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Europa-League-Finale in Baku: Es läuft wie geschmiert

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Wer als Fan heute Abend Chelsea oder Arsenal im Stadion unterstüt
 

Fever Pit’ch

29. Mai · Ausgabe #165 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Wer als Fan heute Abend Chelsea oder Arsenal im Stadion unterstützen will, braucht Stehvermögen. Um 23 Uhr Ortszeit wird in Baku das Endspiel der Europa League angepfiffen. Zum Nachsprechen: um elf Uhr nachts. Nur dann ist gewährleistet, dass das Finale zur besten Sendezeit in London live im Fernsehen zu sehen sein wird, nämlich um 20 Uhr (in Deutschland um 21 Uhr). Höher kann die Uefa die Perversion nicht auf die Spitze treiben.
Einen ausgeschlafenen Mittwoch wünscht
Euer Pit Gottschalk

Europa-League-Finale in Baku: Es läuft wie geschmiert
Baku ist schon auf die Europa League eingestellt. Foto: Imago Images / Pacific Press
Das Finale der Europa League zwischen Chelsea und Arsenal findet am Mittwoch in Aserbaidschan statt. Fragen zum Austragungsort weicht die Uefa aus - ein Staatsunternehmen sponsert die Europameisterschaft 2020.
Sechs Jahre lang hatte er als Nationaltrainer Entwicklungshilfe in Aserbaidschan geleistet. Als Berti Vogts 2014 überstürzt und enttäuscht nach einem 0:6 in Kroatien die Brocken hinwarf, fiel die Bilanz seines Lehrauftrags in der Hauptstadt Baku gemischt aus.
Einerseits feierte der frühere Bundestrainer den Aufstieg einer unbedeutenden Fußballnation von Weltranglistenplatz 147 auf 73. Andererseits desillusionierte ihn die Mentalität am Kaspischen Meer: “Die denken nur an ihre Kohle und tun nichts dafür”, sagte er.
Nur an die Kohle denken: Von diesem Vorwurf dürfen sich die Uefa-Verantwortlichen freisprechen, seit sie vor zwei Jahren Baku zum Austragungsort für das Endspiel der Europa League 2019 wählten. Es ist das Ölvorkommen, das Aserbaidschan auf ihren Radar brachte.
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Sportlich gibt es jedenfalls keinen Grund, warum die beiden Londoner Klubs FC Chelsea und FC Arsenal am Mittwochabend ihren Sieger fast sechs Flugstunden entfernt in Baku ermitteln. Aserbaidschan spielt keine Rolle im internationalen Fußball - und wird es auch nie.
Jede Verbindung zwischen Sponsorentätigkeit und Spielort-Vergabe weist die Uefa weit von sich. Tatsächlich lief das Vergabeverfahren vergleichsweise transparent; die Kategorien zu Infrastruktur und Organisation waren nachvollziehbar. Ein Geschmäckle bleibt trotzdem.
Seit 2013 ist das Staatsunternehmen “Socar” mit seinen Öl-Millionen ein großzügiger Uefa-Sponsor und trat 2016 weltweit in Erscheinung, als seine Kernbotschaft “Energie aus Aserbaidschan” (Energy of Azerbaijan) die EM-Werbebanden schmückte.
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Inzwischen sitzen zwei Aserbaidschan-Vertreter in hohen Uefa-Gremien. Der eine ist Mitglied der Beratungskommission für Marketingfragen. Der andere ist stellvertretender Vorsitzender - in der Kommission für Fairplay und Soziale Verantwortung.
Die Lobbyarbeit schadet nicht. “Socar” bezuschusst auch die EM 2020 wieder. Und das, obwohl das autoritäre Regime des Präsidenten Ilham Alijew gegen so ziemlich alle Grundwerte verstößt, die von der Uefa in aufwändig produzierten Werbespots proklamiert werden.
Die Journalisten-Organisation “Reporter ohne Grenzen” sieht Aserbaidschan auf Platz 162 von 180 Ländern bei der Pressefreiheit. Das Auswärtige Amt warnt Homosexuelle schriftlich vor der Einreise. Der frühere BVB-Profi Henrikh Mkhitaryan fürchtete sogar um sein Leben.
