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Hand oder nicht Hand: Ein DFB-Schiedsrichter klärt auf

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Was bleibt von der Bundesliga-Hinrunde? Für mich: dass die Tabell
 

Fever Pit’ch

21. Dezember · Ausgabe #316 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Was bleibt von der Bundesliga-Hinrunde? Für mich: dass die Tabellenspitze so spannend ist wie seit Jahren nicht. Und: dass die Schiedsrichter die Sache mit dem Videobeweis nicht in den Griff bekommen. Es fängt schon bei den Begriffen an. Jeder sagt: Videobeweis. Die Schiedsrichter aber: Video Assist. Überall ist zu hören: Kölner Keller. Im Schiedsrichterwesen aber: Video und was auch immer… ich habe es vergessen. Wenn man schon bei der Sprache auf keinen gemeinsamen Nenner kommt, wird’s natürlich schwer, ein Verständnis für die Regelauslegung zu erzeugen, an Problemlösungen zu arbeiten oder Schiedsrichter als Instanz zu akzeptieren.
Nur gut, dass Patrick Ittrich kein Blatt vor den Mund nimmt. Der Bundesliga-Schiedsrichter aus Hamburg hat uns, wie gestern angekündigt, nicht nur die Handregel erklärt. Er gab auch einen Einblick, wie viel Arbeit die Schiedsrichter in ein Bundesliga-Spiel stecken, welchem Druck sie ausgesetzt sind und wie sie Anfeindungen in den Sozialen Medien begegnen. Ich kann jedem Leser unseren neuen Podcast empfehlen. Wären nur alle Schiedsrichter so offen und auf den Punkt wie Patrick Ittrich in diesen 30 Minuten, der DFB hätte ein paar Sorgen weniger. Er ging sogar auf die gestern erbetenen Vorschläge zur Handregel-Definition ausführlich ein.
Außerdem verrät Patrick Ittrich, wer ihn zum “Lukas Podolski der Schiedsrichter” getauft hat - es war ein Fifa-Schiedsrichter.
Einen angeknabberten Samstag wünscht
Euer Pit Gottschalk

