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Erdbeben auf Schalke, Transfer-Stopp beim BVB

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Borussia Dortmund tut das einzig Richtige. Die Zeit der großen Tr
 

Fever Pit’ch

1. Juli · Ausgabe #403 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Borussia Dortmund tut das einzig Richtige. Die Zeit der großen Transfers wird es in diesem Sommer nicht geben. “Jeder Trainer auf diesem Planeten hat irgendwann realisiert, dass wir in Corona-Zeiten leben”, sagte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke gestern. Und tritt auf die Bremse.
Natürlich wird er mit Neid Richtung München schielen, wo der FC Bayern schon bald den Millionentransfer von Leroy Sané bekanntgeben wird. Man darf aber nicht vergessen: Voriges Jahr hatte der BVB im großen Rahmen investiert. Zurückgezahlt haben Mannschaft und Trainer noch nicht.
Das werden Lucien Favre und seine Spieler in der kommenden Saison tun können. Dann sind sie eingespielt, mit Thomas Meunier punktuell verstärkt und hoffentlich stress-resistent, wenn der Rekordmeister mit Getöse anreist. Hoffentlich deshalb, weil’s die Bundesliga-Spitze spannender machte.
Man sollte Watzkes Demutshaltung, diesmal auf eine Favoritenrolle lieber großzügig zu verzichten, nicht ernstnehmen. Natürlich will er Meister werden. Er sagt’s halt nicht, weil man ihm sonst die Worte ein Jahr lang vorhalten würde, so Watzke. Das stimmt so nicht.
Niemand kritisiert Borussia Dortmund, weil’s die Meister-Ansage gegeben hat. Man kritisierte, dass Favre in entscheidenden Momenten Fehler gemacht oder die Mannschaft nicht auf den höchsten Level gebracht hat. Das wird auch in Zukunft so sein. Mit oder ohne Titel-Ankündigung.
Einen knappen Mittwoch wünscht
Euer Pit Gottschalk

