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Marcel Reif: Emre Can beim BVB wichtiger als Haaland

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfans! Die Selbstgerechtigkeit der Ultra-Fanszene wird man heute Abend, sof
 

Fever Pit’ch

24. Februar · Ausgabe #348 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfans!
Die Selbstgerechtigkeit der Ultra-Fanszene wird man heute Abend, sofern nicht alle Signale täuschen, in Frankfurt erleben. Sogenannte Fans rüsten zum wiederholten Protest gegen die Montagsspiele und wollen dem Bundesliga-Spiel Eintracht Frankfurt gegen Union Berlin eine Kulisse mit Protestnote geben und die Fantribüne leer lassen. Das ist, mit Verlaub, in vielerlei Hinsicht nicht nachvollziehbar, womöglich sogar dumm.
Erstens: Bisher konnte noch kein Gegner der Montagsspiele hinreichend Gründe liefern, warum ein Fußballspiel am Montagabend eine größere Zumutung als zum Beispiel ein Spiel dienstags und mittwochs in der Champions League oder donnerstags in der Europa League sein soll.
Zweitens: Die Montagsspiele für Bundesliga-Klubs sind selten angesetzt und entlasten, wenn sie stattfinden, die 2. Liga, die sonst am Montagabend spielt. Schon aus Solidarität könnte man sagen: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Doch so weit reicht die ideologische Betrachtung nicht.
Drittens: Und ebenso wird ignoriert, dass Eintracht-Trainer Adi Hütter ganz sicher dankbar dafür ist, dass er nach dem Europapokal-Spiel am Donnerstag (4:1 gegen Salzburg) einen Tag mehr Regeneration bekommen hat. Immerhin geht’s in der Bundesliga um den Anschluss an die Europa-League-Plätze.
Viertens: Stattdessen ist anzunehmen, dass die Ultra-Fans zu Spielbeginn schweigen wollen. So sieht also Fan-Support aus ihrer Sicht aus: Man unterstützt die Mannschaft nicht, wenn’s drauf ankommt, weil das eigene Anliegen höher gewertet wird als der sportliche Erfolg des eigenen Vereins.
Fünftens: Man hört dann immer, dass es in solchen Momenten “um Höheres” geht. Mag sein. Aber es ist ja längst entschieden, dass die Montagsspiele abgeschafft werden. Was soll der Schweigeprotest also erreichen? Man kann es nicht anders sagen: Es geht um Selbstinszenierung und um nichts anderes.
Einen sturmfreien Rosenmontag wünscht
Euer Pit Gottschalk

