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Die Gründe, warum es beim SC Freiburg so gut läuft

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Heute Abend, so gegen halb neun, wird Christian Streich endgültig
 

Fever Pit’ch

29. Oktober · Ausgabe #271 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Heute Abend, so gegen halb neun, wird Christian Streich endgültig wissen, aus welchem Holz seine Spieler geschnitzt sind. Der Trainer des SC Freiburg neigt ja zu Fatalismus, wenn die prognostizierten Ergebnisse ausbleiben. Er lässt sich nicht davon täuschen, dass seine Mannschaft nach einem Viertel der Saison Platz drei in der Bundesliga belegt und mit 17 Punkten aus neun Spielen nur einen Zähler hinter Bayern München rangiert. Wohin zu viel Euphorie im Verein führt, hat er vor wenigen Tagen in Berlin erfahren. Seine Fans brannten in Massen Pyrotechnik ab, seine Spieler vergeigten die Dienstreise mit einem 0:2 bei Aufsteiger Union. Streich war bedient.
Nun müssen sie wieder gegen Union ran, diesmal zu Hause im Breisgau, diesmal im DFB-Pokal. Die Mannschaft steht vor einer neuen Aufgabe: Plötzlich ist der SC Freiburg nicht mehr der Kleine, der die Großen ärgert, sondern der Klub, der einen Kurs Richtung Champions League eingeschlagen und sogar die Neureichen von RB Leipzig besiegt hat. Man ahnt es fast, was Christian Streich bei diesen Zeilen denkt: “Hörense auf mit diesem Unsinn!” 135 Mio. Euro ist sein Kader wert. So viel wie ein Coutinho beim FC Bayern. Das ist seine Sicht. Die andere: Union kostet ein Viertel von Freiburg. Man muss sich vom Gedanken lösen, dass Freiburg immer nur “klein” bedeutet.
Beim deutschen Argentinien-Länderspiel (2:2) kürzlich in Dortmund hatte Bundestrainer Joachim Löw mehr Nationalspieler vom SC Freiburg auf dem Platz (nämlich zwei) als von Borussia Dortmund (einen). Wenn er also wie am vergangenen Samstag in der Nachbarschaft zum Bundesliga-Spiel gegen RB Leipzig fährt, sieht er dort mehr deutsche Auswahlspieler (nämlich fünf) als beim vermeintlichen Top-Spiel Schalke 04 gegen den BVB (zwei). Der Einfluss des SC Freiburg auf den deutschen Profifußball ist inzwischen so groß, dass man den DFB-Präsidenten (Fritz Keller) und den zweiten Sprecher des Bundesliga-Präsidiums (Oliver Leki) stellt. Vom BVB sitzt dort keiner.
Seit fast acht Jahren arbeitet Christian Streich als Cheftrainer beim SC Freiburg. Er hat einen Abstieg überstanden und mit drolligen Auftritten bei Pressekonferenzen dafür gesorgt, dass man die Mannschaft aus dem Breisgau als Unikum der Liga zu schnell unterschätzt. Fortuna Düsseldorf zum Beispiel, immerhin aus der Landeshauptstadt des größten Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, kann mit dem SC Freiburg längst nicht mithalten. Der Marktwert des Fortuna-Kaders erreicht nur 60 Prozent von dem der angeblich so ärmlich betuchten Freiburger. Die werden auch heute im Pokal so tun, als sei das mit dem Erfolg alles nur ein Missverständnis.
Einen fesselnden Dienstag wünscht
Euer Pit Gottschalk

Die Gründe, warum es beim SC Freiburg so gut läuft
Im Video kommt Manu Thiele auf fünf Gründe für den Höhenflug
SC Freiburg hat eine offene Rechnung mit Union Berlin
Von Alexander Sarter
Nils Petersen sah sich in Gedanken schon unterm Christbaum sitzen. “An Weihnachten kann man da vielleicht mal drüber reden”, antwortete der Torjäger des SC Freiburg auf die Frage, ob die Breisgauer nicht langsam ihre Saisonziele anpassen müssen. Der Abstiegskampf könnte aber schon früher kein Thema mehr sein - schließlich hat sich der SC nach dem 9. Spieltag der Bundesliga das Image eines Spitzenteams beschert.
“17 Punkte auf dem Konto - das ist ja schon fast die halbe Miete”, gestand auch Torschütze Petersen nach dem 2:1 gegen RB Leipzig ein: “Das reicht aber eben nicht, um drinzubleiben. Wir dürfen jetzt kein Larifari veranstalten. Tabellarisch sind wir vielleicht eine Spitzenmannschaft, aber wir sind bei Weitem kein wirkliches Spitzenteam.”
"Freiburg-Trainer Christian Streich ist einer für den BVB" "Freiburg-Trainer Christian Streich ist einer für den BVB"
Tatsächlich ist der Sport-Club noch Schwankungen unterlegen - dazu reicht ein Blick auf die zurückliegenden drei Partien. Gegen Borussia Dortmund holte die Mannschaft von Trainer Christian Streich einen Punkt (2:2), gegen RB Leipzig nun sogar einen Sieg - dazwischen lag aber auch eine Niederlage bei Aufsteiger Union Berlin (0:2).
Dennoch ist klar: Wenn die Breisgauer ihre beste Leistung abrufen, können sie gegen jede Mannschaft bestehen - aber nur dann. “Es ist sehr unangenehm, gegen uns zu spielen. Es macht einfach keinen Spaß gegen uns - und wir sind wahnsinnig effektiv”, analysierte Petersen: “Aber wenn wir nur ein paar Prozentpunkte weniger geben, dann reicht es nicht.”
Union ist Außenseiter - hat aber viel Auswärtserfahrung Union ist Außenseiter - hat aber viel Auswärtserfahrung
Petersen hob nach dem Sieg unter den Augen von Bundestrainer Joachim Löw dennoch mahnend den Zeigefinger. “Die Gefahr ist, dass wir ein bisschen zu euphorisch werden”, sagte der Angreifer: “In der Liga kann man ganz schnell nach unten durchgereicht werden.” Sein Teamkollege Janik Haberer sah das ähnlich: “Es fühlt sich super an, da ob zu stehen. Aber die Niederlagen werden noch kommen.”
Wie stark der Sport-Club tatsächlich ist, wird sich schon am Dienstag zeigen. Dann treffen die Freiburger im DFB-Pokal schon wieder auf Union Berlin. Wahrscheinlich muss dabei der zweite Anzug unter Beweis stellen, dass auch er gut sitzt. An der Motivation sollte es nach Ansicht von Haberer jedenfalls nicht fehlen: “Wir haben noch eine Rechnung mit Union offen.”
Alexander Sarter ist Redakteur beim Sport-Informations-Dienst (SID)
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