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Klub-WM in China: Hauptsache, die Kasse klingelt

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Gestern beklagte sich ein Leser über die kritischen Worte zu Luci
 

Fever Pit’ch

25. Oktober · Ausgabe #268 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Gestern beklagte sich ein Leser über die kritischen Worte zu Lucien Favre. Er schrieb von einer Jagd auf den BVB-Trainer. Tatsächlich muss man vorsichtig sein, dass man die Grenze zum Persönlichen nicht überschreitet. Bei aller Kritik sollte es immer um das Ergebnis seiner Arbeit gehen. Leider kann man bei einem Trainer nicht immer zwischen Spiel- und Stilfragen unterscheiden; mit seiner Persönlichkeit prägt ein Trainer seine Mannschaft. In unserem Podcast haben wir aber aufgepasst, dass die Diskussion fair bleibt, und haben Christoph Albers eingeladen. Er ist Autor bei neunzigplus.de und moderiert zusammen mit Julius Eid den Dortmund-Podcast BVBeben. So ist genügend Ausgewogenheit in der Causa Favre gewährleistet. Denn: Fair geht vor.
Einen ausbalancierten Freitag wünscht
Euer Pit Gottschalk

Klub-WM in China: Hauptsache, die Kasse klingelt
Fifa-Präsident Gianni Infantino in Shanghai. Foto: Imago / Xinhua
Fifa-Präsident Gianni Infantino in Shanghai. Foto: Imago / Xinhua
Neue Klub-WM nach China vergeben
Von Pit Gottschalk
Manchmal weiß man beim Weltverband Fifa nicht, was wütender machen soll: das einstimmige Votum, dass die Klub-WM 2021 in der Parteidiktatur China stattfinden soll, oder die Unverfrorenheit des Fifa-Präsidenten selbst. Gianni Infantino nahm bei der Verkündung des Gastgeberlandes für sich in Anspruch, das Meinungsbild über die “historische Entscheidung” genauestens zu kennen: “Es wird ein Wettbewerb, auf den sich jeder Mensch, jedes Kind und jeder, der den Fußball liebt, freut.”
Wenn er sich da mal nicht irrt. Jeder, der den Fußball liebt, schlägt die Hände über dem Kopf zusammen, dass die besten Spieler in einem Land antreten müssen, das die Bürgerrechte in Hong Kong niederknüppelt. Infantino sollte nicht schwindeln, sondern bei der Wahrheit bleiben: Bei der Turniervergabe nach China geht es allein um eine Entwicklungshilfe, von der sich die Fifa ein Milliardengeschäft verspricht. Die Klub-WM ist nur die Vorstufe: ein Stimmungstest, ob China als WM-Gastgeber Punkte sammeln kann.
Die nächste Gelegenheit böte die WM 2030. Die kommenden Weltmeisterschaften sind bereits vergeben und finden in Katar und in den nordamerikanischen Staaten USA, Kanada und Mexiko statt. Für das WM-Turnier in elf Jahren haben bislang die vier südamerikanischen Länder Argentinien, Chile, Paraguay und Uruguay sowie die vier europäischen Länder Griechenland, Bulgarien, Rumänien und Serbien ihr Interesse bekundet. Besonders lukrativ wären diese Bewerber nicht. 
Großes Geld wird in Staaten, die heute ums Überleben kämpfen, auch in einem Jahrzehnt nicht zu verdienen sein. Die Fifa denkt: dann lieber China. Um fair zu bleiben: China liebt Fußball und tut mit staatlich verordneten Millionen-Investitionen einiges, nicht nur eine glamouröse Liga aufzubauen, sondern Nachwuchsarbeit an der Basis zu fördern. Fußball ist Pflichtfach in den Schulen. “Die Welt” bezeichnete Staatspräsident Xi Jinping als obersten Ultra-Fan: Den Weltmeister-Titel bis 2050 erklärte er zur Staatsaufgabe.
