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Hilfe, ich habe keinen Lieblingspieler!

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Mein Lieblingsspieler ist Diego Maradona. Von ihm habe ich ein kl
 

Fever Pit’ch

2. Oktober · Ausgabe #428 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Mein Lieblingsspieler ist Diego Maradona. Von ihm habe ich ein klares Bild in meinen Erinnerungen. Was der kleine Argentinier mit dem Ball anstellen konnte, raubte mir den Atem. Die Fernsehbilder von damals zeigen ihn immer wieder in Zweikämpfen, den Ball eng am Fuß, zielstrebig und unaufhaltsam. Schaut euch diesen Maradona-Film an, zumindest den Trailer, damit Ihr versteht, was ich meine. (Ich bedaure Alex Steudel, dass er keinen Lieblingsspieler wie Maradona hat - siehe unten.) Hat Robert Lewandowski Maradonas Eleganz? Seine Größe? Ich weiß es nicht. Aber ich gratuliere ihm herzlich zur Wahl zu Europas Fußballer des Jahres. Und frage mich: Ist Lewandowski der Lieblingsspieler von sehr vielen Kindern?
Ein bewundernswertes Wochenende wünscht
Euer Pit Gottschalk

Lächelt Robert Lewandowski?
Lächelt Robert Lewandowski?
Robert Lewandowski ist Europas Fußballer des Jahres
Hilfe, ich habe keinen Lieblingspieler!
Von Alex Steudel
Am Montag schrieb ich ja, dass ich mir den Supercup* keinesfalls ansehen werde, sondern lieber zu einer Lesung gehe. Ich habe nicht gesagt, was für eine Lesung, und das hole ich jetzt nach: eine mit Arnd Zeigler. Der Bremer Stadionsprecher und Moderator (“Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs”) hat ein neues Buch (“Traumfußball”) rausgebracht und deshalb am Mittwoch in Hamburg mit dem lustigen und reichweitenstarken Tommi Schmitt (vom Podcast “Gemischtes Hack”) über Fußball gesprochen. Der Abend war spannender und hat mir mehr zu denken gegeben als jedes Supercupspiel der Fußballgeschichte inklusive derer, die ich nicht gesehen habe.
Und zwar vor allem wegen einer Frage, die aufkam, und die mich voll auf dem falschen Fuß erwischt hat und seither beschäftigt. 
“Wer ist eigentlich dein Lieblingsspieler?”, fragte Zeigler Schmitt. 
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Als die Frage raus war, wurde mir klar, dass das meine Marktlückenfrage ist. Ich habe nämlich keinen Lieblingsspieler. Ich habe auch anderen diese Frage nie gestellt, dabei waren da sehr, sehr viele Fragen, die ich in meiner Reporterkarriere gestellt habe: “Herr Beckenbauer/Lienen/Zwanziger/Lizarazu/Ricken/Lorant, wer ist eigentlich Ihr Lieblingsspieler?”
Ich frage mich seit Mittwochabend: Warum hast du eigentlich keinen Lieblingsspieler? Also nicht mal so ganz heimlich. Was stimmt nicht mit dir? Liegt es vielleicht daran, dass Fußball Mannschaftsport ist? Eine Lieblingsmannschaft hat ja jeder. Ich zum Beispiel die Stuttgarter Kickers, was mir, als ich nach der Lesung beim zweiten Bier mit dieser heiklen Information rausrückte, den bewundernden Blick von Tommi Schmitt einbrachte, worüber ich mich freuen konnte, bis er sagte: Das Logo der Kickers gefalle ihm. 
Robert Lewandowski war schon immer ein Knaller
