Profil anzeigen

In der 2. Liga: Ein Schiedsrichter greift durch – endlich!

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Heute startet in Düsseldorf die Sportbusiness-Konferenz "Spobis",
 

Fever Pit’ch

29. Januar · Ausgabe #330 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Heute startet in Düsseldorf die Sportbusiness-Konferenz “Spobis”, eine Art Leistungsschau, was im Profisport möglich ist. Es ist wohl kein Zufall, dass die Deutsche Fußball-Liga (DFL) am Tag zuvor ihren eigenen Report vorgelegt hat. Man kann ihn so zusammenfassen: Alles ist top - aber der Nachwuchs…
Tatsächlich bekommt man einen Eindruck davon, wie gut die Bundesliga aktuell aufgestellt ist. Die Tabellenspitze mit RB Leipzig, Bayern München und einigen Verfolgern ist spannend wie selten. Fans bekommen viele Tore zu sehen. Die Probleme tauchen erst in der Zukunft auf.
“Die jetzigen U21-Spieler erhalten in der Bundesliga aktuell zu wenig Einsatzzeiten”, heißt es in Stellungnahmen. “Der Fokus muss noch deutlicher auf die Themen Nachwuchsarbeit und Talenteförderung gehen.” Schöne Worte! Man ist auf die Taten gespannt.
Niemand kann einen Trainer zwingen, den eigenen Arbeitsplatz mit gezielter Nachwuchsförderung zu gefährden. Das nächste Spiel entscheidet über die Stimmung im Umfeld, wie man die Trainerarbeit bewertet. Jeder befürwortet den Einsatz von jungen Spielern. Nur wehe, das Resultat stimmt nicht.
Doch eines muss klar sein: Wenn die besten Spieler ständig nach England oder Spanien wechseln, kann die Zukunft der Bundesliga nur darin liegen, attraktiv für Jungprofis wie Erling Haaland oder Alphonso Davies zu bleiben und die Entwicklung deutscher Nachwuchsspieler nachhaltig zu fördern.
Eine bessere Trainerausbildung, mehr Spielmöglichkeiten auf höchstem Niveau, ein Austausch von Wissen und Förderung: Es gibt genügend Ansätze und Möglichkeiten. Man muss nur endlich loslegen. Dann wird es auch in Zukunft leichtfallen, die Bundesliga für ihr Zahlenwerk zu preisen.
Einen jungen Mittwoch wünscht
Euer Pit Gottschalk

In der 2. Liga: Ein Schiedsrichter greift durch – endlich!
Der Schiedsrichter wirkt entschlossen, der Torwart überrrascht
Der Schiedsrichter wirkt entschlossen, der Torwart überrrascht
Robert Kempter zeigt Gelb und Gelb-Rot in einer Minute
Im Wettstreit um den mutigsten deutschen Schiedsrichter hat gestern Abend Robert Kempter die Pole Position eingenommen. Der erst 31-Jährige setzte in Bielefeld die neue Anweisung des DFB, gegen Undiszipliniertheiten, Rudelbildung und Gemecker gnadenlos vorzugehen, noch gnadenloser um und stattete Bochums Torwart Manuel Riemann erst mit Gelb, und als der mit dem Lamentieren gar nicht mehr aufhören wollte und höhnisch klatschte, gleich noch mit Gelb-Rot aus.
Zwei Karten inklusive Platzverweis, und das beim Torwart, kurz hintereinander, fünf Minuten vor Schluss, bei engem Spielstand: eine mutige, eine tolle, eine wegweisende Entscheidung. Mit Signalwirkung. Hoffentlich.
Denn diesmal hat Meckern eine Mannschaft vielleicht einen Punkt gekostet. Als Torwart Riemann vom Platz flog, lag Bochum zwar 0:1 hinten, hoffte aber noch. Dann musste ein Feldspieler ins Tor, und die Sache war geritzt: Kurz darauf stand es 2:0 für Zweitliga-Spitzenreiter Arminia Bielefeld.
Womöglich kam Kempters Entscheidung für den deutschen Fußball zur rechten Zeit. Nach dem Aufstand der Bremer vorletzte Woche, als Kapitän Nicklas Moisander wegen Rudelbildung Gelb-Rot gesehen hatte, schien es, als würden die Unparteiischen wie üblich zurückrudern. Es wäre nicht das erste Mal, dass knallhartes Durchgreifen angekündigt und ein paar Mal umgesetzt wird – und die Sache dann einschläft.