"Kein europäischer Top-Klub wird teilnehmen" "Kein europäischer Top-Klub wird teilnehmen"
Der Größenwahnsinn erinnert sehr an die USA, bevor dort 1994 die erste WM stattfand und mit dem Ziel verbunden war, eine fünfte Top-Liga neben American Football und Baseball, Eishockey und Basketball zu etablieren. Aus dem versprochenen WM-Titel wurde nie etwas, aber die MLS, wo einstige Stars wie David Beckham, Zlatan Ibrahimovic und zuletzt Bastian Schweinsteiger ihren Vorruhestand verbrachten, hat es zu einer stattlichen Akzeptanz gebracht. Der Unterschied zu den USA: die Menschenrechte.
Man erinnere sich nur an die DFB-Kooperation in der Regionalliga, als ein chinesisches Junioren-Team Tibet-Fahnen auf den Tribünen entdeckte. Der Protest im Publikum führte zum diplomatischen Zoff und zum Abbruch der Kooperation. Die Chinesen wissen, wie sie ihren durch Geld gewachsenen Einfluss zur Geltung bringen. Kürzlich wagte ein amerikanischer Basketball-Manager ein falsches Wort. Prompt wurde die PR-Tournee unterbrochen, die Live-Übertragung von NBA-Spielen ausgesetzt. Kritik ist nicht erwünscht.
Infantino stören die Vorkommnisse in seiner Geltungssucht nicht. “Jeder kann sagen, was er will”, behauptete er bei der WM-Vergabe in Shanghai, er gaukelte besseren Wissens. Es klingt wie Hohn, wenn er sagt: “Wir versuchen, Fußball als Katalysator für Positives und niemals für Negatives einzusetzen.” Fußball bringe “ein Lächeln ins Gesicht der Menschen”. Es wäre ehrlicher, wenn er einfach sagte: China hat Tonnen von Geld - und an dieses Geld wollen wir mit dem Weltverband dringend ran. 
Die WM-Vergabe 2030 oder 2034 an China wäre demnach nur die logische Konsequenz aus der altrömischen Überlieferung, dass Geld nicht stinkt. Wer ein Turnier nach Russland und Katar vergibt, lächelt über jeden vorgetragenen Zweifel an China. Das IOC ist da längst schon weiter als die Fifa und hat mit den Winterspielen 2022 zum zweiten Mal nach den Sommerspielen 2008 Olympia an die Chinesen vergeben. Ein paar Wochen lang wegschauen, das können beide Dachverbände sehr, sehr gut.
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Bei uns dreht sich heute alles um den BVB – nach dem Champions League-Spiel in Mailand und vor dem Derby auf Schalke.  Nur zwei Tore in drei Spielen, saisonübergreifend in den letzten acht Champions League-Spielen sechsmal ohne eigenes Tor. Das kann doch nicht der Anspruch des BVB sein, oder? Darüber sprechen Pit Gottschalk und Malte Asmus heute. Und zur Unterstützung haben sie sich einen dritten Mann eingeladen: Christoph Albers ist da, Autor bei neunzigplus.de und Podcaster auf meinsportpodcast.de – er moderiert zusammen mit Julius Eid den Dortmund-Podcast BVBeben. Und Julius steuert bei Fever Pit’ch heute auch noch ein paar markige Thesen bei – zur Situation von Lucien Favre und zum heiß gehandelten möglichen Nachfolger José Mourinho.
Bei uns dreht sich heute alles um den BVB – nach dem Champions League-Spiel in Mailand und vor dem Derby auf Schalke. Nur zwei Tore in drei Spielen, saisonübergreifend in den letzten acht Champions League-Spielen sechsmal ohne eigenes Tor. Das kann doch nicht der Anspruch des BVB sein, oder? Darüber sprechen Pit Gottschalk und Malte Asmus heute. Und zur Unterstützung haben sie sich einen dritten Mann eingeladen: Christoph Albers ist da, Autor bei neunzigplus.de und Podcaster auf meinsportpodcast.de – er moderiert zusammen mit Julius Eid den Dortmund-Podcast BVBeben. Und Julius steuert bei Fever Pit’ch heute auch noch ein paar markige Thesen bei – zur Situation von Lucien Favre und zum heiß gehandelten möglichen Nachfolger José Mourinho.
