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"Die Bundesliga-Tabelle sieht geil aus"

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Christoph Kramer hat schon recht: Die Tabelle sieht wirklich geil
 

Fever Pit’ch

22. November · Ausgabe #291 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Christoph Kramer hat schon recht: Die Tabelle sieht wirklich geil aus. Die Bundesliga hat nicht nur einen überraschenden Spitzenreiter (Gladbach), der mit vier Punkten Vorsprung führt. Platz zwei (RB Leipzig) und Platz sieben (Schalke 04) trennen lediglich zwei Punkte. In Lauerstellung direkt dahinter: Bayer Leverkusen, Eintracht Frankfurt und VfL Wolfsburg.
Mehr Spannung geht ja kaum.
Plötzlich schaut man auf scheinbare Selbstläufer wie heute Abend Borussia Dortmund gegen Schlusslicht SC Paderborn mit ganz anderen Augen. Der kleinste Ausrutscher, und dafür ist der BVB aktuell immer gut, kann fatale Folgen für den weiteren Verlauf der restlichen 23 Spieltage haben. In engen Spitzengruppen tun Punktverluste doppelt weh.
Man darf deshalb gespannt sein, ob Trainer Lucien Favre diesmal seine Mannschaft gegen einen Aufsteiger richtig auf- und einstellt. Man hat es wegen der Länderspielpause fast vergessen: Seit dem 0:4 von München spielt Borussia Dortmund auf Bewährung. Die Personalie Favre wird bis Weihnachten noch häufiger Thema sein.
Ich selbst genieße diesen Thrill. Darum: Tippen nicht vergessen!
Einen stürmischen Freitag wünscht
Euer Pit Gottschalk

"Die Bundesliga-Tabelle sieht geil aus"
Sehr gelassen: Christoph Kramer. Foto: Imago / Nordphoto
Sehr gelassen: Christoph Kramer. Foto: Imago / Nordphoto
Christoph Kramer, inzwischen 28 Jahre alt, erlebt seine vielleicht schönste Zeit bei Borussia Mönchengladbach. Tabellenführer mit vier Punkten Vorsprung - damit hat der Mittelfeldstratege und 12-malige Nationalspieler selbst nicht gerechnet, wie er im SID-Interview einräumt. Der Weltmeister von 2014 hatte andere vorne gesehen: Mannschaften, die besser sind.
Herr Kramer, Sie haben vor der Saison gesagt, Sie trauen sich keine Prognose zu. Wenn Sie es doch gewagt hätten - wer wäre ihr Tabellenführer gewesen?
Christoph Kramer: Bayern, Dortmund, vielleicht Leipzig. Weil die bessere Kader haben.
Wo hätten Sie Borussia Mönchengladbach gesehen?
Kramer: Vom Kader her können wir uns streiten, ob wir den viert- oder achtbesten haben. Da ist auch Tagesform dabei. Aber irgendwo da gehören wir hin, was schon ein Riesenkompliment ist. Alles andere ist eine krasse Überraschung.
Das heißt: Die Mannschaft leistet mehr, als sie eigentlich kann?
Kramer: Man kann immer davon reden, wenn man etwas Außergewöhnliches schafft, dass man dann überperformt. Man muss aber auch sagen, dass wir die Punkte ja auch nicht mit Glück geholt haben. Die anderen nehmen sich irgendwie alle die Punkte weg. Trotzdem hat das keine so krasse Aussagekraft, obwohl wir jetzt vier Punkte Vorsprung haben, was unfassbar gut ist. Aber wir müssen realistisch bleiben: Bis Platz neun kann es sehr schnell gehen. Wir gucken uns gerne die Tabelle an. Wir sind auch gerne euphorisch.
Sie hatten jetzt Gelegenheit, alles mal zwei Wochen sacken zu lassen. Inwiefern kamen Sie da ins Nachdenken?
Kramer: Gar nicht. Man guckt sich etwas lieber die Tabelle an - ich gucke fast jeden Tag auf die Tabelle und denke: Sieht geil aus. Freut mich. Aber, so banal und blöd sich das anhört: Wir müssen gucken, dass wir von Spiel zu Spiel unsere Aufgabe lösen.
Im Borussia-Museum sind Sie einer von acht Audio-Guides. Sind Sie schon mal durchgelaufen und haben sich selbst zugehört?
Kramer: Ja. Ich wurde gefragt und habe gesagt: Gerne, weil das ja auch eine Ehre ist. Vielleicht, weil ich eine sehr angenehme Stimme habe - zumindest von innen hört sie sich angenehm an. Es ist immer ein bisschen komisch, sich selbst zu hören.
Bei der Eröffnung sah man Sie an der Seite einiger Legenden schlendern. Was haben Ihnen Günter Netzer oder Jupp Heynckes von früheren Triumphen erzählt?
Kramer: Für mich war das eine Riesenehre. So eine Eröffnung zeigt noch mal, wie unfassbar groß der Verein ist, was er für eine Strahlkraft hat. Für viele ältere Fans ist Gladbach ein unfassbar großer Verein. Ein toller Verein mit tollen Erfolgen - aber auch die Gegenwart ist sehr gut.
