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Bayern 4:3! Heute wird der Triple-Sieger aufgerüstet

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Es ist nur ein paar Tage her, dass wir Liverpool für die erste Me
 

Fever Pit’ch

5. Oktober · Ausgabe #429 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Es ist nur ein paar Tage her, dass wir Liverpool für die erste Meisterschaft seit dreißig Jahren gefeiert haben. Gestern folgte das Debakel: Das Team von Trainer Jürgen Klopp verlor 2:7 gegen Aston Villa. Es war offenbar die höchste Niederlage seit 1963 (ebenfalls 2:7 gegen Tottenham Hotspur) und ein herber Rückschlag bei der Titelverteidigung in der Premier League.
Wir müssen uns wohl daran gewöhnen: In Corona-Zeiten sind Resultate möglich, die Pessimisten wie eine Wettbewerbsverzerrung vorkommen und Optimisten wie die Rückkehr zur Anarchie des Spiels, als noch jeder jeden schlagen konnte. In der Premier League führt wieder ein Klub aus Liverpool die Tabelle an - aber eben Everton und nicht der große Bruder.
In der Bundesliga musste Bayern München schon einen Viererpack von Robert Lewandowski auf dem Rasen feiern, um gestern beim 4:3 die lästigen Herthaner in der Nachspielzeit zu besiegen. Die Länderspielpause konserviert ein erfrischendes Tabellenbild: Bayern und BVB sind nun die Verfolger von RB Leipzig, FC Augsburg und Eintracht Frankfurt.
So soll die Bundesliga sein: Dass man es kaum noch abwarten kann, dass die Saison mit dem vierten Spieltag am 17./18. Oktober weitergeht. Oder etwas böse nachgefragt: Interessiert sich irgendwer dafür, dass Deutschland am Mittwoch ein Länderspiel gegen die Türkei bestreitet? Zumindest das ist längst belegt: Die Bundesliga ist das Lieblingskind der Fußballfans.
Einen jauchzenden Montag wünscht
Euer Pit Gottschalk

Bayern 4:3! Heute wird der Triple-Sieger aufgerüstet
Einer geht noch, einer geht noch rein - Robert Lewandowski feiert.
Einer geht noch, einer geht noch rein - Robert Lewandowski feiert.
Ein Spiel zum Raunen
Bis heute Abend haben die Klubs noch Zeit, ihren Kader für diese Saison zu verstärken, umzuschichten oder auszudünnen. Ausgerechnet die Bayern, Sieger in fünf Wettbewerben, sehen den größten Handlungsbedarf: Ihr Kader ist übersichtlich, auf der Ersatzbank womöglich zu jung, folglich den Belastungsgrenzen beim monatelangen Non-Stop-Fußball nicht gewachsen.
Man stelle sich das nur vor: Personalnot beim FC Bayern! Die Konkurrenz kennt das Gefühl seit Jahren. Man bekommt nicht die Spieler, die der Trainer will, und wenn doch, dann nicht zum gewünschten Preis. Der Unterschied: Bayern kehrt von den Einkaufstouren niemals mit leeren Taschen zurück und präsentiert trotzdem Verstärkungen. Bis 18 Uhr haben sie heute Luft.
"Das geht die ganze Mannschaft an" "Das geht die ganze Mannschaft an"
Sobald auch dieses Transferfenster schließt, beginnt das eigentliche Gefecht: das Gerangel um die TV-Millionen. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat bei der Verteilung der Fernsehgelder immer einen mehrheitsfähigen Kompromiss zwischen Leistungsprinzip (“der Beste bekommt das meiste Geld”) und Solidarität (“leben und leben lassen”) angestrebt.
Nun ist Fairness ein dehnbarer Begriff. Ist es fair, wenn die Bayern das größte Stück vom Bundesliga-Kuchen bekommen, obwohl ihnen die Champions League eh den fettesten Millionenzuschuss zahlt? Oder ist es fairer, dass Klubs, die nachweislich kein Händchen für Spielertransfers gezeigt haben, noch mehr Geld verpulvern dürfen?
Bayern shoppt noch Spieler Bayern shoppt noch Spieler
Beim Sport1-Doppelpass machte Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß kürzlich seine Rechnung auf: Wem wäre geholfen, wenn sein Verein 50 Mio. Euro an die Konkurrenz abgäbe und jeder einzelne Bundesliga-Klub danach drei Milliönchen mehr auf dem Konto hätte? Hoeneß nahm die Antwort vorweg: Niemandem! Wenn er sich da mal nicht täuscht.
Dem SC Freiburg oder Werder Bremen täten drei Millionen Euro extra ganz gut: Sie müssten nicht ständig aufstrebende Spieler abgeben. Womöglich würde Torwart Sven Ulreich jetzt beim FC Schalke spielen (und nicht beim HSV), wenn Sportvorstand Jochen Schneider drei Millionen Euro mehr hätte. Aber Hoeneß hat schon recht: Vielleicht wären die drei Mios auch wertlos.