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1:14 PM - 24 Oct 2019
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
E...E...M 2024 b...b...bei T.T.T...ele...kom
Von Alex Steudel
Die Meldung, wonach das EM-Fußballturnier 2024 tatsächlich komplett von der Telekom übertragen wird, hat mich gestern bis ins Mark erschüttert. Mir fehlt jede Phantasie, wie das hinhauen soll. Ich bin mir sicher, dass die Telekom die EM 2024 frühestens Mitte 2025 übertragen wird, weil der Techniker nicht gekommen ist.
Ich erwarte deshalb ein totales Hotline-Chaos. Millionen von Menschen werden im Juni/Juli 2024 bei der Telekom anrufen und fragen: Hat jemand mein Spiel gesehen? Nein, ich korrigiere, sie werden es fragen WOLLEN, es kommt ja niemand durch.
Ich überlege, ob ich mir Hotline-Slots sichern soll, indem ich mich vorsorglich beschwere. Ich könnte zum Beispiel heute den Telekom-Support anrufen und morgen, wenn ich durchgekommen bin, dem Berater in Sachsen-Anhalt sagen, dass das EM-Halbfinale ruckelt. Vielleicht bekomme ich ja dann im Juli 2024 den zeitlich passenden Rückruf aus Niederbayern.
(Womöglich haben wir bis dahin aber auch ganz andere Probleme, und die Hotline-Stimme sagt: “Da ruckelt nichts, das ist das Deutschland-Spiel.”)
Telekom überträgt Fußball-EM 2024
Ich will nicht auf der Telekom rumhacken, die anderen sind auch nicht besser. DAZN zeigte mir kürzlich tagelang ein Interview mit Frankfurts Trainer Adi Hütter auf dem Startbildschirm meines Fernsehers; die nicht vorhandene Künstliche DAZN-Intellligenz kapiert einfach nicht, dass ich das Ding schon 23-mal gesehen habe. Genau so wenig kennt die App meine Vorlieben, sie startet einfach immer mit irgendeinem Spiel. 
Und dann wechselt DAZN (wie SkyGo auch) trotz meiner okay-schnellen Internetverbindung immer wieder zwischen scharfen und unscharfen Bildern hin und her, man fühlt sich wie in einer Richter-Ausstellung. (Für die weniger kunstinteressierten Leser: Gerhard Richter ist ein weltberühmter deutscher Künstler, der die Ästhetik der Unschärfe entwickelt hat.)
Ein echter Richter. Könnte aber auch DAZN sein. Foto: Matrosen, Richter/1966
Ein echter Richter. Könnte aber auch DAZN sein. Foto: Matrosen, Richter/1966
Apropos Sky. Hat schon mal jemand auf dem iPad ein Fußballspiel in der SkyGo-App geguckt und dabei auf eine wichtige Mail gewartet? Jedesmal, wenn du vom Mailchecken zurück in die SkyGo-App kommst, läuft nicht das Spiel weiter, nein, die Werbemaschinerie setzt sich jedesmal neu in Bewegung. Auch wenn ich nur fünf Sekunden Mailchecken oder nach dem Wetter gucken war, begrüßt mich Sky herzlich mit einer Minute Werbung.
Fußball auf SkyGo gucken ist, als hätte dich die Werbeindustrie als Geisel genommen. Ich habe kürzlich in einer einzigen Halbzeit 14 Minuten Sky-TV-Spots gesehen, weil ich gleichzeitig im Internet recherchieren musste, das ist Weltrekord, und natürlich kommt fast immer dieselbe Werbung, das macht einen wahnsinnig.
Ich kenne zum Beispiel Jürgen Klopps Meinung zum Thema Finanzielle Vorsorge dank Sky in- und auswendig. Immer wenn ich in die App komme, wartet der Finanzberater mit den weißen Zähnen bereits in seiner Küche auf mich. Es ist schon so schlimm, dass ich mich am Sonntag aus Versehen wunderte, weil Klopp nach dem 1:1 in Manchester einfach nur das Spiel analysierte und mir keine Anlagetipps geben wollte.
Alle mal herhören!
"Bundesliga braucht eine neue DNA" "Bundesliga braucht eine neue DNA"
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