Marcel Reif: Emre Can beim BVB wichtiger als Haaland
Borussia Dortmund reift - meint auch Marcel Reif
Borussia Dortmund reift - meint auch Marcel Reif
"Zack, zack, zack! Zu Hause bleibt dir beim BVB die Luft weg"
Von Marcel Reif
Schöne Momente beschert mir gegenwärtig Borussia Dortmund: Wenn es bei ihnen läuft, dann spielen sie mit den attraktivsten Fußball weltweit. Ich kenne keine Mannschaft, die so einen Spaß macht. Zu Hause bleibt dir beim BVB die Luft weg: Zack, zack, zack, und dann haut der Blonde das Ding da rein - das ist überragend!
Was zuvor gefehlt hatte, das war einer wie Erling Haalandund genau diese Mittelstürmerposition, die Trainer Lucien Favre auch nie so richtig wollte.
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Diese Spielanlage macht sie jetzt so viel zielgerichteter: Du hast beim BVB manchmal das Gefühl, sie berauschen sich an ihrem eigenen Zinnober. Jetzt haben sie einen, den du anspielen kannst – gut, dass Lucien Favre diesen Schritt mitgegangen ist.
Haaland ist ein wichtiger Baustein, aber noch wichtiger als er ist für mich Emre Can.
Wenn der Wind von vorne kommt - und der wird auch wieder kommen - dann brauchst du jemanden mit Cans Mentalität. Jemanden, der anders denkt, der dieses Defensivdenken hat, der eine Mannschaft mitnimmt und dann sagt: “Es reicht jetzt, wir kriegen es nicht hin mit Trallala! Wir müssen das Spiel mal ganz simpel krallen und nach Hause bringen!”
Das hatte dem BVB gefehlt und natürlich auch etwas mit Mentalität zu tun.
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Die Fanszene versteht den Ernst der Lage nicht (€) Die Fanszene versteht den Ernst der Lage nicht (€)
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Ihr Hüter des Fußballs
Von Alex Steudel
Fußball ist Volkssport. Fußball gehört allen. Es gibt aber ein paar Menschen, die glauben, er gehöre ihnen mehr. Für sie ist Fußball ein Heiligtum, an dem sich keiner vergreifen darf. Was vergreifen bedeutet, das bestimmen sie selbst. Und wer vergreift, gehört aussortiert.
Menschen, die glauben, der Fußball gehöre ihnen mehr, hassen Sponsoren aus Walldorf und Limonadenfabriken aus Österreich. Sie glauben an den schönen, unverdorbenen Fußball und daran, dass sie uns deshalb moralisch überlegen sind. Dabei sind es oft nur ihr Hass und ihre Angst vor der Andersartigkeit der Anderen, die sie antreiben.
Der Hass treibt sie in ihre Keller, wo sie seltsame Plakate mit unanständigen und manchmal sogar rechtswidrigen Botschaften pinseln. “WIR WÜNSCHEN ALLEN EIN FROHES FEST – UND DIR DEIN LETZTES!” stand kürzlich im Dortmunder Stadion, und gemeint war, wie auch jetzt am Samstag in Mönchengladbach, der Hoffenheimer Milliardär Dietmar Hopp. In Gladbach sahen wir sein Gesicht mit einem darübergelegten Fadenkreuz. Die Botschaft war ziemlich klar: Hopp, lass’ unseren Fußball mit deinen Milliarden in Ruhe. Sonst setzt es was.
Wer solche Plakate malt, ist mir suspekt. Weil er zur Gewalt aufruft oder sie in Kauf nimmt. Für mich wird ein Mensch, der meint, den Fußball so schützen zu müssen, damit sofort selbst zu jemandem, vor dem man den Fußball schützen muss.
Gemeinsames Stoppschild
Jetzt formiert sich der Widerstand
Natürlich verstehe ich die Kritik an der Kommerzialisierung des Fußballs. Teilen muss ich sie nicht. Von mir aus kann Herr Hopp Hoffenheim unterstützen, soviel er möchte. Meinetwegen darf auch der Milliardär Kühne (über den sich komischerweise keiner aufregt) den HSV in seinen 100 Millionen Euro baden lassen. Und ob “RB” nun “Rasenballsport” oder “Red Bull” bedeutet, ist mir ebenso egal, wie mir egal ist, ob es Borussia Dortmund heißt oder Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA – solange alles mit rechten Dingen zugeht, also die Regeln der Verbände eingehalten werden.
Und die werden meines Wissens nach eingehalten, sonst stünde Leipzig mit 48 abgezogenen Punkten am Tabellenende der Bundesliga und nicht auf Platz zwei, und Hoffenheim und HSV würden wegen Financial Foulplay von irgendwas ausgeschlossen.
Ach, was jammere ich. Ewiggestrige gibt es überall. Ich habe diese Woche gelesen, dass sich irgendein bekannter Sänger eine Welt ohne Internet zurückwünscht. Es dauerte sicher auch eine Weile, bis der Computer den letzten Lochkartenbesitzer überzeugt hatte. Und bestimmt gab es nach der Erfindung des Feuers einige Höhlenbewohner, die der viele Rauch störte.
Im Fußball gibt es solche Menschen auch. Ich akzeptiere die Bewahrer, solange sie sich an die Regeln des Zusammenlebens halten. Auch wenn es mir dann manchmal schwerfällt. Wenn ich zum Beispiel wieder mal einen der gefühlt 100 vernichtenden Anmerkungen, Posts oder Kommentare der von mir ansonsten geschätzten “Elf Freunde” über RB Leipzig lese, ereilt mich jedes Mal der Verdacht, der Autor hätte vor dem Schreiben noch schnell die siebte Staffel von “Bonanza” geguckt und dann das Lagerfeuer im Wohnzimmer ausgetreten. Leute, wir haben 2020! Die Welt dreht sich weiter. Robert Lewandowski spielt nicht für eine warme Suppe in München, und der Ball ist nicht mehr aus Leder.
Fadenkreuz-Plakat ist menschenverachtend
Die Taz dagegen verharmlost den Fall
Ich akzeptiere diese Bewahrer, aber was sie sagen, ergibt für mich keinen Sinn. Die Kommerzialisierung hat sich nicht kürzlich einer einfallen lassen, sie kommt aus dem Fußball selbst. Wir beklagen ja oft, dass die Schinderei, Reklamiererei und Betrügerei im Profigeschäft den Fußball der unteren Spielklassen negativ beeinflusst. Was die Hopps und Scheichs der Fußballwelt angeht, ist es genau andersrum. Diese Entwicklung kommt von unten.
Als ich vor 30 Jahren während des Studiums bei einer Lokalzeitung angefangen habe, über Fußball zu schreiben, hat mich eines sehr erstaunt: Dass selbst im beschaulichen Rems-Murr-Kreis vor den Toren Stuttgarts so oft das Geld regierte. In den Vereinen der sechsten Liga zahlten die Mini-Hopps, denen zwar nicht SAP, aber der Einrichtungsladen um die Ecke gehörte, schon nette Siegprämien, und auch in der Bezirksliga bestimmten diejenigen die Geschicke des Dorfvereins, die ihr Geld hineinpumpten. Meistens waren das irgendwelche ortsansässige, steinreiche Unternehmer, die den Klub zu ihrem Hobby gemacht hatten.
Und wenn der Stürmer mit den 15 Saisontoren, nennen wir ihn Müller, mehr Geld vom Mini-Scheich wollte, der den Klub regierte, rief er in der Redaktion der Zeitung an und erwähnte ganz beiläufig, er habe da womöglich ein Angebot von einem höherklassigen Klub aus dem benachbarten Tal.
Heute, nach vielen Jahren Arbeit als Reporter auf Profiebene, weiß ich: Ob Bezirksliga oder Bundesliga – im Grunde funktioniert Fußball überall gleich.
Nein, ihr lieben Bewahrer und seltsamen Hassplakate-Maler, die Hopps und RedBulls und Scheichs dieser Welt sind keine Krätze, die ausgelöscht werden muss. Sie sind eine logische Konsequenz dessen, was von unten kommt. Fußball war und ist fast immer Geld, egal auf welcher Ebene. Wer also die Kommerzialisierung unseres liebsten Kulturguts unbedingt beklagen will, sollte seine Plakate vielleicht auch mal beim Bezirksliga-Kick um die Ecke aufhängen.
Bisschen Werbung muss sein
Beste Liga der Welt? Das sagen die Zahlen Beste Liga der Welt? Das sagen die Zahlen
Alle mal herschauen!
"Für diese drei geht’s um die Jobs beim HSV" "Für diese drei geht’s um die Jobs beim HSV"
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