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"Das ist unendlich wichtig - für den Klub, für die Fans"

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Zwei EM-Qualifikationsspiele muss die deutsche Nationalmannschaft
 

Fever Pit’ch

3. Juni · Ausgabe #168 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Zwei EM-Qualifikationsspiele muss die deutsche Nationalmannschaft noch vor der Sommerpause absolvieren. Das eine am Samstag in Weißrussland, das andere nächste Woche Dienstag zu Hause gegen Estland. Beide Spiele sind Aufgaben, die Assistenztrainer Marcus Sorg ohne seinen Chef erledigt. Bundestrainer Joachim Löw, inzwischen aus der Klinik entlassen, muss sich von seinem Sportunfall erholen. Gute Besserung!
Umso erstaunlicher ist jedoch, dass Joachim Löw jetzt im Kicker seine Sorge zum Ausdruck gebracht hat, dass seine verjüngte Mannschaft nicht mehr die Dominanz vergangener Tage ausstrahlt. Er sagte wörtlich: “Unsere jetzige Mannschaft mit sehr vielen jungen Spielern ist noch nicht so gefestigt, diese Stabilität und dieses Selbstbewusstsein müssen sich erst noch entwickeln.” Diese Feststellung ist ein Armutszeugnis.
Löw räumt damit erstmals ein, dass er den Generationswechsel in seiner eigenen Nationalmannschaft versäumt hat. Bis zur verkorksten WM 2018 vertraute er einer alten Garde von Spielern und wurde bitte enttäuscht. Mit dem Abschied der drei Bayern-Stars Mats Hummels, Thomas Müller und Jerome Boateng zog er zwar Konsequenzen, um Platz für neue Leitwölfe zu schaffen. Den Übergang aber hat er fahrlässig gestaltet.
Bei einem gut organisierten Übergang wären die Nachrücker in seiner Hierarchie - von Leroy Sané und Joshua Kimmich über Leon Goretzka und Julian Brandt bis Kai Havertz und Serge Gnabry - längst in einer Rolle, die Stabilität und Selbstbewusstsein ausstrahlt. Bei Löw klingt das gerade so, als beginne er gerade mit einer Ausbildung dieser Nationalspieler. Da fragt man sich schon: Was hat er denn mit diesen Leuten die ganze Zeit gemacht?
Siegermentalität zeichnet sich dadurch aus, dass sie von Spielergeneration zu Spielergeneration weitergereicht wird, quasi zur DNA einer Mannschaft gehört. Siehe FC Bayern. Stimmt die Diagnose von Löw, gesteht er sich selbst das größte Versäumnis seiner 15-jährigen Amtszeit als Bundestrainer ein. Er und niemand anderes war für die Häutung der Nationalelf verantwortlich. Jetzt rächt es sich, wenn man nur von Turnier zu Turnier denkt.
Die DFB-Führung ist zurzeit mit sich selbst beschäftigt, um dem Verband neue Strukturen und ein neues Oberhaupt anzudienen. Darüber dürfen die Interimspräsidenten Rainer Koch und Reinhard Rauball aber ihrerseits nicht vergessen, mögliche Antworten auf die Zukunftsfragen der Nationalelf rechtzeitig zu finden. Dazu gehört die Frage des künftigen Bundestrainers. Was passiert, wenn Löw der Generationswechsel nicht gelingt?
In Liverpool bewies Jürgen Klopp jetzt zum dritten Mal, dass er in der Lage ist, erstens Spielstil und Personalbesetzung vortrefflich aufeinander abzustimmen, zweitens seine ganz persönliche Lernkurve zu beschreiten (lieber schlecht spielen und gewinnen als schön spielen und verlieren). Es wäre fatal, wenn ihm noch niemand vom DFB Signale gesendet hätte, dass ihn der Verband womöglich irgendwann braucht.
Klopp ist erst der dritte deutsche Trainer nach Ottmar Hitzfeld und Jupp Heynckes, der die Champions League gewinnt. Es sagt eine Menge aus, dass keiner seiner Vorgänger Bundestrainer war. (Hitzfeld sagte 2004 kurzfristig ab.) Man ahnt schon: Sollte Klopp jemals Liverpool verlassen (müssen), werden ihm Millionen-Angebote anderer Klubs ins Haus flattern. Bayern nähme Klopp sofort. Der DFB darf die Gelegenheit nicht erneut verpassen.
Der DFB zeigte nämlich nicht immer ein glückliches Händchen, wenn ein Trainer über Nacht gefunden werden musste. Wer wäre denn auf dem Markt? Vielleicht Ralf Rangnick. Natürlich Marcus Sorg. Womöglich irgendwann Julian Nagelsmann. Aber das sind Fragen, die man heute angehen muss und nicht, wenn die Not groß ist. Im Fall der Nationalspieler lernt man ja: Selbstverständlich ist eine Selbstverständlichkeit nicht immer.
Einen weitsichtigen Montag wünscht
Euer Pit Gottschalk

