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Fifa-Wahl: Nicht Messi war der Beste - sondern Becker

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Im Herbst haben wir uns wochenlang darüber aufgeregt, dass Deutsc
 

Fever Pit’ch

25. September · Ausgabe #243 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Im Herbst haben wir uns wochenlang darüber aufgeregt, dass Deutschland nicht den Klassenerhalt in der Nations League schafft. Seit gestern wissen wir: War alles nur ein Spaß. Die Uefa reformierte ihren Quatschwettbewerb schon Monate nach dem Start so, dass die deutsche Nationalelf nun doch erstklassig bleibt. Die ganze Aufregung nach den Pleiten gegen Frankreich und Holland - für die Katz’. Der Sportbuzzer hat schon recht, wenn er jetzt schreibt: “So nimmt die Uefa der Nations League die Glaubwürdigkeit.”
Die Nations League im Nachhinein für ungültig erklärt, ein Europapokalfinale nach Baku verlegt, dazu die endlose Debatte um den Umbau der Champions League zur Super League, die Reibereien mit den besten Klubs: Der Uefa mangelt es gerade an Klarheit in ihrem Handeln. Oder fragt mal Leute auf der Straße, wo der Schwerpunkt der nächsten Europameisterschaft 2020 liegt. Bestenfalls erntet man ein Achselzucken oder mit Glück den Hinweis, dass das Finale in London stattfindet. Genaueres weiß man nicht.
So ein Dachverband hat die Aufgabe, Orientierung zu stiften. Nicht nur technisch, dass der Videobeweis in der Europa League Anwendung findet. Sondern inhaltlich: Der reichste und mächtigste und damit auch wichtigste Kontinentalverband der Welt muss in seinem Regelwerk eine Verlässlichkeit ausstrahlen, die den Weltverband Fifa staunen lässt und am Ende ein Vorbild ist. Die Champions League war vor über zwei Jahrzehnten stilbildend. Seitdem kam wenig, was den Fußball vorantrieb. Die Uefa mäandert.
Man wird den Eindruck nicht los, dass die Uefa an den Belangen des Fußballs vorbei regiert. Nicht aus böser Absicht, bestimmt nicht. Aber fahrlässig und übertrieben auf Gewinnmaximierung fixiert. Es muss zum Beispiel die Frage erlaubt sein, warum München 2022 zum vierten Mal in dreißig Jahren das Endspiel in der Königsklasse austragen lassen darf und alle anderen deutschen Städte nur zweimal in diesem langen Zeitraum, Gelsenkirchen 2004 und Berlin 2015.
Das Argument mit der Art von Entwicklungshilfe wie bei Baku zählt ja nicht. Warum also kein Endspiel mehr im Herzen des deutschen Fußballs, in Dortmund oder auf Schalke? Fußball soll die Menschen erreichen und begeistern, und das geht am besten dort, wo Fußball gelebt wird, und nicht nur dort, wo er unbedingt den besten Komfort an Hotelzimmern und sonstigen Annehmlichkeiten bietet. Ja, die Bewerbung hat mit dem DFB in Frankfurt zu tun. Aber das macht’s nicht besser.
Einen leidenschaftlichen Mittwoch wünscht
Euer Pit Gottschalk

Fifa-Wahl: Nicht Messi war der Beste - sondern Becker
Lionel Messi (rechts) neben Frenkie de Jong und Marcelo
Schauen Fußballer eigentlich Fußball?
Von Alex Steudel
Als Lionel Messi zu Wochenbeginn in Mailand Weltfußballer des Jahres wurde, fehlte Cristiano Ronaldo. Der Drittplatzierte saß daheim auf seinem Sofa und las ein Buch. Schlechter Verlierer, könnte man jetzt sagen, nur müsste es dann ja auch einen guten Gewinner gegeben haben. Messi war für mich aber 2018/19 so wenig bester Fußballer der Welt wie CR7, außer vielleicht in der Ü30-Wertung.
Der Argentinier gewann mit Barcelona die Meisterschaft und schoss wie immer Tore ohne Ende, diesmal 36, aber in den anderen Wettbewerben schlaffte er ab, als es darauf ankam: Sowohl in der Champions League (gegen Liverpool) als auch bei der Copa America (gegen Brasilien) stieg Messi im Halbfinale auf altbewährte Weise aus: schulterhängend, ohne Aufbegehren. Im Finale der Copa del Rey verlor Messi übrigens ebenfalls: gegen Valencia. 
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Ich finde, ein Weltfußballer sollte nicht nur kicken können, er muss auch sein Team mitreißen. Schließlich ist Fußball eine Mannschaftssportart. Was das angeht, sind für mich Spieler wie Cristiano Ronaldo, Oliver Kahn und Matthias Sammer der Maßstab. So gesehen, hätte Messi allerdings noch nie Weltfußballer werden dürfen. 
Wer wäre 2019 stattdessen ein verdienter Sieger gewesen? Viele hatten ja auf Liverpools Abwehrgott Virgil van Dijk gewettet, der Zweiter wurde, und das wäre auch eine Okay-Wahl gewesen. Für mich war im vergangenen Jahr Alisson Becker überragend. Alleine schon die Tatsache, dass Brasilien einen Super-Torhüter hervorbringt, wäre ja schon fast die Ehrung wert.
Alisson Becker – seine Leistungsdaten
Van Dijks Nachteil: Er ist Innenverteidiger
Becker, der am Montag nur - in Anführungszeichen - Welt-Torhüter wurde, gewann mit Liverpool die Champions League (und kassierte in 13 Spielen nur zwölf Tore), wurde Zweiter in der Premier League (in 38 Spielen sagenhaft wenige 22 Gegentore), und er holte mit Brasilien die Copa America. 
Der 26-Jährige wäre eine sehr gute Wahl gewesen. Aber Torhüter kommen irgendwie nicht ran an den Pott, wahrscheinlich, weil sie ja auch auf dem Platz immer ganz hinten stehen. Kahn war 2002 mal Zweiter, Manuel Neuer 2014 Dritter, und das war’s.
Übrigens wurde seit Lothar Matthäus 1991 kein Deutscher mehr Weltfußballer. Alisson Becker hätte auch diese Scharte ausgewetzt. Seine Vorfahren kommen nämlich aus dem Saarland, sein Vater spricht deutsch – und er selbst wurde im brasilianischen Städtchen Nuovo Hamburgo geboren.
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