Erdbeben auf Schalke: Clemens Tönnies macht Platz
Patrick Berger über Clemens Tönnies
Patrick Berger über Clemens Tönnies
Tönnies-Rücktritt beim FC Schalke 04 ist alternativlos
Von Patrick Berger
Es war die vielleicht schwerste Entscheidung seines Lebens: Clemens Tönnies ist von seinen Ämtern beim FC Schalke 04 zurückgetreten.
Wer den 64 Jahre alten Unternehmer kennt, ahnt, wie schwer dem Macht-Menschen, der so sehr an seinem Herzensverein hängt, die Entscheidung vermutlich gefallen ist. Einzig: Sie war alternativlos und richtig!
Bereits nach den rassistischen Aussagen, die Tönnies im August vergangenen Jahres getätigt hatte und wofür er seine Ämter drei Monate ruhen ließ, wäre ein Rücktritt eigentlich fällig gewesen.
Der aktuelle Fleisch-Skandal mit tausenden Corona-Infizierten in der Tönnies Holding brachte das Fass zum Überlaufen. Als Aufsichtsratschef eines 150.000 Mitglieder-starken Arbeitervereins ist Tönnies längst nicht mehr tragbar.
Es wäre allerdings unfair, an dieser Stelle einfach nur auf ihn draufzuhauen.
Das Tönnies-Statement im Wortlaut
Abgang ohne Anstand
Sicherlich hat sich “CT”, wie er auf Schalke genannt wird, in seiner langen Zeit bei den Königsblauen verdient gemacht. 1994 wurde der steinreiche Patron in den Aufsichtsrat von S04 gewählt, war von 2001 an dessen Vorsitzender. In dieser Zeit qualifizierte sich Schalke zehn Mal für die Champions League, wurde fünf Mal Vizemeister, holte den Uefa-Cup und drei DFB-Pokalsiege. Tönnies war bis zuletzt das Gesicht von Schalke.
Er hat dem Verein mit Darlehen mehrfach aus der Patsche geholfen und lukrative (aber auch umstrittene) Deals, wie den mit Hauptsponsor Gazprom, eingefädelt. Der Bau der Veltins-Arena und der Ausbau des Nachwuchsleistungszentrums fallen ebenfalls in seine Ära.
Tönnies hat dem Verein zuletzt aber auch massiv geschadet. Das Image des Kumpel- und Malocher-Klubs wurde durch ihn arg ramponiert.
Schalke-Vorstand wollte den Rücktritt verhindern
Der Patron gibt auf
Immer wieder mischte sich der impulsive und einflussreiche Geschäftsmann, dessen Alleingänge intern gefürchtet waren, in die Vorstandsarbeit auf Schalke ein – und das, obwohl er als Aufsichtsratschef eigentlich nur kontrollieren soll. Sowohl im Aufsichts- als auch im Ehrenrat gab es demnach keine richtige Opposition.
Tönnies ist ein Machtmensch, der “die Öffentlichkeit braucht”, sagte ein Weggefährte kürzlich zu. Er sah sich also nie als Problem auf Schalke, sondern immer als Lösung.
Für die aktuelle sportliche Krise kann Clemens Tönnies sicherlich nur bedingt etwas. Für die vielen Fehlentscheidungen (Trainer- und Sportdirektoren-Wechsel) und die finanzielle Misswirtschaft (aktuell 198 Mio. Euro Schulden) allerdings schon mehr.
Der Druck der Anhänger auf ihren Patriarchen wurde zuletzt immer größer. Rund 1500 Fans bildeten am vergangenen Samstag auf einer Demo unter dem Motto “Schalke ist kein Schlachthof!” eine Menschenkette rund um das Vereinsgelände. Teile der Fans sind nach dem Tönnies-Rücktritt erleichtert und feierten schon im Netz.
Clemens Tönnies, der mächtige Schalke-Boss, wurde von den Fans gestürzt.
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Glück auf, der Sponsor kommt!
Von Alex Steudel
Schalke 04 hat es allen gezeigt. Während sich europäische Spitzenklubs wie der Hamburger SV oder Manchester City mit klapprigen Möchtegern-Milliardären herumschlagen müssen – das Vermögen von City-Scheich bin Zayed Al Nahyan beträgt gerade mal 35 Milliarden, und HSV-Inhaber Klaus-Michael Kühne ist nur mit Müh’ und Not zweistellig –, ziehen die Königsblauen mal eben wie nix Nordrhein-Westfalen an Land. Hut ab!
Das bevölkerungsreichste deutsche Bundesland der Welt hat unter Präsident Armin Laschet zuletzt 711 Milliarden Euro Bruttosozialprodukt erwirtschaftet. In einem Jahr!
Mit der offiziell als Bürgschaft getarnten bundesstaatlichen Übernahme der Schalker lässt sich eine Weile gut arbeiten. Oder wie wir in Hamburg sagen würden: Die nächsten zwei Spielzeiten sind gesichert.
Dass NRW eine schwarz-gelbe Regierung hat, ist erstmal zweitrangig. Mit der frischen Steuerzahlerkohle im Rücken rollt Schalke kommende Saison gewiss das Feld von hinten auf. Angeblich sollen 14 neue Topstars aus dem In- und Ausland zum Ligazwölften der abgelaufenen Spielzeit geholt werden. Und diesmal sogar auch ein echter Trainer.
Schalke 04: NRW bürgt für Millionenkredit
Fußballtradition ist nicht systemrelevant
Oberflächlich betrachtet hat die Sache einen Haken: Der Landtag von NRW muss künftig jeden Spielertransfer einzeln abnicken. Weil in diesem Gremium aber kein einziger Fußballexperte sitzt, ändert sich für Schalke im Wesentlichen nichts.
Das Geld ihres Fleischimperators braucht S04 damit übrigens nicht mehr. Der Aufsichtsrat des Klubs, die Bild-Zeitung, hatte Clemens Tönnies deshalb bereits Anfang der Woche öffentlich den Rücktritt angeboten, den der 64-Jährige gestern auch angenommen hat.
Angeblich sollen dabei Tränen geflossen sein, also bei Boss Tönnies. Man einigte sich im Anschluss darauf, dass er künftig dem Verein zumindest als Sponsor erhalten bleibt. Er soll in der kommenden Spielzeit die Unterkünfte der Mannschaft finanzieren.
Kostet bei ihm ja quasi nix.
Heute im Fernsehen
19 Uhr, Magenta Sport: 3. Liga, FC Bayern II - MSV Duisburg
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Alle mal herschauen!
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