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Im Finale dahoam: Bayern droht ein zweites Desaster

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Die Welt hat am Freitag ein Interview mit Dieter Hoeneß veröffent
 

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18. Mai · Ausgabe #156 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Die Welt hat am Freitag ein Interview mit Dieter Hoeneß veröffentlicht. Der frühere Hertha-Manager erzählte von seinen Erfahrungen mit Lucien Favre. Zum Beispiel, wie ihn sein ehemaliger Trainer mit Personalentscheidungen überraschte, als Hertha BSC die Meisterschaft verspielte. Sofort fühlt man sich an das Dortmunder 0:5 von München erinnert: Auch Anfang April verpokerte sich Favre bei seiner Aufstellung, indem er Marco Reus auf eine ungeliebte Position und Mario Götze auf die Ersatzbank setzte.
Man kann beide Fälle vermutlich nicht miteinander vergleichen. Aber wenn sich auf Dauer doch herausstellen sollte, dass Favre nicht lernfähig ist und kein Meistermacher, muss BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke intern die Trainerfrage stellen. Denn eines ist klar: In diesem BVB-Kader steckt Meisterliches. Wer neun Punkte verspielt, nachdem der Rivale schon am Boden gelegen hat, muss etwas falsch gemacht haben. Auf eine Debatte über Pech und Unerfahrenheit darf man erst gar nicht eingehen.
Mit Thorgan Hazard und womöglich Julian Brandt wird die Mannschaft zur nächsten Saison so dramatisch verstärkt, dass ein fortdauerndes Ignorieren der Favoritenrolle lächerlich wäre. Der Verweis auf die ebenfalls verstärkten Bayern liefe ins Leere: Wenn die Dortmunder gerne eine Übergangszeit als Entschuldigung für Nervenschwäche anführen, gilt das in der umgekehrten Argumentation auch für Bayern. Dann darf sich Borussia Dortmund nicht mehr vor den eigenen Ambitionen drücken.
Vielleicht löst sich jede Kritik in Luft auf, wenn Favre am Samstagnachmittag die Deutsche Meisterschaft gewinnt. Dann gebührt ihm großer Dank. Es ist unbestritten, dass er dem BVB Ruhe gebracht und Spieler verbessert hat. Die Konsolidierung einer Mannschaft aber schützt ihn nicht vor der Frage, ob er der richtige Mann für das letzte Stück des zweitteuersten Bundesliga-Kaders ist. Geschäftsführer Watzke hat erst vor zwei Jahren einen Pokalsieger vom Hof gejagt, weil er nicht an die gemeinsame Zukunft glauben konnte.
Einen aufregenden Samstag wünscht
Euer Pit Gottschalk

Im Finale dahoam: Bayern droht ein zweites Desaster
Woran sich die Kovac-Frage beim FC Bayern entscheidet Woran sich die Kovac-Frage beim FC Bayern entscheidet
Von Thomas Niklaus
Endlich wieder Drama, endlich wieder Spannung bis zum Schluss: Bei Herausforderer Borussia Dortmund wächst stündlich die Hoffnung auf das Meister-Wunder, bei Bayern München die Angst vor einem zweiten Desaster im Finale dahoam. Nachdem der Rekordmeister sechs Jahre in Folge die Bundesliga nach Belieben dominiert und für Langeweile gesorgt hatte, steht am Samstag erstmals seit 2009 wieder ein großer Titel-Showdown am letzten Spieltag an.
“Alle freuen sich, aber der Druck, den man aushalten muss, ist schon gewaltig. Es hängt stark von der Dramaturgie ab, es ist alles möglich”, sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke vor dem Herzschlagfinale.
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Auch wenn die Bayern vor ihrer Partie gegen Eintracht Frankfurt deutlich im Vorteil sind: Die Unruhe beim Rekordmeister ist greifbar, der Druck auf Trainer Niko Kovac immens. Selbst der siebte Titel der Münchner in Folge, der 29. insgesamt, wäre für den 47-Jährigen keine Garantie auf eine Weiterbeschäftigung. Kovac (“Ich gebe nicht auf”) ist zum Erfolg verdammt, nachdem vor allem Karl-Heinz Rummenigge seit Wochen ein klares Bekenntnis verweigert. Am Freitag dementierte der Vorstandschef immerhin, dass die Trennung bereits beschlossene Sache ist.
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Den Bayern reicht beim letzten und emotionalen Heimauftritt von Arjen Robben und Franck Ribery aufgrund der klar besseren Tordifferenz gegenüber Dortmund, das bei Borussia Mönchengladbach um seine neunte Schale kämpft, ein Unentschieden. Aber, so Kovac, “wir werden 90 Minuten auf Sieg spielen, das werde ich klipp und klar vorgeben”. Man habe jetzt “diese Chance”, fügte er kämpferisch an, “dann wollen wir sie auch nutzen”. Sollte es mit dem Pflichttitel jedoch nicht klappen, dann sei dies, das verdeutlichte Sportdirektor Hasan Salihamidzic, eine “Scheiß-Saison”.
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Der BVB baut auf einen psychologischen Vorteil - und stichelt seit Tagen. “Meine Hoffnung wird jeden Tag größer”, sagte Watzke. Er spüre, dass der BVB “vor großen Dingen” stehe. Selbst der zuletzt zaudernde Trainer Lucien Favre hält plötzlich “alles für möglich”.
Offensiv sprach Watzke sogar über eine mögliche Feier. Es sei “alles geplant, Sonntag ist der Korso. Wenn wir dieses Mal Meister werden, können wir 24 Stunden fahren”, sagte er mit einem Schmunzeln. Die Bayern, die 2012 in der Champions League ihr erstes “Finale dahoam” gegen Chelsea denkwürdig verloren hatten, würden mit ihren Fans am Nockherberg feiern. Den obligatorischen Empfang am Rathausbalkon gäbe es erst am 26. Mai, einen Tag nach dem Pokalfinale in Berlin gegen Leipzig.
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Zuletzt war eine Meisterschaft vor zehn Jahren am letzten Spieltag entschieden worden - zum Nachteil der Bayern. Das unübertroffene Drama der Bundesliga-Geschichte gab es jedoch 2001: Schalke 04 wähnte sich schon als Meister, doch Münchens Patrik Andersson schoss Königsblau mit seinem Ausgleichstreffer in Hamburg (90.+4) in ein tiefes Tal der Tränen - und die Bayern zum Titel.
Für Kovac, der damals als HSV-Profi auf der Tribüne saß, wäre es die erste Meisterschaft als Trainer - genauso wie für BVB-Kapitän Marco Reus. “Mit Dortmund als Dortmunder Junge das Ding irgendwann einmal hochzuhalten, das wäre gigantisch”, hatte er vor Monaten gesagt. Es wäre “ein Traum” - und das auch noch bei seinem Ex-Klub Gladbach.
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Sollte es für Reus wieder nichts werden, falle man “nicht ins Bodenlose”, betonte Watzke. Vielmehr nahm er Druck von den Spielern, die die Tabelle nach dem 15. Spieltag noch mit neun Punkten Vorsprung angeführt hatten: “Die Saison ist für uns insgesamt sehr gut gelaufen, jetzt sollten wir noch das Tüpfelchen auf das i setzen.”
Auch Kovac war bemüht, etwas Dampf aus dem Kessel zu nehmen. Er habe mit der Eintracht einst “um die Existenz gekämpft. Das ist unmenschlich. Aber jetzt: Das ist ein schönes Gefühl.”
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