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Bundesliga-Profis: Im Schnitt 200.000 Euro pro Monat

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Die erste Überschrift, die ich gestern zum 0:3 von Borussia Dortm
 

Fever Pit’ch

14. Februar · Ausgabe #78 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Die erste Überschrift, die ich gestern zum 0:3 von Borussia Dortmund bei Tottenham Hotspur zu lesen bekam, triefte vor Spott: „#TOTBVB: So lacht das Internet über den BVB“, stand bei OneFootball. Gewiss, es war nur die Push-Nachricht auf dem Handy, um Leser in die App zu locken. Doch die Provokationen in den aufgelisteten Tweets hatten etwas Typisches, fast will ich sagen: Besserwisserisches. Ich las heraus: Haben wir doch gewusst, dass die Premier League besser als die Bundesliga ist! Ja, das war die Premier League in diesem einen Spiel am Mittwochabend, ohne Zweifel. Zur Erinnerung: Der Bundesliga-Spitzenreiter spielte ohne Marco Reus, Paco Alcacer, Lukasz Piszczek, Julian Weigl und Manuel Akanji. Da kann man durchaus von Überkompensation reden, wenn Harry Kane auf der anderen Seite ausfällt. Die Verletztenliste soll keinesfalls eine Entschuldigung für mangelhaftes Abwehrverhalten und dummes Stellungsspiel mit verkorkster Laufbereitschaft sein. Doch muss die Frage erlaubt sein: Ist es schick oder erbaulich, die Mannschaft aus dem eigenen Land so herunterzuputzen? Ist es vielleicht sogar: typisch deutsch? Im Duell Deutschland gegen England in der Champions League steht es jetzt 0:1. Nächste Woche müssen die Bayern (gegen Liverpool) und die Schalker (gegen Manchester City) antreten. Erst danach wird das Urteil, ob und wie weit die Bundesliga hinter der Premier League zurückliegt, profunder. Im Moment reicht schon ein bisschen Selbstreflexion: ob zum Beispiel die Bundesliga-Klubs gut gemanagt werden, siehe Leitartikel zum Liga-Report, oder ob der Deutsche Fußball-Bund seine Gelder verprasst, siehe unten.
Einen selbstkritischen Donnerstag wünscht
Euer Pit Gottschalk

