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Herr Heldt, ist der 1. FC Köln noch zu retten?

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Das Furchtbare ist: Zu oft nimmt man achselzuckend zur Kenntnis,
 

Fever Pit’ch

6. Dezember · Ausgabe #303 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Das Furchtbare ist: Zu oft nimmt man achselzuckend zur Kenntnis, wenn Protagonisten des Fußballs im Stadion verunglimpft, beleidigt oder sogar diskriminiert werden. Hitler-Grüße beim Länderspiel, Affengeräusche gegen Spieler, mutlose Sanktionen - alles 2019 schon erlebt. Nun der nächste Tiefpunkt: Das italienische Spitzenspiel zwischen Inter Mailand und AS Rom in der Serie A kündigte die Tageszeitung “Corriere dello Sport” mit der Schlagzeile “Black Friday” an - neben den Fotos von Romelu Lukaku und Chris Smalling, zwei farbigen Spielern. Das ist weder witzig noch moralisch vertretbar. Wie aber soll man die Urheber dieser rassistischen Entgleisung bestrafen? Der Verband kann ja schlecht einen Presseboykott ausrufen.
Was nicht weniger schlimm ist: dass einige Tastenakrobaten in den Sozialen Netzwerken Verständnis für die Anspielung auf den verkaufsfördernden Freitag wenige Tage zuvor äußerten und den Eklat herunterspielten. “Alles nicht so schlimm”, hieß es, “kommt mal wieder runter.” Ich meine: Genau das Gegenteil sollten wir tun. Noch lauter, noch deutlicher müssen wir, die wir den Fußball lieben, Haltung zeigen und Grenzen ziehen. Nur dann stellen wir sicher, dass unser Fußball eben nicht zu einer Plattform verkommt, auf der Rechtsausleger und Hobby-Nazis die Grundlage für ihren Teppich aus Verschwörungstheorien und Alltagsrassismus sehen. Klare Kante gegen rechts - auch wenn es gegen Schlagzeilenmacher geht.
Einen bunten Freitag wünscht
Euer Pit Gottschalk

Herr Heldt, ist der 1. FC Köln noch zu retten?
Der Sport-Geschäftsführer des 1. FC Köln: Horst Heldt. Foto: Imago / von der Laage
Der Sport-Geschäftsführer des 1. FC Köln: Horst Heldt. Foto: Imago / von der Laage
Seit rund zwei Wochen ist Horst Heldt nun Sportchef des 1. FC Köln. Im SID-Interview spricht der 49-jährige frühere Nationalspieler vor dem Spiel des Bundesliga-Vorletzten am Sonntag bei Union über die Herausforderung, über Tugenden im Abstiegskampf und über das Phänomen “Konzepttrainer”.
Herr Heldt, Reiner Calmund hat Ihnen quasi zum Einstand symbolisch eine Großpackung Aspirin geschenkt. Weil er als Rheinländer einfach weiß, was in Köln auf Sie zukommt?
Horst Heldt: Das war bei einer Veranstaltung, bei der er den Nikolaus spielte. Ich habe ihn sofort entlarvt (lacht). Er geht davon aus, dass mir der Job den einen oder anderen Tag Kopfschmerzen bereitet und wollte damit verdeutlichen, dass es keine leichte Aufgabe ist. Das war sehr nett von ihm. Bisher hatte ich aber noch keine Kopfschmerzen.
Der FC gilt aber gemeinhin als launisch. Wieso ist das so?
Heldt: Das definiere ich nicht so. Vielleicht ist das die Wahrnehmung von außen. Das mag auch mal berechtigt sein, aber ich erlebe hier nicht, dass die Menschen launisch sind. Es gibt grundsätzlich eine Tendenz, dass sich ganz viele Menschen damit auseinandersetzen und es viele verschiedene Meinungen gibt, wenn Traditionsvereine in Schwierigkeiten sind. Da wird offen, laut und intensiv diskutiert. Aber das ist kein Problem. Das ist positiv, da es die hohe Identifikation verdeutlicht.
In der Stadt macht sich nach den Eindrücken der vergangenen Jahre aber auch die Einstellung breit, dass der nächste Rückschlag sowieso kommt.
Heldt: Dagegen muss man arbeiten. Jeder ist gefordert. Auch wenn es schon ein paar Abstiege gegeben hat, muss man mit aller Macht versuchen, das diesmal zu verhindern. Wir wollen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass ganz viele Menschen ihren Teil dazu leisten können. Und sich eben nicht dem Schicksal zu fügen.
