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Beschlossen: Jeder fünfte Fan darf zurück ins Stadion

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! In der RKI-Statistik dürfen wir täglich die Bestätigung lesen, da
 

Fever Pit’ch

16. September · Ausgabe #416 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
In der RKI-Statistik dürfen wir täglich die Bestätigung lesen, dass Deutschland die Coronakrise noch am besten meistert. 10.000 Tote durch Corona sind schlimm - aber andere Länder beklagen ein Vielfaches an Opfern. Wir sollten uns selbst wertschätzen und die Rückkehr der Fans in die Fußballstadien als das sehen, was es ist: ein Geschenk, das wir uns selbst erarbeitet haben. Und keine Selbstverständlichkeit.
Einen zurückhaltenden Mittwoch wünscht
Euer Pit Gottschalk

Beschlossen: Jeder fünfte Fan darf zurück ins Stadion
Ein paar Zuschauer waren schon da
Ein paar Zuschauer waren schon da
"Das soll jetzt erst einmal eine Art Experiment werden"
Von Pit Gottschalk
Es ist ein guter Kompromiss, den die Politik für die Bundesliga gefunden hat. Wenn jeder fünfte Sitzplatz im Stadion wieder besetzt werden darf, ist das Signal deutlich genug, dass in der Coronakrise eine Wende eingetreten ist. Gleichzeitig reicht ein Blick auf die vielen Sitzplätze, die leer bleiben, um ebenfalls festzustellen: Von der Normalität sind wir in Deutschland noch immer meilenweit entfernt.
Für ein stures Festhalten an dem, was Virologen und Berufspessimisten aus Angst vor einer zweiten Welle vorschlagen, nämlich an Geisterspielen ohne Ausnahmen, fehlt die notwendige Zustimmung. Wenn bei Erstliga-Spielen in Sachsen 8500 Zuschauer zugelassen sind, kann man die Zuschauerzahl in Bayern kaum auf Null halten. Nirgendwo Zuschauer zu erlauben, ist schwer vermittelbar. Dafür ist die Zahl der Neuinfektionen im Osten zu niedrig.
Nicht jeder Zuschauer ist gleich
"Es wird großartig sein"
Darum tut der Profifußball jetzt, was er schon im Frühsommer erfolgreich getan hat: Er tastet sich schrittweise an die alte Realität heran und schaut, was möglich ist. Natürlich birgt das Vorgehen die Gefahr, dass ein Superspreader die scheinbar heile Welt in den Stadien zum Einsturz bringt. Aber eben auch das Gegenteil: die Chance, dass man mit 20 Prozent Stadionauslastung die Disziplin und die Geduld testet, irgendwann auf 40 Prozent hochzufahren.
Die Fußball-Bundesliga wird sich das Experiment leisten können. Bei den Sportarten, die abhängiger von ihren Stadioneinnahmen sind (Eishockey, Handball und Eishockey zum Beispiel), ist die Situation heikler. 20 Prozent Stadionauslastung wird womöglich nicht reichen, um den Spielbetrieb finanzieren zu können. Hier wären Überlegungen für eine Querfinanzierung durch den Fußball angebracht. Ist der Gedanke zu gewagt?
Auch Länderspiele mit Publikum!
Wie kann die Fan-Rückkehr funktionieren?
Es ist nicht damit getan, die Rückkehr der Fans in die Stadien als eine Art Stabilisierung des bekannten Geschäftsmodells anzusehen. Aus gutem Grund (Vorsicht vor Tempo) wollten Kanzlerin und Ministerpräsidenten bis Ende Oktober warten, ob sie Zuschauer zulassen können. Dass die Erlaubnis sechs Wochen früher als erwartet kam, ist ein Geschenk. Und zugleich eine Verpflichtung, nicht in die alten Egoismen zu verfallen.
Wer in der Coronakrise Gehaltserhöhungen in Millionenhöhe erwägt und für ein bisschen mehr Zuschauerzuspruch Verständnis in der Gesellschaft erwartet, darf seine Solidarität auf darbende Sportarten gerne ausweiten. Das Signal an die Gesellschaft könnte nicht besser scheinen: Profifußball ist viel, aber eben nicht alles. Fatal wäre es, wenn man den Eindruck gewinnen würde: Bei den 20 Prozent Stadionauslastung ginge es allein um Geld.
Heute im Fernsehen
Pokal-Eklat: Toni Leistner telefonierte mit Dynamo-Fan Pokal-Eklat: Toni Leistner telefonierte mit Dynamo-Fan
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Alles richtig gemacht, HSV!
Von Alex Steudel
Pokal-Aus hin, Tribünenschlägerei her – man muss auch mal das Positive sehen: Die HSV-Bosse haben alles richtig gemacht. Am Freitag präsentierte der Klub seinen neuen Hauptsponsor: “Orthomol”. Und besser ging’s eigentlich nicht, denn das ist ein Unternehmen, das auf Nahrungsergänzung spezialisiert ist. Es stellt Produkte her, die, wie das 1:4 in Dresden gezeigt hat, ideal zur ersten Mannschaft des Zweitligisten passen. 
Zum Beispiel “Orthomol Aurinor”, das gegen Alltagsstress helfen soll. Oder “Orthomol Mental”, das laut Hersteller-Homepage “zu einer normalen geistigen Leistung” und “zur Erhaltung der normalen Gehirnfunktion” beitragen soll, was beim Hamburger SV schon seit Jahren ganz oben auf der Agenda steht. 
Innenverteidiger Toni Leistner schluckt es bestimmt eimerweise, seit er am Montag in Dresden einen pöbelnden Zuschauer auf der Tribüne angegriffen und zu Boden gestoßen hat. “Meine Familie oder so lasse ich nicht beleidigen”, sagte Leistner zur Begründung. Beim HSV müssen sie nun gleich zwei Sachverhalte klären: Warum die Verantwortlichen im Vorfeld vergaßen, den 30 Jahre alten Neuzugang aus England darauf vorzubereiten, dass in Deutschland Fußballer bei Auswärtsspielen angepöbelt werden könnten – und was Leistner mit “oder so” meinte. 
DFB ermittelt gegen HSV-Profi
"Jetzt schon keinen Bock mehr"
Dafür, dass Leistner so heftig reagierte, liefert die Homepage des famosen neuen HSV-Sponsors übrigens eine schlüssige Erklärung: “Nervosität” und “Gereiztheit” seien “häufige Folgen von anhaltendem Stress”, heißt es dort. Empfohlen werden 250mg Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA täglich.
Ich muss zugeben, dass ich beeindruckt bin. Selten hat im Profifußball ein Sponsorvertrag so gut zum Verein gepasst. Und es kommt noch besser: Für Nahrungsergänzungsmittel gilt dasselbe wie für Spieler des HSV: Ihre Wirkung ist umstritten. Manche Experten behaupten: Sie wirken gar nicht. 
Egal. Der HSV muss Leistner dankbar sein. Sein Ausraster rückt den Klub in den Blickpunkt des Interesses, und zwar weltweit. Mehr Marketing geht nicht. Die Sponsoren stehen Schlange, alle reden jetzt über den Eric Cantona der 2. Liga und über Omega-Fettsäuren, und die Mannschaft kann sich in aller Ruhe auf ihre eigentliche Mission konzentrieren: Wiedernichtaufstieg.
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