Gibt es auch ein Ausstellungsstück vom letzten Gladbacher Weltmeister?
Kramer: Klar, mein Trikot vom WM-Finale.
Was muss passieren, damit die Mannschaft von 2019 in Gänze Aufnahme findet?
Kramer: Tja. Das einzige Problem ist jetzt, dass wir noch 23 Spiele zu spielen haben. Sonst ist kein Problem da - aber das ist halt sehr groß.
Was ist Ihr Gefühl? Ist ein ganz großes Ding drin?
Kramer: Alles ist so schnelllebig. Es passiert so viel in so kurzer Zeit, jetzt kann man schon wieder Adventskalender kaufen. Man muss sich im Fußball ganz krass alles immer wieder erarbeiten. Man soll träumen, die Fans sollen Schalen ausschneiden. Aber ich glaube, jeder weiß, dass das eine Überraschung ist.
Christoph Kramer jubelt mit Marcus Thuram. Foto: Imago / Eibner
Christoph Kramer jubelt mit Marcus Thuram. Foto: Imago / Eibner
Mönchengladbach will den nächsten ersten Platz erobern
Herr Kramer, so eine Mannschaft wird über Jahre entwickelt. Ist der jetzige Stand Ergebnis einer kontinuierlichen Entwicklung oder gab es zuletzt einen Schub durch neues Personal und den Trainerwechsel?
Kramer: Im heutigen Fußball ist der Trainer die wichtigste Instanz eines Vereins. Aber dass wir jetzt den Kader zwischen vier und acht haben, ist schon ein ganz, ganz krasses Lob für den Verein und die Arbeit der letzten zehn Jahre. Wenn wir zehn Jahre zurückblicken, ist das eine Arbeit, die man gar nicht hoch genug loben kann. Die ist sensationell gut. Alle Zugänge sind überdurchschnittlich gut eingeschlagen, und auch als Typen sind sie total sauber und angenehm.
Bei Borussia Dortmund wechselt die Stimmung mehrmals pro Woche. Bei den Bayern hat es gebrannt. Auf Schalke war die vergangene Saison sehr unruhig. Warum ist das in Mönchengladbach anders?
Kramer: Man hebt hier nicht ab im Erfolgsfall, man wirft im Fall einer Niederlagenserie nicht alles um. Man hat einen klaren Plan und eine klare Vision, das spürt man einfach. Das zeichnet einen Verein im heutigen Fußball aus. Die Wellenbewegungen, dass heute alles cool und morgen katastrophal und übermorgen wieder cool ist, darf man nicht mitmachen. Das macht das Arbeiten für alle Beteiligten einfacher.
Können Sie skizzieren, welche Philosophie Marco Rose verfolgt? Taktisch - und menschlich?
Kramer: Wir gehen sehr hoch drauf, wir probieren, dass es ein Stück weit Entertainment ist. Wir spielen mit großer Energie, Leidenschaft und Hingabe. Menschlich ist er wirklich herausragend.
Mit der Gehirnerschütterung im WM-Finale 2014. Foto: Imago / Pro Shots
Mit der Gehirnerschütterung im WM-Finale 2014. Foto: Imago / Pro Shots
Christoph Kramer sieht Fußball-Overkill heraufziehen
Herr Kramer, Ihr letztes Länderspiel ist dreieinhalb Jahre her. Wie schauen Sie auf Ihre Zeit in der Nationalmannschaft?
Kramer: Wenn ich jetzt gucke, sind das schöne, alte Erinnerungen, die mich unheimlich mit Stolz erfüllen. Das ist dann schon wie ein altes Foto-Album. Aber es geht so schnell. Irgendwas abzuhaken, wäre Quatsch. Wenn sie mich 2013 gefragt hätten, ob ich 2014 Weltmeister werde, wäre das unrealistischer gewesen, als wenn sie mich jetzt fragen, ob ich 2020 Europameister werde.
Der DFB kämpft mit sinkenden Zuschauerzahlen. Woran kann das liegen?
Kramer: Jeder guckt Fußball. Und jeder guckt dreimal die Woche Fußball. Dann sind die Fans vielleicht ganz froh, wenn sie mal ein Wochenende mit der Familie haben oder unter der Woche mehr Zeit.
Ist das eine Gefahr? Der Fußball-Overkill?
Kramer: Immer wenn in Gladbach das Licht angeht, wird das Ding voll sein. Und wenn das jeden Tag ist, wird das immer noch so sein. Aber wenn jetzt die Europa League 2 kommt und all so ein Quatsch, dann wird es irgendwann unübersichtlich und zu viel. Weil die, die das Sagen haben, FIFA, UEFA, in erster Wirtschaftsunternehmen sind, bei denen es um Vermarktung und Geld geht - und es darum mehr Spiele gibt. Ob das jetzt jemand guckt oder nicht: Hauptsache, man hat es vernünftig vermarktet.
Es gibt ja kaum etwas, das nicht zum Riesen-Event hochgejazzt wird.
