Profil anzeigen

Heute wagt der deutsche Fußball seinen Neuanfang

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußball-Freunde! Bei aller Euphorie, ähem, über den neuen DFB-Präsidenten: Bitte
 

Fever Pit’ch

27. September · Ausgabe #245 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußball-Freunde!
Bei aller Euphorie, ähem, über den neuen DFB-Präsidenten: Bitte nicht die Tippabgabe für unser Bundesliga-Tippspiel vergessen. Wer noch nicht dabei ist, kann sich hier kostenlos anmelden. Ein bisschen Spaß muss sein.
Warum ich so ausgelassen bin: Fritz Keller aus Freiburg wird an der DFB-Spitze viel gute Laune verbreiten. Die Arbeit müssen andere machen. Zum Beispiel OIiver Bierhoff. Was ich davon halte, sagte ich im O-Ton hier.
Einen lehrreichen Freitag wünscht
Euer Pit Gottschalk

Heute wagt der deutsche Fußball seinen Neuanfang
Bundestrainer Joachim Löw mit Oliver Bierhoff. Foto: Imago / Hartenfelser
Bundestrainer Joachim Löw mit Oliver Bierhoff. Foto: Imago / Hartenfelser
Neue Akademie in Frankfurt am Main: Mehr als nur Prestige
Von Marco Mader
Der Grundstein ist gelegt, die Sektgläser sind geleert. Nach dem Festakt mit Bundeskanzlerin Angela Merkel übernehmen auf der Akademie-Baustelle des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Frankfurt-Niederrad wieder die Arbeiter - und zwar nicht nur jene im Blaumann.
Unter der Oberaufsicht von Bauleiter Oliver Bierhoff, der stets im feinen Zwirn daherkommt, macht sich das Akademie-Team daran, den deutschen Fußball umzubauen. “Zurück an die Weltspitze”, lautet ein gutes Jahr nach dem historischen WM-Desaster das Motto, das nicht nur für die abgestürzte DFB-Auswahl gelten soll.
Bierhoff und seine Mitstreiter um den Akademie-Chef Tobias Haupt haben eine ganze Reihe von Problemen ausgemacht, an denen sie - gemeinsam mit der Deutschen Fußball Liga - ansetzen wollen. Die Ausbildung von Spielern, Trainern und Experten soll reformiert werden.
Dem Stichwort “Bolzplatzmentalität” kommt dabei eine Schlüsselrolle zu, die Talente - ob Kicker oder Trainer - sollen individueller betreut werden und mehr Freiräume genießen dürfen.
150 Millionen Euro lässt sich der DFB seine Akademie kosten, viele weitere Millionen sind für deren Reformen fällig. Und dennoch wird Geduld gefragt sein: Erste Ergebnisse sind, so heißt es intern, erst nach der Heim-EM 2024 zu erwarten. Bis dahin muss es die Generation um Joshua Kimmich richten, die als letzte mit herausragenden Talenten gilt.
Der designierte DFB-Präsident Fritz Keller soll den Prozess wohlwollend begleiten, hat aber noch zahlreiche andere Aufgaben - und wird zunächst nur bis 2022 gewählt. Umso tragender wird die Rolle Bierhoffs. Ihm und seinen Leuten muss es gelingen, die Akademie mit Leben zu füllen.
Anpfiff für den nächsten Spielmacher Anpfiff für den nächsten Spielmacher
Jetzt reinhören!
Jetzt reinhören!
Jetzt im Podcast: Was auf Fritz Keller und Oliver Bierhoff zukommt
Was ist von Fritz Keller als DFB-Präsident zu erwarten?
Wechsel mit Tücken beim DFB: Neuer Kopf, alter Geist Wechsel mit Tücken beim DFB: Neuer Kopf, alter Geist
