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FC Bayern flügellahm: Leroy Sané bringt's noch nicht

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Mag man Spieler kritisieren, die am Boden liegen? Der FC Schalke
 

Fever Pit’ch

7. Dezember · Ausgabe #474 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Mag man Spieler kritisieren, die am Boden liegen? Der FC Schalke 04, jetzt seit 26 Bundesliga-Spielen ohne Sieg, hat das Stadium angebrachter Kritik längst verlassen. Für eine Mannschaft, die alles leisten will und ständig verliert, bleibt nur Mitleid übrig. “Ich bin traurig”, sagt Bayern-Torwart Manuel Neuer über seinen Ex-Klub. Man kann Schalke beim Sterben zusehen wie einst dem Kohlebergbau im Ruhrgebiet: Man ahnt das Ende kommen.
Ja, es sind erst zehn Bundesliga-Spieltage gespielt. Wie aber soll Schalke aus dem Tabellenkeller rauskommen? Drei Punkte aus zehn Spielen, sogar Arminia Bielefeld hat vier Punkte mehr, dazu eine Tordifferenz von minus 25: Woher soll die Hoffnung auf bessere Saisonphasen rühren? So ein Heimsieg gegen Bayer Leverkusen hätte Flügel verleihen können. Das 0:3 aber entnervte Trainer Manuel Baum gestern nur noch: “Es ist echt zum Kotzen.”
Schalke bekommt gerade die Quittung für eine seit Jahren verkorkste Kaderplanung und Führungskultur. Man könnte auf die Idee kommen, dass ein Abstieg eine Gelegenheit zur Neuausrichtung bietet. Doch so einfach ist das nicht. Siehe Hamburger SV: Schon das dritte Jahr versuchen sie beim HSV die Rückkehr in die Bundesliga; bisher scheiterte jeder Versuch an der eigenen Unzulänglichkeit. Das sind keine guten Aussichten für Schalke.
Einen realitätsnahen Montag wünscht
Euer Pit Gottschalk

