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Bundesliga sollte SC Freiburg ein Denkmal bauen

Revue
 
 

Fever Pit’ch

13. Januar · Ausgabe #491 · Im Browser ansehen

Das Fußballthema des Tages


Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Man kann sehr gut verstehen und nachvollziehen, dass die Friseur-Innungen wie so viele andere Branchen über den Lockdown in Deutschland klagen. In der Pandemie sterben jahrelang aufgebaute Existenzen. Was der Zentralverband des deutschen Friseurhandwerks aber gestern absonderte, wird mit dem Wort “Neid-Debatte” unzureichend beschrieben.
In einem offenen Brief an den DFB-Präsidenten Fritz Keller beklagte die Interessenvertretung der Friseure die sorgfältig geschnittenen und gekämmten Haare bei so vielen Bundesliga-Profis. Man witterte sofort Schwarzarbeit: Wer sein Haar so schön trägt, muss trotz aller Verbote professionelle Hilfe in Anspruch genommen haben.
Frischfrisierte Fußball-Stars setzen eine gesamte Branche unter Druck”, stand im Brief an den DFB-Boss zu lesen. Denn Stammkunden würden jetzt ihrerseits zu Schwarzarbeit und damit zum Verstoß der verordneten Corona-Regeln drängen - der DFB müsse die falschen Vorbilder stoppen! Fritz Keller jedoch steht dem Treiben machtlos gegenüber.
Wie soll er dem immer geschniegelten Bayern-Torjäger Robert Lewandowski beibringen, dass sein Seitenscheitel das deutsche Gleichheitsgebot außer Kraft setzt? Mein Lösungsvorschlag zur Güte heißt Vokuhila: Vorne kurz, hinten lang - das bekommt sogar der Masseur in der Umkleidekabine mit einem gezielt angesetzten Braun-Rasierer hin.
Einen haarigen Mittwoch wünscht
Euer Pit Gottschalk

Bundesliga sollte SC Freiburg ein Denkmal bauen
Auf ein Wort zu Freiburg
Auf ein Wort zu Freiburg
Meisterlich zu arbeiten hat nichts mit großem Geld zu tun
Von Tobias Holtkamp
Was auch immer der Nikolaus den Freiburgern da in die Schuhe geschoben hat - es war beste Ware.
Seit dem 11. Spieltag, mitten in der Weihnachtszeit, ist die Mannschaft von Christian Streich nicht nur ungeschlagen, sondern ohne jeden Punktverlust. Fünf Siege in Serie - und in der Formtabelle damit vor allen anderen. Auch vor Bayern und Leipzig, die im gleichen Zeitraum nicht nur mal Unentschieden gespielt, sondern auch verloren haben.
Freiburg ist der Maßstab. Die Mannschaft der Stunde.
Stop. Die Mannschaft der Stunde? Nee, tatsächlich mehr als das. Viel mehr. In Freiburg, so deutlich kann man’s ruhig mal sagen, spielt Deutschlands wahrer Meister. Und, ja, das meine ich ehrlich so.
Meisterlich zu arbeiten hat nichts mit großem Geld zu tun. Auch wer wenig hat, kann viel erreichen. Oder sogar sauviel, wie die Freiburger Helden gerade mal wieder - aber doch faktisch schon seit Jahren.
Die Bundesliga sollte dem SCF ein Denkmal bauen. Damit nie mehr jemand vergisst - zum Beispiel, wenn mal wieder kräftig über fehlende Chancengleichheit geklagt wird - welche großartigen Leistungen im deutschen Vereinsfußball möglich sind.
Eben mit: ruhiger, konstanter, einfallsreicher Arbeit - und der Überzeugung, das, was so viele mit Top-Budgets versuchen, auch mit Top-Ideen und Beharrlichkeit möglich sind.
Dass Freiburg in den letzten fünf Jahren, seit Aufstieg im Sommer 2016, mehr Bundesliga-Punkte als zum Beispiel Hertha oder Schalke holte, von einem Ex-Riesen wie dem HSV mal ganz zu schweigen, das ist zum einen Armutszeugnis für die Großstadtklubs - zum anderen aber das Beste, was dem Fußball - gerade in Zeiten des immer größeren wirtschaftlichen Wahnsinns - passieren kann.
Weil es die Hoffnung am Leben hält, dass Leistung im großen Geschäft eben doch noch etwas zählt. Oder, dass Geld halt auch ein Gift ist, für die zum Beispiel, die sich daran verschlucken.
Unerwartete Spannung in der Bundesliga
Freiburg im vorderen Tabellendrittel, das ist auf der Besondere-Leistungen-Skala für mich vor einem Deutschen Meister FC Bayern einzusortieren. Es stimmt, den Druck der Großen kennen sie nicht in Freiburg. Und dennoch: Geht’s darum, die bestehenden Möglichkeiten ins maximal Machbare umzuwandeln, macht dem SC doch keiner etwas vor.
Mönchengladbach, okay, die könnten ein großer Bruder sein. Aber Mönchengladbach war auch schon fünfmal Deutscher Meister und Europalpokalsieger. Freiburgs größter Triumph? Meister der 2. Liga.
Stattdessen hat man ja fast das Gefühl, Sportvorstand Jochen Saier und Trainer Streich freuen sich über die daraus resultierenden Aufgaben, eben immer und immer wieder eine neue Mannschaft zu bauen. Sie zu formen und mit ihr zu spielen.
Die Freiburger Arbeit verdient jedes Lob, eigentlich jede Saison. Was sie da leisten, mitten im Schwarzwald, das ist kurzum ausgezeichnet.
Und wenn auch nicht mit der Schale, dann mit der Anerkennung unzähliger Fußballfans - egal, von welchem Verein.
+++ DFB-Pokal aktuell +++
4:1 gegen Frankfurt! Bayer Leverkusen im Achtelfinale
Heute im Fernsehen
"Da werde ich richtig sauer"
Pit Gottschalk
Die @dpa hat das Thema Fußball & Sprache heute aufbereitet und auch mich zitiert. Quintessenz in diesem Artikel: „Speziell der Fußball hat da noch so manche Lehrstunde offen.“

