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Coutinho zu Bayern: Braucht die Liga überhaupt Superstars?

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Das Bundesliga-Logo, wer kennt es nicht: Fußballer in Schusspose
 

Fever Pit’ch

17. August · Ausgabe #210 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Das Bundesliga-Logo, wer kennt es nicht: Fußballer in Schusspose auf rotem Hintergrund. Oder, inzwischen, roter Fußballer auf weißem Hintergrund. Bei jeder Fernsehübertragung wird das Logo gezeigt. Was ich bis vor wenigen Tagen nicht wusste: dass dieses Logo mit Beginn dieser Bundesliga-Saison schon 18 Jahre alt ist, also quasi erwachsen, und dass mein Facebook-Freund Andree Bock an der Entstehung beteiligt war.
Wie das Logo seinerzeit entstand, sei eine klassische Underdog-Geschichte mit triumphalem Ausgang für den Außenseiter gewesen, schrieb mir Andree Bock. “Und es ist eines der schönsten Erlebnisse in meiner Laufbahn als Werbetexter.” Mit vereinten Kräfte konnte seine Agentur damals verhindern, dass das Bundesliga golden wird. Für die Leser von Fever Pit'ch hat Andree Bock die Entstehungsgeschichte, siehe unten, ausführlich aufgeschrieben.
Ein logisches Wochenende wünscht
Euer Pit Gottschalk

