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Eklat mit Hitler-Parodie - diesmal beim BVB

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Zwei Fußballer machen am Mikrofon Witze über den Gegner. Irgendwa
 

Fever Pit’ch

6. August · Ausgabe #201 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Zwei Fußballer machen am Mikrofon Witze über den Gegner. Irgendwann merkt der eine selbst, dass sie zu weit gehen, aber weil’s gerade so lustig ist, setzt der andere mit einer Hitler-Parodie noch einen drauf. Live im BVB-TV. Alles nicht ernst. Aber auch: alles nicht schlimm? Schnell kommt man zu der Frage: Was ist Rassismus überhaupt? Wann fängt Rassismus eigentlich an?
Wikipedia liefert diese Erklärung:
“Rassismus ist eine Gesinnung oder Ideologie, nach der Menschen aufgrund weniger äußerlicher Merkmale – die eine bestimmte Abstammung vermuten lassen – als sogenannte Rasse kategorisiert und beurteilt werden.”
Aber was heißt das schon? In den vergangenen zwei Tagen haben mir Leser von Fever Pit'ch diese Frage mehrfach gestellt. Es ging um Clemens Tönnies und seine Beleidigung von Afrikanern. Einige wollten partout keinen Rassismus erkannt haben und unterstellten uns Journalisten Übertreibung und Zuspitzung. Manchmal las ich: “Er hat doch nur die Wahrheit gesagt.”
Ich habe es mir einfach gemacht. Lieber reagiere ich einmal zu empfindlich auf eine anrüchige Bemerkung, als dass ich schweigend ein Klima toleriere, das die Ausgrenzung von Menschen zur Selbstverständlichkeit erklärt. Rassistisch motivierte Anspielungen taugen weder für Reden noch für Witze. Übrigens nicht nur beim Fußball.
Einen ehrenhaften Dienstag wünscht
Euer Pit Gottschalk

Eklat mit Hitler-Parodie - diesmal beim BVB
Die BVB-Ikonen Norbert Dickel und Patrick Owomoyela
Borussia Dortmund bestraft seine beiden Klub-Ikonen
Immerhin, ein Profiklub hat vorgemacht, wie man mit Rassismus beim Fußball umgeht. Der Drittligist Chemnitzer FC hatte seinen verletzten Torjäger Daniel Frahn am Samstag beim Auswärtsspiel in Halle/Saale auf den Zuschauerrängen entdeckt - inmitten von Mitgliedern der rechtsradikalen Szene. Zwei Tage später kam die Kündigung: Der ehemalige Kapitän, ein Wiederholungstäter, muss sich einen neuen Verein suchen. 
Der Rauswurf sollte Signalwirkung zeigen: Chemnitz wollte über jeden Zweifel erhaben sein, dass eine Nähe zum Rassismus nicht geduldet wird. Andere Vereine müssen erst noch den Nachweis erbringen, dass ihre Appelle gegen Ausländerfeindlichkeit nicht nur schöne Worte sind. Bevor Clemens Tönnies dem Schalker Ehrenrat heute Rede und Antwort steht, schüttelt ein weiterer Rassismus-Eklat den Nachbarn Borussia Dortmund durch.
"Neben der Spur" "Neben der Spur"
Was man bisher weiß: Die beiden früheren BVB-Spieler Norbert Dickel und Patrick Owomoyela hatten das Udine-Testspiel (4:1) für den vereinseigenen TV-Service kommentiert und dabei Wörter benutzt, die als rassistische Entgleisung gelten. Sie nannten die Italiener nicht nur “Itaker” und machten sich über Namen des Gegners lustig. Owomoyela imitierte an einer Stelle Adolf Hitler und tönte: “Große Schlachten, die hier geschlagen wurden.”
Schnell sammelte sich Protest im Netz. Borussia Dortmund bekam Wind von der Sache, löschte alle Aufnahmen im Internet und wollte die Sache unter den Teppich kehren. Beim Supercup war Dickel Stadionsprecher. Erst gestern, neun Tage später, als der WDR den Vertuschungsversuch auffliegen ließ, veröffentlichte der BVB seine Stellungnahme: eine scharfe Verurteilung mit Ankündigung von Sanktionen. Das war’s.
"Itaker ist ja auch keine Beleidigung" "Itaker ist ja auch keine Beleidigung"
Der neue Eklat ist umso peinlicher, weil Bundesliga-Präsident Reinhard Rauball, gleichzeitig Präsident von Borussia Dortmund, noch am Wochenende die Entgleisungen des Schalker Aufsichtsratsvorsitzenden Tönnies heftig kritisiert hatte. Nun holt ihn der nächste Fall im eigenen Klub ein. Die Liga steuert auf zwei Grundsatzfragen zu: Was sind die öffentlichen Appelle gegen Rassismus eigentlich wert? Und wie geht man damit um?
Die Reaktionen auf den Fall Tönnies offenbaren das Dilemma. Da gibt es die einen, die keinen Millimeter Toleranz bei der Verurteilung rassistischer Sätze zugestehen. Und dann die anderen, die nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen wollen. Bei denen ist gelungen, was die AfD mit der Infiltrierung von Vokabeln versucht: dass Ungeheuerlichkeiten Einzug in den allgemeinen Wortschatz finden. “Ist ja nicht so schlimm”, soll das Resultat sein.
Chemnitzer FC feuert Kapitän Frahn Chemnitzer FC feuert Kapitän Frahn
Nun ist Owomoyela unverdächtig, rechtes Gedankengut verbreiten zu wollen. Nicht zu Unrecht weist der BVB darauf hin, dass er und Dickel seit Jahren gegen Diskriminierung eintreten. Man könnte ihre Entgleisung darum als Bubenstreich abtun, wie es Fußballer halt so machen. Aber der eine ist 39 Jahre alt, der andere 57. Beide sind keine Jungs mehr. Im Übermut fehlt einigen im Fußball ein Selbstverständnis von der eigenen Vorbildrolle.
Im Fall Tönnies steht dem Ehrenrat des FC Schalke 04 deshalb eine wegweisende Aufgabe bevor: Wie geht ein Bundesliga-Klub mit rassistischen Entgleisungen in den eigenen Reihen um? Wenn es zu Schmähungen auf den Rängen kommt, sind die Entscheidungsträger mit ihrer Verurteilung schnell bei der Sache. Was aber passiert, wenn das Vergehen im Führungszirkel passiert? Wie viel Chemnitz steckt in Schalke? 
Heute Urteil auf Schalke?
Ehrenrat entscheidet über die Tönnies-Äußerungen Ehrenrat entscheidet über die Tönnies-Äußerungen
Die dunklen Seiten des Anführers
Schalker Fans distanzieren sich
Hassan Talib Haji
Nein. Fußball ist global. Schalke ist weltweit bekannt und würde dadurch noch bekannter werden als der "deutsche" Klub, dessen "Boss" mal eben rassistisch einen ganzen Kontinent durchbeleidigt und damit durchkommt.

Wenn das gewollt ist, dann ist der @s04 moralisch gestorben. https://t.co/C7w7W8E8vO
11:52 PM - 5 Aug 2019
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Alle mal herschauen!
Die Abo-Entwicklung des Fußball-Newsletters
Gestern erschien die 200. Ausgabe des Fußball-Newsletters Fever Pit'ch. Die Entwicklung macht einen stolz. Inzwischen ist der sogenannte Hockey-Stick-Effekt eingetreten: Wir steuern schnurstracks auf eine fünfstellige Abo-Zahl zu. Über Syndication erreichen die besten Artikel hohe sechsstellige Views.

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