Ich habe mein Hirn zermartert und weiß trotzdem nicht, was einen Lieblingsspieler ausmacht. Ist es Erfolg? Spräche dann eher für jemanden wie Messi oder CR7 als für Aaron Hunt. Das Aussehen? Eher Roque Santa Cruz als Ribéry. Charme? Eher Gero Bisanz (sorry, das sagt Google) als Effe. Kontinuität? Eher Charly Körbel als Alex Nübel. Kampfwille? Eher Sammer als Özil. Technische Fertigkeit? Eher Zidane als Borowka. Sympathie? Schweini, nicht Maik Franz.  Cooler Name? Juan Sebastián Verón! Nicht Thomas Müller.
Als Kind fand ich den anderen Müller, Hansi, cool, später als Student Juan Cayasso (Fragt nicht! Kickers!). Heute tendiere ich vielleicht eher zu Jens Jeremies. Den mochte ich ganz gern, nachdem ich als Reporter im Löwen-Stüberl festgestellt hatte, dass er deutlich schlauer ist, als er rüberkommt, dass er obendrein sehr viel witziger ist, als er rüberkommt, und weil ich mit ihm die Basics des Fußballs verbinde: a) Rennen, bis der Arzt kommt, und dann noch 500 Meter weiter. b) Verletzen, was man nicht beherrschen kann. c) Wehendes Haar. 
Viele (Ältere) würden vermutlich Günter Netzer als Lieblingsspieler nennen, der hatte aber nur das mit der Haaren.
Andrej Kramaric zu teuer für den FC Bayern?
Werder-Fan Arnd Zeigler sagte übrigens, sein Lieblingsspieler sei Wynton Rufer, der Stürmer aus den Neunzigern. Weil er viele Tore schoss, 59 in 174 Bundesligaspielen, und weil er das angeblich mit einer seltsamen Laufhaltung schaffte, so händchenhochhalt-artig, an die ich mich gar nicht mehr erinnere, die es Zeigler aber angetan hatte (bei “seltsame Laufhaltung” muss ich eher an Miroslav Klose, den Schleicher, denken.)
Gladbach-Fan Tommi Schmitt legte sich auf Arie van Lent fest. Die Begründung habe ich entweder vor Schreck nicht mitbekommen, oder sie ging im Gelächter des Publikums unter.
Alles zum Abschluss der Transferperiode
Beim Schreiben dieser Kolumne habe ich dann “Lieblingsspieler” gegoogelt. Eintracht-Trainer Adi Hütter äußerte diesbezüglich in einem Interview den Namen “Makoto Hasebe” mit der Begründung, der verkörpere “mit 36 Jahren immer noch absolute Klasse”, was meiner Meinung nach ein schwaches Argument für Lieblingsspielerschaft ist. Karl-Heinz Rummenigge, selbst früher Lieblingsspieler zahlreicher Männer wegen seiner vielen Tore und zahlreicher Frauen wegen seiner sexy Knie, erwähnte gegenüber “France Football” tatsächlich mal Ousmane Dembéle im Lieblingsspielerzusammenhang. 
Lieblingsspieler gesucht?
Auf 11freunde.de gibt sogar eine ganze Kategorie “Lieblingsspieler”. Als ich die gestern testweise aufrief, stand ganz oben ein Text über “Benjamin Stambouli”, was ich für einen Softwarefehler halte. Danach kommt ein Text, der so beginnt: “Jeder kleine Fußballfan der Welt hat einen Lieblingsspieler.” 
Vielleicht bin ich einfach nicht mehr klein genug.
Am Ende tröstete mich eine Umfrage aus 2011 auf einem Statistik-Portal. Die Frage: “Welcher dieser Fußballspieler ist Ihr Lieblingsspieler?” Auf Platz eins landete Mario Götze. Kinder, wie die Zeit vergeht!
PS: Da mich die Frage nach dem Lieblingsspieler sehr bewegt, stelle ich jetzt Dir, dem Fever-Pit'ch-Leser, dieselbe: Wer ist Dein Lieblingsspieler? Antwort bitte via post@alexsteudel.de an mich, und zwar mit einer ganz kurzen Begründung (die ersten drei Mailer kriegen übrigens das neue Zeigler-Buch). 
*Achtung, Spoiler für Supercuphasser: Bayern hat 3:2 gewonnen. 
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