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Glosse: Was die Fans in den Kurven noch rufen dürfen

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Seit einer Woche beschäftigt uns das Theater in den Kurven. Immer
 

Fever Pit’ch

6. März · Ausgabe #357 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Seit einer Woche beschäftigt uns das Theater in den Kurven. Immer wieder wurde mir die Frage gestellt, warum Fever Pit'ch nicht ausgewogener das Handeln der Ultra-Fans kommentiert. Nun, es ist nichts Falsches daran, eine klare Meinung zu haben. Zumal das Wort “ausgewogener”, wenn es in einer Diskussion eingebracht wird, nicht selten als Hilferuf zu verstehen ist, dass man ebenfalls ein bisschen recht haben will.
Niemals würde ich für meine Meinung den Anspruch erheben, dass es nur die eine gibt; ich aber kann nur die meine äußern. Und die heißt: Ich fand die Schmähplakate gegen Dietmar Hopp samt Anlass und Reaktion völlig daneben. Genauso möchte ich jetzt aber auch würdigen, wie rücksichtsvoll die Fangruppen beim Pokalspiel in Leverkusen waren. Als der medizinische Notfall im Publikum passierte, schwiegen alle - aus Respekt vor der Situation.
Die Fans von Eintracht Frankfurt taten sich ein wenig später beim Pokalspiel gegen Werder Bremen dadurch hervor, dass sie ihre Kritik am DFB im Fall Hopp kreativ äußerten. Der Verband verfiel nicht der Versuchung, auch diese Kritikäußerung zu sanktionieren. Mir gibt dieses Erlebnis die Hoffnung, dass eben nicht stimmt, was hier vor ein paar Tagen zu lesen war: dass die Zeit des Dialogs wahrscheinlich vorbei ist. Womöglich beginnt sie erst.
Alle Leser von Fever Pit'ch sind herzlich eingeladen, an der Diskussion teilzunehmen. Auf Facebook haben wir eine Gruppe eingerichtet, die sich ständig über aktuelle Themen austauscht und mir vor der Erstellung des Fußball-Newsletters ein Meinungsbild verschafft. Wer mitmachen will: Hier bitte klicken! Was ich besonders erfreulich finde: Der Meinungsaustausch läuft meistens betont sachlich. Genau das braucht der Fußball.
Ein hoffnungsvolles Wochenende wünscht
Euer Pit Gottschalk

Glosse: Was die Fans in den Kurven noch rufen dürfen
Die Ultra-Fans von Eintracht Frankfurt können auch anders
Die Ultra-Fans von Eintracht Frankfurt können auch anders
Du Sohn einer Mutter
Von Alex Steudel
Die Sicherheitsvorkehrungen im deutschen Fußball erreichen nach den Schmäh-Vorfällen am Wochenende ein bisher nicht erreichtes Niveau. Schimpfwortbereite Fans, die aktenkundig sind, müssen ab heute vor dem Stadion einen speziellen Sprachtest absolvieren: Wer ein 15-minütiges Highlight-Video der letzten HSV-Saison ansieht, ohne dabei die Kontrolle über sich zu verlieren, wird reingelassen. Kurz: Die Liga soll sauber werden.
Die Fanbeauftragten der 18 Bundesligisten haben in Zusammenarbeit mit DFB, DFL und Sprachwissenschaftlern einen Schimpfwort-Katalog erstellt, der vor Tribüneneingängen verteilt wird und verbotene bzw. alternativ erlaubte Schlachtrufe für Fans und Ultras auflistet.
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Nicht erlaubt ist künftig zum Beispiel der Ausruf “Schulze, du Arschloch!” – stattdessen empfehlen die Fanbeauftragten die straffreie Verwendung von “Schulze, du After!” oder “Schulze, Schulze, Darmausgang!” Spieler dürfen auch nicht mehr als “Drecksau” tituliert werden. Der DFB verweist auf die Möglichkeit, “Schulze, du unhygienischer Mensch, du!” zu singen.
Anspielungen auf sexuelle Neigungen eines Profis müssen künftig noch im selben Schlachtruf relativiert werden, sonst führen sie nach der dritten Neigung zum Spielabbruch. DFB und DFL empfehlen hier den Fans, eine rechtlich abgesicherte Position einzunehmen – also statt “Schulze, du schwule Sau” besser “Oh, schwuler Schulze, wobei es im Grunde egal ist, ob jemand homo- oder heterosexuell ist, finden wir, lalalalalalaaaaa.” Um Komplikationen zu vermeiden, entfällt übrigens die Reimpflicht.
"Man kann Ultras nicht verbieten"
Auch die von Fans gern thematisierte Prostitution mütterlicherseits muss künftig schlachtruf-intern relativiert werden. “Schulze, du Hurensohn” ist nicht mehr erlaubt, es wird auf die Alternative “Schulze, du Sohn einer sozialversicherten, steuerzahlenden Sexarbeiterin” verwiesen.
Strafrechtliche Konsequenzen zieht ab sofort das Skandieren von „Lieber pleite sein als ein Bullenschwein“ nach sich. Um den Zuschauern entgegenzukommen, wurde mit der Polizeigewerkschaft eine abgeschwächte Variante erarbeitet: „Lieber pleite sein als als Polizist arbeiten und ganz viele Straftaten vereiteln“ darf gesungen werden.
Das Bedrohen von Schiedsrichtern ist nur eingeschränkt möglich. “Schiri, wir wissen, wo dein Auto steht” war aufgrund der neuen Datenschutzgrundverordnung ohnehin umstritten – die Zuschauer werden gebeten, die abgeänderte Version “Schiri, wenn wir wüssten, wo dein Auto steht, würden wir dich dort nehmen ins Gebet” zu verwenden.
Schluss mit Vermummung und Kollektivstrafen!
Anti-Hopp-Transparente bleiben verboten. Die Task Force der Liga befürchtet aber, dass Ultras nun sogar die Ausweisung des Großsponsors fordern könnten. Vor allem in grenznahen Stadien soll es schon zum Schlachtruf “Hopp Schwiiz” gekommen sein. Damit ist Schluss.
Zudem startet die DFL an diesem Spieltag einen landesweiten Test: In ausgewählten Arenen gibt das Sicherheitspersonal Mundschutz- und OP-Masken aus, die zwar nicht vor dem Corona-Virus schützen, aber angeblich keine Beleidigungen mehr durchlassen.
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