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Lucien Favre beim BVB: Zeit der Ausreden jetzt vorbei

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Wenn stimmt, was der Bayerische Rundfunk gestern Abend berichtet
 

Fever Pit’ch

20. Juni · Ausgabe #180 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Wenn stimmt, was der Bayerische Rundfunk gestern Abend berichtet hat, dann war Mats Hummels ein Auslaufmodell beim FC Bayern München. Der Weltmeister von 2014 soll nach einem Gespräch mit den Bayern-Bossen pikiert darüber gewesen sein, dass man seine künftige Rolle vorläufig auf der Ersatzbank gesehen hat. Nur darum habe Hummels Heimweh zum BVB.
BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke lässt durchblicken, dass ihn Unkenrufe nicht erschüttern können. Er hält die spektakuläre Rückholaktion des Abwehrchefs für die notwendige Stabilisierung in der Verteidigung, damit der Klub Deutscher Meister wird. Die Führungsachse mit Mats Hummels, Axel Witsel und Marco Reus steht. Damit sind wir beim Trainer.
Niemand kann Lucien Favre einen Vorwurf machen, dass er noch nie Meister in der Bundesliga geworden ist. Seine bisherigen Vereine Hertha BSC und Borussia Mönchengladbach boten ihm keine Teams, die das Zeug dazu hatten. Dass er beim BVB vorige Saison keine Mittel fand, dem Schwund von neun Punkten Vorsprung auf Bayern entgegenzuwirken, kann passieren.
Nur: Die Zeit der Ausreden ist jetzt vorbei. Borussia Dortmund stellt ihm eine Mannschaft hin, die ohne jede Zweifel Meisterliches in sich trägt. T-Online schreibt von einer 125 Mio. Euro Attacke. Lucien Favre selbst hat eine vorzeitige Vertragsverlängerung bis 2021 erhalten, damit während der Saison keine Personaldiskussion aufkommt. Jetzt muss er auch liefern.
„Wir werden in die Saison mit der Maßgabe gehen, dass wir ohne Wenn und Aber um die Deutsche Meisterschaft spielen wollen!“ Hans-Joachim Watzke
Er darf nicht wieder zaudern, kleinmütig vor Abstiegskandidaten warnen und Nebenkriegsschauplätze bei Schiedsrichter-Entscheidungen suchen. Nun kann und muss er zeigen, dass er der große Trainer ist, für den ihn alle Welt hält. Wenn er nicht schleunigst mit dem Anspruch seiner Bosse arbeitet, ist er schneller weg vom Fenster, als er selbst ahnt.
Die Mannschaft von Borussia Dortmund, inzwischen 608 Mio. Euro wert, wird sich keinen Trainer leisten können, der Mimimi spielt. Charakterstärke heißt auch, die Nerven zu behalten, wenn es darauf ankommt. In den großen Spielen seiner ersten BVB-Saison hat Favre geschludert: Die Ursache für das 0:5 von München ging auch auf seinen Taktik-Unsinn zurück.
Im ersten Jahr mag das angesichts einer vergleichsweise jungen Mannschaft verzeihlich sein. Im zweiten Jahr nicht. Aki Watzke und sein Stab mit Michael Zorc, Matthias Sammer und Sebastian Kehl haben die Vizemeisterschaft fair analysiert, um die fehlenden Prozentpunkte mit zwangsläufig riskanten Rekordtransfers herbeizuschaffen. Jetzt ist Lucien Favre dran.
Einen zielstrebigen Donnerstag wünscht
Euer Pit Gottschalk

