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Geisterspiele: Bundesliga verdient eine weitere Chance

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Wenn nicht alle Vorzeichen täuschen, läuft die Bundesliga auf ein
 

Fever Pit’ch

18. Mai · Ausgabe #373 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Wenn nicht alle Vorzeichen täuschen, läuft die Bundesliga auf einen heißen Titelkampf zu. Vier Punkte Rückstand an der Tabellenspitze kann man ja aufholen: Borussia Dortmund spielt wie schon vor der Coronakrise in einer beängstigend guten Form. Die Bilanz von acht Siegen in neun Rückrunden-Spielen erhöht auch den Respekt, den der Branchenprimus Bayern München vor seinem ärgsten Verfolger empfindet. Der BVB, der am Samstag mit einer ersatzgeschwächten Mannschaft den Lokalrivalen FC Schalke 0:4 aus dem Westfalenstadion schoss, ist nicht mit jenem BVB zu vergleichen, der in der Hinrunde 0:4 in München unterging. Irgendetwas muss in der Winterpause zwischen BVB-Trainer Lucien Favre und seinen Spielern passiert sein. Der Leistungssprung ist nicht allein mit der Ankunft von Erling Haaland im Sturm zu erklären. Und während ich diese Zeilen schreibe, merke ich es selbst: Sogar in der Diskussion, wie diese Saison ausgeht, ist ein Stück Normalität eingekehrt. Wir reden wieder über Fußball. Ist das jetzt schön? Oder eher gefährlich, weil verharmlosend und vorschnell? Ich weiß es nicht.
Am Sonntag saß ich im Doppelpass dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder gegenüber. Er gehört zu den Fürsprechern, die halfen, dass die Liga überhaupt in der Lage ist, den Spielbetrieb - unter allen notwendigen Vorkehrungen natürlich - wieder aufzunehmen. Ich hatte nicht den Eindruck, dass er das Fußballthema unter populistischen oder kurzfristigen Aspekten betrachtet, wie man es bei seinem nordrhein-westfälischen Kollegen Armin Laschet beobachten kann. Dafür waren Söders Warnungen an die DFL-Bosse zu deutlich: Jeder Spieltag sei eine Bewährungsprobe für den nächsten; er hört durchaus die Bedenken, auch aus dem Kanzleramt, dass die Rückkehr zum Liga-Alltag verfrüht passiert sein könnte. Genau diese Differenzierung vermittelt ein gutes Gefühl: Er geht gewissenhaft bei der Abwägung von Pro und Contra vor. Die Contra-Schale füllt sich mit Kalou, Herrlich und Torjubel; es liegt an den Klubs selbst, die Pro-Schale zu füllen. Nach dem allerersten Geister-Spieltag meine ich: Es war alles in allem ein unerwartet guter Re-Start. Wir könnten uns der Meisterfrage nähern - mit Social Distance.
Borussia Dortmund spielt am 26. Mai gegen Bayern München.
Einen unpolitischen Montag wünscht
Euer Pit Gottschalk

