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Die fünf Erkenntnisse vom Bayern-Spektakel in London

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Ein bisschen lächeln musste ich ja schon, als die Website "Deichs
 

Fever Pit’ch

2. Oktober · Ausgabe #249 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Ein bisschen lächeln musste ich ja schon, als die Website “Deichstube” mit dem Gerücht um die Ecke kam, dass der Werder-Trainer Florian Kohfeldt ein Nachfolgekandidat für Lucien Favre bei Borussia Dortmund sein soll. Erstens wird keine Quelle genannt, sondern allenfalls eine Indizienkette aufgebaut, weil der Kohfeldt-Berater Marc Kosicke ein gern gesehener Gast beim BVB ist. Zweitens ist die Situation um Favre zwar angespannt, aber noch nicht in einem Aggregatzustand, dass er sich verflüchtigen soll. Drittens sind doch erhebliche Zweifel angebracht, dass Kohfeldt schon das Zeug hat, eine Supermacht des deutschen Fußballs zu lenken; er ist noch keine zwei Jahre als Cheftrainer im Profifußball tätig.
Eigentlich wollte ich das Thema deshalb ignorieren. Weil mich aber gestern bei einer Veranstaltung in Wilhelmshaven Leser auf das Gerücht ansprachen, hielt ich eine Klarstellung für notwendig. Bei aller Kritik, die sich Lucien Favre für sein zauderhaftes Arbeiten verdient hat, muss er sich nicht mit jedem abenteuerlustigen Gerücht auseinander setzen. Zum Beispiel gestern in der Pressekonferenz zum Champions-League-Spiel in Prag: Favre wurde tatsächlich um eine Stellungnahme gebeten. Natürlich sind Gerüchte ein Kitt, der die Fußballfans verbindet. Aber ein wenig Substanz sollte die Gerüchteküche schon produzieren.
Einen köchelnden Mittwoch wünscht
Euer Pit Gottschalk

Die fünf Erkenntnisse vom Bayern-Spektakel in London
Und wieder getroffen: Robert Lewandowski feiert sein Tor. Foto: Imago / Huebner
7:2 in Tottenham! Ein Ausrufezeichen in der Champions League
Von Pit Gottschalk
Ja, auch für ein 7:2 bei Tottenham Hotspur, für diesen spektakulären Sieg gestern Abend in London, gibt es am Ende nur drei Punkte in der Champions League. Doch aus der Tabellenführung mit jetzt sechs Punkten und 10:2 Toren in der Vorrundengruppe B kann Bayern München die Gewissheit ziehen, dass der Kader international wettbewerbsfähig ist. 
Keine Mannschaft steht in der Königsklasse besser da. Und nicht zu vergessen: Der Gegner vom Dienstagabend spielte vor sechs Monaten noch das Finale in der Champions League (und verlor 0:2 gegen den FC Liverpool). Doch viel wichtiger als das rein statistische Zwischenzeugnis dürften fünf weitere Erkenntnisse aus dem Gala-Auftritt sein.
Serge Gnabry im Höhenflug. Foto: Imago Images / Huebner
Vier Tore! Serge Gnabry fühlt sich an seine Kindheit erinnert
Erkenntnis Nr. 1: Der Generationswechsel ist vollzogen
Kingsley Comann und Serge Gnabry bringen mit Präzision jenes Tempo auf die Außenpositionen, wozu Franck Ribery und Arjen zuletzt nicht mehr in Lage waren. Weil die zwei Altinternationalen fort sind, genießen die beiden Nachfolger, erst 23 und 24 Jahre alt, das notwendige Vertrauen. Gnabry dankte mit vier Toren in der zweiten Halbzeit, dass er nach einer eher unauffälligen Spielhälfte nicht sofort zur Disposition stand. 
