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Diese Probleme muss Werder Bremen dringend lösen

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Wir Fußballfans haben meistens einen Tunnelblick auf alles, was i
 

Fever Pit’ch

23. September · Ausgabe #421 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Wir Fußballfans haben meistens einen Tunnelblick auf alles, was in der Bundesliga oder Premier League passiert, und übersehen Außerordentliches rechts und links. Darum sei’s hier mal anders: Leon Draisaitl wurde als erster Deutscher zum besten Eishockey-Profi in der stärksten Eishockey-Liga der Welt gewählt, zum MVP in der NHL. Diese Leistung ist mindestens so erstaunlich wie seinerzeit Dirk Nowitzkis Aufstieg und Auszeichnung in der nordamerikanischen Basketball-Liga NBA. Nebenbei schlug der deutsche Baseballspieler Max Kepler seinen 100. Home Run in der MLB und schaffte Jakob Johnson als zweiter Deutscher nach Markus Kuhn einen Touchdown in der NFL. Ja, ein bisschen stolz dürfen wir auf unsere Landsleute sein.
Einen transatlantischen Mittwoch wünscht
Euer Pit Gottschalk

Diese Probleme muss Werder Bremen dringend lösen
Ratlosigkeit im Blick von Florian Kohfeldt
Ratlosigkeit im Blick von Florian Kohfeldt
Trainer Florian Kohfeldt wartet auf einen großen Transfer
Von Tobias Holtkamp
Die Lage in Bremen nach dem 1:4 gegen Hertha zu dramatisieren, ist nicht angebracht.
Wer sich die beiden Mannschaften und ihre Geschichten im Vorfeld etwas näher angeschaut hat, der konnte ziemlich genau erwarten, was es auf dem Rasen dann auch zu sehen gab.
Hertha ist Werder mittlerweile ein gutes Stück voraus. Die Berliner konnten im vergangenen Jahr über 130 Mio. Euro allein an Ablösesummen ausgeben, investierten in hochdotierte und langfristige Verträge mit Spielern der Kategorie “Soforthilfe”.
Gegen Bremen wurde in vielen entscheidenden Situationen deutlich, wie weit Hertha qualitativ den Bremern inzwischen überlegen ist.
Wo Werder neben seinen Krisen-Stürmern Yuya Osako und Davie Selke zum Beispiel auf einen jungen und unerfahrenen Leihspieler setzen musste, Tahith Chong - der einzige Neuzugang in der Startelf kommt auf gerade 15 Profi-Einsätze - hatte Hertha mit Lucas Tousart, Matheus Cunha und Krzysztof Piatek drei international Begehrte auf dem Platz, alle in diesem Jahr neu in den Verein geholt. In individueller Klasse waren die Berliner dem Um-ein-Haar-Absteiger sehr weit voraus.
Schon früh am Scheideweg
Werder Bremen wartet ebenfalls dringend auf einen großen Transfer - allerdings in die andere Richtung: Milot Rashica soll weg. Von Kaufen kann an der Weser keine Rede sein, es geht nur ums Verkaufen, darum, akut benötigtes Geld in die leeren Kassen zu bekommen.
Die Corona-Monate und ihre Begleiterscheinungen haben den Klub schwer gezeichnet, die Gefahr schien zwischenzeitlich groß, alles auf die Krise zu schieben. Den Spielern, aber auch sich selbst, den handelnden Personen, mit den unerwarteten Einschnitten ein zu großes Alibi zu geben.
Die letzten großen Ausgaben des Managements gelten bis jetzt als fehlinvestiert, weder Selke oder Leonardo Bittencourt konnten offensiv begeistern, noch der häufig verletzte Ömer Toprak die Abwehr verstärken.
Der schwedische Verteidiger Felix Beijmo, für den der Verein mal drei Millionen Euro Ablöse ausgegeben hatte, in Bremen viel Geld, wurde im Sommer zum Nulltarif abgegeben, um ihn zumindest von der Gehaltsliste zu bekommen. Er spielte keine einzige Bundesliga-Minute für Werder.
Werder: Duell bei Schalke 04 ist El Schrottico
Wer an Werder Bremen andere Erwartungen als den Klassenerhalt stellt, liegt voll daneben. Der Kader ist im Grunde der gleiche wie in der letzte Saison, andere Vereine konnten sich verstärken. Doch was Trainer Florian Kohfeldt, anders als in der vergangenen Saison, nun zum Verhängnis werden könnte, ist, wenn seine Mannschaft nicht mal die richtige Einstellung auf den Platz bringt.
Wenn es an der Basis fehlt, an den Grundvoraussetzungen. Spielerisch unterlegen, das müssen sie in vielen Partien der neuen Saison akzeptieren, aber eben nicht, was den Einsatz betrifft. 
Sportchef Frank Baumann zeigte sich nach dem Saisonauftakt “sehr, sehr ernüchtert, sowohl vom Ergebnis, als auch von der Leistung”. Die Spieler seien “nicht aggressiv in den Zweikämpfen” gewesen, sie hätten sich “nicht gegenseitig geholfen”.
Ein viel härteres Urteil lässt sich für das erste Bundesligaspiel kaum fällen, direkt nach der Vorbereitung, die eine Mannschaft eigentlich zusammenschweißt.
