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Albtraum Champions League: Finale auf Aldi-TV

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! ein lieber Kollege startete vor Jahren einen Newsletter für Sport
 

Fever Pit’ch

4. Dezember · Ausgabe #301 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
ein lieber Kollege startete vor Jahren einen Newsletter für Sport Business. Heute verstehe ich, warum er damals nach Thailand zog. Morgens zum Frühstück hatte er den besten Überblick, was in der Heimat erschienen war. Während er schrieb, schliefen sie in Deutschland noch. Sobald der Newsletter versendet wurde, hatte er Feierabend - so um die Mittagszeit in Thailand. Der Rest des Tages: zur freien Verfügung.
So wollte ich das jetzt ein paar Tage lang auch machen: Urlaub in Thailand, Fever Pit'ch zum Frühstück - und keine Nachtarbeit mehr. Blöderweise übertragen sie hier die Premier League live. In der ersten Nacht Manchester City, in der kommenden Nacht FC Liverpool, beides ab 3.15 Uhr. Am Nachmittag gehe ich dann mal Kicken am Strand. Es ist wohl Schicksal: Fußball rund um die Uhr.
Einen unverschlüsselten Mittwoch wünscht
Euer Pit Gottschalk

Albtraum Champions League: Finale auf Aldi-TV
Der große Sieger 2019: Jürgen Klopp und der FC Liverpool gewannen die Champions League. Das Finale kam aber nicht im frei empfangbaren Fernsehen Foto: Imago / David Blunsden
Der große Sieger 2019: Jürgen Klopp und der FC Liverpool gewannen die Champions League. Das Finale kam aber nicht im frei empfangbaren Fernsehen Foto: Imago / David Blunsden
Champions League 2021: Der Rechtekampf beginnt
Der Albtraum eines jeden Fußball-Fans: Du freust sich auf ein wichtiges Spiel, setzt dich zu Hause aufs Sofa, machst den Fernseher an, um dann festzustellen: Das Spiel kommt ja gar nicht im Fernsehen, zumindest nicht in deinem.
Was vor 20 Jahren undenkbar schien, passiert inzwischen jede Woche irgendwo in Deutschland. Die Übertragungsrechte an Bundesliga und europäischen Wettbewerben sind so kompliziert geregelt wie Steuergesetze, niemand blickt mehr durch. Vor jedem Spieltag ist eine größere Recherche nötig: Was läuft eigentlich wann in welcher Form wo? Und wird es ruckeln?
Bald kommt es noch schlimmer.
Wie die Süddeutsche berichtet, sollen die Rechtepakete weiter aufgeteilt werden, diesmal ist die Champions League dran. Gestern endete die Bewerbungsfrist für die Rechte ab 2021, und wir reden diesmal von vier Rechtevarianten, auf die geboten werden kann, sogar das Finale soll jetzt einzeln vergeben werden.
Man stelle sich das mal vor: Ein Nutzer bezahlt sowieso schon rund 600 Euro für eine Saison Champions League bei Sky und DAZN, und dann kommt das Finale 2022 bei Amazon. Oder bis dahin vielleicht sogar bei Aldi-TV, weil die sich dann die Rechte geholt und einen Sender aufgebaut haben.
Diese Prämien die Klubs schon zum Saisonstart sicher Diese Prämien die Klubs schon zum Saisonstart sicher
Natürlich ist das der Lauf der Dinge. Die Klubs fordern immer mehr Geld, weil sie wissen, was ihre Ware wert ist. Der FC Bayern könnte diese Saison bis zu 100 Millionen Euro einnehmen, wenn der Sieger von 2013 alle möglichen 13 Spiele bestreitet und die Champions League gewinnt.
Das muss man sich mal durchrechnen: Bei 1200 Spielminuten wäre dann ein einziger Spielzug rund 80.000 Euro wert gewesen! Und eine 30-sekündige Auswechslung von Thomas Müller schlägt auch schon mit 40.000 Euro zu Buche, die der FC Bayern einstreicht.
Das ist nicht aufzuhalten, das sind die Regeln des freien Marktes. Was dazu aber nicht passt: Dass mit den steigenden Umsätzen die Servicequalität der Sender schlechter wird. Man stelle sich das mal beim Autokauf vor: Der neue Mercedes kostet 45.000 statt 40.000 Euro, hat dann aber keine Servolenkung mehr.
Aufs Fußballfernsehen übersetzt bedeutet das: Die Spiele ruckeln, manchmal fällt das Bild aus, die Sender zahlen Unsummen für die Rechte, schicken dann aber nicht mal Reporter ins Stadion. Und dann die Werbung, mit der die zahlenden Abonnenten zum Beispiel bei Sky gnadenlos eine ganze Saison lang bomardiert werden, und leider ist es meistens immer dieselbe.
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Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
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Hoeneß geht, Rattan bleibt
Von Alex Steudel
Als ich gestern gelesen habe, dass der neue Bayern-Präsident das Büro von Uli Hoeneß an der Säbener Straße bezogen hat, wurde mir ganz mulmig. Ich wusste endgültig: Jetzt ist es vorbei, die Ära Hoeneß ist tatsächlich zu Ende gegangen. Nicht mal sein altes Büro nutzt er noch, nicht mal seine ollen Rattan-Möbel hat der Jahrhundertmanager mit nach Hause genommen, die besetzt jetzt sein Nachfolger Herbert Hainer.
Irgendwo zwischen den Kissen muss noch ein Wurstzipfel liegen, der mir mal vom Teller gefallen ist, als ich bei Hoeneß im Zimmer saß, fiel mir dann ein. Seine Sekretärin Karin Potthoff hat ja früher gern was Zünftiges reingebacht, wenn Gäste da waren. Hoeneß kam immer als Bodenständiger rüber, Lederhose statt Laptop, Bratwurst statt Kaviar, also bevor die Sache mit den Aktien anfing und vieles in die Binsen ging.
Alles vorbei. Seit gestern. Irgendwie traurig.
FC Bayern: Hainer zieht bei Hoeneß ein
Ich musste dann komischweise an Michael Meier denken, der jahrelang der große Manager-Konkurrent von Uli Hoeneß war, ehe er ebenso zur tragischen Figur wurde. Diesen Meier hatte ich mal zu meiner Zeit bei Sport-Bild in seinem Büro in der BVB-Geschäftsstelle besucht, die am Rheinlanddamm liegt. Ich weiß das noch so genau, weil es mich sehr beeindruckte, als er mir euphorisch seinen Plan ausbreitete, mit Borussia Dortmund die Bayern ein für allemal ein- und zu überholen.
Meier sprach ganz sachlich über die Zukunft, über den Börsengang, es gab kein Rattan und keine Würste sondern Kaffee, wir schauten gemeinsam durch die Scheibe seines Büros aufs vor uns liegende Westfalenstadion, und ich dachte: Hm, dieser Mann hat wirklich Großes vor. Und während ich das dachte, litt der Klub schon an Atemstörungen und ging dann fast pleite.
Ich habe das Gefühl, dass sich vieles ändert im Fußball. Die alten Typen sterben alle aus, und die jungen Macher rücken nach.
Irgendwie traurig, aber auch ganz toll.
Alle mal herschauen!
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