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80-Mio.-Rekordtransfer: FC Bayern drohen 6 Gefahren

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! In einem Tweet fragte gestern der Focus-Sportchef Dirk Adam seine
 

Fever Pit’ch

28. März · Ausgabe #114 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
In einem Tweet fragte gestern der Focus-Sportchef Dirk Adam seine fast 10.000 Twitter-Follower, was sie wohl mit den 80 Mio Euro. gekauft hätten, die der französische Abwehrspieler Lucas Hernández den FC Bayern München kostet. Vier Antworten gab er in seiner Umfrage vor:
  • 1 Verteidiger
  • 320 Ferrari
  • 80.000 iPhones
  • 53 Mio. Kugeln Eis
Und obwohl die Millionensumme durch diesen kleinen Trick plötzlich in den Alltag übersetzt wird, bleibt die Dimension dieses Transfers unbegreiflich. 80 Millionen - ein Euro von jedem Bundesbürger. Ich kann mich sehr gut daran erinnern, wie groß der Aufschrei war, als der Belgier Roger Van Gool 1976 in die Bundesliga wechselte. Den Rekordpreis von einer Million D-Mark zahlte der 1. FC Köln für den Außenstürmer damals; gut eine halbe Million Euro. Das Überschreiten der Millionengrenze galt als Sittenverfall.
Jetzt also 80 Mio. Euro. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann auch in Deutschland die 100-Millionen-Euro-Grenze fällt. Die Zeiten sind so ungeheuerlich, dass ich dem Thema heute zwei Aufschläge widme: zum einen dem Umbruch beim FC Bayern, zum anderen der Finanzierung des Ganzen. Denn auch das darf niemand vergessen: Irgendwoher muss das Geld ja kommen. Auch beim FC Bayern. Man ahnt ja schon, wer am Ende die Neuinszenierung von “Brot und Spiele” zu bezahlen hat.
Beim Kollegen Dirk Adam waren sich übrigens zwei Drittel der befragten Follower einig: Für die Hernández-Millionen wollten sie am liebsten ein Eis.
Einen gewinnbringenden Donnerstag wünscht
Euer Pit Gottschalk

Rekordtransfer: FC Bayern drohen jetzt sechs Gefahren
Lucas Hernández im Trikot der französischen Nationalelf. Foto: Imago / Sven Simon
Lucas Hernández: Der dritte Weltmeister beim FC Bayern
Noch ist nicht überliefert, wie Jerome Boateng und Mats Hummels von ihrer Degradierung in der Innenverteidigung erfahren haben. Ob zum Beispiel Trainer Niko Kovac ein persönliches Gespräch mit ihnen anberaumt hat, wie es Bundestrainer Joachim Löw getan hat, bevor gestern die erlösende Pressemitteilung vom FC Bayern verschickt wurde.
Die Verpflichtung des französischen Abwehrspielers Lucas Hernández gefährdet ihren Arbeitsplatz jedenfalls akut. Wer einen Verteidiger für 80 Mio. Euro verpflichtet, tut dies ganz sicher nicht, um die Ersatzbank zu verstärken. Der FC Bayern macht bei der Verjüngung des Kaders ernst und kümmert sich einen feuchten Kehricht um die Erfolge von gestern.
Hernandez der achte Franzose beim FC Bayern
Die angekündigte Großoffensive auf dem Transfermarkt verschafft der kommenden Saison 2019/20 jetzt nach Benjamin Pavard das nächste prominente Gesicht des Weltmeisters beim FC Bayern. Der Umbruch ist radikal und produziert eine Bayern-Mannschaft, die auf Jahre die Liga beherrschen soll. Man erkennt das an einem weiteren Detail sofort.
Bei der Einstellungsuntersuchung bemängelten die Ärzte einen Defekt am Innenband des Knies. Trotzdem willigte die Bayern-Führung so konsequent in den Rekordtransfer ein, als habe man beim Gebrauchtwagenkauf einen platten Reifen festgestellt. Das kann nur bedeuten, dass die Bayern-Bosse langfristig denken: Der neue Mann hat die Statur zur Führungsfigur.
Die Pressestimmen zum Bayern-Rekordtransfer
Ein vorzeitiges Aus in der Champions League, wie es zuletzt im Achtelfinale gegen den FC Liverpool passierte, soll die Ausnahme bleiben. Ausgerechnet beim Klopp-Team konnten die Bayern sehen, wie wichtig ein schneller und dynamischer Abwehrspieler für den Erfolg einer Mannschaft sein kann. Virgil van Dijk entschied das Rückspiel mit einem Tor und einer Vorlage.
Bei van Dijk haben sie den Kopf geschüttelt, als ihn Jürgen Klopp 2018 für 78 Mio. Euro aus Southampton holte. Heute stellt der einst wacklige FC Liverpool mit nur 18 Gegentoren in 31 Spielen die beste Abwehr in der Premier League. Nun gehen die Bayern selbst ein Risiko ein, das über den monatelangen Ausfall eines Spielers hinausgeht. Sechs Gefahren drohen.