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VfB Stuttgart: Es wird immer schlimmer
Ex-Präsident Wolfgang Dietrich: "Das ist ein No-Go"
Von Alex Steudel
Ich habe im Dezember genau hier eine Lobeshymne auf den VfB Stuttgart gesungen. Kaum war sie verklungen, ging es schon los: Alarmstufe Weiß-Rot im Schwabenland. Zoff, Streit, Ärger, wie man es nennen möchte. Jeder gegen Jeden. Und danach wurde es immer schlimmer, statt sich zu beruhigen. 
In der Stuttgart-Ausgabe von Bild habe ich gestern nur einen Schnipsel zum sportlichen Erfolg des kometenhaften Aufsteigers VfB Stuttgart (Platz zehn und beste Auswärtsmannschaft der Liga) gefunden. Die restlichen fünf Sechstel der Seite wurden für das Gemetzel zwischen AG-Vorstand Thomas Hitzlsperger und Vereinspräsident Claus Vogt gebraucht. 
Was bisher geschah, fasse ich mal kurz zusammen: Die beiden mögen sich nicht. Ton und Umgangsformen erinnern ein wenig an frühe Hoeneß-Daum-Dialoge. 
Ich habe in National Geographic einen interessanten Artikel gefunden. Darin heißt es: “Eine Schlange zu sein, schützt einen nicht davor, als Mahlzeit für andere Schlangen zu enden. Einige Arten von Strumpfband- und Königsnattern fallen auch über Artgenossen her, wenn sich die Gelegenheit ergibt.” 
Warum Hitzlsperger inmitten einer Phase des Erfolgs und ausgerechnet in der besinnlichen Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr zur Strumpfbandnatter wurde, weiß ich nicht. Aber ich musste beim Lesen seines Brandbriefs gleich an meine Schulzeit in Stuttgart denken. 
Illustration: Jens Uwe Meier / bergfest.at
Illustration: Jens Uwe Meier / bergfest.at
Wenn man früher jemanden, nennen wir ihn “Claus”, nicht riechen konnte, schnitzte man mit dem Schweizer Taschenmesser, das am Schlüsselbund hing, “Claus ist doof” in alle verfügbaren Schulbänke. Oder nahm Claus in der Pause ordentlich in den Schwitzkasten. Die Notlösung war: mit Claus reden. Wie auch immer, lieber Thomas Hitzlsperger, man schrieb jedenfalls keinen Offenen Brief ans Lehrerkollegium mit Durchschlag fürs Kultusministerium. 
Andererseits: Vielleicht hat das Reden ja nicht geholfen.
Was ich damit sagen will: Wir diskutieren gerade viel über die neuen Umgangsformen in Bad Cannstatt, aber so richtig kapiert keiner, warum wir überhaupt diskutieren müssen. Hat Vogt vielleicht Hitzlspergers Auto verkratzt? Ihn auf der Tribüne geschubst? Es gibt stattdessen viele vage Andeutungen und wenig Konkretes. Es geht um nicht erledigte Jobs und Kosten für die Aufarbeitung der Datenaffäre. Kram halt.
Die Sache hat einen großen Vorteil, also für alle anderen: Ein Verein, der sportlich sehr erfolgreich und kommunikativ vollkommen erfolglos ist (übrigens: Der Kommunikationsboss des VfB muss bis zur Auflösung der Datenaffäre sein Amt ruhen lassen, vielleicht liegt’s ja daran), bietet allerhöchsten Unterhaltungwert.
Hier in Hamburg verfolgen jedenfalls viele Menschen sehr neidisch die Vorgänge im Ländle. Solche Probleme hätten wir auch mal gern. 
Die gesammelten Steudel-Kolumnen gibt’s jetzt als Taschenbuch und eBook. Titel: “Das Fußball-Jahr 2020 unter besonderer Berücksichtigung des HSV”, 254 Seiten. 
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Alle mal herhören!
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