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EM-Verschiebung: Endlich ticken die Funktionäre richtig

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Etwas Gutes findet man immer im Schlechten. Mit der EM-Verlegung
 

Fever Pit’ch

18. März · Ausgabe #365 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Etwas Gutes findet man immer im Schlechten. Mit der EM-Verlegung auf 2021 gewinnt Bundestrainer Joachim Löw ein Jahr Zeit, um seine talentierte, aber noch unreife Nationalmannschaft auf das internationale Niveau eines Großturniers vorzubereiten. Seine beiden Langzeitverletzten Niklas Süle und Leroy Sané, eigentlich Eckpfeiler im Löw-Umbau, stehen nicht länger unter Zeitdruck, ihre Einsatzbereitschaft im Frühjahr anzumelden. Der Entwicklung des jungen Kai Havertz wird ein weiteres Jahr Profifußball, bei welchem Verein auch immer, ganz sicher guttun. Man merkt schon: Es gibt auch eine Zeit nach dem Coronavirus. Ich kann’s kaum erwarten.
Einen ausgereiften Mittwoch wünscht
Euer Pit Gottschalk

EM-Verschiebung: Endlich ticken die Funktionäre richtig
Uefa-Präsident Aleksander Ceferin. Foto: Imago / Huebner
Uefa-Präsident Aleksander Ceferin. Foto: Imago / Huebner
Uefa-Beschluss als Chance für den Fußball
Von Patrick Berger
Der 17. März 2020 geht in die Geschichtsbücher ein. Als der Tag, an dem erstmals überhaupt eine Fußball-Europameisterschaft verschoben werden musste. Das kontinentale Turnier wird aufgrund der Corona-Krise nicht wie geplant in diesem, sondern im darauffolgenden Sommer ausgetragen. Und das ist gut so!
Als alternativlos bezeichnete auch der DFB um Präsident Fritz Keller, Bundestrainer Joachim Löw sowie Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff die EM-Verlegung.
Die zuletzt oft gescholtenen Herren der Uefa sind scheinbar zur Vernunft gekommen. Vor einer Woche noch ließen sie verlauten, dass die EURO 2020 am 12. Juni 2020 in Rom gestartet wird. “Die Uefa steht in Kontakt mit den zuständigen internationalen und lokalen Behörden bezüglich des Coronavirus und seiner Entwicklung”, hieß es. “Es gibt keinen Grund, am geplanten Zeitplan etwas zu ändern.”
Die EM-Verlegung wird Folgen haben
Auf diesem Turnier liegt kein Segen
Der Gedanke, inmitten des weltweiten Corona-Chaos eine paneuropäische (Geister-)EM (auch über diese groteske Idee wurde diskutiert) in zwölf Ländern und zwölf Städten mit 24 Mannschaften auszurichten, erschien sogar der profitgierigen Uefa als zu absurd.
An diesem 17. März haben vor allem die europäischen Spitzenvereine gezeigt, dass sie am längeren Hebel sitzen. Der Druck, den die Klubvereinigung ECA und die Vereinigung der Europäischen Ligen bei der Mammut-Telefonkonferenz auf die Europäische Fußball-Union ausübten, war enorm. Den Vereinen ist nämlich aufgrund eigener Existenzängste daran gelegen, den eigenen Betrieb bis zum Sommer halbwegs geregelt zu Ende zu bringen. Das tägliche Brot der Klubs sind nunmal die nationalen Wettbewerbe.
Fifa-Präsident will Klub-WM ebenfalls verschieben
Späte Einsicht
Klar ist: Der Uefa gehen durch die Turnier-Absage Gelder in Millionenhöhe flöten. Tausende Mitarbeiter wurden für die EM 2020 eingestellt, Einrichtungen gebaut, Firmen beauftragt. Der 17. März bringt auch die Erkenntnis: Eine Großveranstaltung wie die EM abzusagen tut zwar weh und kostet Geld – ist aber machbar! Uefa-Boss Aleksander Ceferin, der die Video-Konferenz im Übrigen wegen Reiseeinschränkungen aus Slowenien heraus führte, hat nach der EM-Verschiebung von der großen “Solidarität” und “Toleranz” der Fußball-Familie gesprochen.
Vereine und Verbände könnten sich auch in Zukunft solidarisch zeigen und mit Blick auf immer mehr undurchsichtige Wettbewerbe wie eine Nations League, eine Conference League oder eine Klub-WM ein Zeichen setzen. Und überdies: In zwei Jahren soll ein anderes Turnier ausgetragen werden. Ein noch absurderes. Eine Winter-WM in Katar. In einem Land, das Menschenrechte mit Füßen tritt. Was wäre, wenn die mächtigen Vereine und Verbände auch hier sagen: mit uns nicht?!
Internationale Pressestimmen
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Die Kraft des Vergessens
Von Alex Steudel
Es gibt in diesen Zeiten keine guten Nachrichten mehr. Gestern zum Beispiel hat die Uefa das EM-Turnier um ein ganzes Jahr nach hinten verlegt. Das ist für mich persönlich sehr schlecht. Es bedeutet, dass ich mir jetzt samstags beim Portugiesen um die Ecke weitere 52mal anhören muss, dass Cristiano Ronaldo ein Gott und Portugal Europameister ist und Deutschland nicht.
Hand aufs Herz: Weiß eigentlich noch irgend jemand ganz genau, unter welchen Umständen Jogi Löws Team vor vier Jahren das EM-Finale verpasste? Mir fiel es gestern erst nach kurzem Nachdenken ein: Die Franzosen hatten uns rausgekegelt. Wie das Halbfinale ausgegangen war und wer die Tore geschossen hatte, das wusste ich nicht mehr, ich musste googeln: Deutschland verlor am 7. Juli 2016 in Marseille 0:2, und Antoine Griezmann erzielte beide Tore. Eins davon per Elfmeter, den Bastian Schweinsteiger verursacht hatte.
Was ich noch sehr gut wusste: dass wir vorher im Viertelfinale glorreich die Italiener im Elfmeterschießen besiegt hatten. Obwohl Schweinsteiger seinen Strafstoß vergab. (Der Kerl hatte es echt nicht mit Elfmetern, dachte ich gestern nochmal.)
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Ist es nicht faszinierend, wie schnell unser Unterbewusstsein unschöne Ereignisse in den Hintergrund drängt?
Mich hat der Gedanke sehr getröstet. Ich dachte: Bestimmt weißt du in vier Jahren auch nicht mehr so viel über die Corona-Krise, die dich jetzt 24 Stunden am Tag beschäftigt. Sicher hast du bis dahin vollkommen vergessen, dass du am 15. März 2020 vor lauter Langeweile darüber nachdachtest, den Sender zu abonnieren, der die Spiele der türkischen SüperLig überträgt.
Und never ever wirst du dich 2024 daran erinnern, dass du an einem Dienstag im März 2020 vor dem Fernseher saßt, um im freigeschalteten “FC Bayern-TV” kostenlos die drei Wochen alte Drittliga-Begegnung Chemnitzer FC gegen Bayern München II in voller Länge anzusehen. (Naja, okay, ich habe ab und zu vorgespult.)
Achtung, Spoiler: Das Spiel endete 1:0.
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