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Weil sich Aserbaidschan in einem Konflikt mit seinem Heimatland Armenien befindet (es geht um die Region Bergkarabach), verzichtet der Arsenal-Star auf seine Finalteilnahme. Die Uefa konnte ihm - aus seiner Sicht - nicht ausreichend Sicherheitsgarantien geben.
“Das ist ein Skandal, dass er deswegen nicht spielen kann“, sagte der deutsche Nationaltorhüter und Mitspieler Bernd Leno am Montag im Kicker. “Er arbeitet die ganze Saison hart und kann dann aus politischen Gründen nicht mit zu so einem Finale kommen.“ 
Darf ein solches Regime ein Europapokal-Finale austragen? Die Uefa zuckte nicht lange, als Baku 2017 die Mitbewerber Sevilla und Istanbul ausstach. Auch bei der EM 2020 gehört die Stadt mit ihren 2,3 Mio. Einwohnern zu den privilegierten Austragungsorten.
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Drei Gruppenspiele und ein Viertelfinale finden in Baku statt. So viele wie in München, Rom und St. Petersburg. Und wichtigere EM-Spiele als in Glasgow, Budapest und Kopenhagen. Da fragt man sich schon: Was außer Öl-Millionen hat Aserbaidschan zu bieten?
“Die Menschenrechtslage ist ein Problem”, räumte Uefa-Präsident Aleksander Ceferin diese Woche im Spiegel ein. “Aber das ist sie in anderen europäischen Staaten auch. Verdienen die Fans in Baku deswegen keinen Live-Fußball?”
Er mag nicht einsehen, dass Aserbaidschan kein geeigneter Endspielort ist, wenn offenbar der Flughafen die Einreisemöglichkeiten für englische Fans beschränkt. Nur jeweils 6000 Fans bekommen Tickets für das 70.000 Zuschauer fassende Stadion in Baku.
“Soweit ich weiß, haben die Vereine sogar noch Tickets zurückgegeben, weil sie nicht alle verkauft bekommen haben”, so Ceferin. “Übrigens wurde mir gesagt, dass Easyjet die Flugpreise angehoben hat. Fragt da irgendjemand nach? Immer soll es die Schuld der Uefa sein. Das ist populistisch.”
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Von Marco Mader
Es war Mitte Juli 2018, das WM-Finale gerade ein paar Tage alt, da schrieb ein Fachblatt vom “Angriff des Weltmeister-Klubs”. Der VfB Stuttgart “boomt”, hieß es da - und wolle mit dem frisch gekürten Champion Benjamin Pavard an der Spitze “mit aller Macht weiter nach oben”. Zehn Monate später sind die ambitionierten Schwaben zum dritten Mal aus der Bundesliga abgestiegen - und Pavard wechselt zu Bayern München.
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Die starke Rückrunde 2018 hat nicht nur den Blick der Experten getrübt. Klub und Umfeld sahen einen Platz in der oberen Tabellenhälfte als Naturgesetz an, mancher träumte vom Europacup. Pleiten, Pech und Pannen sorgten für ein böses Erwachen.
Da war die verfehlte Einkaufspolitik des inzwischen geschassten Sportvorstands Michael Reschke, der ohne echtes Korrektiv schalten und walten durfte. Da gab es interne Querelen um den längst zurückgetretenen Aufsichtsratschef Guido Buchwald oder Präsident Wolfgang Dietrich, dessen Rücktritt die Ultra-Fans weiter fordern.
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Trainer Tayfun Korkut schien überfordert beim Versuch, seine Mannschaft spielerisch weiterzuentwickeln. Nachfolger Markus Weinzierl fand nie einen Draht zur Mannschaft - geschweige denn sportliche Stabilisierungsmittel. Und die Profis erwiesen sich trotz Zwischenhochs unter Trainer Nummer drei Nico Willig als untrainierbar. Ein echtes Miteinander gab es nie.
Dennoch ist das Bild nicht so düster wie beim letzten Abstieg 2016, als Trainer Jürgen Kramny, Präsident Bernd Wahler sowie Sportvorstand Robin Dutt gingen und die finanzielle Lage prekär war. Anders als damals, als ein Juwel wie Timo Werner fast verschenkt werden musste, sind diesmal keine Notverkäufe erforderlich. Der VfB erhielt die Lizenz ohne Auflagen, der Hauptsponsor hat schon verlängert, ein zweiter Investor steht vor der Tür, der Verkauf von Pavard und womöglich Ozan Kabak bringt frisches Geld.
