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Gewalt beim Fußball: Nur lebenslange Sperren helfen

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Die Absichten von Julia Rose und Lauren Summer waren, wenn man ih
 

Fever Pit’ch

30. Oktober · Ausgabe #272 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Die Absichten von Julia Rose und Lauren Summer waren, wenn man ihnen glauben kann, ehrenhaft. Als die TV-Kamera die beiden Zuschauerinnen beim Baseball-Finale zwischen Houston und Washington im Hintergrund einfing, zogen sie blank: Vier nackte Brüste zur besten Sendezeit - mit ihrer Aktion wollten die zwei Instagram-Aktivistinnen auf die Gefahr von Brustkrebs hinweisen. Wie gesagt: Die Absicht klingt ehrenhaft.
Die Verantwortlichen jedoch verstanden keinen Spaß. Die beiden Frauen wurden auf Lebenszeit gesperrt und dürfen nie wieder ein Baseball-Spiel in den USA besuchen. Die MLB-Bosse nahmen billigend in Kauf, dass Julia Rose und Lauren Summer ihrem Millionenpublikum in den Sozialen Netzwerken ein Klagelied vorsangen. Das Urteil ist endgültig. Die zwei bekamen die Sperre schriftlich mitgeteilt, schwarz auf weiß. Ende der Durchsage.
Man kann die Reaktion als überzogen ansehen, als unangemessen oder als Ausdruck von Prüderie. Niemand kam ja ernsthaft zu Schaden. Aber die Amerikaner ziehen im Sport eine rote Linie, die nicht zu übersehen ist. Wer als Fan die Linie überschreitet und gegen Regeln verstößt, muss die mitunter heftigen Folgen tragen. Übeltäter dürfen weder Toleranz noch Verständnis erwarten, jeder weiß das. Alles übertrieben? Nicht so schnell, bitte.
Die Abschreckung bewirkt Wunder. Die Stadien sind in allen Top-Sportarten voll, die TV-Quoten hoch, und nirgendwo steigen Pyro-Wolken auf, niemand muss Schmähplakate lesen. Fast immer geht’s um die Begeisterung für Sport, beim American Football wie beim Basketball. Auch Aktivistinnen werden es sich jetzt zweimal überlegen, ob sie ihre sekundären Geschlechtsmerkmale in die Fernsehkameras halten. Der Preis wäre immens hoch.
Was würde wohl passieren, wenn DFB und Bundesliga die Stadiontribünen nicht als rechtsfreien Raum akzeptierten, sondern schon die kleinsten Vergehen mit schmerzhaften Strafen belegten? Kleine Pyrotechnik: Sperre der Tribüne. Große Pyrotechnik: Geisterspiel. Gewalt: lebenslange Sperre. Vielleicht ist das die Sprache, die von den angeblichen Fans verstanden wird. Relativierungstheorien von Vereinsmemmen zeigten bisher keinen Erfolg.
Denn sonst muss man sich nicht wundern, wenn sogenannte BVB-Fans die Veltins-Arena wie am Samstag unter Feuer setzen, zuletzt Saarbrücken-Ultras den FC-Bus vollschmieren, ständig Randale mit der Polizei passiert. Die Täter haben keine ungewöhnlich hohen Strafen zu befürchten und gelten in der Szene womöglich als Helden, sobald der Fußball unter ihnen leidet. Mit laschen Geldstrafen für die Vereine beeindruckt man diese Leute nicht mehr.
Einen fieberhaften Mittwoch wünscht
Euer Pit Gottschalk

