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Streit der Fans: Hauptsache, Bier und Bratwurst bleiben billig

Revue
 
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Fever Pit’ch

13. Dezember · Ausgabe #35 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Heute ist der internationale “Tag des erhobenen Daumens”. Bitte im Newsletter ganz nach unten scrollen und auf den Button “Daumen rauf!” klicken. 50 sollten’s schon sein, wenn ich am Mittag nachschaue…
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Euer Pit Gottschalk

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Gegenseitige Abhängigkeit von Stadion und Sessel
Vorneweg zwei gute Nachrichten. In den vergangenen fünf Jahren ist der Liter Bier in den deutschen Erstliga-Stadien nur um einen halben Euro teurer geworden. In der 2. Liga sogar nur um 20 Cent. Beim Ausschank bleibt die Bundesliga vielfältig: 33 verschiedene Biersorten bieten die zwei Profiligen. Bitburger und Krombacher sind am häufigsten vertreten.
Bier und Bratwurst, das ist einerseits Fußballromantik pur. Andererseits: ein knallhartes Geschäft. Das sogenannte Catering in den Stadien spült jede Saison hohe Beträge in die Kassen. Die Branchenservice Sponsor’s checkt jährlich, wie die Preise stehen. Im Schnitt kostet eine Bratwurst im Stadion zwischen 3,20 Euro und 3,00 Euro. Viel mehr will keiner zahlen.
Nirgendwo zeigt sich das Dilemma der Bundesliga deutlicher. Natürlich möchte jeder Verein den Stadionbesuch bezahlbar halten. Das allein ist keine Selbstverständlichkeit. In den USA gibt es beim Baseball oder Basketball Stadien, wo Fans umgerechnet zehn Euro für einen Becher Bier bezahlen müssen. Protestiert wird dagegen nicht.
“Wenn eines Tages tatsächlich die Spiele vor nahezu leeren Rängen stattfinden, werden wir uns dann immer noch genussvoll auf dem Sofa diese Partien anschauen?” Ben Redelings
In Deutschland wären Mondpreise am Bierausschank nicht durchsetzbar. Gleichzeitig müssen die Vereine zusehen, wie sie ihre Profimannschaft finanzieren. Wenn aber weder Eintrittspreise noch Getränkepreise steigen sollen: Wie und womit sollen die immens gestiegenen Ablösesummen und Spielergehälter bezahlt werden? Logisch, mit dem Fernsehgeld.
Das Millionenpublikum, das Sky und Eurosport abonniert, um Bundesliga zu schauen, zahlt die Zeche und reiht sich in die Gruppe der Sponsoren ein, die den Laden am Laufen halten. Dieselben Geldgeber werden von jenen, die zum Beispiel keine Montagsspiele in der 2. Liga wollen, richtig angefeindet. Alfred Draxler schrieb, er fühle sich deshalb als “Fan zweiter Klasse”.
Bundesliga 2018/19: Die Bier- und Wurstpreise in den Stadien Bundesliga 2018/19: Die Bier- und Wurstpreise in den Stadien
Es stimmt schon: Wenn Fanbelange in der Bundesliga diskutiert werden, kommen halt die zu Wort und zu ihrem Recht, die sich “aktive Fans” nennen und am lautesten Unmut äußern können. Die Mehrheit der Fans, und das sind die vor den Fernsehgeräten, schweigt kopfschüttelnd. Montagsspiele, Pyro-Wahnsinn, Stadionpreise: Demokratisch entschieden wird da nichts.
Noch wird jeder, der die Stimme der Vernunft erhebt, zum nichtswissenden Mainstream gezählt. Der Austausch von Argumenten führt nicht zu einer Kompromisslösung, sondern zur Kompromittierung. Am Ende steht die Frage: Wer ist mehr Fan - der im Stadion oder der im Sessel? Und: Wer verkörpert den größeren Teil am Erfolg der Bundesliga-Mannschaft?
Vor elf Jahren verlor Uli Hoeneß fast die Nerven, als er Richtung Ultra-Fans tobte: “Wer glaubt ihr eigentlich, wer ihr seid? Dass ihr uns dafür kritisiert, dass wir uns dafür den Arsch aufreißen, dieses Stadion hinzustellen? Das ist mit sieben Euro aus der Südkurve nicht zu refinanzieren.” Und weiter: “Was glaubt Ihr, wer euch finanziert? Die Leute aus den Logen.”
Nur mal ein konkretes Beispiel vom Hamburger SV. 14 Mio. Euro bringt der VIP-Bereich jährlich an Eintrittsgeldern ein; nur eine Million die Nordkurve. Und wer macht das ganze Jahr Ärger und kostet regelmäßig eine Stange Geld, wenn der Verband Bengalische Feuer bestraft? Von zu vielen Klubmanagern ist bekannt, dass sie Gegenmaßnahmen scheuen.
“Für mich ist es wichtig, dass alle Vereine eine reelle Chance haben, nach oben zu kommen.” Peter Peters
Buchautor Ben Redelings hat Alfred Draxler bei NTV.de widersprochen und in Bezug auf Montagsspiele seinen überzeugenden Gedanken ausgeführt, dass auch Fernsehzuschauer nichts davon haben, wenn die Stadionränge tot sind. Das stimmt. Aber zwingt die gegenseitige Abhängigkeit zwischen Stadion und Sessel nicht genau deshalb zum Miteinander? Zum Reden?
Die Klubs umgehen Diskussionen, indem sie neue Einnahmemöglichkeiten suchen. Der FC Schalke 04 forciert eSports, St. Pauli den Verkauf von Genossenschaftsanteilen, der HSV die Versöhnung mit Kühne - das sind nur drei Beispiele vom Tage. An den Kern des Problems traut sich niemand ran. Hauptsache, Bier und Bratwurst bleiben billig.
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