Ein Söldner soll zurück Ein Söldner soll zurück
Indes: Mit dieser Hoeneß-Argumentation müsste die Bundesliga radikaler an die Sache herangehen. Warum die Ausschüttung der TV-Gelder nicht umgekehrt vornehmen? Die Kellerkinder bekommen nach Saisonende das meiste Geld, damit sie den Rückstand aufholen können, und die Klubs ganz oben stagnieren - sie kommen ja in den Genuss der Europapokal-Gelder.
Natürlich, der Vorschlag ist nicht mehrheitsfähig. Am Ende wird es einen sehr komplizierten Verteilungsschlüssel für die Jahre 2021 bis 2025 geben, der große wie kleine Klubs befriedigt. Die berühmte Schere zwischen Arm und Reich wird sich nicht schließen. Muss sie vielleicht auch nicht. Bayern München soll ja weiter Superstars präsentieren können.
Die große Show des Robert Lewandowski Die große Show des Robert Lewandowski
Heute im Fernsehen
Über Lieblingsspieler und Lieblingsleser
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Von Alex Steudel
Ich habe in meiner letzten Kolumne geschrieben, dass mich das Thema “Lieblingsspieler” neuerdings sehr bewegt. Mit wahnsinnig viel Feedback habe ich aber - ehrlich gesagt - nicht gerechnet, als ich am Ende des Textes aufrief, mir per Mail den Namen eures Lieblingsspielers zu nennen.
Kurz nachdem ich Freitagfrüh aufgewacht war, wusste ich es besser. Es war nicht mal 7 Uhr, da hatte ich mich schon im ersten Dutzend Antworten festgelesen, und so ging es den ganzen Tag weiter.
Um es kurz machen: Alle Einsendungen waren großartig. Toll. Spannend. Und vor allem waren sie sehr oft: überraschend.
Was in der ersten Mail (von Andreas Rolfes, 6.23 Uhr) stand, sollte sich nämlich wie ein roter Faden durch den ganzen Tag ziehen.
“Ebbe Sand.”
Ich dachte: Ebbe Sand? Wieso denn Ebbe Sand? Das geht ja gut los. Aber der Ex-Schalker wurde dann zu einer Art Symbolfigur meines Wochenendes. Was mich nämlich am meisten erstaunt hat: Fußballfans haben offenbar ein Faible für Emotion und kleine Schwächen. Unter den insgesamt 57 Lieblingsspielernamen, die verschieden oft genannt wurden, waren nur wenige echte weltfußballerartige Superstars: Lionel Messi erhielt gerade mal zwei Stimmen, also so viel wie Willi “Ente” Lippens von Rot-Weiss Essen. Cristiano Ronaldo bekam nur eine.
Ich muss gestehen: Ich bin ein bisschen gerührt. Titel-Ausbeute interessiert Fever-Pit'ch-Abonnenten allenfalls am Rande (sonst wären weniger Schalker oder Bielefelder Spieler genannt worden), eher bestimmten Faktoren wie Kämpferherz, Sympathie oder persönliche Erlebnisse der Leser die Stimmabgabe .
Julian Schwarzhoff aus Köln erklärte zum Beispiel, sein Liebling sei
“… ganz klar Gerald Asamoah. Weil sich kein anderer so herrlich mit riesigen Kreuz und ganzer Kraft in die Offensiv-Zweikämpfe geschmissen hat. Es war mir stets eine Wonne. Genauso so riesig wie sein Kreuz: sein ansteckendes Lächeln und seine Liebe zum Spiel. Bis ins allerhöchste Alter wollte er wissen, was er noch reißen kann, daher ja St. Pauli (als Derbyheld!), Fürth oder Schalke II. Und Asas Abschiedsspiel war das eine von zwei Erlebnissen, bei dem ich im Stadion Rotz & Wasser geheult habe. Das andere Erlebnis ist an dieser Stelle nicht so wichtig… ;)”
Asamoah gewann übrigens in seiner 19jährigen Profikarriere nur zwei Titel: jeweils den DFB-Pokal. Der würde bei Messi im Souterrain stehen, gleich neben den alten Marmeladengläsern.
Fever-Pit'ch-Leser Wolfram Pfeffer entschied sich für Lippens – wegen dessen Ballfertigkeit. Und mit einer weiteren, unwiderlegbaren Begründung:
“Auch privat war er super. Bei uns umme Ecke hatte er seinen Gemüseladen, wo ich öfters war. Die Ente hatte immer einen Spruch auf Lager. Trotzdem bin ich ein königsblauer Fan geworden. Glückauf Wolfram.”