Alle zufrieden: So könnte es im Fußball auch sein
Die Situation im deutschen Fußball ist aber inzwischen untragbar geworden. Die Spieler heben bei jeder Szene die Hand, sie rennen minütlich auf den Schiedsrichter zu, Rudelbildung ist die Regel. Egal, was der Schiedsrichter pfeift: Die Hälfte der anwesenden Spieler wütet dagegen.
Das muss aufhören. Notfalls müssen dazu Mittel wie gestern in Bielefeld angewandt werden (wo Kempter insgesamt zwölfmal Gelb zückte). Das vielbeschworene Fingerspitzengefühl, der Spielstand, die Restspielzeit – sie dürfen dabei keine Rolle mehr spielen.
Denn Disziplin und Vorbildfunktion sind einfach keine Sache der Stadionuhr.
Andere Sportarten zeigen uns längst, wie es sein muss: Der Schiedsrichter entscheidet, und die Spieler setzen die Entscheidung um. Wer’s nicht glaubt, sollte sich mal die deutschen Handballer ansehen. Oder den Super Bowl am Sonntag. Wer dort auf den Schiedsrichter zurennt, brüllt und mit den Armen fuchtelt, der könnte genau so gut duschen gehen und sich einen Hot-Dog holen. Im American Football werden sogar Teamstrafen für das sogenannte  “Unsportmanlike Conduct” verhängt.
Und warum? Weil’s hilft.
Heute im Fernsehen
Der Generationswechsel hakt
DFL-RFeport: Nachwuchsspieler bekommen kaum Einsatzzeiten DFL-RFeport: Nachwuchsspieler bekommen kaum Einsatzzeiten
Von Patrick Berger
Die Bundesliga ist die torreichste aller Top-Ligen Europas – das und vieles mehr stellte die Deutsche Fußball Liga jetzt im Zuge ihres „DFL Sportreport“ in Frankfurt vor. Trotz vieler Top-Zahlen gibt es aber ein eklatantes Problem – und zwar im Nachwuchs. 
Torreichste Top-5-Liga Europas
Langeweile kommt in dieser Bundesliga-Saison kaum auf. In der Hinrunde fielen im Schnitt 3,2 Treffer pro Spiel. So einen Top-Wert hatte die Bundesliga zuletzt in der Saison 1984/1985. Damit stellt das deutsche Oberhaus die torreichsten Begegnungen der europäischen Top-5-Ligen (insgesamt 492 Treffer). Zum Vergleich: In der Serie A fielen bis Ende 2019 2,9 Tore pro Spiel, in der Premier League 2,8 Tore. In La Liga (2,6) und in der Ligue 1 (2,5) fielen im Schnitt die wenigsten Treffer.
Hinzu kommt, dass in der Bundesliga im Kalenderjahr 2019 erstmals seit 23 Jahren wieder die 1000-Tore-Marke geknackt wurde. Ansgar Schwenken, Mitglied der DFL-Geschäftsleitung und Direktor Fußballangelegenheiten und Fans: “Wir haben eine hohe Attraktivität in der Bundesliga. Die Liga ist spannend wie schon lange nicht mehr. Wir hatten vier unterschiedliche Tabellenführer und der Konkurrenzkampf setzt sich von oben bis unten durch.”
Die abgezocktesten Torjäger
Einen Bestwert hat die Bundesliga auch in Sachen Chancenverwertung: 15,4 Prozent ihrer Abschlüsse brachten die Bundesliga-Spieler um Robert Lewandowski, Timo Werner und Co. im Netz unter. Dahinter kommt die Premier League mit 15,2 Prozent, gefolgt von La Liga (14,6), Serie A (13,59) und Ligue 1 (13,2). 
Mit 27 Torschüssen pro Spiel wurde in der Bundesliga zudem häufiger aufs Tor geschossen als in England (25), Spanien (23) und Frankreich (25). Spitzenreiter ist hier die Serie A (29 Torschüsse).
Dank Bayerns Lewandowski (schon 21 Treffer) und Leipzigs Werner (20) macht sich die Bundesliga zudem berechtige Hoffnungen, am Ende des Spieljahres Europas Top-Torjäger zu stellen. Mit im Rennen: Ciro Immobile (Lazio Rom/23 Tore) und Jamie Vardy (Leicester/17).
Die wenigsten Nullnummern
In der Bundesliga gibt es die wenigsten Nullnummern. Lediglich fünf Spiele endeten in der Hinrunde mit 0:0. In der Premier League waren es bis Ende des Jahres 2019 neun Nullnummern, in der Serie A elf, in der Ligue 1 14 und in La Liga sogar 17. 
