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Das Urteil gegen den SC Freiburg: Ein deutsches Drama

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Als Borussia Dortmund seine Sommertransfers abgeschlossen hatte,
 

Fever Pit’ch

24. Oktober · Ausgabe #267 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Als Borussia Dortmund seine Sommertransfers abgeschlossen hatte, war die eine Lücke im Kader unübersehbar: Hinter Paco Alcacer fehlte ein zweiter Mittelstürmer, der trifft, wenn Alcacer ausfällt. Ein großer wuchtiger Mann, der Löcher in die Abwehr des Gegners reißt, einer für die knappen Momente im Spiel. Einer wie Mario Mandzukic halt. Damals stoppte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke alle Diskussionen und stellte Alcacer auf eine Stufe mit den Bayern-Legenden Robert Lewandowski und Gerd Müller: fehlt nie, trifft immer. Jedes Gegenargument prallte an ihm ab.
Seit dem 0:2 bei Inter Mailand gestern Abend in der Champions League weiß man: Die Unkenrufe waren mehr als berechtigt. Ohne Alcacer schaffte Borussia Dortmund nur fünf Torschüsse in 90 Spielminuten, davon nur zwei im Inter-Strafraum. Lediglich zwei Tore nach drei Vorrundenspielen in der Königsklasse: Das gab’s selten. In den vergangenen acht Spielen in der Champions League erzielte der BVB sechsmal keinen einzigen Treffer. Die Fakten kann nicht einmal Trainer Lucien Favre wegwischen. Er wollte nach dem Spiel tatsächlich weismachen, dass seine Mannschaft gut gespielt hat.
Die Wahrheit ist: Er hat Borussia Dortmund vorige Saison besser gemacht - diese Saison bedeutet das Urteil “Stagnation” eine Übertreibung. “Wir haben Inter Mailand die Waffen genommen. Das war ein klassisches 0:0-Spiel”, sagte Abwehrchef Mats Hummels, als er eine Erklärung suchte, “unser Problem war, dass es nicht 0:0 stand.” Wenn der Vizemeister weiterhin seinen Favre-Fußball schönredet, wird das Erreichen des Achtelfinales eher Wunschdenken bleiben als Realität werden. Was für ein Kontrast zu den Bayern-Bossen am Abend zuvor.
Bayern München legt in der Champions League einen Traumstart hin. Drei Siege in drei Spielen - besser geht’s nicht. Eigentlich gibt’s nichts zu meckern. Aber Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende, sendete beim anschließenden Bankett Alarmsignale, dass man diese Saison nichts gewinnen wird, wenn man weiter so mutlos agiert wie beim 3:2 in Piräus und zuletzt in der Bundesliga. Der Verweis auf die Vielzahl von Torchancen hat ihn nicht überzeugt: Er will Klasse auf dem Rasen. Bayern-Like eben. Genau das fehlt Borussia Dortmund: ein Anspruchsdenken an Trainer und Spieler.
Einen bärenstarken Donnerstag wünscht
Euer Pit Gottschalk

Das Urteil gegen den SC Freiburg: Ein deutsches Drama
SC Freiburg: Gericht verbietet Abendspiele im neuen Stadion SC Freiburg: Gericht verbietet Abendspiele im neuen Stadion
Man muss nicht bis zur untersten Ecke der Bundesrepublik schauen, um den deutschen Wahnsinn am Beispiel des SC Freiburg zu erleben. Vor drei Jahren bekam der Hamburger Amateurverein Teutonia 05 einen neuen Untergrund auf dem Sportplatz: einen Kunstrasen, für den die Stadt eine halbe Million Euro locker machte. Die Freude hielt nicht lange.
Eine Anwohnerin nutzte die Gesetzeslücke, wonach auch eine neue Spielgenehmigung notwendig wurde, weil der Spielbelag eben ein neuer ist. Der Verweis auf ein über 100 Jahre altes Gewohnheitsrecht endete flott: Das Bezirksamt musste die Spielzeiten aufgrund von aktualisierten Bestimmungen einschränken und zeitweise ein Spielverbot aussprechen.
Anwohnerklagen sind nichts Neues. Wo Gemeinwohl auf Einzelinteressen trifft, müssen Richter entscheiden, was höher zu bewerten ist. Und doch kommt im Fall des SC Freiburg wie im Fall von Teutonia 05 zum Ausdruck, wie es um den Sport in der Gesellschaft steht. Der Wert des Sports wird offenbar nicht von allen Mitbürgern geschätzt.
SC Freiburg reagiert überrascht auf das Stadion-Urteil SC Freiburg reagiert überrascht auf das Stadion-Urteil
Man merkt das im kleinen Rahmen, wenn sogar der SC Freiburg, der seine gesellschaftliche Stellung nun wirklich als Verpflichtung versteht, an Lärmschutzbestimmungen scheitert. Es ist kaum ein Trost, dass dem Gericht offensichtlich ein Fehler unterlief, als man für das Urteil veraltete Grenzwerte anlegte. Eigentlich darf es erst gar nicht zu einer Klage kommen.
Doch es ist ein Drama in Deutschland: Bei den einen befeuert das eigene Echo den Protest, bei den anderen wird das Ego über das Bedürfnis von Mitbürgern gestellt. Da muss ein Verein wie der SC Freiburg darum kämpfen, dass er mit einem neuen Stadion die Zukunft des Klubs sichert. Vip-Räume beim Streich-Klub: Daran muss man sich erst gewöhnen.
Der Sport, und der Fußball besonders, hat sich den Rechtfertigungsdruck zumindest teilweise selbst zuzuschreiben. Wo Geschäftemacherei, Größenwahn und nicht selten Korruptionsvorwürfe zur Tagesordnung in einem Millionenspiel gehören, ist Skepsis nichts Ungewöhnliches. Daraus resultiert dann ein Generalverdacht gegen alles, was gut gemeint ist.
So soll das neue Stadion des SC Freiburg aussehen
So soll das neue Stadion des SC Freiburg aussehen
Bizarre Entwicklung: Die Posse um das neue SC-Stadion
Verbände - vom DFB über Uefa bis Fifa - übersehen schnell, dass ihr Handeln Vorbehalte schürt. Wenn Europacup-Endspiele in Diktaturen vergeben, Stadien in Wüsten aus dem Boden gestampft und Dollar-Millionen an Meinungsmacher verschwendet werden, leidet der Ruf des gesamten Sports bis in die Region runter. 
Dann ist ein Stadion nicht mehr der Treffpunkt von Tausenden, die miteinander friedlich ein Fußballspiel sehen wollen, sondern ein Brennpunkt, wo Krakeler womöglich Bengalos zünden, Schmährufe singen, Bier saufen. Für die sind Anwohner, die Fußball nicht lieben, eben nicht alle zwei Wochen zu Zugeständnissen bereit. Jeder hat seine ureigene Sicht auf die Dinge.
Dem Fußball, dem DFB vorneweg, fehlt im Moment die große Linie, die jedermann erkennen lässt, dass der Sport mehr als das Aufeinandertreffen von Fußballspielern im Beisein von Publikum ist. Ehrenamt, Inklusion, Jugendarbeit: Es gibt eine Menge zu erzählen. Aber wo ist der Funktionär, der diese Geschichten so erzählt, dass wirklich alle zuhören?
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