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Bayern braucht den Anti-Hoeneß - als Friedensstifter

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Das haben die Bayern nun davon. Während der Rekordmeister seine e
 

Fever Pit’ch

25. Juli · Ausgabe #193 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Das haben die Bayern nun davon. Während der Rekordmeister seine eigene Führungsspitze ordnet, besetzt Schalke 04 den Vorsitz im Aufsichtsrat der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Allein Finanzchef Peter Peters steht am 21. August zur Wahl. Das ist bedauerlich.
Vielleicht hätte es der Bundesliga gutgetan, wenn der Branchenprimus FC Bayern sein Wissen prominenter vertreten ließe und nicht nur beiläufige Posten besetzen würde. Der brave Jan-Christian Dressen, beim FC Bayern zuständig für Finanzen und Controlling, gilt nicht als innovativste Kraft.
Aber braucht die Liga nicht genau das: frische Ideen? Peter Peters, wohnhaft in Dortmund, versteht den Brückenbau auf Schalke wie in der Liga. Seine Detailkenntnisse werden geschätzt. Einer sagte mal: “Vermutlich ist er der einzige, der alle Sitzungsunterlagen gelesen hat, wenn die Sitzung beginnt.”
Doch Visionen jenseits administrativer Notwendigkeiten sind von ihm nicht bekannt. Er ist ein Mehrheitsbeschaffer. Das ist zwar in einer heterogenen Bundesliga eine Menge. Aber doch wenig, wenn die Bundesliga ein mächtiges und ordnendes Wort zu Zukunftsfragen verlangt.
Einen verrückten Donnerstag wünscht
Euer Pit Gottschalk