Fritz Keller wird heute beim DFB-Bundestag in Frankfurt/Main zum 13. Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gewählt. Am Votum der 259 stimmberechtigten Delegierten für den scheidenden Klubchef des Bundesligisten SC Freiburg besteht kein Zweifel. Keller ist der einzige Kandidat, die einfache Mehrheit reicht. Das Patenkind von Fritz Walter wurde Mitte August von der DFB-Findungskommission überraschend nominiert. Kurz darauf stimmten die Amateure und die Profis dem Kandidaten zu.
Warum Keller?
Keller steht für viele Beobachter für das, was der DFB nach Jahren des Konflikts zwischen Amateuren und Profis braucht. Der Winzer ist auf der einen Seite bodenständig, kennt aber auch die Anforderungen des Profigeschäfts. Keller wird zugetraut, die Dauerkrise des Verbands zu beenden. Die Rücktritte seiner Vorgänger Wolfgang Niersbach und Reinhard Grindel sowie der Skandal um die WM-Vergabe 2006 haben dem DFB schwer geschadet - das muss Keller nun aufarbeiten.
Was sind die Hauptaufgaben Kellers?
Neben der Befriedung des Verbands hat Keller noch jede Menge andere Arbeit zu bewältigen. Der 62-Jährige muss für eine moderne Verbandsstruktur sorgen, den Bau der Akademie vorantreiben, den Weg der Nationalmannschaft zurück in die Weltspitze forcieren, die Zusammenarbeit mit den internationalen Gremien verbessern, einen neuen Grundlagenvertrag zwischen Amateuren und Profis aushandeln - und die EM-Endrunde 2024 planen.
Kann Keller den Job?
Er selbst hat großen Respekt vor der Aufgabe. Doch sein Verhalten bei der Wahl Grindels kann fast schon als prophetisch bezeichnet werden - Keller sorgte mit seinem Klub für zwei der vier Gegenstimmen. Und laut SC-Trainer Christian Streich hat Keller “lieber vier Termine am Tag als keinen”.
DFB-Bundestag: Die Selbstentmachtung DFB-Bundestag: Die Selbstentmachtung
Wie wird die neue Struktur aussehen?
Innerhalb des DFB, dessen Budget bei mehr als 400 Millionen Euro im Jahr liegt, wird Keller nicht mehr so viel Macht wie seine Vorgänger besitzen. Unter ihm soll es eine deutlichere Trennung zwischen den wirtschaftlichen und den gemeinnützigen Aufgaben geben. Deshalb werden alle Aktivitäten, mit denen Geld verdient wird, künftig von der DFB GmbH verantwortet. Gemeinnützige Aufgaben obliegen dem DFB e.V.. Starker Mann der GmbH soll DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius werden, Oliver Bierhoff ist als Geschäftsführer Sport vorgesehen.
Wie sieht es mit der internationalen Zusammenarbeit aus? 
Vizepräsident Rainer Koch soll beim größten Einzelsportverband der Welt als neuer Außenminister fungieren. Als Folge des Grindel-Rücktritts ist der DFB derzeit weder im Council des Weltverbands Fifa noch im Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union (Uefa) vertreten, zumindest ins Uefa-Exko will Koch einziehen.
Betrug, Skandale, Uhren: Diese DFB-Präsidenten sind gescheitert Betrug, Skandale, Uhren: Diese DFB-Präsidenten sind gescheitert
Anzeige bei der Ethik-Kommission
DFB-Vize Rainer Koch soll Funktionäre bedroht haben DFB-Vize Rainer Koch soll Funktionäre bedroht haben
Heute im Fernsehen
Was sonst noch so los ist
Schalke 04 will Europa-League-Finale ausrichten Schalke 04 will Europa-League-Finale ausrichten
Fußball vor 120.000 Zuschauern
"Abgang von Klopp schadete der Bundesliga"
Künstlerin verklagt Fortuna wegen Trikotdesign
Der Kovac-Plan: Wie die alten Römer
Der Lückenfüller prägt das Bayern-Spiel
Thomas Müller sucht beim FC Bayern seine Rolle
Martin Hinteregger fährt Fan zum Bahnhof
Wie Migrantenvereine Integration behindern
