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Klopp Meister! Er weinte live im Fernsehen

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Was Jürgen Klopp für seinen Verein wert ist, wissen die Engländer
 

Fever Pit’ch

26. Juni · Ausgabe #400 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Was Jürgen Klopp für seinen Verein wert ist, wissen die Engländer nicht erst seit Donnerstagabend: Der FC Liverpool gewann, weil Manchester City 1:2 bei Chelsea verlor, die erste Meisterschaft seit dreißig Jahren. Der nächste Triumph nach dem Champions-League-Sieg voriges Jahr und vermutlich der wertvollste seit 1990. Jürgen Klopp ist nun einer der größten Trainer in der ruhmreichen Vereinsgeschichte des FC Liverpool, er steigt zur Legende auf.
Man kann ihm nur gratulieren. Zum zweiten Mal hatte er eine verlotterte Mannschaft übernommen und mit chirurgischem Feingefühl zu einem Weltklasse-Team geformt. Wie bei Borussia Dortmund dominierte sein Fußball die Liga, er hat sich diesen Erfolg erarbeitet und nicht mit Glück erschlichen. Jürgen Klopp dirigiert heute die aufregendste Mannschaft der Welt. Und nicht nur das: Man gönnt ihm das.
Es ist gut, dass die Premier League auf dem Rasen entschieden und nicht während der Coronakrise abgebrochen wurde. So bleibt Jürgen Klopp die Nörgelei erspart, dass ein riesengroßer Vorsprung an der Tabellenspitze keinesfalls eine Garantie für den Titelgewinn bedeutet. Man kennt diese Dramen vom FC Liverpool: Zu oft hat der Klub seine Vorteile in letzter Minute verspielt. Klopp befreite Liverpool von diesem Trauma.
Die Fans auf der berühmten Tribüne “The Kop” wollten ihn schon immer auf der Trainerbank sehen, weil sie spürten, dass er zu ihnen passt, und irgendwann auch die Vereinsführung. “We believe in Klopp” (wir glauben an Klopp) stand auf Schildern geschrieben, die man in der Gewöhnungsphase am Anfang trotzig Richtung Himmel hielt. Jürgen Klopp hat geliefert: Bei rekordverdächtigen Punkteständen war der Meistertitel eine Frage der Zeit.
Jürgen Klopp gewinnt die Premier League: Er gehört längst in eine Reihe von Klubtrainern wie Hennes Weisweiler, Udo Lattek, Ottmar Hitzfeld, Otto Rehhagel und Jupp Heynckes. Die Bundesliga darf stolz sein, dass ein Kind aus der eigenen Familie reif für die Insel war und gezeigt hat, dass ein Fußballlehrer aus Deutschland eben nicht so antiquiert arbeitet, wie die Berichterstattung gelegentlich andeutet. Auf den Trainer kommt es an.
Ein titelreifes Wochenende wünscht
Euer Pit Gottschalk

