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Bakery Jatta in die DFB-Auswahl? Die Idee ist brisant

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Am 13. Oktober wird Rafael van der Vaart im Hamburger Volksparkst
 

Fever Pit’ch

4. September · Ausgabe #225 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Am 13. Oktober wird Rafael van der Vaart im Hamburger Volksparkstadion sein Abschiedsspiel geben. Der Niederländer hat 109 Länderspiele für sein Land bestritten und 45 Bundesliga-Tore für den Hamburger SV geschossen. Ehemalige Weltstars werden zu Gast sein. Zum Beispiel Arjen Robben, Klaas Jan Huntelaar und Patrick Kluivert. Wer auf Einladung von Fever Pit'ch das Spiel live in Hamburg sehen (mit Begleitung!) und sogar Stars persönlich treffen will, kann sich mit einer einfachen Antwort für Gratis-Tickets bewerben: Wie viele Bundesliga-Spiele hat Rafael van der Vaart für den Hamburger SV absolviert? Teilnahme unter info@pitgottschalk.de.
Einen internationalen Mittwoch wünscht
Euer Pit Gottschalk

Bakery Jatta in die DFB-Auswahl? Die Idee ist brisant
Bakery Jatta wurde zur Kultfigur. Foto: Imago / EU
Stefan Kuntz möchte Jatta zur U21-Nationalmannschaft holen
Von Pit Gottschalk
Eines vorweg, damit kein Missverständnis aufkommt: Man kann nur froh sein, dass das peinliche Theater um Bakery Jatta endlich beendet ist, die Behörden alle Spekulationen um seine Identität gestoppt haben und die drei Zweitligisten endlich die Einsprüche gegen ihre HSV-Spiele zurückziehen mussten. Jatta ist Jatta - und längst ein Hamburger Jung. Gegen den rechten Hass etablierten HSV-Fans den Hashtag #einervonuns. Und das ist gut so!
Bei dieser Vorrede darf man hoffentlich mit derselben Bestimmtheit sagen, dass der jüngste Plan des Junioren-Bundestrainers Stefan Kuntz von höchster Brisanz ist. Er will, so ließ er gestern wissen, Jatta in die deutsche U21-Nationalmannschaft locken und berufen. Wörtlich sagte Kuntz: “Ich würde gerne versuchen, Bakery bei der Einbürgerung zu helfen, weil ich ihn gerne von der U21 überzeugen möchte.”
Mit Verlaub, er tut Jatta keinen Gefallen. Der Sinn einer Nationalelf besteht darin, dass sich Sportler aus verschiedenen Nationen miteinander messen. Der Wettbewerb untereinander führt zu Hochphasen und Enttäuschungen. Der Erfolgswillen treibt die Sportart voran. Verständigung predigt, wenn alles gut läuft, Fairness und Verständnis. Das Nationalteam hat, nicht nur beim Fußball, etwas mit der Herkunft des Sportlers zu tun.
Bakery Jatta feiert sein Tor mit HSV-Trainer Dieter Hecking. Foto: Imago / Hübner
Nun soll Bakery Jatta für Deutschland stürmen
Bakery Jatta ist kein Deutscher. Er stammt aus Gambia, Westafrika, und ist als Flüchtling herzlich willkommen in Deutschland. Die Leute lieben ihn und seine unkonventionelle Spielweise, natürlich die Lebensgeschichte, die hinter ihm liegt, und seit dem Stress um seine Identität noch viel mehr. Aber nochmals: Er ist kein Deutscher. Womöglich täte er der U21-Nationalmannschaft sportlich sogar gut. Doch darum geht es wirklich nicht.
Mit seinem Vorschlag füttert Kuntz nur jene, die - berechtigt oder nicht - Identität im eigenen Land suchen, mit Argumenten. Er höhlt auch das Grundprinzip der Nationalelf aus. Die Ländervertretung ist eben kein Klub, der sich die besten Spieler aus aller Welt zulegt. Natürlich gibt es Tausende von Ausnahmen, warum nicht allein der Geburtsort über die Zugehörigkeit zur DFB-Auswahl entscheidet. Aber es sind genau das: Ausnahmen.
Wenn ein Kind im Baby-Alter mit seinen Eltern nach Deutschland kommt, liegt der Fall halt anders, als wenn erwachsene Männer mit einem juristischen Ausfallschritt ihre Spielberechtigung für eine Nation erhalten. Katar macht das beim Handball so, um zur Welt-Elite zu gehören. Die Chinesen heuern inzwischen Brasilianer an, um beim Fußball mithalten zu können. Das deutsche Tischtennis erliegt derselben Versuchung seit Jahren.
In seiner Not probierte der deutsche Fußball vor zwei Jahrzehnten diesen Weg. Dem KSC-Stürmer Sean Dundee redete man ein Südafrika-Länderspiel aus, damit er später für Deutschland hätte spielen können. Der Brasilianer Paulo Rink, einst bei Leverkusen, konnte immerhin auf einen Urgroßvater verweisen, der deutsche Wurzeln hatte, bevor er das DFB-Trikot trug. In diesen und anderen Fällen wurde man ein merkwürdiges Gefühl nicht los.
Welche Bedingungen für die Einbürgerung erfüllt sein müssen Welche Bedingungen für die Einbürgerung erfüllt sein müssen