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Borussia Dortmund hat den Yips
Von Alex Steudel
Nicht vergessen, am Wochenende erscheint die neueste Ausgabe der Mentalitätsweltrangliste, und ich habe da ein komisches Gefühl, was den BVB angeht. Borussia Dortmund hat ja beim 2:2 in Frankfurt wichtige Nervenstränge liegenlassen, trifft jetzt auf Bremen und kämpft dabei gegen den Abstieg in die Mentalitätsweltgruppe 2. 
Und das völlig zurecht. Im diesem Kalenderjahr läuft’s nämlich mentalitätstechnisch miserabel für den BVB. Wo immer Schwarzgelb zu sehen ist, steckt auch ein bisschen Zittern drin. Das war schon in der Rückrunde so, als der ursprünglich gigantische Vorsprung auf die Bayern dank einfachster BVB-Fehler dahinschmolz und irgendwann weg war. 
Natürlich ist das alles Kopfsache. Im Golfsport gibt es für das Zitter-Phänomen sogar einen Namen. Die Experten nennen es den Yips. Wenn du den Yips hast, gelingen dir die einfachsten Sachen nicht. Du fängst nämlich mit dem Denken an, und das ist das Schlimmste, was dir passieren kann im Sport. Wenn du denkst, dass du denkst, dann machst du genau die Fehler, die du gerade wegdenken wolltest, erst recht. 
"Dortmund stinkt die Mentalitätsscheiße" "Dortmund stinkt die Mentalitätsscheiße"
Die Dortmunder haben dieses Problem, seit sie Ende 2018 in die Favoritenrolle gerutscht sind, sie denken einfach zu viel, sie sind nicht mentalitätsstressresistent, und da war das Eintreffen des Yipsens natürlich nur noch Formsache. Zuletzt hat’s sogar den Kapitän erwischt: Marco Reus verlor am Sonntag ein Interview gegen Sky-Reporter Ecki Heuser nach einer frühen Gegenfrage – spätestens, seitdem der Kapitän da die Nerven verlor (“Das geht mir so auf die Eier”), rätseln Fans und Sportpsychologen: Wie kriegt man so einen Yips wieder raus aus dem Team?
Ich kann diese Frage ganz genau beantworten, ich verweise einfach auf sämtliche YouTube-Videos, die Matthias Sammer beim Fußballspielen zeigen. Wer sie anguckt, weiß gleich, was Mentalität ist: ein Haufen Wille, große Autorität und viel schlechte Laune. Wenn ein Typ wie Sammer in deiner Mannschaft ist, dann hast du keinen Yips und schon gar kein Mentalitätsproblem, weil deine Mentalität viel zu viel Angst vor Sammer hat. 
Ich will nicht auf den alten Zeiten herumreiten, aber wenn ich den alten Sammer (der lustigerweise den BVB berät, aber offenbar nicht in Yips-Angelegenheiten) sehe, komme ich nicht umhin, einen sachten Unterschied zu Reus und BVB-Trainer Lucien Favre festzustellen.
Machen wir uns nichts vor, Reus ist Kapitän, weil er super kicken kann, und nicht, weil er die alles überstrahlende Führungskraft im Kader ist, den Job könnten meiner Meinung nach Mats Hummels oder Axel Witsel meilenweit besser machen. Und Favre ist natürlich ein Spitzenexperte, großartig und toll, wunderbar und sympathisch, aber wenn er zu einer seiner Motivationsansprachen ansetzt, dann kriege ich jedesmal Angst, dass gleich jemand losheult.
Alle mal herschauen!
"Auch Reus' Mentalität steht auf dem Prüfstand" "Auch Reus' Mentalität steht auf dem Prüfstand"
Hat Dir diese Ausgabe gefallen?
Wenn Du keine weiteren Ausgaben mehr erhalten möchtest, kannst Du den Newsletter hier abbestellen.
Wenn Dir dieser Newsletter weitergeleitet wurde und er Dir gefällt, kannst Du ihn hier abonnieren.
Powered by Revue
https://pitgottschalk.de/impressum-disclaimer/