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Beim Berlin-Derby: 3 Punkte sprechen für Hertha BSC

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Niemand weiß, wer bei Twitter hinter dem Namen "gay_Bundesligaspi
 

Fever Pit’ch

2. November · Ausgabe #274 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Niemand weiß, wer bei Twitter hinter dem Namen “gay_Bundesligaspieler” steckt. Was dort geschrieben steht, entbehrt nicht einer gewissen Brisanz: “Ich bin ein schwuler Spieler der 2. Bundesliga. Ich möchte mich baldmöglichst outen, um das Versteckspiel zu beenden.”
Noch nie hat ein aktiver Bundesliga-Spieler öffentlich zugegeben, dass er schwul ist. Thomas Hitzlsperger bekannte seine Homosexualität 2014 erst, nachdem er mit Fußballspielen aufgehört hatte. Man kann nur spekulieren, wie ausgeprägt die Homophobie im deutschen Profifußball wirklich ist.
Nach wenigen Tagen folgten 14.400 Follower dem Twitter-Account. Und das, obwohl man allenfalls ahnen kann, ob es sich um einen Hilferuf oder Witz, ein Coming-Out oder einen Wichtigtuer handelt. Der Lesben- und Schwulen Verband in Deutschland (LSVD) verfolgt das Geschehen sehr aufmerksam.
Als Sportjournalist tut man sich mit der Einordnung dieses Themas schwer, weil man einerseits die Sprücheklopfer in der Testosteron-Welt kennt und man andererseits die sexuelle Orientierung für belanglos hält, wenn es um sportliche Leistung geht. Betroffene Spieler denken offenbar anders darüber.
Was mir nach einem Interview mit dem zuständigen LSVD-Vorstand Christian Rudolph zu diesem Tabuthema klar wurde: Die unterdrückte Angst, entdeckt zu werden, kostet Kraft und führt nicht selten dazu, dass Talente ihren Weg im Profifußball erst gar nicht weiter verfolgen wollen.
Nicht nur in solchen Momenten merkt man leider zu deutlich, dass der Weg zu einem Sport ohne Diskriminierung ein endlos langer ist und Menschen braucht, die den Mut zeigen, ein Thema zu enttabuisieren. Vielleicht ist dieser “gay_Bundesligaspieler” ein solcher Mensch. Ich weiß es nicht.
Einen vorurteilsfreien Samstag wünscht
Euer Pit Gottschalk

Beim Berlin-Derby: 3 Punkte sprechen für Hertha BSC
1. FC Union Berlin gegen Hertha BSC – der große Teamcheck 1. FC Union Berlin gegen Hertha BSC – der große Teamcheck
Erfahrung
Das Bundesliga-Gründungsmitglied Hertha BSC ist eine etablierte Größe im Oberhaus, auch wenn der Verein in den vergangenen Jahren nur selten über das Mittelmaß hinauskam. Seit der Wiedervereinigung kommt Hertha auf über 20 Spielzeiten in der Bundesliga, Union feiert 2019/20 seine Premiere. Auch die Spieler der Hertha haben deutlich mehr Bundesliga-Spiele auf dem Buckel, die Zielsetzung ist eine gänzlich andere. Hertha will nach oben, Union zunächst nur die Klasse halten. Fazit: Vorteil Hertha.
Finanzen
Hertha BSC hat mit dem Einstieg von Investor Lars Windhorst einen Weg eingeschlagen, der bei Union wohl nur gegen massive Widerstände der Fans durchzusetzen wäre. 125 Mio. Euro pumpte Windhorst für 37,5 Prozent der Anteile in den Klub. Eine weitere Tranche in Höhe von 100 Millionen - sein Anteil würde auf 49,9 Prozent wachsen - soll folgen und vornehmlich in den Kader gesteckt werden. Die finanzielle Lücke ist annähernd nur zu schließen, wenn Union langfristig in der Bundesliga spielt. Fazit: Vorteil Hertha.
Mannschaft
Das monetären Kräfteverhältnis schlägt sich auch im Kader nieder. Herthas Etat ist fast doppelt so hoch wie der des Köpenicker Rivalen, der Marktwert von Herthas kickendem Personal (222,7 Mio. Euro) stellt Unions (36,0 Mio. Euro) klar in den Schatten. Hertha stieß im Sommer mit der Verpflichtung von Offensivspieler Dodi Lukebakio (Ablöse: 20 Mio. Euro) in neue Dimensionen vor. Auch Union rüstete im Sommer für das Abenteuer Bundesliga kräftig auf, griff dabei aber mindestens eine Regalhöhe tiefer zu. Fazit: Vorteil Hertha.
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Trainer
Mit der Verpflichtung von Urs Fischer ist Union ein Glücksgriff gelungen, der 53-Jährige schaffte prompt den ersehnten Aufstieg. Der stoische Schweizer und der sein bodenständiges Image pflegende Ostberliner Klub - das passt. Bei Hertha übernahm in Ante Covic wieder ein Trainer mit Stallgeruch die Mannschaft. Im Vergleich zu Fischer ist Covic unerfahren. Hertha BSC ist die erste Profistation des 44-Jährigen, vieles im Bundesliga-Alltag ist für ihn noch neu. Fazit: Vorteil Union.
Erfolge
Eine prall gefüllte Vitrine sucht man bei beiden Klubs vergeblich. Immerhin zweimal wurde Hertha BSC deutscher Meister (1930, 1931), musste sich seither aber mit drei Zweitliga-Meisterschaften und zwei Erfolgen im Ligapokal begnügen. Und Union? Der Gewinn des FDGB-Pokals 1968 - zwei Jahre nach der Neugründung - war eine kleine Sensation. Drei nationale Titel sind dennoch mau - die Ausbeute der beiden Berliner Vereine ist ausbaufähig. Fazit: Unentschieden.
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Stadion
Eng, immer voll und unglaublich laut. Die Alte Försterei bietet Union all das, was Hertha im Olympiastadion so schmerzlich vermisst. Heimspiele in Köpenick sind Fußball-Events, die ohne viel Show auskommen und die Herzen von Traditionalisten höher schlagen lassen. Für die Mannschaft ist die tolle Stimmung ein echter Faustpfand im Kampf um den Klassenerhalt. Hertha BSC hat aufgrund der höheren Kapazitäten den größeren Zuschauerdurchschnitt. Ist das Olympiastadion aber (wie meist) nicht ausverkauft, geht viel Atmosphäre verloren. Hertha forciert deshalb den Neubau einer reinen Fußball-Arena. Fazit: Vorteil Union.
Hymne
Grundverschieden und doch auf ihre Art authentisch: Wenn bei Hertha und Union vor dem Anpfiff die Vereinslieder erklingen, röhren zwei Berliner Originale aus den Lautsprechern. Bei Frank Zanders “Nur nach Hause” wird es zur Melodie des Welthits “Sailing” leicht melancholisch, etwas rockiger geht es im Osten zu. Der besondere Charakter von “Eisern Union” liegt auch an Nina Hagens markant rauchiger Stimme. Den Favoriten bestimmt der persönliche Musikgeschmack - und für welchen Verein das Herz schlägt. Fazit: Unentschieden.
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