"So langsam reicht's mir!" "So langsam reicht's mir!"
Herr Heldt, was können Sie als Sportchef kurzfristig dazu beitragen?
Heldt: Ich kümmere mich um das Drumherum. (Trainer) Markus Gisdol kümmert sich viel und intensiv um die Mannschaft, weil er den besten Zugang hat. Und weil er Entscheidungen treffen muss – nicht nur leichte, sondern auch harte. Dazu ist es für mich extrem wichtig, das Trainerteam intensiv zu begleiten und zu unterstützen.
Wie sehen Sie die Mannschaft aktuell?
Heldt: Leipzig war der falsche Gegner zum falschen Zeitpunkt. Und klar hätten wir die drei Punkte gegen Augsburg gerne gehabt. Was wir geschafft haben, ist eine Kehrtwende im Ablauf des Spiels. Das macht optimistisch für die nächsten Spiele. Das war genau das, was wir in dieser Situation gebraucht haben. Wir sind in der Lage, es selbst zu regeln.
Jetzt geht es zu Union Berlin - ein Endspiel?
Heldt: Ich verstehe die Dramaturgie, aber es ist kein Endspiel. Wir müssen das auf Strecke sehen. Es ist vollkommen egal, gegen wen wir die Punkte holen. Wir dürfen keine Angst haben. Wir fahren mit einem guten Gefühl nach Berlin. Wir wissen, wen sie zu Hause geschlagen haben – da waren namhafte Gegner dabei. Wir wissen, dass es eine schwere Aufgabe ist, aber wir können etwas mitnehmen.
Sie sagen, der Kader sei gut zusammengestellt – aber nicht unbedingt für den Abstiegskampf. Was bedeutet das? Braucht man da grundsätzlich andere Fußballer-Typen?
Heldt: Ich denke, die wichtigen Tugenden verschieben sich je nachdem, ob man im Abstiegskampf ist oder um die Champions League spielt. Unten braucht man nicht in erster Linie schönen Fußball und den Weg nach vorne. Da braucht man erstmal Stabilität. Da ist die Basis dann vielleicht ein Stück wichtiger. Das sind körperliche Voraussetzungen und Tugenden wie Aggressivität und Zweikampfverhalten. Eine gewisse Routine ist wichtig, Cleverness und auch Stressresistenz.
Ist Union jetzt Favorit gegen Köln? Ist Union jetzt Favorit gegen Köln?
Herr Heldt, kann die Mannschaft das in ihrer aktuellen Situation leisten?
Heldt: Ja. Jeder einzelne Spieler unserer Mannschaft ist in der Lage, diese Tugenden einzubringen.
Die Frage, ob (Weltmeister) Lukas Podolski noch einmal zurückkommt, beschäftigt das Umfeld schon lange.
Heldt: Mir ist bewusst, dass das ein Thema ist, das die Fans beschäftigt. Lukas hat eine hervorragende Karriere hingelegt und viel Bedeutung für den FC. Man muss sich darüber Gedanken machen. Aber wir haben jetzt schon sehr offen darüber gesprochen, und alles andere werden wir mit Lukas besprechen. Nicht über die Öffentlichkeit, sondern respektvoll im kleinen Kreis.
Trainer Achim Beierlorzer ist jetzt in Mainz und hat dort die ersten beiden Spiele gewonnen. Hat der Kader einfach nicht zu seiner Philosophie gepasst?
Heldt: Grundsätzlich ist es gut, solche Dinge zu reflektieren. Es hilft uns aber nicht in der aktuellen Situation. Das bringt uns keine drei Punkte gegen Union. Deshalb investiere ich meine Energie derzeit anders.
Markus Gisdol ist ausdrücklich als Pragmatiker angetreten, der schauen will, womit sich die Spieler am wohlsten fühlen. Welchen Plan verfolgt er langfristig mit der Mannschaft?
Heldt: Markus macht das, was in unserer Situation notwendig ist. Er hat die Mannschaft schnell kennengelernt und versucht jetzt, das System bestmöglich auf sie zuzuschneiden. Natürlich hat er eine grundsätzliche Spielidee. Aber im Moment geht es darum, mit der Mannschaft gemeinsam etwas zu entwickeln. Und diese Herangehensweise finde ich zielorientiert und sehr gut.
Ist der Konzepttrainer nicht sowieso ein fragwürdiges Phänomen? Ist es nicht eher ein Qualitätsmerkmal, den Stil auf die Mannschaft auszurichten?
