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Deutsches Debakel - und Pep Guardiola verhöhnt den Fußball

Revue
 
 

Fever Pit’ch

26. Februar · Ausgabe #523 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
TSG Hoffenheim raus, Bayer Leverkusen raus. Und man fragt sich: Ist ihnen die Europa League, die kleine Schwester der Champions League, so wenig wert, dass sie sich gegen Hinterhofmannschaften Europas blamieren müssen? Ich verstehe das doppelte Debakel nicht. Die Klubs beschmutzen ihren eigenen Ruf und den der Bundesliga. Ja, der Liga-Alltag ist wichtig. Wegen Zukunft und so. Dann lasst halt Klubs antreten, denen der Wettbewerb auf europäischer Bühne etwas bedeutet. Aber vermutlich tendiert die Selbstwahrnehmung Richtung Betriebsunfall. Hoffenheim-Trainer Sebastian Hoeneß meinte nach dem Aus gegen Molde jedenfalls: “Das würde ich nicht als Blamage bezeichnen.” Ihm ist nicht mehr zu helfen.
Ein grimmiges Wochenende wünscht
Euer Pit Gottschalk

Pep Guardiola verhöhnt die Fußballwelt
Pep Guardiola hat gut lachen
Pep Guardiola hat gut lachen
Uefa-Sperre entgangen - und prompt 175 Mio. Euro investiert
Von Maximilian Miguletz
Geld schießt halt doch Tore, so ehrlich war Pep Guardiola nach dem 2:0 von Manchester City bei Borussia Mönchengladbach in der Champions League. 
“Wir haben viel Geld, um eine Menge unglaublicher Spieler zu kaufen.” So begründete der Trainer den Erfolg seines Teams.
Was erstaunlich ehrlich daherkam, war womöglich als Spitze gemeint gegen all jene Kritiker, die den Erfolg der Skyblues allein in den Transferexzessen begründet sehen. So viel trockenster Sarkasmus sei dem Spanier unterstellt.
Unbewusst war es aber viel mehr, nämlich auch eine schmerzliche Erinnerung an all das, was im modernen Fußball aus dem Gleichgewicht geraten ist – und weshalb Guardiolas ManCity eigentlich gar nicht in der Königsklasse teilnehmen dürfte.
So urteilte das Kontrollgremium der Europäischen Fußball-Union (UEFA) ziemlich genau vor einem Jahr: Wegen Verstoßes gegen die Regeln des Financial Fair Play (FFP) verhängte es eine  zweijährige Europapokalsperre gegen den Scheichklub samt saftiger Geldstrafe.
Ein Entscheid, der im Sommer vom Internationalen Sportgerichtshof CAS kassiert wurde: keine Sperre, geringere Geldstrafe – zur Freude Guardiolas, der damals von einem “guten Tag für den Fußball” sprach.
Dass sich ein Trainer freut, sich mit seiner Mannschaft weiterhin in den bedeutendsten Wettbewerben mit anderen Spitzenvereinen messen zu dürfen, ist das eine. Das andere: fehlende Demut angesichts eines doch äußerst umstrittenen Quasi-Freispruchs.
Die äußerte sich noch frappierender durch das Gebaren des Klubs im Sommer: Der Sperre knapp entgangen und zack, Transferoffensive mit Ausgaben in Höhe von über 175 Millionen Euro (bei Transfereinnahmen von gerade einmal rund 60 Millionen Euro).
Dass Guardiola sich nun mit dem vielen Geld, das City zur Verfügung stehe, brüstet, mag ehrlich sein, mag womöglich Sarkasmus sein – ist aber vor allem ein Schlag ins Gesicht all jener Fußballvereine, die versuchen, dem Financial Fair Play gerecht zu werden, und damit blanker Hohn.
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Jamal #Musiala wird seinen ersten Profi-Vertrag nicht an seinem morgigen 18. Geburtstag unterzeichnen. Es sind noch letzte Details mit dem #FCBayern zu klären, ehe sein Ausbildungsvertrag in einen Profi-Kontrakt umgewandelt wird. Spätestens nächste Woche soll es so weit sein.
Das ist die Berliner Luft, Luft, Luft
Pal Dardai und der stetige Wandel bei Hertha BSC
Von Alex Steudel
Das kommende Wochenende zeigt uns mal wieder, wie verrückt der Fußball ist: Hertha BSC, vor nicht allzulanger Zeit mit einem Investor ausgestattet, als kommende heiße Nummer des deutschen Fußballs angekündigt und Big City Klub getauft, könnte sich auf einem eiskalten Abstiegsplatz wiederfinden: Samstag droht Platz 16, Sonntag sogar Platz 17. Das ist kurios.
Denn was ich einfach nicht verstehe: Warum die neuen Hertha-Bosse nach Bruno Labbadias Entlassung ausgerechnet Pal Dardai zum Cheftrainer gemacht haben. Ich kann leicht reden, ich habe Statistik in der Hinterhand: Dardais Ausbeute vor dem Wolfsburg-Spiel beträgt 0,25 Punkte pro Begegnung. 
Meiner Meinung nach ist im Zuge seiner Inthronisation 2021 ein bisschen untergegangen, dass der Ungar erst 2019 seinen Stuhl als Trainer hatte räumen müssen. Und zwar nicht irgendwo.
Nun ist die Bundesliga ja bekannt dafür, dass beim Besetzen von Trainerpositionen oft die gleichen Namen fallen – doch selbst daran gemessen, ist Dardai ein spezieller Fall. Der Ungar musste nämlich 2019 ausgerechnet bei Hertha gehen. Also genau da, wo er jetzt wieder anfängt. Als ich davon Ende Januar hörte, dachte ich: Komisch. Und ich schaute nach.
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Der Kicker schrieb im April 2019, Dardai müsse wegen “mangelnder spielerischer Fortschritte” und fehlender “Attraktivität der Heimspiele” seinen Platz räumen. Der Tagesspiegel fand damals einen weiteren Grund für das Scheitern des Berliner Publikumslieblings – “monotones Training” – und enthüllte unter Berufung auf geheime Quellen, man habe Dardai im Klub “nicht zugetraut, den nötigen nächsten Schritt nach vorne zu machen und die Mannschaft weiterzuentwickeln”.
Das ist wie gesagt knapp zwei Jahre her, und nun frage ich mich natürlich: Wie kann sich Dardai all die Mängel in so kurzer Zeit abtrainiert haben, als er “Koordinator Talentförderung” bei Hertha war?
Oder steckt womöglich Methode hinter der Personalie, und demnächst wird Jürgen Klinsmann sein Nachfolger, ehe den dann Labbadia ablöst? Aber vielleicht gab es ja auch ganz andere Gründe für Dardais Entlassung, nein, ich meinte Wiedereinstellung. Oder beides. Mir fallen bloß keine ein.
Apropos, hier noch eine letzte Frage: Hat jemals der Aufsichtsrat eines Dax-Unternehmens seinen Vorstand gefeuert – und ihn gleich danach wieder eingestellt?
Die gesammelten Steudel-Kolumnen gibt’s jetzt als Taschenbuch und eBook. Titel: “Das Fußball-Jahr 2020 unter besonderer Berücksichtigung des HSV”, 254 Seiten.
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