Bundesliga-Profis: Im Schnitt 200.000 Euro pro Monat
Old Trafford, das Stadion von Manchester United.
Was am deutschen Fußball besser ist als am englischen
Der neue Wirtschaftsreport der Fußball-Bundesliga nimmt schon Züge eines Guinnessbuchs an. Genüsslich präsentiert die Deutsche Fußball-Liga (DFL) auf den 60 seriös gestalteten Seiten einen Rekord nach dem anderem. Auf Erklärungen im Rahmen einer Pressekonferenz hat der DFL-Geschäftsführer Christian Seifert verzichtet. Der deutsche Klubfußball lässt Zahlen sprechen.
Man muss tief in das Zahlenwerk eintauchen, um ein paar Erkenntnisse zu finden. Die erste ist: Noch nie verdiente ein durchschnittlicher Bundesliga-Profi so viel Geld wie in der bilanzierten Saison 2017/18. Die zweite: Die Erstliga-Klubs mit einem höheren Etat gehen mit ihrem Geld schlechter um als die armen Kirchenmäuse der Liga. Aber der Reihe nach.
Zunächst die Rekordzahlen im Schnelldurchlauf. Die erste Liga feiert 3,81 Mrd. Euro Jahresumsatz - das ist der 14. Umsatzrekord in Folge. Die 2. Liga erzielte 608 Mio. Euro - und knackte zum dritten Mal in Folge die 600er Marke. 1,28 Mrd. Euro zahlten die 36 Profiklubs an Steuern und Abgaben: ein Plus von 238 Prozent gegenüber der Situation vor 15 Jahren.
„Wir bieten ein hochwertiges Produkt“
So geht das mit den Rekorden die ganze Zeit. 55.142 Beschäftigte bei den Vereinen - Rekord. 18,8 Mio. Tickets für 612 Spiele verkauft - Rekord. 177,1 Mio. Euro Investition in die Nachwuchsleistungszentren - na klar, Rekord. Und dann kommt plötzlich das Aber: Wer meint, dass die Bundesliga vor Kommerzialisierung stinkt, findet seine Bestätigung.
Auf Seite 11 führt die DFL aus, woher die 3,81 Mrd. Euro Jahresumsatz eigentlich stammen. Jedenfalls nur zu einem Bruchteil aus dem Fußballspiel im Stadion direkt. Gerade mal eine halbe Milliarde, exakt 538,4 Mio. Euro, bringen die 306 Erstliga-Begegnungen. Das sind nur 14,1 Prozent von den Gesamteinnahmen. Der Löwenanteil fließt aus der Vermarktung.
32,7 Prozent (1,2 Mrd. Euro) aus Medienlizenzen, also vornehmlich vom TV-Sender Sky, und 22,9 Prozent (871,7 Mio. Euro) aus Werbung. Hier scheiden sich die Geister. Die einen meinen, die Kommerzialisierung mache den Fußball kaputt, und motzen, wenn Sky seine Investition mit Abos und Werbung refinanziert. Die anderen sehen die Notwendigkeit.
Schrumpfende Gewinne und weniger Gewinner
Ergiebiger als mit Kommerzialisierung sind Personalkosten von 1,32 Mrd. Euro im Profibereich nicht zu stemmen. Erkenntnis Nummer eins: Je nach Rechenart kassiert jeder der 550 Bundesliga-Profis im Schnitt 2,2 bis 2,4 Mio. Euro im Jahr. Vom Pickelgesicht bis zum Superstar: ein Monatsgehalt von fast 200.000 Euro. Dafür reichen Stadioneinnahmen nicht.
„Und ja, auch manche Gehälter sind tatsächlich schwer nachvollziehbar“, so Seifert im Handelsblatt. „Den Marktkräften ist wenig entgegenzusetzen, solange es in Europa keinen Gehaltsdeckel gibt. Und es gibt nun mal insbesondere in Südeuropa einige Präsidenten großer Klubs, die träumen von der sportlichen Weltherrschaft. Die lassen sich das etwas kosten.“
Die Vereine haben nämlich keine Wahl: Entweder wechseln ihre Spieler ins Ausland, wo zum Teil noch mehr gezahlt wird, oder zum Konkurrenten. Innerhalb von drei Jahren kletterte das Durchschnittsgehalt um 25 Prozent. Einen Anstieg in dieser Dimension gibt es wohl in keiner anderen Branche. Nicht jeder Bundesligist stellt sich beim Feilbieten klug an.
So will der DFB zurück an die Weltspitze
Siehe Erkenntnis Nummer zwei: Die Tabellenränge 13 bis 18 belegten Klubs, die höheren Umsatz erzielten und höheren Aufwand betrieben als die Konkurrenz auf den Plätzen 7 bis 12. Die DFL weist den Offenbarungseid in der Spalte „Transfers“ detailliert aus. Die sechs Abstiegskandidaten gaben ein Drittel mehr für neue Spieler aus und nahmen 50 Prozent mehr ein.
So darf sich der scheidende DFL-Präsident Reinhard Rauball zwar im letzten Report unter seiner Ägide über „so viele Tore wie seit Jahren nicht mehr“ sowie „zahlreiche neue Stars und aufstrebende Talente“ freuen. Festzuhalten bleibt aber: Nicht jeder Bundesliga-Klub wird so professionell gemanagt, wie es Unternehmen dieser Größenordnung verdienen. 
2018 lagen Klubs wie Köln, HSV und Wolfsburg am Tabellenende. Hauruck-Aktionen mit Trainer- und Spielerwechseln trieben die Kosten hoch. Erst auf der vorletzten Seite im DFL-Report, etwas versteckt, verrät eine Zahl nichts Gutes: Nur 13 der 18 Erstliga-Klubs schlossen die Saison mit Gewinn nach Steuern ab. Fünf Erstligisten mit Verlust - im Vorjahr waren es drei weniger.
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