Auch in Sachen “Torfestivals” liegt die Bundesliga vorne. Schon in 28 Spielen gab es jeweils mindestens fünf Tore! Es folgen die Serie A (25 Spiele) und die LaLiga (24).
Platz drei in der Fünf-Jahreswertung 
Die Bundesliga hat sich – Stand jetzt – mit 12,428 Punkten für den Länderkoeffizienten der Uefa den dritten Platz in der Fünf-Jahreswertung zurückgekämpft, steht aktuell vor Italien und Frankreich. Ganz vorne liegen unangefochten Spanien und England. Schwenken: “Nach derzeitigen Maßstäben sind beide Länder unerreichbar. Wir wollen die Rolle vor Italien und Frankreich festigen.” Man sei überdies “sehr zufrieden”, dass „sechs von sieben deutschen Mannschaften weiterhin im europäischen Wettbewerb dabei sind“. Gladbach ist als einziges Team aus dem europäischen Wettbewerb ausgeschieden.
Zu wenig Einsatzzeit für junge Spieler
Die Bundesliga ist eine der jüngsten unter den europäischen Top-Ligen. Mit einem Altersdurchschnitt von 26,5 Jahren steht das deutsche Oberhaus im internationalen Vergleich auf Rang zwei hinter der französischen Ligue 1 (26,4). Das Hauptproblem allerdings: Nur 9,2 Prozent der eingesetzten Kicker sind U21-Spieler (Spieler unter 22 Jahren) – vor zwei Jahren waren es noch 17,1 Prozent. Die Quote eingesetzter einheimischer U21-Talente ist in diesem Zeitraum von 7,8 Prozent auf 3 Prozent gefallen. Zum Vergleich: Die Ligue 1 ist mit 16,2 Prozent eingesetzter U21-Spieler (davon 12,8 einheimisch) ganz vorne, in der Premier League sind es 9 Prozent U21-Spieler, davon 6,9 einheimische Talente.
Ein fataler Trend, den auch die Funktionäre erkannt haben. Schwenken schlägt deshalb zurecht Alarm: “Die jetzigen U21-Spieler erhalten in der Bundesliga aktuell zu wenig Einsatzzeiten. Wir arbeiten intensiv mit dem DFB daran. Der Fokus muss noch deutlicher auf die Themen Nachwuchsarbeit und Talenteförderung gehen.” Und weiter: “Wir haben auch einen gewissen Wendepunkt bei der gesellschaftlichen Entwicklung erreicht. Der Migrationsanteil steigt. Der Ehrgeiz in nicht so begünstigten Schichten ist oft höher, sich im Fußball weiterzuentwickeln.”
Der deutsche Fußball hat ein Problem
DFL-Geschäftsführer Christian Seifert sagte kürzlich dazu: “Wir müssen ohne Wenn und Aber anerkennen: Wir haben massiven Nachholbedarf mit Blick auf die sportliche Ausbildung von Top-Talenten. Und da Top-Talente nicht geboren werden, sondern sich entwickeln, heißt das nichts anderes als: Nachholbedarf mit Blick auf die sportliche Ausbildung generell.“ Das „Projekt Zukunft“ von DFL und DFB bezeichnet Seifert als „das wichtigste sportliche Projekt des deutschen Fußballs der nächsten zehn bis 15 Jahre.”
Zurzeit wird über eine Senkung der Altersgrenze bei den Profis auf 16 Jahre diskutiert. Schwenken sieht das allerdings nicht als “Problemlöser”. Laut Andreas Nagel, DFL-Direktor Sport und Nachwuchs, geht es hierbei eher darum, “Wettbewerbsnachteile im internationalen Vergleich” wettzumachen. Nagel abschließend: “Wir wollen weiterhin junge Spieler in der Bundesliga sehen, die vielleicht auf für die Nationalmannschaft infrage kommen. Daran arbeiten wir.”
Was sonst noch so los ist
RB Leipzig: Ralf Rangnick geht wegen Friseur-Besuch auf Stars los RB Leipzig: Ralf Rangnick geht wegen Friseur-Besuch auf Stars los
Mit Bling-Bling packt man die Bayern nicht
Leroy Sané: Wechsel zum FC Bayern wackelt
Bayern startet Poker-Marathon
BVB: Domino-Spiel mit Alcacer und Can
Hertha-Profi Kalou beklagt Respektlosigkeit
Hertha BSC: Michael Preetz muss aufpassen
Alex Meier beendet seine Profikarriere
"Wenn es einer schafft, dann Friedhelm Funkel"
Die Macht des Trainers
“Free TV mitnehmen, neue Facetten zulassen”
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Bleib' dahoam, Thomas Müller!