Der Weg durch das Hintertürchen
In eben dieser Vorbereitung ließ Kohfeldt sein Team ausschließlich gegen unterklassige Gegner antreten, Werder sammelte viele gute Ergebnisse - und verlor den Blick für die Bundesliga-Realität?
Das große Bremer Glück ist, nun gegen Schalke zu spielen. Die sind seit 17 Bundesliga-Spielen ohne Sieg und wirken, gerade nach dem 0:8 von München, heillos durcheinander.
Schalke ist einer der wenigen Gegner, die Werder diese Saison auf Augenhöhe trifft. Die Aufsteiger noch, vielleicht Union Berlin. Da müssen Siege her, sonst wird aus dem geplanten Neu-Start einfach die Verlängerung der letzten Grusel-Saison.
Die Bremer Erwartungen an die Tabelle sind nicht mehr hoch, aber der grün-weiße Geduldsfaden dünn, und das betrifft vor allem Trainer Kohfeldt und den sportverantwortlichen Geschäftsführer Baumann, der ist deutlich dünner geworden. 
Heute im Fernsehen
19.30 Uhr, Sport1: News
1 und 1 zusammengezählt
Die 500-Millionen-Euro-Zukunft Die 500-Millionen-Euro-Zukunft
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Bundesliga im Jugendwahn: 17 ist das neue 35
Von Alex Steudel
Alle sprechen jetzt von der neuen Jugend, und das finde ich toll, ich liebe Veränderung im Fußball – in Deutschland gibt es sie nämlich viel zu selten. Immer wieder blieb uns in der Vergangenheit nur angesichts dramatischer Misserfolge quasi nichts anderes übrig, als zu verändern. Wir haben mit Libero gespielt, als der in Italien schon im Museum ausgestellt wurde, wir haben uns lange den neuen Trainingsmethoden aus den USA verweigert, weil sie ja aus den USA oder von Klinsi kamen. Die Raumdeckung haben wir bis zum letzten Atemzug ignoriert, weil der “Raum keine Tore schießt”, wie mir ein Bundesligatrainer mal mitteilte. 
Generell haben wir bis vor 20 Jahren Taktik für ziemlich unnötig gehalten und uns lieber auf Waldlauf verlassen, Klappmesser gemacht und das Beckenbauersche “Geht’s raus und spielt’s Fußball” verfolgt.
Und das Thema Nachwuchs haben wir erst ernstgenommen, als uns die Franzosen vorgemacht haben, wie das geht. Wenn nämlich bei uns damals ein sehr junger, sehr guter Spieler auftauchte, haben unsere alten Trainer wissend den Kopf geschüttelt und gesagt: Nene, lass mal, der muss GANZ LANGSAM aufgebaut werden. Das hieß für den jungen Mann, dass einen Spieltag später wieder ein alter von Beginn an kickte, und er selbst wieder nur eingewechselt wurde. Und wenn der Junge dann erneut überragend spielte, sagte der Trainer gleich nach Abpfiff in alle Mikros: Nene, Leute, der braucht PAUSEN, den bauen wir GANZ LANGSAM auf!
Und irgendwann waren viele dieser jungen Talente dann alt und wurden ganz langsam abgebaut, während Trainer wie etwa Otto Rehhagel weiter auf Spieler setzten, die sich nach dem Abpfiff in der Umkleide die ersten grauen Haare auszupften, und Ottmar Hitzfeld beim FC Bayern mit vorgehaltener Pistole gezwungen werden musste, auf Nachwuchs zu setzen. Andere Ligen machten das da schon längst anders: Da haben sehr junge Spieler einfach sehr oft gespielt. Warum? Weil sie halt sehr gut waren.
Darum spielen so viele Top-Talente für Borussia Dortmund Darum spielen so viele Top-Talente für Borussia Dortmund
Und jetzt ist bei uns plötzlich auch alles anders, am Wochenende habe ich meinen Augen kaum getraut. Überall kicken plötzlich Unvolljährige! Sechs 17-Jährige kamen am ersten Spieltag zu Einsatz. Und wie sie zum Einsatz kamen! Bei Borussia Dortmund glänzten gegen Mönchengladbach (3:0) Jude Bellingham und Giovanni Reyna, beide 17 Jahre alt, ganz wunderbar und vom Anpfiff weg an der Seite der etwas in die Jahre gekommenen Erling Haaland und Jadon Sancho (beide 20).
Endlich müssen 17-Jährige nicht mehr immer wieder neu auf ihre Chance warten, sondern sie bekommen reichlich Gelegenheit, sie zu nutzen. Florian Wirtz stand beim 0:0 der Leverkusener in Wolfsburg in der Startaufstellung, beim FC Bayern wurde Jamal Musiala eingewechselt und schoss gegen Schalke gleich das 8:0, Momo Cissé kam für den VfB Stuttgart zum Einsatz, Paul Nebel durfte bei Mainz ran. Und dann sind da noch der Herthaner Luca Netz und Maximilian Beier aus Hoffenheim. 
Aber der Beste kommt ja erst noch: Dortmunds Welt-Jugendlicher Youssoufa Moukoko. Warum der am Wochenende nicht spielte? Na, weil er erst 15 (!) ist! Aber er wird im November 16 (!) und darf dann wegen einer DFL-Neuregelung (!) spielen. Herrliche Zeiten, oder?
Schlechte Zeiten höchstens für Hersteller von Rasierapparaten, die Testimonials suchen.
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