland!
Von Alex Steudel
Der Fußballspieler Youssoufa Moukoko macht eine für Hamburger Verhältnisse recht typische Entwicklung durch.
Kurzer Einschub für alle Nicht-Hamburger: Die typische Hamburger Entwicklung besteht darin, dass du als Kind in Hamburg lebst, und alle ganz früh und schnell sehen, dass du mal ein Riesenfußballer wirst, also alle bis auf den HSV, weshalb du irgendwann in eine andere Stadt ziehst. Und wenn du dann dort so richtig gut geworden bist, kommt der HSV zu sich und will dich mit großem Trara zurückholen und zahlt dafür einen Riesenbatzen Geld. Man nennt das dann “Kick-back”-Zahlung, glaube ich. 
Mit Youssoufa Moukoko wird die Masche nicht funktionieren, so viel Kickbackgeld hat nicht mal der jederzeit zähflüssige Hamburger SV. Gerüchten zufolge ist die Tormaschine Youssoufa nämlich heute schon 100 bis 200 Millionen Euro wert, er ist der angesagte Mann im Weltfußball, also der angesagte junge Mann, und damit kommen wir zum Kern der Geschichte: Youssoufa feiert heute seinen 15. Geburtstag. 
15!!! Ich das nicht der Knaller? Als ich 15 war, waren die Meilensteine meiner Karriere, alle Asterix-Hefte auswendig zu kennen und bei den Kreismeisterschaften im Judo Fünfter geworden zu sein. Der Blitz-Frühentwickler Youssoufa hat diese Phase vermutlich im Alter von 18 Monaten gähnend hinter sich gebracht und heute ganz andere Erfolge vorzuweisen: Zum Beispiel schoss er diese Saison für das U19-Team (!) von Borussia Dortmund in elf Bundesliga-Spielen 18 (!!) Tore und bereitete weitere 6 (!!!) vor. Natürlich hat er auch längst einen Nike-Vertrag. Gerüchten zufolge prangte schon an seinem Kinderwagen links und rechts ein Swoosh.
Es kommt noch besser. Der einzige Grund dafür, dass Youssoufa aktuell nicht für eine deutsche Nationalmannschaft spielt, ist der, dass man ihn “vor zu großer medialer Aufmerksamkeit schützen” möchte. Das ist grandios, oder? Zugegeben, es klingt erstmal ein bisschen nach Mesut Özil, die Sache liegt aber ganz anders. Ich glaube, Joachim Löws Plan mit Youssoufa ist, ihn in der Verlängerung des WM-Endspiels 2022 erstmals einzusetzen. Da soll er alle vier Tore gegen die völlig ahnungslosen Holländer schießen.
Was dagegen spricht: das Alter. Youssoufa, von dem ich erstmals las, als er zwölf war, ist im Sommer 2022 schon 17 Jahre alt und hat dann eine lange, anstrengende Karriere hinter sich. Er ist 2022 körperlich kurz vor Abschiedsspiel.  
Natürlich gibt es selbsternannte Knochenbau-Professoren, die Youssoufa unterstellen, dass er schon älter als 15 ist. Aber was soll das? Sogar ich war mit 15 schon 16, also laut Schülerausweis, den ich gefälscht hatte, um ins Jugendhaus zu kommen. Und, ehrlich gesagt, fände ich es genau so sensationell, wenn der Junge mit 17 Jahren 18 Tore in elf Spielen für die U19 des BVB geschossen hätte. Außerdem gibt es keine Beweise, das altersgarantie-gestählte Hamburger Bezirksamt hat bestätigt, dass er so alt ist, wie er ist, und noch außerdemer gibt’s heute sowieso nix Negatives an dieser Stelle, schließlich hat der Junge Geburtstag. 
Ich finde es übrigens großartig für den deutschen Fußball, dass wir so eine Granate vorrätig haben. Sogar Maradona und Pelé waren mit 15 noch kleine Lichter gegen Youssoufa. Die mussten auf ihren Weltruhm warten, bis sie 17 waren, und man sieht ja, was daraus geworden ist. Der eine ließ sich den Magen verkleinern, und der andere machte Werbung für Potenzmittel. (Ich habe übrigens mit 17 angefangen, den Führerschein zu machen und eine Fünf in Mathe geschrieben. Für die, die’s interessiert.)
Happy Birthday, Youssouko!
Alle mal herhören!
"Für Jatta würde ich durchs Feuer gehen!" "Für Jatta würde ich durchs Feuer gehen!"
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