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Bundestrainer Joachim Löw heute in der Bringschuld

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Irgendwie sagt mir mein Gefühl, dass es heute Abend Diskussionsbe
 

Fever Pit’ch

9. September · Ausgabe #229 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Irgendwie sagt mir mein Gefühl, dass es heute Abend Diskussionsbedarf unter den Fever Pit'ch Lesern gibt. Wer mit mir das Länderspiel zwischen Deutschland und Nordirland analysieren will, sachlich oder emotional, kann das ab 22.30 Uhr auf unserem Facebook-Kanal tun. Ab halb elf bin ich da.
Einen spontanen Montag wünscht
Euer Pit Gottschalk

Bundestrainer Joachim Löw heute in der Bringschuld
Joachim Löw auf Ballhöhe. Kritisch gesehen von der Ersatzbank. Foto: Imago / Müller
Joachim Löw auf Ballhöhe. Kritisch gesehen von der Ersatzbank. Foto: Imago / Müller
"Mit aller Macht drei Punkte anstreben"
Von Pit Gottschalk
Nicht erst seit dem 2:4 gegen die Niederlande hat sich eine Stimmung gegen Joachim Löw als Bundestrainer breitgemacht, die man nicht ignorieren oder als lästiges Unkenrufen in den Sozialen Medien abtun kann. Der Weltmeister-Trainer von 2014 gerät in Erklärungsnot.
Unnötige Auswechslungen im Sturm, die Dreierkette in der Innenverteidigung, die Passivität der zwei Flügelspieler, die Abweisung jeder Mitschuld: Was an Kritik zunächst allein auf die Niederlage in Hamburg gemünzt ist, schlägt bei Löw schnell ins Grundsätzliche über.
Das Stimmungsbild reicht von Rücktrittsforderung bis Schuldzuweisung und ist Ausdruck allgemeiner Verunsicherung. Wenn die eine Pleite reicht, das Wohlwollen gegenüber Schwankungen im Umbruch aufzuzehren, kann das Wohlwollen nicht groß gewesen sein.
Der schwierige Reifeprozess der Nationalmannschaft Der schwierige Reifeprozess der Nationalmannschaft
Martin Przondziono, Geschäftsführer des SC Paderborn, erkennt eine Parallele in einem sieben Jahre alten Vorfall, als Deutschland im EM-Halbfinale gegen Italien die eigene Taktik am Gegner ausgerichtet hat - und prompt verlor. Damals fielen alle Kritiker über Löw her.
Diesen Angsthasen-Fußball will man jetzt im Holland-Spiel wiedererkannt haben. In seiner Analyse in der Pressekonferenz räumte Löw zwar Schwachstellen ein. Eine Ursache in der taktischen Grundordnung, also an seiner Arbeit, wollte er aber nicht verorten.
Soll heißen: Die Spieler waren’s. Vorm nächsten EM-Qualifikationsspiel heute in Nordirland ist die Lage angespannt. Ein Punktverlust - und Deutschland muss um die direkte EM-Quali bangen. Nordirland hat bisher alle vier Spiele in der Gruppe C gewonnen.
Nur bedingt abwehrbereit Nur bedingt abwehrbereit
Dabei ist die Kritik an Löw nicht zielführend. Neun Monate vor der EM 2020 kommt der DFB niemals auf die Idee, den Bundestrainer auszutauschen. Der designierte Präsident Fritz Keller will seine Amtszeit Ende September wohl kaum mit einem Trainerwechsel beginnen.
Theoretisch stünden Nachfolger zur Verfügung. Der erfolgreiche Bundestrainer Stefan Kuntz. Oder der Konzeptionist Ralf Rangnick. Aber welchen Einfluss hätten sie noch, wenn sie übernähmen? Vor Turnieren blieb der Verband den leidenden Angestellten immer treu.
Nach der WM-Blamage von 2018 hat man sich dazu entschieden, dass Joachim Löw den Umbruch in zwei Etappen vollzieht. Erst die Nations League durchspielen, dann auf die drei Weltmeister des FC Bayern verzichten. Niemand erwartet sofort einen Titel von ihm.
Angriff ist die beste Verteidigung Angriff ist die beste Verteidigung
Die Unruhe um Löw ist offenbar dem Umstand geschuldet, dass er schon so lange im Amt ist, seit 2006 nämlich. Wie bei Bundeskanzlerin Angela Merkel dürstet ein Teil der Menge nach einem Wechsel um des Wechsels wegen. Dabei gehen Sachfragen unter.