Erkenntnis Nr. 2: Joshua Kimmich ist der neue Leader
Wer den Mumm hat, Defizite im Bundesliga-Betrieb beim Namen zu nennen (“Wir müssen draufpacken”), und dafür den Rüffel aus der Chefetage riskiert (“Wer seine Klappe aufmacht, muss vorneweg marschieren”), ist ein Kerl. Wer dann liefert und den Ausgleich raushaut, ist ein Siegertyp. Joshua Kimmich, erst 24, tat beides und regelte so nebenbei die Schaltzentrale im Bayern-Mittelfeld. Aus diesem Holz sind Anführer geschnitzt.
Erkenntnis Nr. 3: Manuel Neuer ist der beste deutsche Torwart
Darüber kann es keinen Zweifel mehr geben: Es gibt keinen Grund, Manuel Neuer im Tor der Nationalmannschaft auszutauschen. Beim FC Bayern hielt er gestern an der New White Lane die Abwehr ganz alleine zusammen, als die Spurs Dampf machten. Auf der Linie, im Eins-gegen-Eins, bei der Strafraumbeherrschung: Kein anderer Torwart, auch Marc-André ter Stegen nicht, kombiniert diese Qualitäten auf diesem Level.
Erkenntnis Nr. 4: Bundestrainer Joachim Löw hatte recht
Niemand beim FC Bayern vermisst Mats Hummels in der Abwehr, niemand Thomas Müller in der Offensive, wenn alle Mann an Bord sind. Und Jerome Boateng spielte nur deshalb in der Innenverteidigung, weil Lucas Hernandez verletzt ausfiel. Alle drei sind ersetzbar. Joachim Löw hatte das schon Anfang des Jahres prognostiziert und den Generationswechsel eingeleitet. Die Bayern, so wütend sie damals waren, ziehen jetzt nach.
Erkenntnis Nr. 5: Die Zweifel an Niko Kovac sind unbegründet
Bayern München hat die vergangenen zehn Auswärtsspiele in der Champions League nicht verloren (sieben Siege, drei Unentschieden). Trainer Niko Kovac setzt die Erfolgsserie seines Vorgängers fort. Ja, das frühzeitige Europacup-Aus gegen Liverpool im Vorjahr wiegt schwer, weil seine Taktik im Rückspiel zaghaft wirkte. In London jedoch zeigte er Mut: Corentin Tolisso statt Thiago im Mittelfeld war ein Wagnis. Aber ein klug berechnetes.
Boah, Bayern! Joshua Kimmich zeigt's seinen Bossen Boah, Bayern! Joshua Kimmich zeigt's seinen Bossen
Bayern München wäre nicht der FC Hollywood, wenn die Saison nicht noch ein paar Kapriolen bereit hielte. Sieben Tore auf der Insel rehabilitieren längst nicht die drei Bundesliga-Klubs Bayern, Dortmund und Schalke, die im Frühjahr ihre Duelle gegen die Premier League kläglich verloren. Nur das muss man sagen: Engländer sind schlagbar.
OptaFranz
10 - Der @FCBayern Bayern hat keines der letzten 10 @ChampionsLeague -Auswärtsspiele verloren (7 Siege, 3 Remis) und stellt damit den Vereinsrekord ein (wie zuvor nur zwischen Oktober 2012 und April 2014). Fremdenverkehr. #TOTFCB https://t.co/yyiEfhzOjw
10:52 PM - 1 Oct 2019
Champions League heute im Fernsehen
BVB-Profi Mats Hummels: Wir haben eine gute Einstellung BVB-Profi Mats Hummels: Wir haben eine gute Einstellung
BVB-Boss hält am Saisonziel fest
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"Van Bommel ist das größte Arschloch"
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Fast immer alles mies
Von Alex Steudel
Gestern Vormittag war’s draußen düster, es regnete. Um mich aufzuheitern, suchte ich gute Fußball-Nachrichten – und hatte nur Pech. Auf einer Sportseite wurde es besonders schlimm. Ich sah dort die Rubrik “Top-Meldungen” mit folgenden vier “Top”-Geschichten:  
Top 1: Dortmund – fünf Männlein auf der Weide 
Top 2: Deutscher Fußball – Note 5, aufstehen 
Top 3: Köln-Hertha – Drehbuch des Grauens  
Top 4: FCK – Nächste Zäsur am Betzenberg 
Ich war deprimiert und suchte weiter, aber es wurde nicht besser. Auf anderen Sportseiten las ich, dass die deutschen Fußballwerte in Gefahr sind (wegen der ewigen Rudelbildung auf dem Platz), dass die Bayern-Verantwortlichen dünnhäutig seien (findet Andreas Rettich), Thiago und Mirko Slomka beide auf der Kippe stehen und Lucas Hernandez nicht weiß, wo sein Vater ist. Hätte ich zehn Minuten weitergesucht, wäre vermutlich eine Meldung aufgetaucht, wonach Erich Ribbeck wieder Nationaltrainer wird und den Libero einführt. 