Borussia Dortmund: Nur die Meisterschaft zählt jetzt
Niemals geht man so ganz: BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc verabschiedeten Mats Hummels vor drei Jahren mit Erinnerungsfotos. Darauf steht: "Danke Mats!" Jetzt kam der Dank zurück. Foto: Imago Images / Revierfoto
Hummels-Verpflichtung sendet ein Signal an die Bundesliga
Von Marco Mader und Thomas Nowag
Vor drei Jahren wurde Mats Hummels von Teilen der Gelben Wand ausgepfiffen und aufs Übelste beleidigt. Jetzt soll die Südtribüne ihn als verlorenen Sohn wieder in ihr Herz schließen. Der Rio-Weltmeister wechselt ein zweites Mal vom deutschen Rekordmeister Bayern München zu Borussia Dortmund und kehrt wie vor ihm WM-Held Mario Götze zum BVB zurück.
Das bestätigten beide Klubs am Mittwochnachmittag in knappen Pressemitteilungen - ohne Hummels oder einen der Vereinsbosse zu zitieren. Es sei “eine grundsätzliche Einigung” erfolgt, hieß es in der Verlautbarung der Bayern. Der Transfer stehe aber “unter der aufschiebenden Bedingung des noch zu absolvierenden Medizinchecks”, schrieb der BVB. Hummels weilt mit Ehefrau Cathy im Urlaub in Miami.
Ottmar Hitzfeld: Mats Hummels hat Borussia Dortmund gefehlt Ottmar Hitzfeld: Mats Hummels hat Borussia Dortmund gefehlt
Der 30-Jährige soll in Dortmund einen Vertrag bis 2022 erhalten. Dort, wo er bis 2016 in achteinhalb Jahren mit 309 Pflichtspielen (25 Tore) zwei Meisterschaften und einen Pokalsieg gefeiert hatte. Die Ablöse für den ehemaligen Nationalspieler, der in München bis 2021 gebunden war, liegt inklusive erfolgsabhängiger Bonuszahlungen bei 38 Millionen Euro. Damit ist Hummels drei Millionen Euro teurer als bei seinem Abschied vor drei Jahren.
“Ich gehe davon aus, dass wir uns wiedersehen, und ich kann Dir eins sagen: Du bist beim BVB immer extrem willkommen”, hatte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke Hummels damals auf dem Bankett nach dem gegen die Bayern verlorenen Pokalfinale zugerufen. Doch die Rückholaktion spaltet beide Fanlager.
BVB-Boss Watzke betoniert seine Titel-Ansage BVB-Boss Watzke betoniert seine Titel-Ansage
Während viele Bayern-Anhänger ihrer Nummer 5 hinterhertrauern, sehen nicht wenige Dortmunder das Comeback skeptisch. Das Urteil im Netz geht von “Weltklassespieler” und “Verstärkung” bis hin zu “viel zu langsam” und “Auslaufmodell”. Als Hummels vor drei Jahren seinen Wechselwunsch hinterlegt und der BVB dies per Ad-hoc-Meldung bekannt gemacht hatte, wurde er zur Zielscheibe der enttäuschten Fans. Hummels sprach frustriert von einer “Drecksmitteilung”. Watzke distanzierte sich von den Pöblern, deren Reaktion Sportchef Michael Zorc “beschämend” nannte.
Jetzt hat die Borussia zwar fünf Innenverteidiger im Kader, mit Ausnahme von Ömer Toprak (29) jedoch nur junge Spieler. Mats Hummels könnte mit seiner Erfahrung zu der Leitfigur werden, die im jüngsten Titelkampf schmerzlich vermisst wurde.
BVB gibt die künftigen Rückennummern bekannt BVB gibt die künftigen Rückennummern bekannt
In München war das Eigengewächs (1995 bis Januar 2008) beim Anhang beliebt, doch für die Bosse nach insgesamt 118 Profispielen (acht Tore), drei Meisterschaften und einem Pokalsieg verzichtbar. Er selbst sah angesichts der teuren Verpflichtungen der Weltmeister Lucas Hernandez und Benjamin Pavard wohl keine echte Perspektive mehr. Außerdem gehörte er zu den Kritikern von Trainer Niko Kovac, der Niklas Süle zum Abwehrchef gemacht hatte.
Hummels, laut Kicker-Rangliste bester Bundesliga-Innenverteidiger der Rückrunde, ist bereits der vierte Großeinkauf des BVB, der den Bayern nach der Schale trachtet. Zuvor hatte die Borussia für das von Watzke ausgerufene Unternehmen Gipfelsturm bereits die Nationalspieler Julian Brandt (Bayer Leverkusen) und Nico Schulz (TSG Hoffenheim) sowie den Belgier Thorgan Hazard (Borussia Mönchengladbach) für insgesamt 76 Millionen Euro verpflichtet.
Marco Mader und Thomas Nowag sind Redakteure beim Sport-Informationsdienst
FC Bayern: Hummels-Transfer belegt Kovac‘ wachsenden Einfluss FC Bayern: Hummels-Transfer belegt Kovac‘ wachsenden Einfluss
Die teuersten Bundesliga-Transfers
  1. Ousmane Dembele (Frankreich) – 105 Millionen Euro (plus Boni bis 42 Millionen), 2017 von Borussia Dortmund zum FC Barcelona
  2.  Lucas Hernandez (Frankreich) – 80 Millionen Euro, 2019 von Atletico Madrid zu Bayern München
  3.  Kevin De Bruyne (Belgien) – 75 Millionen Euro, 2015 vom VfL Wolfsburg zu Manchester City
  4.  Luka Jovic (Serbien) 70 Millionen Euro, 2019 von Eintracht Frankfurt zu Real Madrid
  5. Naby Keita (Guinea) – 70 Millionen Euro, 2018 von RB Leipzig zum FC Liverpool
  6.  Christian Pulisic (USA) – 64 Millionen Euro, 2019 von Borussia Dortmund zum FC Chelsea
  7.  Pierre-Emerick Aubameyang (Gabun) – 63,75 Millionen Euro, Winter 2018 von Borussia Dortmund zum FC Arsenal
  8.  Leroy Sane (Deutschland) – 50 Millionen Euro, 2016 von Schalke 04 zu Manchester City
  9.  Douglas Costa (Brasilien) – 46 Millionen Euro, 2018 von Bayern München zu Juventus Turin
  10.  Granit Xhaka (Schweiz) – 45 Millionen Euro, 2016 von Borussia Mönchengladbach zum FC Arsenal
  11. Henrich Mchitarjan (Armenien) – 42 Millionen Euro, 2016 von Borussia Dortmund zu Manchester United
  12. Corentin Tolisso (Frankreich) – 41,5 Millionen Euro, 2017 von Olympique Lyon zu Bayern München
  13. Roberto Firmino (Brasilien) – 41 Millionen Euro, 2015 von 1899 Hoffenheim zum FC Liverpool
  14. Julian Draxler (Deutschland) – 40 Millionen Euro, 2016 vom VfL Wolfsburg zu Paris St. Germain
  15. Javi Martinez (Spanien) – 40 Millionen Euro, 2012 von Athletic Bilbao zu Bayern München
  16. Mats Hummels (Deutschland) – jeweils 38 Millionen Euro, 2016 von Borussia Dortmund zu Bayern München und 2019 vom FC Bayern zum BVB
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