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Gladbach zeigt Eier, Bayern eiert rum

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Es ist keine drei Monate her, dass Borussia Mönchengladbach den d
 

Fever Pit’ch

9. Dezember · Ausgabe #305 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Es ist keine drei Monate her, dass Borussia Mönchengladbach den deutschen Fußball bis auf die Knochen blamiert hat. In der Europa League 0:4 zu Hause gegen den Wolfsberger AC aus Österreich: Manager Max Eberl geriet in Erklärungsnot und musste das Gerede über den forcierten Trainerwechsel von Dieter Hecking zu Marco Rose vor Saisonbeginn ertragen.
Heute kann er darüber lachen. Gladbach grüßt von der Tabellenspitze, sowohl in der Europa League als auch in der Bundesliga. Nicht erst dem 2:1 über Bayern München steigt die Hochachtung für den Rose-Fußball. Dieses ständige Pressing ist Ausdruck von Mut und lässt nicht erkennen, dass der geschlagene Gegner über weite Strecken feldüberlegen agierte.
Es ist keine drei Monate her, dass Bayern München auswärts Tottenham Hotspur aus dem eigenen Stadion schoss. 7:2 lautete das Resultat am zweiten Spieltag der Champions League. Serge Gnabry erzielte vier Treffer, irgendwann danach musste Trainer Niko Kovac seinem Assistenten Hansi Flick dennoch weichen, ein 6:0 bei Roter Stern Belgrad folgte.
Heute kann sich niemand mehr darüber freuen. Bayern München ist nach zwei Niederlagen in der Bundesliga auf Tabellenplatz sieben abgerutscht, was nicht einmal zur Teilnahme an einem Europapokal-Wettbewerb berechtigen würde. Die Platzierung nach 14 Spieltagen mag ja eine Momentaufnahme sein. Verräterisch ist die Rangfolge allemal.
Mönchengladbach wird dafür belohnt, dass Max Eberl in der Trainerfrage einen Plan hatte, der so ausgeheckt war, dass er Formschwankungen und Rückschläge als Teil eines Erneuerungsprozesses oder einer Weiterentwicklung verstand und nicht als Gegenbeweis oder Beleg eines Irrtums. Beim Fußball bringt man diese Haltung in einem Satz auf den Punkt: Er zeigte Eier.
Beim FC Bayern ist genau das Gegenteil der Fall: Man eiert rum. Das war schon vor einem Jahr so, als Trainer Kovac seine erste Krise überstand, neun Punkte Rückstand auf Borussia Dortmund aufholte, Meister wurde und der Vorstandsvorsitzende trotzdem an ihm herummäkelte. In diesen Momenten weiß man: Nichts läuft rund. Jetzt bekommt Bayern die Quittung dafür.
Einen runden Montag wünscht
Euer Pit Gottschalk