Coutinho zu Bayern: Braucht die Liga überhaupt Stars?
Bayern München bestätigt Transfer-Doppelschlag Bayern München bestätigt Transfer-Doppelschlag
Von Thomas Nowag
Das läuft schon. Keine Sorge. Es sind keine Weltstars in die Bundesliga gewechselt, aber die Bundesliga braucht auch keine Weltstars. Sie ist weiter eine Insel der Vernünftigen inmitten des Finanz-Wahnsinns - mit Augenmaß und Weitsicht, (fast) ohne windige Investoren oder ruinöses Aufrüsten.
Klar: Ein Neymar, ein Messi, ein Ronaldo - für einen Bundesliga-Verein sind sie nicht zu bekommen. Fertige Weltstars allerdings wechselten nie nach Deutschland, nicht mal zum FC Bayern. So what? Der Faszination tat und tut das keinen Abbruch. Vermeintliche Schwäche kann eine Stärke sein.
"Sehr glücklich, dass wir ihn holen werden" "Sehr glücklich, dass wir ihn holen werden"
Kein Fan des FC Augsburg ist einen Deut glücklicher, nur weil ein Neymar, ein Messi, ein Cristiano Ronaldo im Trikot des Gegners aufläuft. Warum auch? Ihn interessiert die internationale Strahlkraft nicht, er will Hingabe, Tradition, Identifikation. 
Umso wichtiger ist es, auch in der Bundesliga erkennbare gefährliche Tendenzen zu benennen. Das finanzielle Hochdrehen, die zunehmende Anzahl an “Werksklubs”, das damit verbundene Straucheln großer, fanstarker Vereine.
"Vielleicht kommt eines Tages Netflix dazu" "Vielleicht kommt eines Tages Netflix dazu"
Uli Hoeneß nennt das Fehlen von HSV, Nürnberg und Stuttgart eine “Katastrophe”. Gleichzeitig schwärmt er vom Milliardenpotenzial und gibt mit den Münchnern 80 Millionen Euro für einen verletzten Abwehrspieler aus. Alles ist relativ.
Die Bundesliga wird erfolgreich bleiben, so lange sie echten Wettbewerb bietet. Zwar waren die Bayern siebenmal in Folge deutscher Meister - doch die Chancen für eine Ablösung stehen gut wie nie. Zudem kann ein kapital schlechtes Schalke den Dortmundern in nur einem Spiel die Meisterschaft versauen, Paderborn kann aus der dritten in die erste Liga durchmarschieren. Union Berlin kann aufsteigen - und gleich RB Leipzig zeigen, was Sache ist. 
Das läuft. Ist doch gut so. Die Insel der Vernünftigen tut gut daran, das zu achten, was sie zu bieten hat. Den Wahnsinn darf sie gerne anderen überlassen.
Thomas Nowag ist Redakteur beim Sport-Informations-Dienst (SID)
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Das Bundesliga-Logo
Von Andree Bock
Seit dem Jahr 2001 ist die Deutsche Fußball Liga (DFL) für die Organisation des Spielbetriebs der 1. und 2. Bundesliga zuständig. Alles wurde damals professioneller, auch die Markenkommunikation. Ein neues Logo sollte her, und so lud die DFL im Rahmen eines so genannten „Pitches“, einer Wettbewerbspräsentation, mehrere Werbeagenturen ein, ihre grafischen Vorschläge präsentieren.
So eine Pitchrunde kann man sich in etwa wie den Pokalwettbewerb in Deutschland vorstellen. Viele Teams treten an, darunter auch kleinere, und normalerweise stehen nach mehreren Runden die üblichen Verdächtigen wie der FC Bayern München und Borussia Dortmund im Finale. Nur manchmal, in Ausnahmefällen, verirrt sich ein Verein ins Finale, den niemand auf dem Zettel hatte. Die Bayern Münchens und Borussia Dortmunds der Werbeagenturen zu der Zeit hießen Springer & Jacoby, Jung von Matt und Scholz & Friends.
Niemand hatte das „WM Team“ auf dem Zettel.
WM Team? Ja, richtig gelesen. Aber nicht das WM das Orga-Komitee für die WM 2006. Das WM Team war seinerzeit eine Werbeagentur aus Hannover, gegründet von den beiden Geschäftsführern Constantin Weimar und Rainer Michael. Man kann sich vorstellen, dass der Name WM Team bei der Akquise von Fußball-affinen Neukunden kein Nachteil war; schon gar nicht seitdem feststand, dass die WM 2006 bei uns stattfinden würde und Riesen-Etats locker gemacht wurden, um als Werbetreibender dabei zu sein. Rainer Michael war der geniale Designer des WM Teams, Constantin Weimar war das Gesicht der Agentur, der Verkäufer und Konzeptioner in einer Person und bei Präsentationen eine wahre Rampensau.
Von Hochglanz-Visitenkarten zum Markenauftritt
Die Fußballgeschichte des WM Teams begann in den 90er Jahren mit Aufträgen des ehemaligen Kicker-Journalisten Hubert Meyer. Der nutzte seine Kontakte in den Fußball, um Profis und Trainern Internetseiten zu verkaufen. Im Grunde Hochglanz-Visitenkarten im Internet, so war das damals, als es noch keine Netflix-Reportagen gab. So kam der Kontakt zur DFL zustande, vertreten hauptsächlich durch den damaligen Geschäftsführer Michael Pfad. Und auf einmal stand der Underdog aus Hannover im Werbe-Finale des wichtigsten Pitches des Jahres.
Wie es der Zufall will, komme ich auch aus Hannover. Constantin Weimar hat mich von 1996 bis 1998 zum Werbekaufmann ausgebildet – und ich bin sein Trauzeuge. Wir haben unzählige Spiele zusammen geschaut, ergaunerten uns Tickets für ein CL Viertelfinale in München (gegen Dortmund, ein ödes 0:0 bei Regen), wir haben Brasilien bei der WM in Deutschland gesehen (3:0 gegen Ghana), und während der WM 1998 habe ich per Telefon das Viertelfinale gegen Kroatien kommentiert, während Constantin in einem Zug saß und mit meinen Live-News das gesamte Bordrestaurant unterhielt (gegen Bezahlung in Bierform natürlich). Kurz gesagt: Wir sind zwei ganz normale Fußballverrückte.
Auf einmal Bundesliga
Und dann kam der Pitch ums DFL-Logo. Für das WM Team eine Art Ritterschlag. Auf einmal spielten sie in der Bundesliga der Werbung. Für mich, der ich seit zwei Jahren in Hamburg bei “elephant seven” arbeitete, der Internet-Tochter von Springer & Jacoby, eine Möglichkeit, meinem Freund Constantin zu helfen. Wie gesagt, er kann eine Rampensau bei Präsentationen sein und agiert da mit einem Killerinstinkt, der normalerweise Weltklassestürmer auszeichnet. Ich war in seinem Team am ehesten vergleichbar mit einem Außenbahnspieler, der dem Mittelstürmer Flanken serviert. Meine Flanken waren die von mir geschriebenen Präsentationen. Constantin und ich funktionierten in guten Zeiten wie Manni Kaltz und Horst Hrubesch. „Manni Flanke, ich Kopf, Tor.“
Und das Zusammenspiel funktionierte auch damals. Der Designer Rainer Michael fand sehr schnell die grafische Grundidee, nämlich den Fußballer in kraftvoller Schusspose auf rotem Hintergrund. Ich schrieb die beste Präsentation meines Lebens, Constantin war in Hochform und das WM Team gewann überraschend, aber völlig verdient das Finale. Schockstarre bei den Großkopferten, ungläubige Anrufe der Fachpresse, Staunen überall. Die Pressemitteilungen schrieben sich damals von selbst, Bierduschen in der Agentur blieben meines Wissens jedoch aus.
Allerdings ging das Spiel in den letzten Sekunden der regulären Spielzeit beinahe noch verloren, weil das WM Team zur Grätsche ausholte. Damals erhielt die Agentur frühzeitig Signale, dass ihr grafischer Vorschlag beim Gremium in Führung lag. Wie gesagt, die Silhouette des Fußballers in Schusspose vor rotem Hintergrund. Das Rot war das Problem, denn Michael Pfad wollte unbedingt Gold. Das hat er dem WM vor der finalen Präsentation auch deutlich zu verstehen gegeben. Aber Constantin kann ein sturer Hund sein, vor allem, wenn es um die Qualität der Arbeit geht. Es ist nämlich so: Gold ist eine so genannte Sonderfarbe. Man kann es in Druckformaten, also Zeitungen, Broschüren, Flyer, Stadionheften etc. nur mit besonderem Aufwand mischen, was die Kosten in die Höhe treibt. Also behilft man sich meist damit, Gold aus einem satten Gelb zu simulieren. Rot hingegen lässt sich farbgetreu darstellen. Also blieb das WM Team bei Rot und Michael Pfad war … not amused, wie man im Englischen wohl sagt. Das WM Team wurde dennoch nicht des Feldes verwiesen, das Endergebnis ist bekannt.
Im Fußball heißt es „never change a winning team“. In der Werbung sagt man „Never touch the logo“. Das Bundesliga-Logo wurde über die Jahre modifiziert: Der Spieler ist dünner geworden, die Kopfhaltung ist etwas weniger geneigt, der Ball sieht anders aus. Geschenkt. Was geblieben ist, ist der Kicker, der seinen Fallrückzieher voll durchzieht. In meinem Kopf werde ich immer der Flankengeber bleiben.
Andree Bock
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