Einerseits will man ja nicht, dass Integration an der Tür zur deutschen Nationalmannschaft endet. Wer eingebürgert ist, ist Deutscher und darf Deutschland vertreten, Punkt - so kann man argumentieren, ohne Frage. Andererseits will man keine Willkür bei der Berufung von Nationalspielern provozieren. Sonst hängt die Zusage irgendwann an Angebot und Nachfrage - und nicht an emotionaler Verbundenheit. Wo will man Grenzen ziehen?
Niemand will Bakery Jatta die Spielberechtigung im deutschen Profifußball oder sogar die Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland streitig machen. Ob die Einbürgerung die logische Folge ist, müssen Behörden prüfen; das ist Privatsache. Aber wenn die Nationalmannschaft ihren Sinn behalten will, verformt sie sich nicht von der Repräsentanz eines Landes zu einer reinen Interessengemeinschaft ambitionierter Fußballprofis und Auswahltrainer.
Der DFB liefe sonst Gefahr, dass die falschen Politiker Zulauf fänden. Wie heikel das Thema ist, erfuhr Mesut Özil 2018. Obwohl er in Gelsenkirchen geboren ist, also unzweifelhaft Deutscher ist, musste er, Weltmeister mit türkischen Wurzeln, Feindseliges ertragen. Ob Jatta sowas aushielte? Besser wäre, die U21 würde ein Länderspiel gegen ihn und Gambia bestreiten, aus Freundschaft und Überzeugung. Die Signalwirkung wäre großartig.
Hans Sarpei
Lieber @HSV, wie oft habt ihr es uns leicht gemacht, euch nicht zu mögen. Aber im Fall #Jatta habt ihr gezeigt, was Haltung, was Respekt, was Menschlichkeit ist. Ich verneige mich mit allerhöchstem Respekt vor Euch! @mopo @abendblatt @AndyGrote https://t.co/ld5TgTi5q6
6:42 PM - 2 Sep 2019
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Immer diese Holländer
Von Alex Steudel
“Sag’ mal, kicken wir jetzt eigentlich dauernd gegen Holland?”, hat mich kürzlich ein Freund gefragt, und das war womöglich als Scherz gemeint. Aber dann bin ich misstrauisch geworden und habe nachgeschaut und festgestellt: Wir kicken tatsächlich dauernd gegen Holland. Am Freitag in Hamburg steht das vierte Spiel gegen unsere Nachbarn an, und zwar innerhalb von nicht mal elf Monaten.
Erst war’s zweimal Nation League, jetzt zweimal EM-Quali, mehr muss über die ständigen Spielplanblähungen von Uefa und Fifa eigentlich nicht gesagt werden. Irgendwann hat so ein Verbandsgenie noch die grandiose Idee, mit der Paarung auf Tournee zu gehen, also Holland-Deutschland am 9.10. in Bremen, am 10.10. in Oldenburg, am 12.10. in Chemnitz, am 14.10. in Heidenheim und so weiter und so fort, und wenn‘s gut läuft, wird wegen des großen Erfolges verlängert.
Bald soll ja auch die Super League kommen, dafür sind 20 europäische Topklubs eingeplant, und spätestens da ist bei mir Feierabend. Meinetwegen können die sich dann einschließen und das ganze ausspielen und nachher Bescheid geben, wer gewonnen hat.
Auch die Weltmeisterschaft wird nämlich immer größer und größer, 2026 dürfen schon 48 (!) Nationen mitmachen. Ich gehe jede Wette ein, dass es spätestens 2034 so weit ist und die letzten 50 Nationalteams der Fifa-Weltrangliste vor dem Turnier die fünf Mannschaften ausspielen müssen, die NICHT bei der WM dabei sein dürfen.
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Ich finde diese Entwicklung ja so schade, vor allem die Klassiker verkommen damit zur Massenware. War denn früher das Aufregende an einem Spiel gegen Holland nicht, dass es das eben so selten gab? Ich erinnere mich eben deswegen heute noch genau, wo ich mich bei jedem einzelnen dieser Dramen gerade aufgehalten habe, und das macht das aus, was ich am Fußball liebe.
Als zum Beispiel 1990 die deutsche Mannschaft das WM-Achtelfinale gegen Holland 2:1 gewann, machte ich gerade Urlaub auf Thassos im Norden von Griechenland; der Campingplatzbesitzer hatte eine derart seltsame Antennenkonstruktion aufgebaut, dass man alle Viertelstunde 5 Minuten lang nur dichtes Schneetreiben statt WM-Spiel sah, die Spucke von Rijkaard verpasste ich deshalb, aber die Tore von Klinsmann und Brehme und den sagenhaften Übersteiger von Buchwald erlebte ich, und ich war so happy und weiß auch noch, dass meine Freunde und ich bei jeder deutschen Torchance aufsprangen und brüllten und dann jedes Mal von den hinter uns sitzenden Massen niederländischer Wohnwagenbesitzer zur Ordnung gerufen wurden, weil die ja nichts sahen, aber wir haben sie nur angejubelt.
Sowas vergisst du nie, und wenn es 100 Jahre her ist; aber über das 1:2 gegen Holland in der Nation League im letzten Oktober weiß ich schon jetzt nix mehr.
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