Klaus Gurniak schrieb mir eine lange Begründung für seinen Top-Liebling Günter Netzer – darunter der Fakt, dass der Ex-Gladbacher sich
“… bei einem kurzen Gespräch 2007 noch an den Termin meines ersten ‘bewussten’ Spiels gegen Arminia Bielefeld (Februar 1971, 0:2) erinnern konnte, was ich bemerkenswert finde, denn es war ja nur ein normales Bundesligaspiel, auch wenn der Ablauf etwas seltsam vonstatten ging.”
Wolfgang Heuser nannte seinen Vornamens-Vetter Overath, weil der
“… mir als junger Spund alle meine Bilder, das waren mindestens 30, unterschrieben und zurückgeschickt hat. Diese Menschlichkeit zeichnet ihn noch heute aus.”
Renate Schiel wiederum bewundert den Ex-Bremer Bayern Claudio Pizarro unter anderem dafür, dass er
“… bei Fans nicht nur Autogramme ablieferte, sondern auch ins Gespräch kam, keine Marotten zeigte (es sei denn, die Presse suchte Futter), Familienmensch, bodenständig, immer am Lachen, sehr männlich und irgendwie sexy ist – ein menschelnder Mann eben, von dem sich auch noch eine fast 70-Jährige faszinieren lässt.”
Als ich das las, war ich baff. Andere Namen und Begründungen machten mich nachdenklich oder sentimental:
“Johan Cruyff, weil er Spanien von Franco befreit hat.”
“Helmut Rahn, weil er mit seinem Tor Deutschland Hoffnung in einer schweren Zeit gegeben hat, und ein sehr bescheidener und ehrlicher Mensch ist.”
“Bernd Franke. Als Knirps hatte ich vor allem seinen Abwurf bewundert. Bis zur Mittellinie zentimetergenau in den Lauf des Mitspielers.”
Und manche Mails fand ich einfach nur schön. Wie die von Thomas Schunter:
“Klaus Augenthaler. Der hat mich und meinen Kumpel vor vielen Jahren nach einem Training an der Säbener Straße mit dem Auto nach Hause mitgenommen. Ich wohnte damals nur 500 Meter entfernt von ihm. Ich habe mich beim Autogramm schreiben getraut (10 Jahre alt), ihn zu fragen, ob er uns mitnimmt. Erst hat er es nicht geglaubt, dass ich dort wohne, fuhr nach dem Training aber mit dem Auto zu mir, da ich noch an dem Trainingsplatz ausgeharrt hatte (ja, das gab es damals auch noch) und fragte: Stimmt das wirklich? Die Fahrt war dann wirklich lustig. Augenthaler galt ja damals eher als mundfaul, hat uns aber gut unterhalten. Die Augen des jungen Fans leuchteten… So, lange Erklärung, aber jetzt kennen Sie meinen Lieblingsspieler.”
Ich könnte stundenlang weiter zitieren vor Glück. Ich bekam Namen zugeschickt, mit denen ich niemals gerechnet hatte.
Benno Möhlmann!
“Hat sich nämlich mal von mir beim Barfuss-Fussball am Strand tunneln lassen.”
Oder Mario Gomez.
“Auch wegen seiner aufsehenerregenden Aussetzer vor dem Tor weiterhin eine coole Socke. Auch außerhalb des Spielfelds – Lieblingsspieler.”
Marco Bode.
“Für mich bis heute einer der fairsten Spieler in der Bundesligahistorie und einfach ein lässiger Typ.”
Oder Bernd Hollerbach, Yves Eigenrauch, Sokratis (genau der, nicht Sokrates, der aber auch zweimal genannt wurde), Uwe Bein, Dieter Müller.
Artur Wichniarek! Raul Bobadilla! Alan Simonsen!
Und natürlich Fußball-Gott Jürgen Kohler:
“Ich war beim Abschiedsspiel mit meinem Sohn im WS, und wir haben Rotz und Wasser geheult”
schrieb Christian Otte
Ich betrachte es auch gar nicht als Affront, dass am Ende ausgerechnet ein Spieler des Hamburger SV alleine an der Spitze des Feldes steht: Uwe Seeler, Uns Uwe, bekam vier Stimmen und damit doppelt so viele wie Messi, Zlatan Ibrahimovic, Sokrates, Pizarro oder Overath.
Ja, das war schön. Vor Begeisterung möchte ich mit einer weiteren HSV-Legende schließen – Horst Hrubesch:
“Ich sage nur ein Wort: Vielen Dank.”
PS: Die ersten drei Mails bekam ich von Andreas Rolfes aus Freiburg (6.23 Uhr), Sebastian Steingräber aus Frankfurt und Else-Marie Keller aus Erlangen (beide 6.26 Uhr). Sie kriegen deshalb wie versprochen das neue Arnd-Zeigler-Buch “Traumfußball”. Es wird noch heute abgeschickt.
Herzlichen Glückwunsch, Ihr Lieblingsleser!
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