Von Alex Steudel
Die Bayern-Chefs setzen sich gerade bei Jogi Löw mit einer Leidenschaft für ein Comeback von Thomas Müller in der Nationalmannschaft ein, dass Greta Thunberg dagegen wirkt wie eine Klimaaktivistin, die nach Feierabend in einen SUV mit vier Endrohren steigt. Dabei kann das nur schiefgehen. Also das mit Müller.
Ob Matthäus, Effenberg oder Kahn – das Reinsingen von Bayern-Spielern ins DFB-Team hat eine unglückliche Tradition. Ich weiß das, ich war selbst mal Bestandteil des Chors. Als nämlich Lothar Matthäus auf seine alten Tage 1998 nochmal gut kickte, plärrten ganz Bayern und ich, damals Reporter der Münchner Abendzeitung, Bundestrainer Berti Vogts die Ohren voll: Ach, nimm ihn doch bitte-bitte mit zur WM! 
Matthäus spielte damals Libero, so lange ist das her. Für die jüngeren Newsletter-Leser: Libero im Fußball entspräche heute einem Faxgerät in der Auslage des Handy-Ladens. Vogts, der Lothar mit den ungefähren Worten “Der spielt bei mir nie wieder” gefeuert hatte, lenkte jedenfalls unter dem Druck der bayerischen Öffentlichkeit ein. Er nahm Matthäus, der ja erst 2500 Tage vorher Weltfußballer geworden war, mit nach Frankreich. Sage und schreibe 37 Jahre alt, spielte er da ab Achtelfinale den Libero. Ergebnis: Gleich im Viertelfinale war gegen Davor Suker und ein paar seiner Kumpels Schluss.
Noch peinlicher: der Fall Stefan Effenberg. Der Tiger wechselte 1998 von Gladbach nach München, und Bayern-Chef-Lobbyist Franz Beckenbauer plädierte beim neuen Bundestrainer Erich Ribbeck (der mit den lustigen Pressekonferenzen) für eine sofortige Rückkehr ins Nationalteam.
"Löw soll Müller den Buckel runterrutschen“ "Löw soll Müller den Buckel runterrutschen“
Effe kam also zurück, aber das ganze funktionierte wieder nicht, beziehungsweise nur 180 Minuten: Der Mann, der 1994 von Vogts wegen der Stinkefinger-Affäre aus dem Nationalteam entfernt worden war, machte im September zwei Testspiele und wurde beim DFB nie mehr gesehen.
Der Vollständigkeit halber: Für ein Comeback des Bayern-Profis Mehmet Scholl wurden vor dem WM 2002 von Fans sogar Unterschriften gesammelt (wahrscheinlich im Auftrag der Bayern-Bosse), und um seinen Mitspieler Mario Basler gab es 1998 auch Diskussionen. Auch die beiden haben nie mehr was gerissen fürs DFB-Team. Es ist wie ein Fluch.
Etwas anders gelagert, aber ähnlich verheerend: der Fall Oliver Kahn. 2006 setzte der gesamte FC Bayern DFB-Teamchef Jürgen Klinsmann öffentlich unter Druck: Er müsse den Bayern-Torwart unbedingt zum Stammkeeper der Heim-WM 2006 zu machen und nicht Jens Lehmann. Klinsmann entschied sich für den Arsenal-Keeper, und prompt war im Halbfinale Schluss, als die Italiener in der Verlängerung einen Ball in den Winkel hämmerten, den kein Torhüter der Welt gehalten hätte, also keiner außer Kahn. Aber der saß ja nur auf der Bank. Ich hab ihn selbst gesehen, ich saß direkt hinter ihm auf der Tribüne des Stadions in Dortmund (ich weiß nicht mehr genau, wie es damals gerade hieß) und schüttelte meinen heißen Kopf. 
Wie man es also auch dreht und wendet: Wann immer sich die Bayern ins Nationalmannschaftsgeschäft eingemischt haben, ist was schiefgelaufen. Das sollte uns allen eine Warnung sein.
(Historisches: Muras-Faktory)
Alle mal herhören!
So plant der HSV-Trainer seine Zukunft So plant der HSV-Trainer seine Zukunft
Hat Dir diese Ausgabe gefallen?
Wenn Du keine weiteren Ausgaben mehr erhalten möchtest, kannst Du den Newsletter hier abbestellen.
Wenn Dir dieser Newsletter weitergeleitet wurde und er Dir gefällt, kannst Du ihn hier abonnieren.
Powered by Revue
https://pitgottschalk.de/impressum-disclaimer/