Jürgen Klopp Meister! Er weinte live im Fernsehen
Jürgen Klopp weinend bei Sky
Jürgen Klopp weinend bei Sky
Der erste deutsche Meistertrainer in der Premier League
Das lange Warten hat ein Ende: Teammanager Jürgen Klopp hat dem FC Liverpool nach quälenden 30 Jahren Durststrecke die 19. englische Fußball-Meisterschaft beschert. Die Reds profitierten am Donnerstagabend vom 1:2 (0:1) von Titelverteidiger Manchester City beim FC Chelsea. Bei noch sieben ausstehenden Saisonspielen in der Premier League hat Liverpool uneinholbare 23 Punkte Vorsprung.
Klopp (53) ist der erste deutsche Trainer, der ein englisches Team zum Titel führte. Nach den beiden Triumphen mit Borussia Dortmund in der Bundesliga 2011 und 2012 ist es seine dritte Meisterschaft und der größte Erfolg neben dem Champions-League-Sieg mit Liverpool 2019.
An der Stamford Bridge nutzte der Ex-Dortmunder Christian Pulisic (36.) einen schweren Abstimmungsfehler zwischen dem deutschen Nationalspieler Ilkay Gündogan und Benjamin Mendy und brachte die Blues, bei denen Gündogans Nationalmannschaftskollege Antonio Rüdiger von Beginn an spielte, in Führung.
Der frühere Bundesligaprofi Kevin De Bruyne (55.) konnte mit einem sehenswerten Freistoß ausgleichen, ehe Willian (78.) mit einem Handelfmeter die Chelsea-Führung wiederherstellte. Fernandinho hatte für seine Rettungstat auf der Linie mit der Hand zuvor die Rote Karte gesehen.
Reaktionen von Jürgen Klopp und Pep Guardiola
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Angriff mit Lucien Favre Angriff mit Lucien Favre
Von Oliver Mucha
Über mangelnde Rückendeckung kann sich Lucien Favre nicht beklagen. Sportdirektor Michael Zorc gab dem Trainer bei Borussia Dortmund nicht nur eine Jobgarantie, er stellte ihm auch eine Verlängerung seines bis Juni 2021 laufenden Vertrags in Aussicht.
Dafür gibt es Gründe. Die Mannschaft steht in großen Teilen hinter Favre, der Fußball ist attraktiv, den Punkteschnitt des 62-Jährigen holte noch kein Coach vor ihm bei Borussia Dortmund - auch nicht der wie ein Heiliger verehrte Jürgen Klopp.
"Bayern verdient großen Respekt"
"Ich will nicht immer nur Zweiter werden"
Die Sehnsucht nach Titeln ist allerdings groß. Und da hat Favre nach zwei Jahren mit Ausnahme des Supercups noch nichts vorzuweisen. Im DFB-Pokal und der Champions League scheiterte der BVB unter dem 62-Jährigen jeweils im Achtelfinale. In der vergangenen Saison verspielte Dortmund einen Neun-Punkte-Vorsprung auf die Bayern, in dieser Spielzeit reichte es in der Hinrunde nur zu 30 Zählern. Daher bleiben Restzweifel am Zweifler.
Favre muss nun beweisen, dass er auch ein Mann für die großen Spiele, für große Titel ist. Die notwendige Rückendeckung dafür hat er.
Oliver Mucha ist Redakteur beim Sport-Informationsdienst (SID)
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Was ist bloß aus Bremen geworden?
Von Alex Steudel
Ich erinnere mich an einen Besuch in Bremen, das muss 2008 gewesen sein. Klaus Allofs empfing mich in seinem Büro und schwärmte bei einer Tasse Kaffee von seinem Klub. Erzählte mir, was sie alles vorhätten an der Weser, deutete voller Stolz auf das herumstehende Modell einer richtigen Fußballarena ohne lästige Laufbahn ums Spielfeld. Das Stadion hatte so kleine Solarzellen auf dem Dach.
“Unser Ziel ist”, sagte Sportdirektor Allofs, und ich weiß das noch so genau, weil es mir besonders gefiel, “dass die Zuschauer in keinem anderen Stadion in Deutschland so nah am Spielfeld stehen wie bei uns.”
Wer hätte damals gedacht, dass sich die Zuschauer eines Tages wünschen würden, so weit weg zu stehen, wie es nur geht.
Ich fand Allofs jedenfalls gut, der Mann hatte Ziele, obwohl Werder ja in den fünf Jahren zuvor einmal Meister und nie schlechter als Dritter geworden war. Das konnte man als kleiner Klub in einer noch kleineren Stadt ja eigentlich kaum toppen. Aber man konnte ganz weit unter der Latte durchspringen. Und damit sind wir bei Werder Bremen heute.
Der Klub taumelt in die zweite Liga. Hat nicht reagiert, als es bergab ging, sondern im Kohfeldt-Baumann-Männerchor “Wir schaffen das!” gesungen, als die meisten schon erkannten, dass in der Konstellation nix mehr geschafft werden wird.
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Was ist bloß aus dem stolzen SV Werder geworden? Der Meister und Pokalsieger wurde. Der es immer wieder den Bayern zeigte und sogar den Europacup gewann. Wo sogar Neuseeländer mitkickten. Sich ein Brasilianer mit riesigem Bauchumfang zum Torschützenkönig krönte. Wo aus Miro Klose, Größe M, Miro Klose, Größe XXL, wurde.
Menschen wie Thomas Schaaf und Otto Rehhagel sind in Bremen auf der Trainerbank gesessen. Insgesamt, festhalten bitte, 10322 Tage lang. 28 Jahre sind das. Die beiden sind Bundesliga-Legenden und so lange im Geschäft gewesen, dass es keinen wundern würde, wenn eines Tages herauskäme, dass sie in der Umkleide eines Stadions geboren wurden.
Ach, waren das Zeiten. War Werder Bremen mal toll! Ich kriege schon beim Tippen Gänsehaut.
Aber leider vermitteln heute der Fußball, den Bremen spielt, und die dazugehörige Bundesliga-Tabelle auf andere Art Gänsehaut; die Gänsehaut, die man sonst bekommt, wenn jemand mit seinen Fingernägeln am Pfosten der Fußgängerampel herumkratzt.
Werder steht auf Platz 17. Heruntergewirtschaftet. Auf einem Bein balancierend am Abgrund, und irgendwer schubst.
Direkter Klassenverbleib ist nicht mehr möglich. So schlimm ist es. Selbst mit einer Wunderheldentat könnte sich das große Werder Bremen am Samstag höchstens nach Heidenheim retten.
Bremen in der Relegation gegen Heidenheim. Damit ist eigentlich alles gesagt, ich hätte mir die ganze Kolumne auch schenken können.
Bremen in Heidenheim, das ist, als würde Bob Dylan auf seinem neuen Album Lieder von Helene Fischer covern.
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