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Katar-sis beim FC Bayern: Darf man zu den Scheichs? Einer sagt nein

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Nicht das Ergebnis ist überraschend, sondern seine Eindeutigkeit:
 

Fever Pit’ch

9. Januar · Ausgabe #47 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Nicht das Ergebnis ist überraschend, sondern seine Eindeutigkeit: 83,6 Prozent der 223 Fever Pit'ch Leser, die gestern an der Umfrage teilgenommen haben, wollten einen Rücktritt von Bundestrainer Joachim Löw 2018. Damit ist das Misstrauensvotum der Bundesliga-Profis aus der Kicker-Umfrage bestätigt. Ändern wird sich trotzdem nicht viel. Das meinen auch die Leser. Im Schnitt wird die Wahrscheinlichkeit, dass Löw Ende 2019 im Amt bleibt, als hoch eingeschätzt: auf 61 Prozent.
Eine ausgewogene Woche wünscht
Euer Pit Gottschalk

Katar-sis beim FC Bayern: Darf man zu den Scheichs?
Nicht auf Alphonso Davies achten, sondern auf die Embleme oben rechts.
Nicht auf Alphonso Davies achten, sondern auf die Embleme oben rechts.
Wann immer Bayern München ein Video aus dem Trainingslager in Doha zeigt, prangt das Firmenzeichen der Fluglinie Qatar Airways oben rechts direkt neben dem Vereinsemblem. Niemand soll übersehen können, wem die Sympathie gehört: dem Gastgeber in Katar.
Zwölf Bayern-Shops listet die vereinseigene Website auf. Die in München genauso wie jeweils den einen in Berlin, Oberhausen und Mannheim. In jedem Fanshop sehen Kinder die Werbebotschaften auf den Trikots. Vorne auf der Brust die Telekom. Auf dem Ärmel, nicht versteckt, Qatar Airways.
Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge kommt mit dem Hinweis davon, dass Katar auf die Kritik an den Menschenrechten reagiert und die Rechte von Gastarbeitern verbessert hätte. Wer will das prüfen? Die internationalen Menschenrechtsorganisationen widersprechen.
Der FC Bayern spielt mit der Menschenwürde
Nutzt nur nichts. Seit zehn Jahren bereiten die Bayern jetzt die Rückrunde im Mittleren Osten vor. Zwischenzeitlich sogar mit einem Gastspiel in Riad, wo Islam-Kritik mit Stockhieben bestraft wird, wie das Blog Miasanrot schon vor vier Jahren bemängelt hat. Die Bayern flogen trotzdem hin.
Inzwischen nimmt niemand mehr wirklich Anstoß daran, dass Katar seine Rolle beim deutschen Rekordmeister permanent ausbaut. Wenn der Autor David Bedürftig diese Woche Punkt für Punkt und mit Zitaten belegt die Vorbehalte gegen Katar aufzählt, verhallt seinen Kritik. The Show must go.
Mindestens zehn Millionen Euro soll die Partnerschaft einbringen. Das ist eine Menge Geld und finanziert zum Beispiel das Jahresgehalt eines Franck Ribéry. Weichen musste das deutsche Unternehmen Lufthansa; Qatar Airways besteht auf Exklusivität. Und die räumte Bayern ein.
So gewöhnt man sich wie ein Frosch im langsam aufkochenden Wasser an die Lebenswirklichkeit, die Katar mit Beharrlichkeit geschaffen hat. Wie soll man dagegen argumentieren, wenn die Fifa-WM 2022 in Katar stattfindet? Für Bayern und Qatar Airways spielt die Zeit. Keiner tut was dagegen.
Ethische Gründe: Nationalspieler boykottiert Katar
Aufgeschreckt wurden erst jetzt alle, weil der finnische Nationalspieler Riku Riski das Trainingslager in Katar boykottierte und die Mitreise verweigerte. “Aus ethischen Gründen”, wie er sagte. Plötzlich war die Vorbehalte wieder da. Darf man nach Katar? Eine Antwort gibt Gastautor Stefen Niemeyer.
Pit Gottschalk
Schwerpunkt bei Fever Pit‘ch am Mittwoch: Die Bayern und ihre Katharsis - darf man überhaupt nach Katar? Mit einem Gastbeitrag von @fcblogin Autor Stefen Niemeyer #fcb #wm2022 #katar @FCBayern
9:31 PM - 8 Jan 2019
"Argument nicht falsch, weil es von Hoeneß kommt"