Heldt: Genau so ist das. Ich erwarte von einem Trainer, dass er die größtmögliche Flexibilität an den Tag legt, dass er sich nicht festlegt und dass er die Mannschaft nicht in einen Stil presst, den sie vielleicht gar nicht spielen kann. Genau das erkenne ich bei Markus.
Rund um die Verpflichtung ist allerdings der Eindruck entstanden, dass es sich bei Gisdol um die C-Lösung handelt.
Heldt: Es ist doch wichtig, dass der Verein mit mehreren Kandidaten spricht. Aber Markus hat von Vereinsseite definitiv nicht das Gefühl bekommen. Am Ende sind die anderen Kandidaten C- und D-Lösungen, ganz einfach, weil sie nicht hier sind. Markus Gisdol ist hier, und deshalb ist er die A-Lösung.
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Tooooooooor im Supermarkt!
Von Alex Steudel
Ich habe an das Duell Mönchengladbach gegen Bayern nur schlechte Erinnerungen. Es kam damals in die Siebzigern nie live im Fernsehen, ich musste also als Kind immer auf die Sportschau am Samstagabend warten.
Die Zusammenfassungen waren für mich eine Qual. Ich wusste ja, dass der Reporter wusste, wie das Spiel ausgegangen war, aber er sagte es nie gleich, und ich versuchte deshalb schon während der Reportage aus seiner Stimme herauszuhören, wer gewonnen hatte. Das gelang mir nie, die Reporter waren nämlich damals nicht so emotional wie heute, selbst ein entscheidendes WM-Finaltor teilten sie dem Zuschauer mit wie eine in der vorletzten Woche gezogene Lottozahl.
Kurz: Ich war nach diesen 10-Minuten-Beiträgen immer ein Nervenwrack.
Und ich war erst zehn.
Diese Zeit war für mich, den Fußballfan, prägend, denn es hat sich bis heute nichts geändert: Ich will immer alles vorher wissen. Wenn ich die Konferenz auf Sky schaue und da gerade Leipzig gegen Augsburg spielt und jemand aus dem Off “Toooor in Gladbach” schreit, lehne ich mich nicht gemütlich und in freudiger Erwartung zurück und warte, bis in das andere Stadion geschaltet wird, nein, ich werde sehr nervös und möchte ganz genau in dem Moment voraussagen können, wer das Tor geschossen hat. Ich werde keinesfalls fünf Sekunden warten, ich muss es einfach sofort wissen, bevor es alle anderen wissen, ich bin fast schon besessen davon, und das ist ganz schön anstrengend.
Sportschau holt Klassiker gegen Bayern aus dem ARD-Archiv Sportschau holt Klassiker gegen Bayern aus dem ARD-Archiv
Ich habe im Laufe der Zeit eine Technik entwickelt, die mein Leid etwas lindert, weil sie es mir möglich macht, dem Schrei des Sky-Reporters anzuhören, wer das Tor geschossen hat. Brüllt er zum Beispiel wie von Sinnen “Toooooor” mit einem langgezogenen “oooooo”, hat sehr oft die Heimmannschaft getroffen, weil der Reporter ja das Gebrüll der Fans auf seinem Kopfhörer hat und übertönen muss. Das ist ein bisschen so, wie ja auch Leute sehr laut reden, die gerade Musik auf dem Kopfhörer haben.
Klingt der Torschrei eher kontrolliert, handelt es sich meistens um kein wichtiges Tor. Beispiel: Leverkusen führt zu Hause gegen Dortmund 3:1. Leiser Torruf des Reporters: Das 4:1 ist gefallen, Sack zu. Brüllender Torruf des Reporters: Dortmund hat den Anschlusstreffer geschafft, Sack wieder auf. Undsoweiter.
Trotzdem gibt es nie absolute Gewissheit, weshalb ich ständig versuche, meine Tor-Voraussage-Qualitäten zu verbessern. Bedeutet für mich konkret: ständiges Üben. Und das führt mitunter zu skurrilen Situationen.
Kürzlich kündigte eine Stimme über die Lautsprecheranlage des Supermarktes, durch den ich gerade meinen Einkaufswagen schob, an, dass die Leberwurst im Angebot sei, und ich vergaß für einen Augenblick, wo ich gerade war, und schrie dem über mir hängenden Lautsprecher den neuen Preis entgegen: “Ein Euro 99!! Oder?”
Die Leute um mich herum haben so getan, als hätten sie es nicht mitbekommen.
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