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Sportvorstand Thomas Hitzlsperger, der aufgrund seiner kurzen Amtszeit (seit Februar) für den erneuten Absturz kaum haftbar zu machen ist, und Kaderplaner Sven Mislintat müssen es jetzt sinnvoll investieren. Und sie sollten dem starken Nachwuchs eine Chance geben: Die U19 greift nach dem Pokalsieg nach dem historischen Double.
Falls es dem neuen Trainer Tim Walter gelingt, mit seiner offensiven Spielphilosophie auch die verprellten Fans wieder zu begeistern, hat der VfB eine gute Perspektive. Doch Vorsicht: In der neuen 2. Liga gibt es mit den Mitabsteigern aus Hannover und Nürnberg sowie dem Hamburger SV noch drei weitere Schwergewichte. Mindestens eines schaut 2020 in die Röhre…
Marco Mader ist Redakteur beim Sport-Informationsdienst (SID)
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Fever Pit'ch: Trainer statt Manager - warum das?
Christoph Metzelder: In den letzten Wochen ist bei mir die Entscheidung gereift, dass ich mich im Fußball und darüber hinaus noch generalistischer weiterentwickeln möchte. Dazu gehört neben meiner Tätigkeit als 1. Vorsitzender des TuS Haltern am See und meiner Stiftung sowie meinem Engagement bei unserer Agentur auch eine fachspezifische Weiterentwicklung im Fußball. Ich möchte meine (Trainer)ausbildung abschließen!
Fever Pit'ch: Warum nicht weiter bei Sky?
Christoph Metzelder: Ich hatte das Glück, direkt nach meiner aktiven Zeit bei Schalke, Dortmund und Madrid die Perspektive zu wechseln und Sportfernsehen zu machen. Dafür bin ich sehr dankbar. Gleichzeitig war es aber auch eine hohe Anforderung, jeden Samstag in der ganzen Republik oder in München unterwegs zu sein, wenn man sonntagmorgens mit dem ersten Flieger um 6 Uhr nach Düsseldorf fliegen muss, um pünktlich zu den Spielen der U19 zu kommen. Ich freue mich jetzt auf Regionalliga-Fußball am Samstag bei und mit dem TuS Haltern.
Fever Pit'ch: Wie konkret waren die Gespräche mit Schalke 04 und RB Leipzig?
Christoph Metzelder: Es gab auf beiden Seiten einen ersten Austausch. Aus unterschiedlichen Gründen wurden diese bislang nicht vertieft. Gleichzeitig hat der DFB auf eine konkrete Antwort gewartet, ob ich an dem diesjährigen Trainerjahrgang teilnehme, so dass in den letzten Wochen die finale Entscheidung für den Trainerlehrgang und eine noch aktivere Rolle in unserer Agentur BrinkertMetzelder gefallen ist. 
Fever Pit'ch: Fürchtete man den großen Namen?
Christoph Metzelder: Das müssen andere beantworten. Mein Gefühl war es nicht, im Gegenteil. Wer mich kennt, weiß, dass ich ein absoluter Teamplayer bin. Ich freue mich darauf, den deutschen Fußball in den kommenden Jahren - an welcher Stelle auch immer - mitzugestalten.
Fever Pit'ch: Ihre Agentur BrinkertMetzelder braucht eigentlich keinen Trainer, oder?
Christoph Metzelder: Definitiv nicht, aber es ist auch klar, dass wir neben dem Schwerpunkt sozialer und gesellschaftlicher Kommunikation demnächst auch wieder im Sport voll angreifen werden. Dafür benötigt es, wenn Sie so wollen, auch neben Raphael Brinkert einen Co-Trainer, der täglich mit auf dem Platz steht.
Alle mal herschauen!
NDR Sport
Was für eine Geschichte: Die C-Junioren vom #VfBPeine werden auf dem Weg zur Meisterschaft durch einen Unfall jäh gestoppt. Doch ausgerechnet der schärfste Verfolger verhilft dem VfB mit einer #FairPlay-Initiative zum Titel. #Sportclub https://t.co/m8rahXFojc
11:39 PM - 26 May 2019
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