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Hand drauf! Handregel verkommt zu einem Glücksspiel

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Der Rassismus kriecht durch unsere Stadien. Bei jedem Ballkontakt
 

Fever Pit’ch

26. August · Ausgabe #217 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Der Rassismus kriecht durch unsere Stadien. Bei jedem Ballkontakt, den der HSV-Profi Bakery Jatta beim 4:2 des Hamburger SV in Karlsruhe hatte, pfiff das Publikum so laut, dass es am Fernsehgerät nicht zu überhören war. Man hat ihn nicht ausgepfiffen, weil er den Verein verlassen hätte (wie bei Tim Leibold in Nürnberg) oder ein gewisser Lokalpatriotismus zu Pfiffen gegen den Nachbarn zwingt (wie beim VfB Stuttgart). Der Grund ist: Weil Bakery Jatta ein Flüchtling ist und man bisher grundlos seine Identität anzweifelt. Der KSC entschuldigte sich aufrichtig für den eigenen Anhang.
Das widerliche Verhalten auf den Rängen wird den Karlsruher SC nicht davon abhalten, Einspruch gegen die Spielwertung einzulegen. Schon der 1. FC Nürnberg und der VfL Bochum wollten ihre Niederlage in der 2. Liga nicht hinnehmen und mit einem juristischen Winkelzug jeden Fairness-Gedanken in den Wind schießen. Vielleicht gibt es sogar Gründe, warum man nicht an einem Einspruch vorbeikommt. Aber es zählt das Wie. In unserem Podcast hat ein Nürnberger Blogger Satz für Satz formuliert, wie ein Verein seine Rechtsposition einnimmt, ohne jeden Anstand zu verlieren: Bitte klicken!
Wenn ein Blogger das kann, dann sollten auch ehemalige Bundesligisten in der Lage dazu sein und ihre Verantwortung ernst nehmen. Jatta ist 21 Jahre alt. Vielleicht können diejenigen, die nächstes Mal pfeifen und Einspruch einlegen wollen, daran einmal denken. Denn zu den Nebenwirkungen dieses Verhaltens gehört, dass man Applaus von den falschen Leuten bekommt - nämlich von jenen, die ihren autoritären Nationalradikalismus auch in unserer Bundesliga zu streuen versuchen. Gestern Boateng, heute Jatta: Beim KSC-Publikum hat man jetzt die nächsten Mitläufer gefunden.
Einen anständigen Montag wünscht
Euer Pit Gottschalk