Lucas Hernández bringt das Gefüge durcheinander
  1. Rest der Saison: Wie reagieren die Spieler, die jetzt wissen, dass ihre Zeit beim FC Bayern endet? Das Titelrennen mit Borussia Dortmund dauert noch acht Spieltage. Am 6. April kommt es zum direkten Duell. Nicht jeder, der sich für einen neuen Verein empfehlen will, spielt unbedingt im Sinne der Mannschaft. Er will auf sich aufmerksam machen.
  2. Gehaltsstruktur: Diskussionen löst sicherlich das Gehalt des neuen Mannes aus. 13 Mio. Euro pro Jahr soll Lucas Hernández verdienen. Ein Verteidiger. Die Summe, die bisher nicht bestätigt ist, ruft sogar die ausgeglichensten Profis auf den Plan und verlangt nach Anpassung im Gehaltsgefüge. Nicht jeden Gehaltswunsch wird der FC Bayern erfüllen. Neid ist dann fast unvermeidbar.
  3. Eingewöhnung: Natürlich hat Lucas Hernández das große Glück, dass schon sein Landsmann Corentin Tolisso in München spielt. Doch der ist seit Beginn der Saison verletzt und kennt den Verein nur bedingt. Und wahr ist auch: Hernández ist ein Eigengewächs von Atletico Madrid; er kennt die Fremde noch nicht und wird die deutsche Sprache bis zum Sommer kaum beherrschen.
  4. Franzosen-Clique: Die Gruppe mit drei französischen Weltmeistern sowie mit den zwei Franzosen Kingsley Coman und Franck Ribery (der noch auf eine Vertragsverlängerung hofft) ist eine Mannschaft innerhalb der Mannschaft. Allein wegen der Sprache läuft die Konversation untereinander nicht selten parallel zum Rest des Teams. Dem Wir-Gefühl förderlich ist das nicht.
  5. Erfolgsdruck: Bei jedem Bayern-Spiel hängt ein Preisschild an Lucas Hernández. Jeder verlorene Zweikampf wirft die eine Frage unweigerlich auf: Ist er das viele Geld wert? Er ist 23 Jahre alt. Man weiß noch nicht, wie er mit dieser Drucksituation umgeht. Auch der FC Bayern steht unter Druck: Die Ablösesumme übersteigt zehn Prozent des Jahresumsatzes.
  6. Der Trainer: Um die Gefühlswelt der Spieler und das Seelenheil des Vereins zu schonen, muss Niko Kovac ein Gemisch aus Fachkenntnis, Ausstrahlung und Sozialkompetenz einbringen, wie es nur ganz große Trainer können, und Erfolge einfahren. Kann er das? Beim Liverpool-Aus war er heillos überfordert und provozierte Zweifel. Die darf er sich nicht mehr erlauben.
„Timo Werner liegt unterschriftsreifes Angebot vor“
Für die Bundesliga, so viel steht fest, ist der Hernández-Transfer ein Geschenk. Die Bayern-Mannschaft gewinnt nicht nur an Attraktivität im Ausland und an Stärke in der Champions League. Die Personalie wird in Deutschland, so oder so, Schlagzeilen produzieren und die nächsten Transfers erleichtern.
Denn eines ist ja klar: Ein Spieler, der sich zwischen zwei Klubs entscheiden muss, wird den mit den größten Erfolgsaussichten wählen. Zwei Weltmeister im Kader sind ein gutes Argument. Timo Werner von RB Leipzig und Kai Havertz von Bayer Leverkusen sind die jüngsten Gerüchte und werden nicht die letzten im Frühjahr sein. Trotz der drohenden Gefahr.
Rekordmeister will Kai Havertz - für Mega-Ablöse
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Reform Champions League: Fans schauen in die Röhre
Fußball durchs Handy betrachtet. Foto: Imago/Schroedter
Am Wochenende gehört der Fußball uns
Alle Fußballfans, die eine Rückkehr zur guten alten Bundesliga-Berichterstattung mit festen Anstoßzeiten und Sportschau-Atmosphäre fordern, können ihren Protest einstellen. Die junge Generation liebt das zersplitterte Angebot: 4,52 Stunden pro Spieltag schauen die 10- bis 22-Jährigen, wie die Deutsche Fußball-Liga in ihrer jüngsten Studie ermittelte.
Fans aus der Generation Z konsumieren den Spieltag fast eine Stunde länger als diejenigen, die zwischen 1965 und 1980 (Generation X) sowie zwischen 1946 und 1964 (Baby-Boomer) geboren sind. Apps, Fernsehen, Websites - und am besten alles gleichzeitig: So schauen die Teenager und Twens heutzutage Fußball. Jeder zehnte nutzt zum Bundesliga-Gucken ein Handy. 