Hand oder nicht Hand: Ein DFB-Schiedsrichter klärt auf
Patrick Ittrich im Zwiegespräch mit Mario Gomez in Darmstadt. Foto: Imago
Patrick Ittrich im Zwiegespräch mit Mario Gomez in Darmstadt. Foto: Imago
Handspielregel erklärt: Patrick Ittrich im Fever Pit'ch Podcast
Von Claudia Ebel
Handspiel ist, wenn ein Spieler den Ball absichtlich mit der Hand berührt oder er in Ballbesitz kommt und dann ein Tor erzielt, nachdem er den Ball unabsichtlich mit der Hand berührt oder mit der Hand ein Tor erzielt hat. Egal ob Absicht oder nicht. 
Ist doch ganz einfach! Verstanden? Nee? Ist ja auch nur die halbe Wahrheit.
Denn darüber hinaus muss der Schiedsrichter ja beurteilen, ob der Spieler seine Körperfläche unnatürlich vergrößert hat, sich die Hand über der Schulterhöhe befindet… außer der Ball springt direkt vom Körper, Kopf, Fuß an die Hand des eigenen oder eines anderen Spielers, oder die Körperfläche vergrößert sich nicht unnatürlich, weil der Arm angelegt ist. Oder es ist alles umgekehrt - und dann gilt die Regel nicht…
Die Aufgabenstellung, die jetzige Hand-Regel in einem Satz zu erklären, ist quasi unmöglich. Daher die Bitte: Die Regel muss einfach sein. Einfach und brachial: Handspiel ist, wenn der Ball die Hand berührt (die Hand im Sinn des Fußballs, also den Arm). Ohne Wenn und Aber.
Nach zuletzt zehn Jahren Spieltag-Analyse mit Thomas Helmer und Thomas Strunz und ungezählten Sendungen zum Thema Handspiel sind wir in der Redaktion zu keinem anderen Ergebnis gekommen: Die Hand-Regel ist zu kompliziert, undurchsichtig und lässt zu viel Interpretationsspielraum.
Die Frage, ob es ungerecht ist, wenn ein Spieler den Ball unabsichtlich mit der Hand berührt, wird dann irrelevant, wenn die Regel einfach ist. Denn in vielen Fällen lässt sich Absicht und alle anderen Nebenarme der Regel ohnehin nicht zweifelsfrei klären.
Ein Handspiel ist dann höchstens noch gut als Diskussionsvorlage für Sendungen wie den Sport1-Doppelpass, aber schlecht für den Schiedsrichter und den Fußballfan. Die Hand-Regel umfasst im DFB Regelwerk inzwischen mehr als eine DIN A4 Seite. Macht die Regel kurz und verständlich!
Claudia Ebel ist Redakteurin bei Sport1 in Ismaning.
1:2! BVB bleiern
"Wir nutzen die Chancen nicht. Das ist dumm" "Wir nutzen die Chancen nicht. Das ist dumm"
Von Pit Gottschalk
Unter der Woche wollte man der Öffentlichkeit weismachen, Lucien Favre sei der Gigant unter allen BVB-Trainern der Vereinsgeschichte. Das Argument: die Punkte-Ausbeute nach anderthalb Spielzeiten.
Seit dem 1:2 von Hoffenheim ist auch diese kleine Anerkennung futsch. Thomas Tuchel, bis 2017 bei Borussia Dortmund, holte in 51 Spielen 108 Punkte, Lucien Favre nur 106. Aber das ist nicht von Belang.
Sportdirektor Michael Zorc wollte im anschließenden ZDF-Interview nicht gelten lassen, was das Millionenpublikum vor der Glotze gesehen hatte: dass seine Mannschaft mal wieder bleiern und lethargisch aufgetreten war.
So geht das jetzt seit Monaten. Dem Zwischenhoch mit drei Siegen in Serie folgte der unnötige Punktverlust gegen RB Leipzig (3:3) und Hoffenheim (1:2). Es ist kein Trost, dass Bayern München häufiger diese Saison verlor.
Beim BVB kommen zu den drei Niederlagen sechs Unentschieden hinzu. In Summe also 21 Punkte, die man verpasst hat. Mit Verletzungspech allein ist der mangelhafte Siegeswille nicht zu erklären.
Hätte Borussia Dortmund zumindest die Pflichtaufgaben gegen die zwei Aufsteiger Union Berlin (1:3) und SC Paderborn (3:3) gewonnen - man wäre heute Bundesliga-Tabellenführer. So aber krebst der BVB weiter hinterher.
Herbstmeister der Saison 2019/20 wird heute entweder RB Leipzig oder Borussia Mönchengladbach. Mit ein wenig Glück überwintert der BVB auf einem Champions-League-Platz. Das hängt von Schalke ab, schlimm genug.
Gegen die Mannschaften im obersten Tabellendrittel gelang in der Hinrunde ein einziger Sieg, das erzitterte 1:0 gegen Gladbach. Da nutzt alle Statistik nichts: Wenn’s gegen Top-Teams drauf ankam, versagte das Favre-Team.
Wie lange wird sich die BVB-Führung das noch ansehen? In den nächsten Tagen soll die Analyse folgen. Eine schonungslose, wie es heißt. Mal sehen, welche Ausreden dann wieder bereitliegen.
Die Favre-Einwechslungen floppen
Der Höllentrip des lieben Lucien Favre beim BVB
BVB-Fans droht mehrjährige Gästeblock-Sperre
Heute im Fernsehen
FC Bayern am Scheideweg
Die zwei Gesichter des Teams von Hansi Flick Die zwei Gesichter des Teams von Hansi Flick
Von Marco Mader
Hansi Flick kann gegen Wolfsburg noch einmal für sich werben. Doch an der Weiterbeschäftigung des Trainers bis Sommer gibt es bei Bayern München eigentlich keine Zweifel mehr.
Karl-Heinz Rummenigge hat das Vertragspaket für Hansi Flick schon geschnürt, doch der Trainer will erst noch die Bescherung abwarten. “Das sind alles Dinge, die wir nach dem Spiel besprechen. Lasst uns das Spiel spielen, dann schauen wir mal, was rauskommt”, sagte Flick vor seiner voraussichtlich letzten Begegnung als “Bis auf Weiteres”-Trainer von Bayern München. Erst danach soll die frohe Botschaft verkündet werden.
Selbst eine Niederlage dürfte nichts ändern. “Die wichtigste Qualität im Spiel ist nicht exklusiv das nackte Ergebnis, sondern die Spielqualität”, ließ sich Rummenigge in Sport Bild zitieren. Flick passe zur Mannschaft, sein Spielstil sei einer, “der nicht nur uns, sondern auch den Fans gefällt. Man muss die Handschrift eines Trainers sehen. Und das ist bei uns wieder der Fall.”
Man muss daher kein Prophet sein, um zu ahnen, dass der von Rummenigge angeführte Vorstand dem Aufsichtsrat eine Ausdehnung des bislang bis Winter befristeten Engagements empfehlen wird. Letzte Details wie etwa die mögliche Anhebung der Bezüge Flicks sollen nach dem Wolfsburg-Spiel erörtert werden. Harte Verhandlungen müssen die Bosse nicht fürchten. “Mir macht es viel Spaß, die Mannschaft ist top, ich habe ein gutes Umfeld und Team hinter mir. Ich bin zufrieden mit dem, was ich habe”, sagte Flick.
Demnach dürfte der Aufsichtsrat um den neuen Chef Herbert Hainer, der zur Sache auch den künftigen Vorstand Oliver Kahn (ab 1. Januar) hören will, dem Vorschlag des Vorstands schnell zustimmen. Der Sieg in Freiburg (3:1) hat noch einmal weitere überzeugende Argumente pro Flick geliefert. Rummenigge und Co. können sich jetzt sicher sein, dass die Mannschaft nicht nur wieder schöneren, modernen Fußball spielt - sie geht für ihren Trainer auch durchs Feuer. “Die Tendenz ist sehr positiv, die Philosophie passt zu uns”, sagte Kapitän Manuel Neuer zuletzt.
Flick scheint sich dabei mitunter noch zu fühlen, als wäre er unverhofft im Paradies gelandet. “Ich genieße es, wie es ist”, sagte er, das Jahr 2019 sei eigentlich “ganz anders geplant” gewesen. Doch dann kam zuerst der Anruf aus München, und er wurde Co-Trainer unter Niko Kovac. Plötzlich aber “war es wieder anders als geplant” - und er musste für den geschassten Chef übernehmen. “Das ist das normale Leben”, sagte Flick schmunzelnd.
Während Sportdirektor Hasan Salihamidzic die anstehende Pause zur Sondierung des Transfermarktes nutzen wird (“Wir lassen uns alle Optionen offen”), unterzieht sich Robert Lewandowski am Samstagabend der notwendigen Leisten-OP, wie Flick bestätigte. Er rechne mit einer Pause von zehn bis 14 Tagen für den Topstürmer, sagte der Trainer. Zum Rückrundenstart bei Hertha BSC (19. Januar) stünde Lewandowski bereit.
Marco Mader ist Redakteur beim Sport-Informations-Dienst (SID)
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