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Der Unterschied zwischen Schalke und Dortmund

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Manchmal sind die Jobangebote in der Bundesliga lustig formuliert
 

Fever Pit’ch

25. Januar · Ausgabe #61 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Manchmal sind die Jobangebote in der Bundesliga lustig formuliert. Der Zweitligist FC St. Pauli sucht gerade einen “Senior Sales Manager”, also einen, der den potenziellen Kunden Sponsorenpakete verkauft. Und zwar: “zur Erreichung unserer Weltherrschaftspläne”, wie es in der Anzeige wörtlich heißt. Der Klub schreibt: “Uns wird gern vorgeworfen, dass wir vor allem eine gut funktionierende Marketing-Maschine sind. Und das vollkommen zurecht.” Dafür biete der Arbeitsplatz auf St. Pauli eine steile Lernkurve: “Nerven wie Drahtseile bekommst Du dann bei uns jeweils in den letzten Spielminuten.” Die 2. Liga legt Dienstag los.
Einen spannungsgeladenen Freitag wünscht
Euer Pit Gottschalk

Der Unterschied zwischen Schalke und Dortmund
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Zum Reinhören: Der Fußball-Podcast von Fever Pit'ch
Durchs Internet schwirrt seit Tagen ein bitterböses Meme. „Schalke ist so nah dran an der Meisterschale wie schon lange nicht mehr!“, steht darauf zu lesen. Dann der Nachsatz: „20 Kilometer bis Dortmund statt sonst immer 560 Kilometer bis München!“
Die zwei Ausrufezeichen wären gar nicht nötig gewesen, um die Schalker mitten ins Herz zu treffen. Es ist schon wahr: Diesen Sommer jährt sich zum 60. Mal, dass ihr Gelsenkirchen keine Meisterschaft gewann. Im selben Zeitraum feierte Dortmund, der ewige Rivale, sechs Meistertitel.
Immer wieder gab es Phasen, dass die Machtverhältnisse im Ruhrgebiet zu kippen drohten. Zuletzt 2017/18, als Dortmund den Trainerwechsel von Thomas Tuchel zu Peter Bosz nicht verdaute. BVB-Geschäftsführer Aki Watzke blieb trotzdem gelassen: „Das ist nicht von Dauer.“
Macht Borussia Dortmund so weiter wie im Verlauf der ersten 18 Bundesliga-Spieltage in dieser Saison, kommt ein weiterer hinzu. Die Schalker dagegen, voriges Jahr Vizemeister, müssen froh sein, wenn sie mit dem Freitagabend-Spiel bei Hertha BSC dem Abstiegskampf entfliehen.
“Ich sehe die Mannschaft und auch das Umfeld eigentlich auf einem guten Weg. Ich gehe davon aus, dass wir jetzt aufholen und in der Tabelle wieder steigen.” Clemens Tönnies
Dortmund phänomenal, Schalke ein Phänomen: Einfach zu erklären, ist das nicht. Vielleicht mit unterschiedlicher Kontinuität: Auf Schalke hatten sie in diesem Jahrtausend fünf Sportchefs und 17 Cheftrainer unter Vertrag. Der BVB dagegen nur Michael Zorc und die Hälfte an Trainern.
Schaut man nämlich genauer hin, ging mit jedem Personalwechsel auf Schalke der Kompass verloren. Die Spielphilosophie. Oder wie es Sportvorstand Christian Heidel bei seinem Amtsantritt 2016 ausdrückte: „Schalke 04 hat immer nur von Saison zu Saison geplant - nicht langfristig.“
Rückendeckung für Sportvorstand Christian Heidel
"Clemens Tönnies benutzt schon seinen Rauswurf-Code" "Clemens Tönnies benutzt schon seinen Rauswurf-Code"
Dabei müssten die Schalker nur einen Blick Richtung Rheinlanddamm riskieren, um dem BVB auf die Spur zu kommen. Es ist jedenfalls kein Zufall, dass Borussia Dortmund seit Jahren einen Spitzenplatz in der Uefa-Rangliste belegt. Schalke kann vom BVB nur lernen.
  • Nackte Wahrheit statt Schönreden: Als vorige Saison gar nichts mehr lief, zogen Watzke und Zorc die Notbremse. Ein Drittel der Mannschaft: raus. Trainerposition: einer mit BVB-Philosophie (Favre). Schalke-Manager Heidel dagegen wird Altlasten (Di Santo) nicht los und rechnet den Saisonverlauf ab Spieltag fünf, um zu beweisen: Alles auf Kurs. Schalke muss radikaler denken.
  • Witsel-Typ als Leitwolf: Mit Matthias Sammer als Berater gelangte die BVB-Führung zur Einsicht: Die junge Mannschaft braucht einen Leitwolf. Der Transfermarkt wurde durchforstet. Am Ende kam Axel Witsel für 20 Mio. Euro aus China. Schalke zahlte nicht viel weniger für Sebastian Rudy. Nur: Der ist kein Leitwolf. Das Mittelfeld hat keinen Antreiber, der die Schlagzahl vorgibt.
  • Kapitän als Volksheld: Das Bekenntnis von Marco Reus zum BVB ist langfristig: Sein Vertrag läuft bis 2023. Noch viereinhalb Jahre. Hinter ihm vereinen sich Mannschaft und Fans. Schalke verlor, meistens notgedrungen, potenzielle Volkshelden: Draxler, Sané, Höwedes, Goretzka, Kehrer, vielleicht bald Fährmann. Die Quittung kommt jetzt.
  • Jugendstil statt Barock: Ein Trainer braucht seinen Sparringspartner. Einen Ideengeber. Der BVB holte Sebastian Kehl für Favre. 38 Jahre alt, Meisterspieler, Aushängeschild. Schalke dagegen verpflichtete Seppo Eichkorn für Tedesco. 62 Jahre, immer Co-Pilot, Mann im Hintergrund. Sympathisch sind beide. Ihre Wirkung aufs Ganze kann unterschiedlicher kaum sein.
  • Französischer Einfluss: Es ist kein Zufall, dass RB Leipzig junge französische Innenverteidiger hat und Dortmund in Dembélé und Zagadou investierte. Auch Bayern holt Franzosen, die Klasse und Wertzuwachs versprechen. Schalke verlässt sich auf die eigene Jugendausbildung (die führend ist) und holt Franzosen mit wenig Perspektive (Stambouli). Das ist zu einseitig.
Natürlich darf Schalke für sich in Anspruch nehmen, dass die finanziellen Mittel begrenzt sind. Der Marktwert des Kaders beträgt 250 Mio. Euro, der vom BVB mehr als das Doppelte. Aber das heißt ja nicht, dass man von der Hand in den Mund leben muss. Umparken im Kopf, darum geht’s.
Heute im Fernsehen
20.30 Uhr, Eurosport Player: Bundesliga, Hertha BSC - Schalke 04
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