Als 50-Jähriger kann man sich über das aufkommende Nutzungsverhalten mokieren. Hilft nur nichts: Was beim Generationswechsel gerade passiert, ist erstens Realität und zweitens wichtig zu wissen, wenn man die Top-Funktionäre des Weltfußballs über ihre Reformpläne zur Champions League diskutieren hört. Die interessiert nicht, was den Fußball groß gemacht hat.
Ihre Pläne zielen auf die Zukunft, genauer: auf die Geldvermehrung in der Zukunft. Weltweit dürfte das Nutzerverhalten noch radikaler auf das Smartphone ausgerichtet sein als im konservativen Deutschland, wo noch immer 350 Tageszeitungen Fußballresultate ins Haus bringen und der Videotext im Fernsehgerät eine geschätzte Nachrichtenquelle bleibt.
So viel Bundesliga-Fußball schaut jede Generation in Deutschland
Die Bundesliga-Studie weckt eine Vorahnung, wohin die Reise geht:
  • Die jüngeren Fußballfans wollen kürzere und kurzweilige Medienformate.
  • Ein ganzes Fußballspiel von An- bis Schlusspfiff wird seltener geschaut.
  • Konferenz-Reportagen werden gegenüber Einzelübertragungen bevorzugt.
  • Der Schwerpunkt liegt auf persönliche Interessen, zum Beispiel auf Stars.
  • Erwartet werden Zusatzinformationen wie Extra-Spielszenen und Spieldaten.
Mit diesem Hintergrundwissen ergibt es plötzlich einen Sinn, wenn Uefa-Präsident Aleksander Ceferin ein Europacup-System entwickeln lässt, das die Dramatik eines K.o.-Spiels ausschaltet und Gruppenspiele en masse produziert. The new Kids on the Blog brauchen ständig und am besten pausenlos Augenfutter aufs Handy. Und lieber Neymar als FC Porto.
An Neymar kann man die Uefa-Haltung wunderbar darstellen. Dass der Brasilianer mit Paris Saint-Germain im Achtelfinale rausflog, ist eine Katastrophe für die Champions League. Die nächsten drei Runden finden ohne den Weltstar statt. In einer Gruppenphase wäre das nicht passiert: Nach seiner Genesung wäre Neymar noch ein paar Mal übertragen worden.
Der Wertverlust bei internationalen Spielen ohne Superstar lässt sich konkret in Zahlen ausdrücken. Marokko wollte Argentinien das Honorar um eine halbe Mio. Euro kürzen, weil das Gastspiel diese Woche ohne den verletzten Lionel Messi stattfand. Ein Champions-League-Viertelfinale mit Porto statt Neymar verliert in noch größerer Dimension an Attraktivität.
Warum Verbände und Topvereine Reformen wollen
Längst geht es nicht mehr um den einen magischen Moment, der einen Underdog zum Heldentag gegen Favoriten führt. Die Serienproduktion von Spielen schickt die besten Spieler auf die Bühne, damit die Dauerbespielung des Handys maximale Reichweite aufrechterhält. Fifa-Präsident Infantini will sein Sommerloch stopfen, der Uefa-Kollege Stars im Wettbewerb halten.
Man kann überall beobachten, wie das Rad beim Fußball überdreht wird. Erweiterung auf 48 WM-Teilnehmer. Längere Gruppenphase im Europacup. Klub-WM mit 24 Mannschaften. Erschließung neuer Fußballmärkte im Mittleren und Fernen Osten. 60 Pflichtspiele hat Thomas Müller jährlich seit 2009 absolviert. Ein Dutzend mehr als Franz Beckenbauer zu seiner Zeit.
Die neue Champions League muss nicht Super League heißen, um das Gebilde durch Auf- und Abstiegsregelungen, Bevorzugung mittels Uefa-Ranking und Setzlisten sowie mit ausgeweiteten Gruppenphasen zunächst prominent zu besetzen und danach gegen Betriebsunfälle, wie sie häufiger in einem K.o.-System passieren können, zu schützen.
Alle Spieltermin im Champions Cup
Andrea Agnelli, Präsident der Klubvereinigung ECA, erlebt bei seinem Klub Juventus Turin, worauf es ankommt: Er muss alle Geldquellen erschließen, um die Betriebskosten, die sein größter Spieler Cristiano Ronaldo verursacht, zu refinanzieren. Darum geht’s: um eine betriebswirtschaftliche Betrachtung von Konsumverhalten in veränderter Marktsituation.
Der Fußball, wie man ihn kennt, verliert dadurch sein Unkalkulierbares und kommt der Playstation-Systematik ein Stück näher: Drücken wir halt auf Neustart, wenn das eine Spiel verlorengeht - Neymar bekommt dann seine neue Chance. Die Endlosschleife mit Weltstars, Spieldaten und Torszenen kommt dem Nutzungsverhalten der jungen Generation entgegen. 
Dass der Sport Schaden nimmt: Sei’s drum.
Alle mal herschauen!
Das beste Real Madrid der Geschichte?
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