Geisterspiele: Bundesliga verdient eine weitere Chance
Matthias Becker, stellvertretender Chefredakteur bei SPORT1
Matthias Becker, stellvertretender Chefredakteur bei SPORT1
Das Recht auf Profifußball sollten die Kritiker zugestehen
Von Matthias Becker
Bis die Einschaltquoten aus Vanuatu oder Peru für diesen 26. Bundesligaspieltag vorliegen, wird es vermutlich ein bisschen dauern. Wir werden also erst mit Verzögerung erfahren, ob die Annahme von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge zutrifft, dass die Bundesliga mit ihrem Projekt “Re-Start” weltweit ein “Milliardenpublikum” erreichen könne.
Vielleicht ist diese Aussage Rummenigges auch im Überschwang der Erleichterung gefallen. Der Erleichterung darüber, dass die Bundesliga wirklich alle Widerstände überwunden hat und an diesem Wochenende die Saison fortsetzen konnte. Als erste große Sportliga weltweit.
Die neue Demut, die viele der Bundesliga-Entscheider angekündigt hatten, ist bei Rummenigge nicht unbedingt rauszuhören. Nach dem ersten Bundesligasamstag seit Beginn der Corona-Schutzmaßnahmen ist die Bundesliga aber dabei, sich eine weitere Chance zu verdienen.
Bundesliga bei Sky: Mit Mundschutz, aber unterm Kinn Bundesliga bei Sky: Mit Mundschutz, aber unterm Kinn
Denn eines ist klar: Durch Zwischenfälle wie den Zahnpasta-Ausflug von Augsburg-Coach Heiko Herrlich oder die doch sehr kuschligen Jubeleinlagen bei Hertha BSC wird die Liga weiter unter verschärfter Beobachtung stehen. Die heikle Zeit ist aber vor allem die außerhalb der Stadien, das haben die Fälle Kalou und Herrlich gezeigt.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, am Sonntag zu Gast im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1, hatte nach Heiko Herrlichs Trip zum Discounter schon mit der Roten Karte gedroht.
So lief der erste Bundesliga-Geisterspieltag So lief der erste Bundesliga-Geisterspieltag
Was dabei und auch beim Blick auf die Berliner Bussis nicht vergessen werden darf: Der übergroße Teil der Bundesliga- und Zweitligaprofis, der Betreuer und Verantwortlichen, achtete am Samstag und in den letzten Tagen penibel darauf, den Wiederbeginn nicht in Gefahr zu bringen.
Schließlich geht es nicht nur um Geld. Das ist sicherlich die Hauptmotivation dafür, diese Spielzeit unbedingt durchziehen zu wollen. Für die Spieler und für alle, die sich die Geisterspiele eben doch gerne anschauen wollen, geht es um das Spiel, das ihnen Freude bereitet.
“Wir wussten, dass es eigentlich nichts anderes ist als das Spiel, was wir früher als Kinder gespielt haben: Ohne Zuschauer und einfach Spaß haben”, erklärte BVB-Keeper Roman Bürki nach dem Derbysieg bei Sky.
"Eine klinische Sache" "Eine klinische Sache"
Kollege Patrick Berger, als einer von wenigen Reportern im Signal Iduna Park vor Ort, beschrieb die Atmosphäre auch “wie früher auf dem Bolzplatz”. Das ist nicht dasselbe wie ein Derby vor tosender Kulisse. Es ist ein Ersatzprogramm. Wer bei diesem Ersatzprogramm nicht dabei sein will, sollte das Recht haben, aussetzen zu dürfen, auch als Profi.
Allen anderen sollte aber das Gefühl erlaubt sein, dass man am Wochenende hatte: Die Freude, mal wieder ein Fußballspiel sehen zu können.
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Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
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Ich will euch jubeln sehen!
Von Alex Steudel
Die Bundesliga in Zeiten von Corona. Erlaubt ist: Schwitzende Körper aneinanderreiben. Sich im Zweikampf überall hinfassen. Dem anderen in den Mund atmen. Gemeinsam zum Kopfball hochsteigen und dabei seinen Schweiß ins Gesicht des Gegenspielers spritzen.
Nicht empfohlen ist: Sich beim Torjubel umarmen.
Hä?
Markus Söder will beim Torjubel "nachschärfen"
Ich habe am Wochenende viele Stunden vor dem Fernseher verbracht und Geisterspiele geguckt. Es war viel weniger schlimm als gedacht, ich habe mich schnell an die neue Situation gewöhnt. Und die Einschaltquoten beweisen ja auch: Die Leute wollen Fußball. Ob mit oder ohne Geist.
Woran ich mich nicht gewöhnen konnte: die seltsame Nicht-Torjubel-Empfehlung der DFL und die ganzen Diskussionen darüber. Ich frage mich: Wieso sollten Menschen, die tagelang in der Endlosschleife auf Corona getestet werden und sich dann 90 Minuten lang körperlich miteinander beschäftigen dürfen, weil sie ja nachweislich kein Corona haben, warum sollten ausgerechnet die sich beim Jubel nicht anfassen? Welchen Zweck hat ein System, das sich selbst so misstraut?
Zentralkomitee der Zyniker
Eigentlich ist klar: Das ergibt keinen Sinn. Trotzdem war zu eng anliegender Jubel ein paar weniger Spieler eines der bestimmenden Themen des Wochenendes.
Wieso küsst da einer den anderen?
Wieso umarmen die sich da innig?
Wieso immer Hertha?
Das muss bestraft werden! Das darf nicht ohne Konsequenzen bleiben!!
Es hörte gar nicht auf. Sogar der eine oder andere TV-Reporter schrie nach einem Torerfolg erschrocken: Hey, Leute, Abstand halten! 
Wenn es je eines Beweises bedurfte, dass wir Deutschen Vorgaben lieben und äußerst gründlich in der Umsetzung sind, dann haben wir ihn am Wochenende eindrucksvoll geliefert.
Ich schlage vor: Weg mit der “Empfehlung”.
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