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Das Löw-Desaster: Wie lange schaut der DFB noch zu?

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Mit Sevilla verbindet der deutsche Fußball eine historische Leist
 

Fever Pit’ch

18. November · Ausgabe #461 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Mit Sevilla verbindet der deutsche Fußball eine historische Leistung. Im WM-Halbfinale 1982 gegen Frankreich lag die Nationalmannschaft mit 1:3 in der Verlängerung zurück und bäumte sich auf. Mit den Toren von Karl-Heinz Rummenigge und Klaus Fischer schrieb die Derwall-Truppe WM-Geschichte: Keine andere Mannschaft holte jemals einen Zwei-Tore-Rückstand in der Verlängerung auf. Nie mehr.
Es wäre vermessen gewesen, von der deutschen Mannschaft gestern Abend den Ausgleich zu erwarten, wenn man 0:3 zur Halbzeit hinten liegt. Aber was man fordern kann: ein Aufbäumen, einen Kraftakt in aussichtsloser Position, damit man nicht weitere drei Tore kassiert und 0:6 vom Rasen schleicht. Doch diese Mannschaft spielte leblos. Das DFB-Team von 1982, eigentlich eine Skandaltruppe, hätte das Spanien niemals durchgehen lassen.
Einen durchgeschüttelten Mittwoch wünscht
Euer Pit Gottschalk

Das Löw-Desaster: Wie lange schaut der DFB noch zu?
0:6 gegen Spanien: Lehrstunde für die Nationalmannschaft
Von Pit Gottschalk
Das Debakel von Sevilla muss Konsequenzen haben. Wenn beim DFB jetzt wieder niemand begreift, dass der deutsche Fußball ins Nichts taumelt, ist die Verbandsspitze nicht mehr zu retten. Das 0:6 gegen Spanien ist kein Zufall, wenn in der Nations League 13 Gegentore in sechs Spielen fallen.
Seit der WM 2018 ist keine Entwicklung erkennbar, die jungen Spieler zahlen das Vertrauen, das ihnen Bundestrainer Joachim Löw schenkt, nicht zurück. Hier muss man die Trainerfrage stellen. Die Personalpolitik ist das eine, das man Löw vorwerfen muss, das andere: die taktischen Vorgaben.
Wenn Körpersprache und Laufleistung nicht stimmen, hat der Bundestrainer weder die richtige Ansprache vorgenommen noch das Mannschaftsgerüst standhaft ausgerichtet. Schlimmer noch: Dass keine Korrektur in der Pause fruchtete, nährt die Zweifel noch. Erreicht Löw die Spieler noch?
Niemand stellt infrage, dass Löw 14 Jahre lang als Bundestrainer Großes geleistet hat. Darum hat man ihn nicht wirklich zur Rechenschaft gezogen, als die Weltmeisterschaft vor zwei Jahren schieflief. Dem Leistungsgedanken aber kann sich Löw nicht entziehen: Die aktuelle Kurve zeigt nach unten.
Abwehr wie ein Hühnerhaufen
Barbiert in Sevilla
Mit dem Verzicht der drei Weltmeister Müller, Hummels und Boateng setzte er sich dem Risiko aus, dass der radikale Umbruch nicht die erhoffte Rendite bringt. Man würde Dämpfer verzeihen, wenn Besserung in Sicht wäre. Die jedoch ist nicht zu sehen. Es ist die höchste Pleite seit fast 90 Jahren.
Wer sagt überhaupt, dass ein Trainer, der in der Vergangenheit erfolgreich agierte, auch in Zukunft der passende Mann für die Veränderungen im Weltfußball ist? Vielleicht ist es genau umgekehrt: dass Löws Methoden längst überholt sind, Die Resultate sprechen jedenfalls nicht für ihn.
Man kann natürlich darauf hoffen, dass der zeitliche Abstand zu den nächsten Länderspielen im Frühjahr die Pleite von Sevilla relativiert und während des Winters ein neuer Geist die Nationalmannschaft entflammt. Darauf vertrauen sollte man lieber nicht.
Es würde ja helfen, wenn die Nationalelf eine nachvollziehbare Achse hätte, eine eindrucksvolle Spielweise mit Pressing und Tempo oder eine Art von Kommunikation, dass man Löws Gedankengänge versteht. Doch da passiert nichts beim DFB. In Vereinen hätte man längst die Notbremse gezogen.
Stimmen zum Debakel
"Müssen alles hinterfragen" "Müssen alles hinterfragen"
"So eine Niederlage gab's noch nie"
"Der deutsche Tiefpunkt"
Heute im Fernsehen
20.45 Uhr, DAZN: England - Island
Was sonst noch so los ist
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
"Bissu blöd?" Schalke 04 ist endlich Tabellenführer
Von Alex Steudel
Einer neuen Studie zufolge fluchen und beleidigen die Fans von Schalke 04 besonders ausgiebig und mehr als alle anderen. Gemessen wurde auf Twitter, die Studie dürfte aber in allen Lebensbereichen gelten.
Ich kann die Schalker verstehen, sie haben es nicht leicht. Seit der Vizemeisterschaft 2018 geht es steil bergab. Das letzte Bundesliga-Spiel hat S04 am 17. Januar 2020 gewonnen. Zu diesem Zeitpunkt gab es EINEN Corona-Fall außerhalb Chinas, so lange ist das her.
“3,6 Prozent aller Twitter-Beiträge, die Fans der Königsblauen zuzuordnen sind, enthielten mindestens ein Schimpfwort”, lautete das Ergebnis der Studie. “Hinter den Knappen folgen die beiden Hauptstadtklubs Union Berlin (3,3 Prozent) und Hertha BSC (2,9 Prozent).”
Ich kann das nur bestätigen. Was Berlin angeht sowieso. Ich habe da gelebt, da wird tabellenstandunabhängig geflucht. Wenn sich in der Hauptstadt nach vier Wochen Sonnenschein für fünf Sekunden ein Wölkchen in den Weg schiebt, brüllt die ganze Stadt: “Watn dette fürn Scheißwetter? Ick gloob men Schwein pfeift!” 
In Gelsenkirchen herrschen jetzt auch Berliner Verhältnisse, was ungleich höher einzustufen ist, weil es auf Schalke keinen Flughafen gibt. 
Studie: Die Schalker Fans beleidigen am meisten Studie: Die Schalker Fans beleidigen am meisten
Längst flucht der Schalker chronisch erstklassig. Was soll er sonst auch tun? Es gibt keine Erholungsphasen, in denen er was Nettes denken oder sagen könnte, denn kaum sucht der Schalker nach einem netten Gedanken, fällt schon wieder ein Gegentor. Und so machen Schalker das, was die in der Studie letztplatzierten Bayern-Fans nie machen müssen, weil sie dauernd herumgewinnen: Sie flüchten sich in die Beleidigung.
Ich weiß genau, wovon ich rede. Als ich kürzlich eine unfreundliche Kolumne über Schalke 04 schrieb und auf Twitter teilte, bekam ich dort sehr viel, nennen wir’s mal: Feedback. Ich habe euch einen Teil davon rausgesucht.
“Du Clown” – “Luftpumpe” – “Weltfremdes, kleingeistiges Gewäsch” – “Kompletter Schwachsinn” – “Bissu blöd?”
Obwoh ich kein Studienteilnehmer bin, lässt mich das Gefühl nicht los, dass ich mit der Kolumne das Ergebnis der Studie entscheidend beeinflusst haben könnte.
Ist Schalke 04 vielleicht wegen mir Tabellenführer?
Alle mal herhören!
Anstuss. Der Fußball-Podcast Anstuss. Der Fußball-Podcast
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