"Das ist unendlich wichtig - für den Klub, für die Fans"
Da ist der Henkeltopf: Jürgen Klopp und seine Mannschaft zeigen, dass sie Champions sind. Foto: Imago / Action Plus
Für Jürgen Klopp hat die Reise mit dem FC Liverpool erst begonnen
Von Moritz Löhr
Bei der triumphalen Rückkehr nach Liverpool mobilisierten Jürgen Klopp und seine Champions-League-Helden noch einmal alle Kräfte. Auf einem roten Doppeldecker-Bus mit dem Slogan “Champions of Europe” präsentierte das Team um Superstar Mohamed Salah ihren euphorisierten Fans den so lange ersehnten Henkelpott - ihre Titelsause nach dem Sturm auf Europas Thron setzten Klopp und Co. bei der Siegesparade in ihrer Heimatstadt ungebremst fort. 
Rund 500.000 Fans tauchten Liverpool in die Vereinsfarben der Reds. Immer wieder stieg roter Rauch auf, als der Bus sich seinen Weg durch die Massen bahnte. Klopp reckte unter lautem Jubel den Pokal in die Höhe, zusammen mit den Fans sang die Mannschaft “You’ll never walk alone”.
Jetzt im Stammbaum des FC Liverpool Jetzt im Stammbaum des FC Liverpool
“Wir haben uns bereits versprochen, dass wir uns nächstes Jahr wieder in den Hintern treten werden.” Jürgen Klopp zu einem Telefonat mit Pep Guardiola, dem Teammanager von Manchester City.
“Wir freuen uns jetzt alle auf Liverpool, weil man uns gesagt hat, dass da irgendwie eine Million Leute auf uns warten, also wirklich das absolute Highlight”, hatte Klopp, der seine Augen nach einer durchfeierten Nacht hinter einer verspiegelten Sonnenbrille versteckte, bei RTL erklärt.
Die Erleichterung darüber stand ihm ins Gesicht geschrieben. “Das ist unendlich wichtig - für den Klub, für die Fans”, sagte Klopp, stellte seine eigene Person aber hinten an. “Ich freue mich für die anderen, für meine Familie”, sagte er, denn die “hat immer mehr gelitten als ich. Ich bin froh, dass ich meiner Frau die Goldmedaille schenken kann.”
Die wilden Feierlichkeiten waren bereits im Metropolitano von Madrid mit dem Abpfiff nach dem 2:0 (1:0) gegen Tottenham Hotspur in Schwung gekommen. Um fünf Uhr in der Früh grölte Klopp gemeinsam mit Edelfan Campino von den Toten Hosen: “We’re sending greetings from Madrid, tonight we made it number six.”
Hier die besten Fotos, wie Liverpool die Mannschaft feiert Hier die besten Fotos, wie Liverpool die Mannschaft feiert
Mit dem Coup in der spanischen Hauptstadt stieg Klopp in den Olymp deutscher Sieger-Trainer in der Champions League zu Ottmar Hitzfeld und Jupp Heynckes auf. Hitzfeld hatte den Henkelpott mit Borussia Dortmund (1997) und Bayern München (2001) gewonnen, Heynckes holte ihn 2013 mit dem FC Bayern sowie als bisher einziger deutscher Trainer mit einer ausländischen Mannschaft: 1998 mit Real Madrid.
“Wir haben es lange genug versucht. Ich bin superglücklich und stolz, dass es heute geklappt hat”, schwärmte Klopp. Bei der TV-Station Viasat trällerte der 51-Jährige an der Seite von Jan Aage Fjörtoft in Anspielung auf den Hit von Salt'n'Pepa und den sechsten Gewinn des Henkelpokals durch den LFC: “Let’s talk about six, Baby!
Ganz England weint mit Klopp-Kapitän Jordan Henderson Ganz England weint mit Klopp-Kapitän Jordan Henderson
Klopp jubelte nach den Treffern von Mohamed Salah (2./Handelfmeter) und durch Divock Origi (87.) zunächst verhalten. Erst nach dem Schlusspfiff ging er aus sich heraus. Um 23.15 Uhr hatte der gebürtige Stuttgarter erstmals die Hände am Pott, stemmte ihn mit einem Schrei in den Nachthimmel und stimmte kurze Zeit später mit dem Anhang ohrenbetäubend die Vereinshymne “You’ll never walk alone” an.
Die Spieler trugen ihren Lehrmeister auf Händen - und schmeichelten ihm auch mit Worten. “Er ist ein fantastischer Trainer und ein fantastischer Mensch”, sagte Star-Verteidiger Virgil van Dijk. Der ehemalige Schalker Joel Matip freute sich “riesig für Klopp. Die Leute haben viel über seine Finalserie geschrieben. Aber er hat sich diesen Erfolg mit uns hart erarbeitet.”
Nicht vergessen: Es war ein fades Finale gegen Tottenham Nicht vergessen: Es war ein fades Finale gegen Tottenham
Spielerisch geht die “Erlösung der Reds” (“The Sun”) als eines der schwächeren Endspiele in die Cup-Historie ein. Am Ende gewannen die Reds nicht dank ihres gefürchteten Offensivfeuerwerks, sondern weil sie das reifere und abgeklärtere Team waren. “Meine Mannschaft hat schon bessere Finals gespielt, aber nicht gewonnen”, analysierte Klopp treffend und fügte an: “Ich weiß genau, wie Tottenham sich jetzt fühlt.”
Sechs große Endspiele in Serie hatte Klopp zuvor verloren, drei davon in seinen knapp vier Jahren bei den Reds. In der Königsklasse war Liverpool im vergangenen Jahr an Real Madrid (1:3) gescheitert, zudem hatte es 2016 gegen den FC Sevilla im Finale der Europa League (1:3) sowie im englischen Ligapokal gegen Manchester City (1:1 n.V., 1:3 i.E.) jeweils schmerzhafte Pleiten gesetzt. Ein Verlierer-Image haftete Klopp an, am Samstagabend hat er es mit einem Schlag abgelegt.
Moritz Löhr ist Redakteur beim Sport-Informationsdienst (SID)
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