Fritz von Thurn und Taxis über die TV-Branche Fritz von Thurn und Taxis über die TV-Branche
Natürlich weiß ich als Journalist, dass positive Nachrichten meist nicht so aufregend sind wie negative. Keiner hat Lust, einen Text mit der Überschrift “Heute alles ganz okay beim 1. FC Köln” zu lesen. Niemand außerhalb von Hamburg würde sich noch für den HSV interessieren, wenn der Klub nicht Kult wäre, weil er jahrelang alles falsch gemacht hat, was man falsch machen kann. Und wenn der BVB tollen Fußball spielt, freut uns das ungefähr vier Wochen lang (z. B. Ende 2018), aber danach werden die Dortmunder neun Monate lang Gegenstand einer einzigen Krisenberichterstattung sein, weil sie nicht für immer auf Platz eins stehen. 
Ich finde das erheiternd, aber auch interessant, denn ich mache ja selber mit. Zu Beginn meiner Karriere, als junger Redakteur bei der Münchner Abendzeitung, sollte ich mal Unterhachings Trainer Lorenz-Günther Köstner anrufen, um einen Vorbericht für ein Zweitligaspiel zu schreiben. Ich fragte ihn vermutlich die ganze Zeit kritisches Zeug, denn irgendwann platzte dem Oberfranken Köstner am Telefon der Kragen. “Warum sind Sie so negggadiv?”, fragte er mich, und das habe ich nie vergessen, denn vermutlich hatte er recht.
"Bayern München ist der Klub, der mir sehr viel bedeutet" "Bayern München ist der Klub, der mir sehr viel bedeutet"
Liegt es daran, dass ich wie viele Deutsche dazu neige, alles lieber erst mal kritisch zu sehen? Wenn in Deutschland jemand sagt, dass morgen die Sonne scheint, antwortet der/die andere mit hoher Wahrscheinlichkeit: “Ja, aber am Wochenende soll’s regnen.” Ich frage mich: Ist’s zum Beispiel eher Sonne, dass wir tolle junge Nationalspieler wie Sané, Havertz, Gnabry, Werner und Brandt haben - oder sollten wir uns auf Regen gefasst machen, weil die in sieben Jahren alle schon über 30 sind, und sich bisher nur ein 14-Jähriger als Nachfolger gemeldet hat?
Es gibt ja ein (deutsches/schwäbisches) Sprichwort, und das lautet “Nicht geschimpft ist genug gelobt“, aber heute mache ich alles anders, sagte ich mir gestern schließlich nach Sonnenuntergang und beschloss, mal alles Deutsche in mir außer Kraft zu setzen und am Champions-League-Abend nur noch positive Nachrichten gelten zu lassen.
Und siehe da: Der FC Bayern gewinnt bei den Spurs 7:2! Gnabry schießt vier Tore! Überragend, oder?
Nur eine Sache ist mir nicht ganz klar: Was zum Teufel ist eigentlich mit diesen Leverkusenern los? Da läuft ja wohl alles schief.
Alle mal herschauen!
VfL Wolfsburg: Keine Tradition und keine Seele?
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