Hand drauf! Handregel verkommt zu einem Glücksspiel
Und das soll kein Handspiel sein? Der Schalker Daniel Caligiuri zirkelt den Freistoß rechts an der Mauer vorbei, Ivan Perisic spreizt den Arm so weit ab, dass er die Flugbahn des Balles entscheidend verändert. Der Pfiff bleibt aus. Foto: Imago / Hübner
Die Experten geben die Hoffnung auf
Von Pit Gottschalk
Das Schalke-Spiel gegen Bayern München (0:3) wirft die wahrscheinlich unberechtigte Frage auf: Warum profitiert gerade der Rekordmeister von der nachlässigen Arbeit der Video-Schiedsrichter im Kölner Keller? 
Zweimal begehen Bayern-Profis ein Handspiel im eigenen Strafraum. Der Regelverstoß bleibt nicht nur ungeahndet. Der Video-Schiedsrichter Bastian Dankert verzichtet sogar auf eine Intervention. 
Wenn man großzügig ist, kann man beim ersten Handspiel Verständnis für Benjamin Pavard aufbringen. Der Bayern-Verteidiger dreht sich vom Schuss weg und kann nicht sehen, wie der Ball seinen Armen trifft.
Handspiel ist nicht gleich Handspiel Handspiel ist nicht gleich Handspiel
Bei Ivan Perisic ist die Sachlage klarer. Der Bayern-Zugang springt in der Freistoßmauer hoch und vergrößert mit seinem Arm die Körperfläche, als der Schuss ihn trifft und vom Tor abgelenkt wird.
Der Elfmeterpfiff blieb in beiden Fällen aus. Alles nur Glück? Es ist allein der Fairness des FC Schalke zu verdanken, dass keine Verschwörungstheorie gestrickt wird. Längst verkommt das Handspiel zu einem Glücksspiel.
Denn auch das gehört zur Wahrheit: Wie kein zweiter Verein profitiert Rekordmeister Bayern München zurzeit von der mehr als skurrilen Arbeitsweise der Video-Schiedsrichter in der noch jungen Saison 2019/20.
Collinas Erben
Zu #S04FCB: Marco Fritz hat im Sportstudio erklärt, er würde die Handspiele von Pavard und Perišić nun anders beurteilen. Dennoch seien beide keine Schwarz-weiß-Situationen und seine Entscheidungen nicht klar und offensichtlich falsch gewesen. Daher kein VAR-Eingriff. (2/11)
1:24 PM - 25 Aug 2019
“Am besten wäre es gewesen, bezogen auf die Überzeugungskraft und Außenwirkung, wenn sich der Schiedsrichter zu beiden Situationen selbst noch ein Bild gemacht hätte.” Lutz-Michael Fröhlich
Beim DFL Supercup Anfang August schritt der Video-Schiedsrichter nicht ein, als Joshua Kimmich an der Spielerbank eine Tätlichkeit an BVB-Profi Jadon Sancho beging. Der Bayern-Star kam mit Gelb davon.
Nun verzichtete Video-Assistent Bastian Dankert darauf, Schiedsrichter Marco Fritz zur Nachuntersuchung der Szenen an den Monitor zu schicken. Der hätte dann die Chance gehabt, seine Entscheidung zu revidieren.
Man weiß nicht mehr, wann ein strafbares Handspiel vorliegt. Eigentlich sollte die neue Formulierung der Handregel alles einfacher machen. Doch es liegt weiter in der Hand des Schiri-Gespanns, wann Hand Hand ist.
Schiedsrichter Dankert ärgert Schalke schon zum dritten Mal Schiedsrichter Dankert ärgert Schalke schon zum dritten Mal
Was beide Fälle so heikel macht: Dankert ist nicht nur einer der schlechtesten Bundesliga-Schiedsrichter, über den sich die Kollegen liebend gerne das Maul zerreißen. Ärger mit Schalke hatte er aufgrund von Fehlentscheidungen schon öfter.
Den DFB trifft die erneute VAR-Diskussion zur Unzeit. Erst kürzlich war Schiedsrichter-Chef Lutz-Michael Fröhlich erfreut darüber gewesen, dass man beim Eröffnungsspiel der Bayern gegen Hertha BSC (2:2) das Foulspiel an Robert Lewandowski entlarvt hatte.
Ex-Schiedsrichter Merk warnt vor Entmündigung Ex-Schiedsrichter Merk warnt vor Entmündigung
Jetzt musste er in einer Stellungnahme das Fehlverhalten beim Bayern-Sieg auf Schalke einräumen. So eine Diskussion kann dann sehr schnell unsachlich werden. In den Sozialen Medien ist längst von einer “Lex Bayern” die Rede.
Schalke-Trainer David Wagner darf auf die DFB-Schulung verweisen, die exakt auf so strafbares Handspiel wie in den zwei Fällen verwiesen hatte. Mindestens der Perisic-Fall hätte einen Pfiff verdient gehabt.
So startet man ratlos in die Saison und kann immer noch nicht erklären, wann ein Handspiel ein Handspiel ist. Der DFB verdient Lob für seine kritische Selbstbetrachtung. Nur Schalke nützt das jetzt wenig. 
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Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Lewandowski schießt 85 Tore
Von Alex Steudel
Lothar Matthäus hat gesagt, dass er momentan keinen Mittelstürmer auf der Welt kennt, der kompletter ist als Robert Lewandowski, weil der Bayern-Profi neben all seinen bisher bekannten Fähigkeiten jetzt obendrein auch noch Freistöße versenken kann. Wenn das so ist, müssen wir uns keine Gedanken mehr über den Torschützenkönig 2019/20 machen, die Mathematik spricht für den Polen: Fünf Lewandowski-Treffer in zwei Spielen bedeuten gemäß Dreisatz 85 Bundesliga-Tore in 34 Spielen – das wird wirklich schwer für Paco Alcacer.
Dann enthüllte Lewandowski, seine neue Stärke hänge damit zusammen, dass er eine langwierige, kleinere Verletzung auskuriert hat, was ihm seit einiger Zeit das Trainieren von Freistößen erlaubt. Ich dachte: Hoffentlich kuriert der Mann dann jetzt auch bald die Verletzung aus, die ihn seit Jahren daran hindert, in wichtigen Champions-League-Spielen zu treffen.
Bayern schwärmen von Robert Lewandowski
Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, die Schalker hätten solche Probleme auch gern, und ich kann deshalb immer noch nicht sagen, was mich mehr beeindruckt: Lewandowskis Fähigkeit, jeden Ball ins Tor zu schießen – oder die Fähigkeit der Schalker, jeden Ball nicht reinzuschießen.
Ich habe nachgeschaut: Statistisch gesehen erzielen die Königsblauen in dieser Saison alle 90 Minuten kein Tor, und das ist auch kein Wunder, denn im Kader fehlt ein Mittelstürmer, dem man zutraut, das zu ändern. Sportvorstand Jochen Schneider will deshalb noch einen holen, und das ist vollkommen richtig, sonst, das sage ich voraus, steht Schalke am Ende der Saison wieder ganz weit hinten drin. Fortsetzung folgt am Samstag in Berlin.
Nur Gerd Müller traf gegen Schalker öfter
Jetzt könnte man mir entgegensetzen: Was willst du eigentlich, die Schalke-Fans sind doch total happy! Und das stimmt, das war die eine Sache, die mich verwirrt hat, nämlich die gute Stimmung, die in der Arena beim Zerlegtwerden herrschte. Als sich Trainer David Wagner dafür sogar extra bei den Fans bedankte, musste ich nachdenken, das kam mir nämlich irgendwie bekannt vor, und dann fiel es mir ein: Beim HSV hat das ganze Unheil auch damit angefangen, dass die Mannschaft immer häufiger verlor, aber das Publikum immer begeisterter war.
Alle mal herschauen!
Mit Fußball die Welt retten: Vorbild für Bundesliga!
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