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Einfach unwürdig, was die Bayern mit Niko Kovac machen

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! SC Paderborn oder Union Berlin: Einer der beiden schmächtigen Zwe
 

Fever Pit’ch

13. Mai · Ausgabe #151 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
SC Paderborn oder Union Berlin: Einer der beiden schmächtigen Zweitliga-Klubs wird die Bundesliga nächste Saison bereichern. Vielleicht sogar beide zusammen. Seit die zwei Mannschaften die verlotterte Millionärstruppe des Hamburger SV binnen zwei Wochen besiegten und in der 2. Liga hinter sich ließen, ist nicht mehr ausgeschlossen, dass der eine direkt aufsteigt und der andere die Relegation gegen den Scheinriesen VfB Stuttgart gewinnt. Da können die Quotenmesser beim Fernsehen unken, wie sie wollen: Endlich belohnt der Fußball Klubs, die mit ehrlicher Arbeit ihren Aufstieg erreichen und nicht allein mit geliehenem Geld. Beim HSV wollen sie immer mit den großen Hunden pinkeln gehen - und dann können sie, wenn es darauf ankommt, das Bein nicht heben. “Wir haben uns verpisst!”, schimpfte HSV-Kapitän Aaron Hunt nach dem 1:4 von Paderborn, als der Klassenverbleib in der 2. Liga feststand. Meine Zuversicht ist nicht besonders groß, dass er und seine Kollegen beim Anschauungsunterricht in Paderborn und vor zwei Wochen bei Union Berlin sonderlich viel gelernt haben.
Einen enthaltsamen Montag wünscht
Euer Pit Gottschalk

Einfach unwürdig, was die Bayern mit Niko Kovac machen
Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß in Leipzig. Foto: Imago / Contrast
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In seinem ersten Jahr beim FC Bayern hat Trainer Niko Kovac nicht alles falsch und offenbar vieles richtig gemacht. Er hat einen Spielerkader, den er nicht zu verantworten hat, durch das Formtief im Herbst geführt und neun Punkte Rückstand auf Borussia Dortmund in jetzt zwei Punkte Vorsprung umgewandelt. Ein Unentschieden noch: Dann ist Kovac Deutscher Meister.
Trotzdem muss er von seinen Vorgesetzten Ressentiments ertragen, die den Tatbestand des einfach unfairen Verhaltens mit sich führen. Der Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sagte am Samstag bei Sky: „Ich höre immer das Wort Jobgarantie, Jobgarantie. Bei Bayern München müssen Spieler, Management und Trainer erfolgreich abliefern, das gilt für alle.“
Stunden später gab Sportdirektor Hasan Salihamidzic im ZDF Pfötchen: „Wenn wir Meister werden, dann wird es eine Zwei plus. Wenn nicht, dann war das eine Scheißsaison!“ Und: "In Zeiten, wo wir (…) Titel gewinnen können, sind wir gut beraten, unsere Energie nicht auf Personalüberlegungen zu verlieren.“ Ob Kovac Trainer bleibt? „Das werden wir sehen…“
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Mit solchen Sätzen schwächt die Bayern-Führung nicht nur die Autorität des Trainers vor der Mannschaft. Die Einlassungen geschehen in einer Phase, da jeder Funken Konzentration vonnöten ist, um dem ersehnten Punktgewinn in der Bundesliga (am Samstag gegen Eintracht Frankfurt) eine Woche später den DFB-Pokalsieg gegen RB Leipzig folgen zu lassen.
Welche Sorge muss Rummenigge also treiben, dass er im Saisonfinale seinen zumindest national erfolgreichen Trainer infrage stellt und das Double riskiert? Sogar BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke schwieg 2017 in der Trainerfrage, bis Thomas Tuchel den Pokalsieg geschafft hatte und die beschlossene Trennung in aller Form ausgesprochen werden konnte. 
Das vorzeitige Aus in der Champions League mag ein Grund für Zweifel an Kovac sein, nicht aber für den Zeitpunkt. Die damalige Heimniederlage gegen Liverpool ist erstens dadurch entschuldigt, dass inzwischen auch Top-Mannschaften wie der FC Barcelona der Willensstärke des Klopp-Teams erlegen waren, und zweitens auch schon wieder zwei Monate her.
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„Dass wir gegen Liverpool nicht nach vorne, ja, mutlos gespielt haben, das war der Fehler. Der Trainer gibt die Richtung vor. Die Mannschaft setzt um, was der Trainer ihr sagt.“ Sportdirektor Hasan Salihamidzic
Bestenfalls kann man Rummenigge Aufrichtigkeit unterstellen, dass er nicht eine Jobgarantie abgeben will, die er Wochen später wieder einkassieren muss. Schlimmstenfalls setzt er sich dem Vorwurf aus, die eigene Agenda über das Vereinswohl zu setzen. Dass seine Worte Richtung Kovac kein Echo bei den Spielern erzeugen, kann er nicht ernsthaft annehmen.
Die Attacke trifft Kovac nicht unerwartet. Auf der Spobis-Tagung Ende Januar erläuterte Rummenigge Moderator Marco Klewenhagen im Detail, wie man dem Trainer das Rotationsprinzip bei der Mannschaftsaufstellung ausgeredet und ihn zurück in die Spur geschoben habe. Man muss sich das mal vorstellen: Der Bayern-Trainer stand wie ein Lehrling da.
Von Uli Hoeneß dagegen ist bekannt, dass er Kovac schätzt. Der Präsident ließ die Öffentlichkeit Ende Februar in der TV-Sendung Doppelpass wissen, dass ein Übergangsjahr, wie es Kovac zu moderieren hat, durchaus titellos enden darf: „Ich habe in meinem Leben mehr als 50 Titel gewonnen, da kommt es auf den einen mehr oder weniger auch nicht mehr an.“
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Gegen diese Schutzbehauptung steht Rummenigges ausformulierte Erwartung: Dass jeder, der beim FC Bayern arbeitet, Erfolg abzuliefern hat - also Titel. Er hat damit nicht nur die Höhe der Messlatte definiert, sondern an die Klub-DNA erinnert. Dagegen kann nicht einmal Hoeneß, der Pate des FC Bayern, wie man ihn heute kennt, argumentieren.
Im Machtgeplänkel zwischen Rummenigge (Vertrag bis 2021) und Hoeneß (Wiederwahl im November offen) geht völlig unter, dass Kovac die letzten Prozente aus einer satten Truppe geholt hat. Wozu sie in der Lage ist, zeigte sie in großen Spielen (5:0 gegen Dortmund). Was ihr zu schaffen macht, in kleinen (1:1 in Nürnberg). Ein Trainer ist nicht für alles verantwortlich.
Die Ursache für die Zwietracht ist darin zu suchen, dass Rummenigge vor Saisonende einen anderen Trainer wollte; angeblich Thomas Tuchel. Hoeneß setzte sich, vielleicht aus der Not geboren, mit seinem Wunschkandidaten Kovac durch. Der ist jetzt zum Spielball in der Chefetage geworden. Schützen kann ihn Hoeneß nur, wenn Niko Kovac Titel einbringt. Jetzt am Samstag.
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