Löw muss sich schon den Vorwurf gefallen lassen, dass seine Maßnahmen - Ballsicherheit und kompaktes Abwehrzentrum - fehlschlugen. Sein Hinweis auf fehlende Spieler ist lächerlich. Denselben Leroy Sané, den er jetzt vermisst, hielt er voriges Jahr für überflüssig.
Nicht einmal ein klarer Sieg heute in Nordirland wird die Katerstimmung aus dem verlorenen Spiel gegen einen starken Gegner verschwinden lassen. Das wird jetzt nur noch eine gute EM 2020 können. Bis dahin ist jede Fundamentalkritik an Löw völlig zwecklos.
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Heute im Fernsehen
Null Chance für Nordirland
Der Geist von 1958 Der Geist von 1958
Von Alex Steudel
Alle, die sich Sorgen um den deutschen Fußball machen, sollten nicht vergessen, dass das 2:4 gegen Holland am Freitag in Hamburg stattfand. Hamburg, hallo, wer hat sich DAS denn ausgedacht, das Volksparkstadion ist ja nicht erst seit dem HSV weltweit bekannt dafür, dass es mit sofortiger Wirkung einen Fluch auf die Mannschaft legt, die das Wort Heimspiel auch nur flüstert.
Ich sag mal: 1:2 gegen Holland bei der EM 1988 (in Hamburg), 0:1 gegen die DDR bei der WM 1974 (in Hamburg), und dann ist da ja noch der sich gefühlt über fünf Jahre hinziehende Zweitliga-Abstieg des HSV (in Hamburg).
Insofern ist am Freitag nichts Besonderes passiert, kein Grund, irgendwelche Friday-no-Future-Parolen zu schmettern, in Hamburg geht einfach nichts, das war schon immer so, und genauso vorhersehbar ist, dass die Löw-Elf heute in Belfast an die Tabellenspitze sprintet.
Wer sich den Kader der Nordiren mal genauer ansieht, versteht recht schnell, was ich meine, man versteht nämlich nichts, nie gehört, all diese Namen; ich sag nur Magennis, Sarpsborg, Washington (kleiner Tipp: nur zwei davon sind Namen, einer ist eine Stadt, und es ist nicht Washington).
Ja, fast alle Akteure wursteln in irgendwelchen unteren Ligen herum oder kämpfen in der Premier League gegen den Abstieg, wie soll das denn gehen gegen Neuer, Kroos und Reus?
Illustration;: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Illustration;: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Und dann die Statistik, ich habe mich da mal reingegraben*, die Nordiren haben seit Christi Geburt nur zweimal gegen Deutschland gewonnen, aber sie haben elfmal verloren, und der letzte Sieg ist 37 Jahre alt. Ansonsten nur Tolles, am 26. Oktober 1960 zum Beispiel hat erstmals überhaupt eine deutsche Mannschaft auf der britischen Insel gewonnen, und wo? Genau, in Belfast, wo heute das Spiel stattfindet.
4:3 ging das aus, und jetzt festhalten: Drei Tore schossen die HSV-Stürmer Uwe Seeler (1) und Charly Dörfel (2). Später, im August 1997, gewann Deutschland wieder, und ein eingewechselter deutscher Stürmer machte in sechs Minuten drei Tore zum 3:1, das ist bis heute Rekord-Schnell-Hattrick, und der Stürmer hieß, jetzt bitte wieder festhalten: Oliver Bierhoff.
Und wem das nicht reicht und auch nicht die Tatsache, dass Löw heute die Viererkette wieder auspackt, für den habe ich auf transfermarkt.de den Marktwert der Mannschaften verglichen: Ein Scheich müsste knapp eine Milliarde Euro hinblättern, wenn er den deutschen Kader kaufen wollte, für den nordirischen aber nur 45 Millionen, das ist nicht mal die Mehrwertsteuer der Deutschen. Der Verteidiger Conor McLaughlin etwa ist schlappe 500.000 Euro wert, soviel kostet schon der Fuhrpark eines besseren Bundesliga-Spielers (ohne Felgen).  
Na, klingelt’s? Mehr gute Vorzeichen geht ja wohl nicht. 
 *Historisches: Muras-Faktory
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Der neue "Fever Pit'ch"-Podcast von und mit @pitgottschalk ist online! Pit hat mit Andreas Rettig, dem scheidenden Geschäftsführer des @fcstpauli, gesprochen. Herausgekommen ist ein sehr hörenswertes Interview. Hier entlang:

https://t.co/gh8lt9EKRJ
8:00 AM - 7 Sep 2019
Alle mal herschauen!
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