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Gestatten, Matthias Ginter - der neue DFB-Abwehrchef

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Wenn es eines letzten Beweises bedurfte, wie übermächtig die Präs
 

Fever Pit’ch

16. November · Ausgabe #286 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Wenn es eines letzten Beweises bedurfte, wie übermächtig die Präsenz von Uli Hoeneß im deutschen Fußball war und ist, dann hat man ihn gestern Abend bekommen. Sein tränenreicher Abschied verdrängte praktisch jeden Versuch von Berichterstattung über die EM-Qualifikation. Würde der übertragende TV-Sender RTL nicht so tapfer trommeln: Fast hätte man vergessen, dass Deutschland am Samstagabend gegen Weißrussland spielt.
Dabei ist das Länderspiel keinesfalls so bedeutungslos, wie der Blick auf die Sportteile der Republik vermuten lässt. Es geht nicht nur darum, die letzten notwendigen Punkte zur EM-Teilnahme 2020 zu holen und den Rest an Euphorie über den Jahreswechsel lebendig zu halten. Bundestrainer Joachim Löw hat die nicht einfache Aufgabe, einen neuen Abwehrchef für die zuletzt wacklige Verteidigungsreihe zu finden.
Die Sachfrage ist emotional aufgeladen. Seit der schweren Knieverletzung von Niklas Süle (FC Bayern) mangelt es an deutschen Innenverteidigern, die Zweikampfstärke, Tempo und Übersicht auf sich vereinen. Niemand kann heute sagen, ob Süle rechtzeitig zum EM-Start am 12. Juni fit sein wird. Wem soll man die Organisation des Abwehrblocks anvertrauen? Löw weiß nur zu genau: Bei jeder Gelegenheit wird der eine Name fallen - Mats Hummels.
Dessen Rückkehr in den Kreis der Nationalmannschaft wäre nach Süles Kreuzbandriss so logisch und richtig gewesen wie seine Demission, als es darum ging, Süle zum Alleinherrscher vor Torwart Manuel Neuer aufzubauen. Löw aber sperrt sich gegen Hummels: Er will die Hierarchie, die sich seit dem Abgang der drei Weltmeister Anfang des Jahres herausbildet, nicht gefährden. Also lässt er lieber Matthias Ginter statt Hummels ran.
Wir erinnern uns: Ginter ist jener Abwehrspieler, den Löw zwar zu zwei Weltmeisterschaften mitgenommen hat, 2014 und 2018, der aber nicht eine einzige Minute spielen durfte, weder in Brasilien noch in Russland. Diese Statistik ist einmalig. Ginter, gar keine Frage, ist ein guter oder zumindest solider Bundesliga-Spieler, immerhin schon 25 Jahre alt, und mit Borussia Mönchengladbach aktuell auf einer Erfolgswelle. Aber Abwehrchef?
Löw geht volles Risiko. Jeder Stellungsfehler und jeder falsche Pass werden ihn und das Publikum daran erinnern, dass im 97 Kilometer entfernten Dortmund ein erprobter Abwehrmann trainiert, der sich einem Lockruf kaum entziehen würde. Und falls Löw sich nicht erinnert - das Publikum inklusive Medien wird es tun. Er wird sich der Frage dann kaum entziehen können: Wie stur darf ein Bundestrainer sein?
Den Torhüter-Streit um Manuel Neuer und Marc-André ter Stegen hat Löw elegant deeskaliert. Der eine darf heute gegen Weißrussland spielen, der andere am Dienstag gegen Nordirland. Da kann Uli Hoeneß nicht meckern: Am Nummer-1-Status seines Bayern-Torwarts wird nicht gekratzt. Aber Löw hat Glück: Hummels spielt nicht mehr bei Bayern. Und den Jerome Boateng mag Hoeneß selbst nicht sonderlich.
Einen angriffslustigen Samstag wünscht
Euer Pit Gottschalk
Bisschen Werbung muss sein
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Gestatten, Matthias Ginter - der neue DFB-Abwehrchef
