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FC Bayern und die schönste Krise in ganz Europa

Revue
 
 

Fever Pit’ch

11. Januar · Ausgabe #489 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Was ist davon zu halten, wenn Schalke 04 nach fast einem Jahr das erste Bundesliga-Spiel gewinnt? Und was davon, dass Bayern München schon die zweite Niederlage seit dem Triple hinnehmen muss? Ganz zu schweigen von Borussia Dortmund: Plötzlich entzaubern sie sogar RB Leipzig, eigentlich die Mannschaft der Stunde. Wie dauerhaft ist das Formhoch beim BVB?
Die Bundesliga-Saison hat ihre Hinrunde noch nicht beendet und wirft schon tausend Fragen auf. Keine Antwort ist von Bestand. Die Mannschaften geben sich flatterig, wie’s in einer Corona-Spielzeit nicht anders sein kann. Keine Fans, die einen peitschen, ein Terminplan, der alle quält, eine Kaderplanung, die kirre macht - Prognosen sind dem Zufallsprinzip unterworfen.
Wenn die Autoren heute also im Fever Pit'ch Newsletter versuchen, das Geschehene vom Wochenende irgendwie auf eine rationale Grundlage zu stellen, geschieht jeder Erklärungsversuch ohne Gewähr. Allein dass Schalke plötzlich 4:0 gegen die TSG Hoffenheim gewinnt, so deutlich und souverän, entzieht sich jedem gesunden Menschenverstand.
Einen unverbindlichen Montag wünscht
Euer Pit Gottschalk

FC Bayern und die schönste Krise in ganz Europa
Trainer Hansi Flick braucht den Spritsparmodus
Von Alex Steudel
Diskutieren wir also über die Krise der Bayern. Die geht, wenn ich das richtig verstanden habe, so: Es ist Anfang Januar, und der amtierende Meister hat in Mönchengladbach verloren. Ist eine Gegentorfabrik geworden. Hat diese Saison 24 Treffer kassiert. Genau so viele wie (hüstel) Arminia Bielefeld.
Hinten geht beim FCB alles schief: Niklas Süle stolpert durch die Gegend. David Alaba denkt nur noch an seinen nächsten Klub. Benjamin Pavard kann nichts mehr. Jerome Boateng guckt von draußen zu.
Und was tut Trainer Hansi Flick? Nix!
Dazu kommt das Stürmerdebakel. Robert Lewandowski schoss beim 2:3 in Gladbach nur ein Tor. Eins. Das ist das Ende. Soviel zur Krise des amtierenden Champions-League-Siegers.
Naja.
Wenn die Bayern wirklich eine Krise haben, dann ist es die schönste Krise Europas. Die hätte jeder andere Klub auch mal gern. 
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Ich habe am Sonntag den alten Schulatlas rausgeholt und Europa auf Superklubstandorte untersucht. Spanien. Barça und Real Madrid. Humpeln hinter Atletico Madrid (hat drei Spiele weniger und ist trotzdem Tabellenführer) her. Italien. Juventus Turin. Nur Vierter.
Frankreich. Paris hat gerade Trainer Thomas Tuchel gefeuert und ist Zweiter. Zweiter! Das ist, als würden die Münchner gegen den Abstieg kämpfen.
England. Meister FC Liverpool hat seit Mitte Dezember kein Ligaspiel mehr gewonnen.
Und dann Deutschland. Die Bayern?
Sind: Erster. Ich habe das Sonntagabend extra noch mal bei einer zweiter Quelle gegengecheckt. Platz eins. Vor Leipzig, vor Leverkusen, vor Dortmund, und wie sie alle heißen. Bayern ist auch nicht im DFB-Pokal ausgeschieden. Und steht im Achtelfinale der Champions League. Dort wartet Lazio Rom, Italien. Übrigens gerade Achter in der Serie A.
FC Bayern, was für eine geile Krise!
Also machen wir lieber halblang. Sollten Neuer & Co. am Mittwoch im Pokal nicht gegen Kiel und am Sonntag nicht gegen Freiburg gewinnen, dann können wir ja immer noch reden. 
Die gesammelten Steudel-Kolumnen gibt’s jetzt als Taschenbuch und eBook. Titel: “Das Fußball-Jahr 2020 unter besonderer Berücksichtigung des HSV”, 254 Seiten.
Immer wieder sonntags
4:1! Unverschämt abgeklärt, diese Stuttgarter
0:1! Hertha BSC blamiert sich in Bielefeld
Heute im Fernsehen
Tasmania-Rekord verhindert
So schafft Schalke 04 noch das Wunder
Von Andreas Asen
Vielleicht lässt sich dieser erlösende Sieg von Schalke 04 zum Anlass nehmen, ein altes Zitat des bereits wieder geschassten Trainers Manuel Baum zu bemühen. Schalke sei wie eine “neue Ketchup-Flasche, auf die man nach dem Öffnen erst noch einmal klopfen muss, damit etwas herauskommt”, hatte Baum Ende Oktober philosophiert - und nun, knapp zehn Wochen später, hat S04 offenbar genug geklopft.
Das 4:0 gegen die TSG Hoffenheim glich einer Befreiung, die quälende Vorstellung, den Sieglosrekord von Tasmania Berlin einzustellen, hat Schalke gerade noch abwenden können. Doch das deutliche Ergebnis darf nicht täuschen: Der Weg des Tabellenvorletzten bis zum Klassenerhalt ist weiterhin lang, das Gebilde bleibt fragil. 30 Spiele in der Liga ohne Sieg haben Spuren hinterlassen, die nicht einfach verschwinden.
"Hoppe ist eine Inspiration für alle jungen Spieler"
Und doch gibt es sie, die Zeichen, dass es nun langsam laufen könnte. Rückkehrer Sead Kolasinac kann die Mannschaft mit seiner Art und Weise, Fußball zu spielen, mitreißen. Torhüter Ralf Fährmann war stark, Amine Harit glänzte wie in besten Tagen. Dazu kommt Matthew Hoppe. Der unverhoffte Held, den vor dem TSG-Spiel wohl auch Schalke-Fans auf offener Straße kaum erkannt hätten - und der mit seinem Dreierpack plötzlich zum großen Hoffnungsträger aufsteigt.
Harit wünscht sich, dass der Sieg gegen Hoffenheim nur der Beginn einer langen Serie wird. Das kommende Spiel in Frankfurt wird bereits zeigen, ob sich die Hoffnungen des Marokkaners erfüllen - oder ob S04 wieder klopfen muss.
Andreas Asen ist Redakteur beim Sport-Informationsdienst (SID)
Was sonst noch so los ist
Hummels, Hummels - Kampf, Kampf
Drei Punkte eingeplant, drei BVB-Tore kassiert
Achillessehnen-Riss bei Axel Witsel
Union Berlin: Eingepreistes Unvermögen
Werder Bremen: Florian Kohfeldt warnt
Hinein ins Nichts beim 1. FC Köln
Alle mal herhören!
Fohlenfutter-Podcast: Das neue Ziel von Mönchengladbach
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