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Bundesliga-Beschluss: Geisterspiele sind alternativlos

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Es fehlt nicht mehr viel, dass ich mir irgendwie einen TV-Zugang
 

Fever Pit’ch

17. März · Ausgabe #364 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Es fehlt nicht mehr viel, dass ich mir irgendwie einen TV-Zugang zur fünften englischen Liga verschaffe. So groß ist meine Sehnsucht nach Fußball.
Gerade noch rechtzeitig setzt mein Gehirn ein. Natürlich sollte ich die Spiele nicht sehen und nicht die belohnen, die so einen Unsinn machen.
Zugegeben, wir allen vermissen den Fußball. Auch wir bei Sport1. Wir würden gerne von morgens bis abends senden.
Aber manchmal gibt es Wichtigeres. Ich habe es an dieser Stelle öfter gesagt. Darum kapiere ich nicht, warum man die verrückten Engländer nicht stoppt.
Mit dem Corona-Virus ist nicht zu spaßen. Es ist gut zu wissen, dass unsere Bundesliga inzwischen verantwortungsvoll mit dem Thema umgeht.
Einen geduldigen Dienstag wünscht
Euer Pit Gottschalk

Bundesliga-Beschluss: Geisterspiele sind alternativlos
Es geht um die Existenz der Bundesliga, wie man sie kennt Es geht um die Existenz der Bundesliga, wie man sie kennt
Von Pit Gottschalk
In ernsten Krisen gibt es den einen Moment, wo weder Diskussionen noch Abstimmungen zu brauchbaren Lösungen führen. Wenn der Kapitän “SOS!” ruft, ist an Bord Handeln gefragt und nicht Demokratieverständnis in Abwägung von Einzelinteressen. Diesen Moment hat die Bundesliga jetzt erreicht. 
DFL-Chef Christian Seifert rief am Montag unüberhörbar: “Es geht ums Überleben!” Er ließ damit keinen Zweifel: Die Coronakrise zwingt die erste und zweite Liga zu unpopulären, aber offensichtlich unvermeidbaren Sofortmaßnahmen. So schnell wie möglich die Saison zu Ende bringen, notfalls mit Geisterspielen - sonst geht alles den Bach runter. Das war seine Botschaft.
"Überragender Auftritt von Seifert"
Liga-Bosse mussten hintereinander sitzen (€)
Fußballspiele ohne Publikum sind für Zuschauer im Stadion wie vor den Fernsehbildschirmen eine Zumutung. Niemand, der den Fußball liebt, will Geisterspiele. Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp meinte noch am Montagmorgen, Geisterspiele seien “lächerlich”. Am Nachmittag wurde auch ihm klar: Es geht nicht ohne. Er ließ diesen Satz aus seinem SPORT1-Interview nachträglich streichen.
Zwischen 650 und 700 Mio. Euro Umsatz aus Medienrechten und Sponsoring stehen auf dem Spiel, wenn die Live-Übertragungen der restlichen 162 Matches der ersten und zweiten Liga nicht bis zum Sommer stattfinden. Seifert malte ein düsteres Bild, als er sogar die Existenz der Bundesliga, “wie wir sie kennen”, infrage stellte.
Die Bundesliga-Vertreter gaben notgedrungen alle Alternativ-Szenarien auf, die sie im stillen Kämmerlein ausgeheckt hatten und eigentlich zur Diskussion bringen wollten, und verpflichteten sich zum Kassensturz. Ende März wird die Bundesliga erneut die Lage bewerten und feststellen: Geisterspiele sind alternativlos. Es glaubt ja niemand, dass die Saison Anfang April weitergeht.
Zu kurz gedacht, DFL!
Nur kompletter Verzicht kann helfen
Die Bundesliga darf froh sein, wenn die Uefa auf ihrer Krisensitzung am Dienstag eine Verschiebung der Europameisterschaft (ab 12. Juni) beschließen wird. Dann gewinnt die Bundesliga nämlich Zeit, um bis Ende Juni die neun Spieltage, die fehlen, unterzubringen. Wenn alle drei Tage ein Spiel stattfindet, werden 27 Tage benötigt. 105 Tage bleiben von heute an bis zum 30. Juni noch.
Das wird nur mit Geisterspielen gehen. Niemand sollte die Hoffnung hegen, dass die Coronakrise bis April oder Mai überstanden ist. Und wenn doch: Dann freuen wir uns. Aber solange muss jeder, ob er will oder nicht, einfach tun, was der Kapitän vorgibt. Das mag für die manchmal selbstverliebten Klubfunktionäre ungewohnt sein. Eine Wahl haben sie nicht.
Spiel auf Zeit
"Der Profifußball muss sich selbst helfen" "Der Profifußball muss sich selbst helfen"
Von Alexander Sarter
Den Betrachter mag es verwundern: Dem deutschen Profifußball, diesem Milliardengeschäft mit immer neuen Umsatzrekorden und scheinbar nie versiegenden Geldquellen, droht das Aus. Die Coronakrise macht eben auch keinen Umweg um die Stadien der großen Klubs.
Um das zu erkennen, reicht simple Mathematik: Wenn gar keine bis wenige Einnahmen extrem hohen Ausgaben gegenüberstehen, ist früher oder später Feierabend. Insolvenz. Pleite. Aus die Maus.
Daran ändern könnten derzeit nur die Profis etwas. Denn sie sind es, die sich in erster Linie hinter den extrem hohen Ausgaben verbergen. Lediglich die gerne und oft als “Millionäre in kurzen Hosen” beschriebenen Spieler könnten den Vereinen mit freiwilligen Gehaltseinbußen etwas Luft verschaffen.
Geisterspiele als einzige Überlebenschance
"Es geht um die Existenz des FC Schalke 04"
Der gemeine Fan könnte zu der Überzeugung gelangen, dass die Profis das ganz gut verkraften könnten. Der gemeine Fan ist es auch, der staatliche Hilfen für den Profifußball angesichts von weitaus dringenderen Problemstellungen im Land wohl kaum verstehen würde - da reichen 56.000 Arbeitsplätze bei den Vereinen als Argument kaum aus.
Der Profifußball muss sich selbst helfen. Das sollten auch die Spieler kapieren. Denn ohne Klubs keine Ligen. Ohne Ligen kein Profifußball. Und ohne Profifußball kein Bedarf an Profis…
Alexander Sarter ist Redakteur beim Sport-Informations-Dienst (SID)
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