Gewalt beim Fußball: Nur lebenslange Sperren helfen
Schiedsrichter: So gefährlich ist der deutsche Amateurfußball Schiedsrichter: So gefährlich ist der deutsche Amateurfußball
Von Nikolaj Stobbe
Der Schiedsrichter-Streik im Berliner Fußball am vergangenen Wochenende und der Rückzug der ersten Mannschaft des hessischen Kreisligisten FSV Münster sind wichtige Signale, die auf die verheerende Gewalt gegen Unparteiische auf deutschen Fußballplätzen hinweisen. Die Lage ist äußerst prekär. Viel zu lange wurden die Ausraster asozialer Fußballspieler in den Amateurligen hingenommen oder mit viel zu laschen Strafen geahndet.
Nur durch hartes Durchgreifen bis hin zu lebenslangen Sperren wird man solchen Faustkämpfern im Fußballtrikot gerecht. Nur so verstehen vielleicht auch andere Freizeitkicker mit Gewaltpotenzial, dass K.o.-Schläge generell in der Gesellschaft und speziell im Fußball gegen Unparteiische nichts zu suchen haben. Der Schiedsrichter aus dem FSV-Münster-Spiel wurde bewusstlos geschlagen. Das ist nicht mit einer Geldstrafe von 50 Euro für den Verein aus der Welt zu schaffen.
Angesichts der zunehmenden Gewalt grenzt es eh an ein Wunder, dass immer noch genug Menschen Sonntag für Sonntag irgendwo in der Kreisliga für ein paar Euro zur Pfeife greifen. Ohne diese Enthusiasten könnte der Amateurfußball längst einpacken. Das sollte auch den Verbänden klar sein, die dringend dazu aufgerufen sind, mit klugen und effizienten Maßnahmen auf die Gewalt zu antworten und nicht auf Tauchstation zu gehen.
Nikolaj Stobbe ist Redakteur beim Sport-Informations-Dienst (SID)
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Fußballer sollten öfter Gehalt spenden
Von Alex Steudel
Ich bin total verwirrt, weil ich gelesen habe, dass Spieler und Trainer des englischen Premier-League-Klubs FC Southampton nach dem 0:9 in Leicester entschieden haben, ihren Tageslohn für einen guten Zweck zu spenden. Mir war nämlich gar nicht klar, dass man für so einen Aufritt Geld bekommt; wir reden ja nach einem 0:9 nicht umsonst von einer “Pleite”.
Ich dachte jedenfalls bis heute, ein Spiel wie das der Mannschaft von Ralph Hasenhüttl am Freitag würde am Jahresende im Steuerformular VL unter  “Vermögens-unwirksame Leistung” als Verlust aufgeführt.
Als ich dann sah, dass das (doch) verdiente Geld der Mannschaft und ihres Trainers zwar gespendet wird, aber in die klubeigene Stiftung des FC Southampton fließt, war ich zugegebenermaßen wieder ein bisschen irritiert.
FC Southampton: Gehalt nach 0:9 gespendet
Ich hätte mir gewünscht, dass es dorthin geht, wo die Not wirklich groß ist, zum Beispiel in den “Garnichtgemeinnützigen Zweitliga-Fonds” des HSV-Milliardärs Kühne, oder dass damit die “Trainerfindungskommissions-Anleihe” des BVB befüllt wird, dessen Leid kaum mehr zu ertragen ist.
Und wenigstens ein paar Euro hätte man ruhig auch Thomas Müller geben können, dem fehlen diese Saison Berge von Auflaufprämien.
Während des Eintippens dieser Kolumne finde ich übrigens immer mehr Gefallen an der Idee, dass wahnsinnig reiche Profispieler und Trainer ihr Gehalt spenden sollten, nachdem sie besonders schlecht gespielt haben, das müsste mal in den Fifa-Statuten festgehalten werden. 
Ralph Hasenhüttl kassiert nächste Niederlage
Etwas Ähnliches gab es ja schon bei den Gladiatoren, also den Vorgängern der Fußballprofis, die haben früher nach einer schlechten Leistung, zum Beispiel beim Auswärtsspiel in Rom, mitunter sogar ihr Leben gespendet.
Da kann so ein kleiner Geldbetrag heute wohl kein Drama sein.
Ich setze also voll darauf, dass das so kommen wird und dass dann Cristiano Ronaldo endlich auch mal schlecht spielt, denn dessen Tagessatz, habe ich ausgerechnet, würde ausreichen, den HSV zu sanieren UND den 1. FC Köln ein Jahr lang attraktiven Fußball spielen zu lassen. Win-Win!
Alle mal herschauen!
Das neue Leben des Ex-Profis Silvio Meißner Das neue Leben des Ex-Profis Silvio Meißner
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