Bayern braucht diesen Anti-Hoeneß - als Friedensstifter
Der frühere Adidas-Chef Herbert Hainer. Foto: Imago Images / Defodi
Absage an den DFB: Herbert Hainers Herz ist Bayern-Rot
14 Stunden brauchte Uli Hoeneß, um die Bild-Meldung vom bevorstehenden Rücktritt zu kommentieren: “Am 29. August werde ich dem Aufsichtsrat meine Entscheidung mitteilen, vorher gibt es von mir keine offizielle Erklärung”, sagte er dem Kicker. Das ausbleibende Dementi wird als Bestätigung gewertet: Der Mann, der den FC Bayern zur Weltmarke aufbaute, tritt als Präsident und Vorsitzender des Aufsichtsrats zurück. 
Die Lücke soll rasch geschlossen werden. Herbert Hainer, 15 Jahre lang Adidas-Chef und Mitglied im Aufsichtsrat, ist als Nachfolger auserkoren. Ein Generationswechsel wäre das nicht: Der 65-jährige Hainer ist nur zwei Jahre jünger als Uli Hoeneß. Seine Herausforderung wird gleichwohl komplizierter: Als Anti-Hoeneß soll er die zerrüttete Führungsspitze beim FC Bayern vor der Zerreißprobe bewahren. Hainers Fähigkeiten sind gefragter denn je.
Hainer bringt alles mit, was Hoeneß nicht hat: Wegbegleiter beschreiben ihn als “entspannt, aber zielführend”, immer sachbezogen und nie aufbrausend. Er sagte sofort zu, als ihn DFB-Direktor Oliver Bierhoff in eine Task Force zur Nationalelf berief. Aber öffentlich darüber reden - wollte Hainer nie. Zurückhaltung und Bodenständigkeit verschafften ihm Popularität. Beim DFB wollten sie ihn zum Präsidenten machen. Verrückt ist Hainer nicht.
Die schwersten Stunden verbinden Die schwersten Stunden verbinden
Der Anti-Hoeneß weiß: Im Verband kann er beim Konflikt zwischen Profifußball und Amateurwesen nur verlieren. Beim FC Bayern ist das anders. Hier arbeiten Profis. Und im Vergleich zum Milliardenunternehmen Adidas ist der Rekordmeister mit seinen 650 Mio. Euro Umsatz ein überschaubares Projekt. Das bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass seine Aufgabe als Friedensstifter einfach wird.
Allein das Chaos, das die Meldung vom Hoeneß-Rücktritt beim FC Bayern auslöste, entlarvt die Lage in der Vereinsführung: Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge erfuhr von Reportern auf der PR-Tournee in den USA, was zu Hause los war, und konnte seinen Kommunikationschef Stefan Mennerich nur Belangloses mitteilen lassen; er musste auf Zeit spielen. Die linke Hand wusste nicht, was die rechte tut. Nicht das erste Mal.
Rummenigge wollte Thomas Tuchel als Trainer - Hoeneß aber nicht. Hoeneß wollte Max Eberl als Sportchef - Rummenigge aber nicht. Rummenigge wollte Philipp Lahm im Vorstand - Hoeneß aber nicht. So ging das seit Jahren, der Erfolg verdeckte alles, aber es war kein Ende in Sicht. Als klar war, dass Rummenigge übernächstes Jahr aufhört und durch Oliver Kahn ersetzt wird, schien ein Burgfrieden hergestellt. Doch auch das: eine Täuschung.
Karl-Heinz Rummenigge spricht von „exklusiver Angelegenheit“ Karl-Heinz Rummenigge spricht von „exklusiver Angelegenheit“
Schon Mitte März 2014 durfte Hainer den Ernstfall proben. Uli Hoeneß, schon damals Präsident und Chef im Aufsichtsrat, musste seine jahrelange Gefängnisstrafe wegen Steuerhinterziehung antreten. Also übernahm Hainer übergangsweise den Vorsitz, bevor die Nachfolge geregelt war, und erweckte in den sechs Monaten nicht eine Sekunde lang den Eindruck, dass er gegen die Interessen des allmächtigen Klubpatrons handeln würde.
Von seinem Erscheinungsbild sollte man sich nicht täuschen lassen. Herbert Hainer wird schnell unterschätzt, weil er nicht wie jemand aussieht, der ein Unternehmen mit heute 56 Milliarden Euro Marktwert geleitet hat. Studentenbrille, Zehn-Euro-Haarschnitt und ein lockerer Kleidungsstil: So sehen ihn Sportschau-Zuschauer oftmals neben Uli Hoeneß auf der Ehrentribüne der Allianz-Arena sitzen. 
Uli Hoeneß: Schlaglichter einer Karriere Uli Hoeneß: Schlaglichter einer Karriere
Man sieht ihn sogar auffallend oft vertraut mit Hoeneß: auf der Tribüne, bei Veranstaltungen, vor wichtigen Sitzungen, zuletzt im Herbst auf einer Parkbank bei einem gemeinsamen Interview für die FAZ am Sonntag. Hainer im schwarzen Polohemd, mit Jeans und weißen Sportschuhe, Hoeneß im weißen Hemd zu dunklen Sneakern - alles betont locker. “Ein Freund, mit dem man weinen kann, ist ein Geschenk”, hieß die Überschrift. 
Im Nachhinein wirkt das Interview wie eine versteckte Botschaft, dass Hainer der Auserkorene sein soll. Frühzeitig hatte Hoeneß angekündigt, in diesem Sommer eine Entscheidung über seine Zukunft beim FC Bayern treffen zu wollen. Als er die Möglichkeit eines Rücktritts im Februar wiederholte, wertete man den Satz als Koketterie. FC Bayern ohne Hoeneß: Das schien einfach undenkbar.
Wenn Herbert Hainer am Ende des Jahres also wie erwartet das Hoeneß-Erbe antritt und beide Posten auf sich vereinigt, darf man auf der Geschäftsstelle an der Säbener Straße in München sicher sein: Eine Revolution steht dem FC Bayern nicht bevor. Eher darf man davon ausgehen, dass Hoeneß zwar Ämter abgibt - aber nicht seine Macht. Hainer wird ganz in seinem Sinne handeln.
Hier die sechs besten Analysen zum Hoeneß-Rücktritt
Eine schmerzhafte und zähe Zäsur Eine schmerzhafte und zähe Zäsur
Das Leck von München
Hoeneß tut Bayern einen Gefallen
Schrecklich unterhaltsam
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Und nebenbei ein Rekordtransfer?
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Peter Peters vom FC Schalke 04 kandidiert bei der Generalversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) am 21. August in Berlin für den Posten des stellvertretenden Präsidiumssprechers. Das gab die DFL bekannt. Sollte Peters gewählt werden, wäre er qua Satzung auch Aufsichtsratsvorsitzender der DFL GmbH. Sprecher des DFL-Präsidiums und Geschäftsführer der GmbH wird der jetzige DFL-Geschäftsführer Christian Seifert.
Die Besetzung der diversen DFL-Gremien folgt laut DFL “der Weiterentwicklung der Satzungsregelungen und Strukturen, welche die DFL-Mitgliederversammlung im Juni 2019 beschlossen hat”. Das Amt des Präsidenten als oberster Repräsentant der DFL, das derzeit noch von Reinhard Rauball bekleidet wird, ist künftig nicht mehr vorgesehen.
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10:38 AM - 24 Jul 2019
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