FC Bayern flügellahm: Leroy Sané bringt's noch nicht
Coman kann's
Coman kann's
Kingsley Coman macht vor, wie ein Flügelspieler ackern muss
Von Alex Steudel
Mitarbeiter des Wochenendes ist eindeutig Kingsley Coman. Gegen Leipzig hat er wieder mal spitzenmäßig gekickt und den Kollegen drei Assists gereicht. Mathematisch gesehen, gehen bei einem 3:3 gar nicht mehr als drei Assists, es sei denn, du legst auch noch Eigentore auf. Also bekam der Franzose Sonderlob von Bayern-Trainer Hansi Flick und wurde obendrein zum Mann des Spitzenspiels gewählt.
Was mir an Coman besonders viel Spaß macht: Zu sehen, wieviel Spaß es ihm macht. Der 24-Jährige gibt nie auf, er sprintet, dribbelt, lacht, verteidigt, bereitet vor. Gelegentlich köpft er vor lauter Freude das entscheidende Tor in einem Champions-League-Finale
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Und damit sind wir bei Leroy Sané. Der ist wie Coman Außenstürmer und 24, aber irgendwie das Gegenteil. Nun war er sogar Griesgram des Wochenendes: kein Torschuss, keine Torvorbereitung - und dann auch noch über die Zuspiele der Mitspieler gemeckert. Blöd für ihn, dass man das heutzutage so gut hören kann. Ansonsten war der Deutsche häufig damit beschäftigt, den Kopf hängen zu lassen. 
Coman kam vor drei Jahren zum FC Bayern und war auch nicht gleich Stammspieler. Sané kam diesen Sommer und wurde schnell Rätselspieler. Heute hilft Coman gutgelaunt auch hinten aus, wenn’s sein muss, Sané werfen sie vor, keine rechte Lust auf Hinten zu haben. Das Problem: Wenn Sané keine Lust hat, macht er’s auch nicht. Früher nannten wir das Schön-Wetter-Fußballer. Ganz früher nannten wir es Hausaufgaben.
Welches Vorbild Leroy Sané jetzt braucht Welches Vorbild Leroy Sané jetzt braucht
“Wir haben vier Außenstürmer mit sehr guter Qualität. Im Moment (…) ist Kingsley derjenige, der Akzente setzt und Torgefahr ausstrahlt und vorbereitet”, sagte Flick – das war politisch korrekt auf Leroy Sané, Serge Gnabry und Douglas Costa gemünzt, gemeint war der 45-Millionen-Transfer des Sommers. Coman kostete übrigens nicht mal die Hälfte.
Sané verordneten sie bei seinem letzten Klub Manchester City immer wieder Auszeiten. Heute schwant einem warum. Und wir ahnen, wieso ihn Trainer Pep Guardiola recht ungehindert gehen ließ.
Und da sind wir an dem Punkt, den ich wirklich nicht verstehe. Wie man tagelang trainieren und dann, wenn es endlich losgeht, derart missmutig rüberkommen kann. Der Mann lebt doch den Traum jedes Fußballers. Er hält eine Hand mit vier Assen: Profi in einer der besten Ligen der Welt, Millionenvertrag, FC Bayern, Nationalspieler.
Nennt es doch auch "Klassiker" Nennt es doch auch "Klassiker"
Er müsste jedesmal von Minute 1 bis 90 nur lachen und rennen und dribbeln und sich des Lebens freuen. Der Deslebensfreuer schlechthin, Thomas Müller, steht ja sogar direkt neben ihm und gibt täglich Anschauungsunterricht. Manchmal wirkt Sané aber, als habe ihn gerade ein Betreuer mit vorgehaltener Waffe auf den Platz schieben müssen.
Dann dieser Coman, dieser Gegensatz. Ein Genuss. Und pfeilschnell ist er. Schnell ist eigentlich der Grund, weshalb sie Sané geholt haben. Aber jetzt ist Sané noch nicht mal mehr der Schnellste. Er muss wegen Coman auf der ungeliebten rechten Seite spielen, und er muss auch hinnehmen, dass Coman das bessere Alleinstellungsmerkmal hat: Am Samstag wurde er beim Herumrennen mit 35,89 km/h geblitzt. Das ist Saisongeschwindigkeitsrekord. Armer Leroy.
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Von Jörg Soldwisch
Oliver Bierhoff, Manuel Neuer, Thomas Müller, Jürgen Klopp, und, und, und - alle sprechen über Joachim Löw. Aber warum spricht eigentlich der Bundestrainer selbst nicht? Dass sich Löw in den drei Wochen nach dem 0:6 in Spanien, bei dem nicht nur das nackte Ergebnis, sondern vielmehr die Art und Weise blankes Entsetzen ausgelöst hatte, komplett aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat, war ein Fehler. Deshalb ist es richtig, dass sich Löw nun öffentlich erklären und Stellung beziehen will.
Ja, die Aufarbeitung einer solchen Pleite dauert in einem Verband wie dem DFB, der auf Führungsebene auch noch zerstritten ist, länger als bei einem Bundesligaklub. 
Aber vor einer Woche überzeugte Löw beim Gipfeltreffen das DFB-Präsidium, das ihm hinterher das Vertrauen aussprach, mit seiner Analyse. Warum präsentierte er diese danach nicht auch den Fans, die ihn in allen Umfragen nicht mehr für den richtigen Mann auf dem wichtigsten Trainerposten im deutschen Profifußball halten? 
Hansi Flick verteidigt Joachim Joachim Löw
Und warum verzichtet Löw auf einen Stadionbesuch beim hochklassigen Topspiel zwischen Bayern München und RB Leipzig? Der Verweis auf die aktuelle Coronalage geht ins Leere, wenn am selben Wochenende U21-Trainer Stefan Kuntz das Berliner Stadtderby besucht.
Löw war nie jemand, der sich von der öffentlichen Meinung treiben ließ. Auch vor dem WM-Triumph vertraute er meistens seinen inneren Überzeugungen, danach sowieso. Deshalb dürften ihn die erschreckenden Umfrage-Werte auch kaum tangieren, die Forderungen gewisser Boulevardmedien oder Experten wie Lothar Matthäus ebenso wenig. 
Aus der Nationalmannschaft ist zu hören, dass man das Vertrauen der Öffentlichkeit erst wirklich bei der EURO zurückgewinnen könne. Das mag so sein. Aber will die DFB-Auswahl in den Gruppenspielen in München von der Euphorie der Fans getragen werden, muss das Feuer schon vorher entfacht werden. Abtauchen hilft da wenig.
Jörg Soldwisch ist Redakteur beim Sport-Informationsdienst (SID)
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