Katar: ein Zipfel an der arabischen Halbinsel.
Katar: ein Zipfel an der arabischen Halbinsel.
Von Stefen Niemeyer
Wer in den siebziger Jahren groß geworden ist, hat noch die Dominanz des Prinzips „Wandel durch Annäherung“ erlebt. Später als Rechtfertigung zur Anpassung des Westens an eine „kommode Diktatur“ im Osten verkommen, war es auch eine Strategie, durch Kennenlernen und Austausch einen Wandel des Gegenübers zu erreichen.
An dieses Vorgehen denke ich immer wieder, wenn es heutzutage um die Frage geht, ob man mit einem chinesischen, nordkoreanischen oder saudi-arabischen Machthaber spricht oder ihn gar besucht – oder, auf den Fußball bezogen, ob man sich auf die wenigen Demokratien der Welt beschränkt, in die man sich bei freiwilligen Reisen begibt.
Bundesliga-Klubs meiden die Türkei
Bayern-Dino Uli Hoeneß hat die siebziger Jahre nicht nur fußballerisch, sondern auch politisch miterlebt und kennt das Prinzip. So ist es nicht erstaunlich, dass er die Ausflüge der Profimannschaften nach Katar im Januar 2018 mit einem „Es tut sich was“ gerechtfertigt hat: „Nicht hinfahren, nicht miteinander reden und sich einbuddeln – damit ändert und bewirkt man gar nichts.“
Der FC Bayern förderte nach Hoeneß‘ Interpretation so die Abschaffung des berüchtigten Kafala-Systems (ein sklavenartiges Wirtschaftssystems zur Fesselung der Millionen ausländischen Gastarbeiter) und trägt nun unter anderem zur Gleichberechtigung bei. Schließlich fliegt nicht nur die Männermannschaft der Bayern regelmäßig im Winter ins Trainingslager nach Doha. Nach 2018 wird auch in diesem Jahr das Frauenteam erneut vor Ort sein (diesmal Ende Januar, drei Wochen nach den Männern).
Zwischen Schimpfen und Schwitzen
Ein Argument ist nicht schon deshalb falsch, weil es von Hoeneß kommt – tatsächlich tut sich etwas im monarchisch-absolutistisch organisierten Staat. Katar versucht wie manche der arabischen Rohstoffländer, eine Alternativwirtschaft zur reinen Gas- und Ölförderung aufzubauen, und setzt seine Milliardeneinnahmen unter anderem in Beteiligungen an deutschen Unternehmen ein – und im Fußball.
Die Gesetzeslage für Ausländer hat sich verbessert, wie auch Human Rights Watch bestätigt („Katar: Krisenjahr beflügelte Reformen – Nun geht es um die Umsetzung“) oder es gerade der deutsche Direktor gegenüber dem Münchner Merkur ausgedrückt hat: „Man kann sagen: Katar ist auf dem richtigen Weg.“ 
Zum Mitmachen: Der Tabellenrechner vom Kicker
Selbst in der Frage der Isolation Israels, was gerade für den FC Bayern mit dem Kurt-Landauer-Erbe ein wichtiges Thema sein sollte, kommt etwas, ein wenig, in Bewegung (siehe FAZ mit „Wie das Ansehen Israels in der arabischen Welt steigt“ vom 28. Dezember).
Also alles gut mit so einem Trainingslager? Mitnichten. Katar gilt weiterhin als Förderer des IS und der Hamas, die zu den übelsten Terrororganisationen der Welt gehören. Aber wie in jedem Land gibt es Kräfte, die es in die eine oder andere Richtung treiben wollen.
Ich finde es gut, wenn wir mithelfen und wenn die Kräfte in Richtung Freiheit und Gleichberechtigung gestärkt werden. Dazu gehören mehr als Anwesenheit oder Show-Termine mit Bevölkerung und Machthabern, sondern ernste Gespräche mit ihnen und zum Beispiel Besuche bei christlichen oder jüdischen Familien. Wird es dazu kommen? Ich hoffe es.
Der Niedersachse Stefen Niemeyer (51) ist seit der WM 1974 wegen Müller, Maier, Beckenbauer Fan des FC Bayern und twittert über seinen Verein und den Fußball als @FCBLogin. Der auf IT-Unternehmen spezialisierte PR-Berater half mit, die erste Bayern-Chronik wieder bekannt zu machen, und bloggt auf https://ueberdielinie.de, wo auch der Katar-Kommentar erschienen ist. 
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