Kramer: Das liegt auch daran, dass man jetzt 120 Prozent mehr Journalisten hat als früher. Man hat alles mehr als früher. Irgendwer hat schon Zeit und fährt da hin. Es ist ja so: Wenn man sich den Staff einer Fußball-Mannschaft anschaut, hat man nicht mehr vier, sondern 30 Leute. Und die müssen ja auch was tun für ihr Geld. Es ist sehr viel Geld im Markt Fußball, sonst in der Gesellschaft nirgendwo mehr, hat man das Gefühl, aber im Fußball ganz viel.
Haben Sie nicht Angst, dass vieles entwertet wird? Haben Sie beim Thema Katar nicht auch mal mit dem Kopf geschüttelt?
Kramer: Ja, auch so eine Fußball-WM mit so vielen Mannschaften. Ich finde das nicht so cool. Aber wir werden es nicht ändern können. Ich finde, dass es weniger Fußballromantik ist, dass es nichts Besonderes mehr ist. Dass dann eine WM erst ab dem Viertelfinale so richtig anfängt, das ist nicht so cool in meinen Augen. Aber ich kann es eh nicht ändern.
Wer kann das ändern?
Kramer: Diejenigen, die das können, werden dieses Interview nicht hören. Die werden auch nicht auf mich und auf keinen hören - sonst hätten sie es schon geändert.
Haben Sie noch Ziele oder unerfüllte Träume?
Kramer: Ich habe mir noch nie Ziele gesetzt. Viele machen das, und vielen hilft das auch. Mir bringt das nichts. Ich bin in einem Mannschaftssport, da passiert so viel. Wenn mir irgendwer irgendwas von meiner Karriere gesagt hätte, als ich 18 war, hätte ich wahrscheinlich nichts geglaubt.
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10:35 PM - 21 Nov 2019
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Ich verstehe die EM-Auslosung!
Von Alex Steudel
Die sogenannte EM-Gruppenauslosung ist eine hochkomplizierte Angelegenheit, die schon jetzt großflächig kritisiert wird, weil keiner den Modus versteht. Ich natürlich schon, ich bin ja Fußballkolumnist. Ich erkläre euch das das jetzt mal.
Die Uefa hat den raffinierten Plan entwickelt, möglichst dermaßen verwirrend zu losen, dass ihr alle Optionen offenstehen, die Zusammensetzungen der Gruppen bis kurz vor dem Turnier unbemerkt zu verändern. Damit kann der Verband zum Beispiel den Sponsoren wichtiger Nationen einen Gefallen tun. Sollte etwa Cristiano Ronaldo angeschlagen ins Turnier gehen, würde Anfang Juni 2020 die Vorrundengruppe der Nike-Mannschaft Portugal kurzfristig leichter gemacht, also mit drei der vier Teams aufgefüllt, die bei der Auslosung in der nächster Woche noch nicht als Teilnehmer feststehen, was ja auch kritisiert wurde.
Dafür sehen bisher geheim gehaltene Uefa-Regularien zwei ganz andere Möglichkeiten vor: Entweder Eimsbüttel, Obergiesing und Spandau II rücken ein (das wäre also das Dänemark-Modell 1992), womit Portugal sicher im Achtelfinale stünde. Zweite und wahrscheinlichere Variante: Die Startplätze in der Portugal-Gruppe werden im Februar bei “CR7 sucht das Super-Team” auf Netflix ermittelt, das für die Streamingrechte 730 Millionen Euro bietet.
Wenigstens ist keine Nach-Auslosung für EM-Endrunde nötig Wenigstens ist keine Nach-Auslosung für EM-Endrunde nötig
Die Nationalteams, die sich aktuell noch nach-qualifizieren müssen, und die bis zur Veröffentlichung dieser Kolumne glaubten, sie dürften dann wirklich zur EM, gewinnen stattdessen ein Trainingslager mit dem HSV auf dem Gelände der Kühne-Villa, Mallorca. Ohne Getränke.
Und Deutschland? Braucht sich natürlich keine Sorgen zu machen. Eine Quelle bei VW hat mir bestätigt, dass das DFB-Team nächste Woche in einen Spezialtopf mit verschließbarem Deckel kommt und fürs Achtelfinale gesetzt wird, damit Joachim Löw bis Ende Juni Gelegenheit hat, das neue T-Roc Cabrio einzufahren und Mats Hummels nachzunominieren, der dann auf dem Instagram-Account seiner Frau die EM werblich begleitet. 
Allerdings steht das alles noch auf tönernen Füßen: Es droht Ärger. Die Nationaltrainer, deren Planungen durch den Auslosungsmodus erheblich erschwert werden, wollen angeblich bereits heute Abend an einem geheimgehaltenen Ort die EM-Gruppen selbst per Schnick-Schnack-Schnuck zusammenstellen. Noch ist nicht geklärt, ob Brunnen erlaubt ist, und ob Achim Beierlorzer zwei Stimmen bekommt. Der wird nämlich am 12. Juni 2020 in Mainz entlassen und am selben Tag Spanien und Holland übernehmen.
Alle mal herschauen!
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Sind die fetten Fußballjahre bald vorbei?
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