Matthias Ginter beim DFB-Training. Foto: Imago / Revierfoto
Matthias Ginter beim DFB-Training. Foto: Imago / Revierfoto
Unsexy Systemfragen
Von Oliver Mucha und Jörg Soldwisch
Als Matthias Ginter auf der abschließenden Pressekonferenz die taktische Marschroute vorgab, lächelte der wenige Meter entfernt wartende Joachim Löw zufrieden. Mit der Beförderung des Gladbachers zum neuen Abwehrchef für das EM-Qualifikationsspiel am Samstag gegen Weißrussland in dessen Wohnzimmer hat der Bundestrainer die nach dem Ausfall von Niklas Süle entstandene Lücke vorerst geschlossen.
“Matze wird manchmal ein bisschen unterschätzt. Ich aber weiß, wie zuverlässig er ist und was er leisten kann”, sagte Löw über den 25-Jährigen.
Trotz seines noch recht jungen Alters hat der Innenverteidiger des Bundesliga-Spitzenreiters Borussia Mönchengladbach schon viel erlebt. Weltmeister 2014, Olympia-Silber 2016, Confed-Cup-Sieger 2017 - Ginter verfügt über reichlich internationale Erfahrung. Dabei habe man ihm anfangs in Freiburg “überhaupt nicht zugetraut, Bundesligaspieler zu werden.”
"Vielfalt bereichert unsere Mannschaft" "Vielfalt bereichert unsere Mannschaft"
Inzwischen hat Ginter 207 Spiele in Deutschlands höchster Klasse absolviert und dabei meist umsichtig agiert. Vom Platz geflogen ist er noch nie. “Ich habe nichts geschenkt bekommen, musste mir alles sehr hart erarbeiten”, sagte Ginter, der sich selber als “sehr ehrgeizigen Spieler” bezeichnet: “Ich versuche jeden Tag, voranzukommen und mich als Persönlichkeit zu entwickeln.”
Das gelingt ihm im Verein glänzend, nun muss er auch im DFB-Team auf dem Platz und in der Kabine mehr aus sich herausgehen. Durch seine guten Leistungen hat er sich schon mal mehr Respekt verschafft. “Ich weiß, wie man mich intern sieht. Das ist für mich wichtig”, sagte Ginter.
Der Höhenflug mit Gladbach hat sein Selbstvertrauen gesteigert, Ginter genießt teamintern ein höheres Standing. “Im Training habe ich eine Situation nicht so schlecht gelöst, da sagte Timo Werner zu mir: ‘Man merkt schon, dass du ganz oben stehst’”, berichtete Ginter schmunzelnd.
Marc-André ter Stegen: Erstes Pflichtspiel seit zwei Jahren Marc-André ter Stegen: Erstes Pflichtspiel seit zwei Jahren
Erstmals wird er nun bei einem Länderspiel im Borussia-Park auflaufen - und dann gleich als Chef der Viererkette. Dies sei “ein besonderes Gefühl”. Angesichts der personellen Lage wird er sich an die Chefrolle gewöhnen müssen, auch bei der EM 2020 könnte Ginter das Team von hinten heraus führen. Der aussortierte Mats Hummels spielt noch keine Rolle in Löws Gedanken Richtung Europameisterschaft, ob Süle nach seinem Kreuzbandriss rechtzeitig fit wird, steht in den Sternen.
Löw versicherte, auf Süle “keinen Druck auszuüben”. Das Allerwichtigste sei, “dass der Spieler hundertprozentig gesund wird”. Da dürfe “nichts zurückbleiben”, so Löw.
Daher ist jetzt erst einmal Ginter gefordert. Auch wenn es am Samstag gegen keinen Top-Gegner geht, wartet Arbeit auf den Gladbacher. “90 Minuten Ruhe gab es noch nie”, sagte er und forderte von seinen Teamkollegen, dass sie “viel in Laufwege mit dem Ball investieren.” Konter müsse man zudem früh unterbinden, um wenige Chancen zuzulassen. Löw hörte bei Ginters Aussagen zu und lächelte dabei zufrieden.
Oliver Mucha und Jörg Soldwisch sind SID-Redakteure
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