Mia san ratlos: Die Baustellen des FC Bayern
Joshua Kimmich kann ganz schön böse werden. Foto: Imago / Perenyi
Joshua Kimmich kann ganz schön böse werden. Foto: Imago / Perenyi
Rekordmeister "komplett auf dem falschen Weg"
Den äußeren Zustand des FC Bayern haben wir jetzt alle gesehen: Die Mannschaft schwitzt und zittert, der Hausarzt würde wohl eine schwere Grippe diagnostizieren. Tatsächlich ist die Situation kritisch und eines Rekordmeisters unwürdig. Das Team um Interimstrainer Hansi Flick verstolpert Chancen in Massen und lässt sich zweimal hintereinander trotz Feld-Überlegenheit (63 Prozent Ballbesitz beim 1:2 in Gladbach und 75 Prozent beim 1:2 gegen Leverkusen) daherspielen, als bestünde es aus hochtalentierten Teenagern, die erstmals Bundesliga-Luft schnuppern.
Den inneren Zustand des inzwischen Liga-Siebten (siebten Punkte hinter Gladbach) kennen wir seit Samstag auch, und der muss einem Bayern-Fan noch mehr Sorgen machen: Die Art und Weise, in der Joshua Kimmich mit seinen Kollegen ins Gericht ging, ist ein deutlicher Hinweis auf eine extrem schiefe Stimmungslage im Kader. Und hier liegt die wahre Gefahr.
Wenn schon ein 24 Jahre alter Spieler, der international noch nicht das Geringste gewonnen hat, eigenen Kollegen vollmundig attestiert, womöglich “komplett auf dem falschen Weg” und “fehl am Platz” zu sein, dann kann das nicht gut im Team ankommen. Es ist auch kein gutes Zeichen. (Zumal es Kimmich selbst war, dem der Ball vor dem Elfmeter zum 1:2 versprang.) 
Stefan Effenberg kritisiert den Kader
Dietmar Hamann kritisiert den Trainer
In Mönchengladbach standen neben Kimmich, der bisher null WM-Titel und null Champions-League-Siege vorzuweisen hat, immerhin sechs Weltmeister und/oder Champions-League-Gewinner auf dem Platz. Es gibt also nur zwei Möglichkeiten: Entweder die Weltmeister können sich nicht mehr motivieren, sind zu alt oder zu müde – oder Kimmich ist ein Flegel.
Wie auch immer: Da steht Ärger ins Haus.
Dazu kommen hausgemachte Probleme, die sich die Führungsetage ans Revers heften lassen muss: Wo zum Beispiel ist der zweite Top-Stürmer im Kader, der eine Robert-Lewandowski-Verletzung oder - wie aktuell - eine Ladehemmung des Polen ausgleicht? Warum nur haben die Bayern nicht Timo Werner aus Leipzig, der momentan alles in Grund und Boden schießt?
Jedes Tor des erst 23-Jährigen – bisher sind es sagenhafte 19 in 21 Pflichtspielen, und dazu kommen noch neun Vorlagen – muss in diesen Tagen wie ein Stich ins Herz der Bayern-Fans sein. Und was macht Coutinho beruflich? Kann es denn wirklich sein, dass der erst kürzlich als eine Art Jahrhundert-Transfer gefeierte Mann beim Top-Spiel in Gladbach nicht mal eingewechselt wird? Wollte ihn Flick etwa für die Winterpause schonen?
Was ist eigentlich los mit den Bayern?
Sogar Huub Stevens schockiert
Der Mann, den Bayern gebraucht hätte
Die Analyse führt schnell zu weiteren Namen: Seit der Verpflichtung von Manager Uli Hoeneß vor 40 Jahren hatten die Münchner noch nie zwei Berufsanfänger an den entscheidenden Hebeln sitzen. Hansi Flick ist erstmals in seinem Leben Trainer im Profifußball, sein größer bisheriger Erfolg als Cheftrainer ist der Oberliga-Titel 2001 mit Hoffenheim. Und Hasan Salihamidzic ist erstmals Sportvorstand.
Ihm haftet immer noch das Praktikanten-Image an, und zwar nicht ganz zu Unrecht. Coutinho ist aus heutiger Sicht eine völlige Fehlverpflichtung. Einen Ersatzstürmer, der die Bayern aus der Krise schießen könnte, hat Salihamidzic auch nicht besorgt. Und den Top-Trainer auf der Bayern-Bank erwarten wir gebannt wie werdende Väter das Einsetzen der Wehen. Nur dass man bei den Wehen ungefähr weiß, wann sie kommen.
Dass es anders laufen kann, zeigte jüngst Tottenham: Die Spurs feuerten Trainer Mauricio Pochettino, zauberten sofort José Mourinho auf die Bank – und das Siegen ging wieder los.
Der neue alte Titelfavorit
Ein Fingerzeig von Yann Sommer Ein Fingerzeig von Yann Sommer
Mönchengladbach und der Baby-Gag
Borussia muss sich clever verkaufen
Un' er hört!
Sportschau spoilert Bayern-Pleite Sportschau spoilert Bayern-Pleite
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Fever Pit'ch macht ARD nervös
Von Alex Steudel
Ich möchte mich an dieser Stelle gerne selber loben. Ausnahmsweise. Ich erwähne also wie beiläufig, dass ich in meiner Kolumne am Freitag darüber geschrieben habe, wie ich früher als Jugendlicher immer versuchte, während der Sportschau-Spielzusammenfassungen aus der Stimme des jeweiligen Reporters herauszuhören, wer das Spiel gewonnen hatte. Und was passiert? ARD-Moderator Matthias Opdenhövel spoilert ausgerechnet einen Tag nach meiner Kolumne die Bayern-Niederlage gegen Gladbach in der “Sportschau”.
Riesengeschichte überall! Geübte Newsletter-Leser wissen, dass das nur einen Grund gehabt haben kann: Der Mann las vor der Sendung Fever Pit'ch und wurde nervös. Das seht Ihr mal, wie mächtig wir schon sind.
Mein Lieblingsfehler der Fußballgeschichte ist aber ein anderer – streng genommen handelte es sich sogar um einen Doppelfehler –, und damit hatte ich nichts zu tun, damals gab es Fever Pit'ch noch gar nicht: Christoph Daum ließ 1992 als Trainer des VfB Stuttgart zu viele Nicht-EU-Ausländer spielen, drei waren erlaubt, er wechselte gegen Leeds den Vierten ein, worauf die Champions-League-Qualifikation nach einem Entscheidungsspiel flöten ging, obwohl es der VfB Stuttgart eigentlich geschafft hatte. 
Christoph Daums böser Wechselfehler 1992
Natürlich brach ein Mediengewitter über Daum herein, und noch natürlicherer wetzten vor allem die Reporter in Stuttgart besonders scharf die Messer. (Ich war Augenzeuge, weil ich in Stuttgart aufgewachsen bin.) Ein paar Wochen später passierte dann das nächste Unglück: Ausgerechnet eine der Stuttgarter Zeitungen (ich weiß welche, schweige aber aus alter schwäbischer Verbundenheit wie ein Grab) führte in einer Spielvorschau selber vier VfB-Ausländer in der voraussichtlichen Startelf auf.
Aber, und das ist die Botschaft dieses Textes: Wir sollten gnädig sein und verzeihen, jeder macht mal Fehler. Matthias Opdenhövel macht welche, Christoph Daum macht ein paar, und ja, sogar Hasan Salihamidzic macht welche, also Dutzende.
Und auch ich habe erst kürzlich in eben dieser Kolumne einen gemacht und den früheren Dortmunder Manager Michael Meier mit “ai” geschrieben. Mir ist ein Rätsel, wie das passieren konnte, weil ich ja weiß, dass er mit “ei” geschrieben wird. Aber Daum wusste ja auch, dass er nur drei Ausländer spielen lassen durfte.     
Merke: Spotte nicht über Fehler, und wenn, dann nur über eigene. Oder über die des Hamburger SV. Aber das ist eine andere Geschichte, soviel Zeit habe ich jetzt nicht.
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