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Mehr Geld für alle: Der Ausverkauf des Klubfußballs

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Die drei Herren, die im Zentrum des Weltfußballs das Spiel ihres
 

Fever Pit’ch

27. März · Ausgabe #113 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Die drei Herren, die im Zentrum des Weltfußballs das Spiel ihres Lebens betreiben, haben mächtige Verbündete im Rücken. Gianni Infantino den Weltverband Fifa, Aleksander Ceferin die europäische Fußballunion Uefa und Andrea Agnelli, der Präsident von Juventus Turin, die europäische Klubvereinigung ECA. Alle drei wollen nur das Beste: das Geld, das der Fußball ausspuckt. Infantino mit einer Klub-WM, Ceferin und Agnelli mit einer erweiterten Champions League. Irgendwie werden sich die drei einigen, und man weiß heute schon, was bei ihren Verhandlungen herauskommen wird: dass kein Kuchenstück zu klein ist. Infantino wird seine Klub-WM so veranstalten, dass der Ausbau der Champions League zur Super League nicht gefährdet ist und alle mitkassieren können. Noch mehr Gruppenspiele, noch mehr Sponsoren, noch mehr TV-Vermarktung, noch mehr, noch mehr. Und wenn es sein muss: auch am Samstag, wenn eigentlich die Bundesliga spielen sollte. Zugeben will das keiner. Aber die drei Herren sind schnell entlarvt. Noch nie in ihrem Leben haben sie mit derselben Leidenschaft und Energie darum gekämpft, dass der Fußball, den wir sehen, besser und besser wird. Er wird nur: teurer und teurer.
Einen preiswerten Mittwoch wünscht
Euer Pit Gottschalk

Mehr Geld für alle: Der Ausverkauf des Klubfußballs
Gianni Infantino gegen Aleksander Ceferin und Andrea Agnelli. Fotos: Imago
Klub-WM und Klubvereinigung: Alles auf Anfang
Von Pirmin Closse
Die große Reform der Champions League soll kommen, doch wie genau, das bleibt zumindest vorerst noch im Dunkeln. Nach ihrer Generalversammlung in Amsterdam hat die europäische Klubvereinigung ECA erstmals Pläne zu einer Neuordnung des Europapokals ab 2024 bestätigt, Details zunächst aber keine genannt.
Stattdessen betonte ECA-Boss Andrea Agnelli immer wieder, wie “transparent” und “offen” die Arbeit gemeinsam mit der Uefa dabei ablaufen werde - und gab sich beim Streit-Thema Klub-WM plötzlich ganz handzahm. 
“Es ist der Start eines Prozesses. Wir brauchen aber etwas Zeit, um die verschiedenen Vorschläge zu analysieren”, sagte der Italiener am Donnerstag und verwies auf eine Bearbeitungszeit von “zwölf bis 18 Monaten”. 
Auf die Gerüchte über eine radikale Umstrukturierung der Europapokal-Wettbewerbe in Form eines dreigliedrigen Ligensystems wollte der 43-Jährige nicht eingehen. “Es war nur eine Vision dafür, was wir in Zukunft wollen, nichts Endgültiges”, sagte er.
Eine ausgeweitete Auf- und Abstiegsregelungen innerhalb der europäischen Wettbewerbe sei denkbar, auch zusätzliche internationale Spiele am Wochenende (neben den Finals in Champions League und Europa League) schloss der Italiener nicht explizit aus.
Champions League am Wochenende kein Tabu
Genau das dürfte nicht zuletzt in Deutschland auf wenig Gegenliebe stoßen. “Alles, was die Werthaltigkeit der Bundesliga beschädigen könnte, findet überhaupt nicht meine Zustimmung. Dagegen müssen wir uns wehren”, hatte jüngst DFL-Vizepräsident Peter Peters gesagt.
Als wichtigsten Aspekt nannte Agnelli eine bessere Strukturierung des “vollgestopften Termin-Kalenders” im Weltfußball. Zusätzlich äußerte er deutliche Kritik an der Vorgehensweise der Fifa bei der Abstimmung über das neue Turnier-Format. 
“Die Art, wie das geregelt wurde, ähnelt dem, wie man sonst eine Weihnachtslotterie organisiert.” Andrea Agnelli
Die ECA hatte sich im Zuge der Reform mit einem Brandbrief gegen die Fifa-Pläne gewendet und mit dem Boykott der europäischen Spitzenklubs gedroht. Nur wenig später hatten Bayern München und Real Madrid offen Sympathien für den neuen Wettbewerb geäußert. 
Andrea Agnelli gab sich alle Mühe, sein kunstvolles Manöver beim Streit-Thema Klub-WM nicht nach einer Rolle rückwärts aussehen zu lassen. Natürlich behielten die europäischen Klubs ihre Boykott-Drohung für das neue Prestige-Projekt der Fifa aufrecht, betonte der italienische Boss der Klubvereinigung ECA. Stand jetzt zumindest. Denn: “Nichts ist für immer.” 
Und doch musste nicht einmal zwischen den Zeilen gelesen werden, um aus der geäußerten Kompromissbereitschaft die wahre Botschaft heraus zu hören. Agnelli lobte den grundsätzlichen Ansatz der Reform und wollte auch die zuletzt bereits ausgescherten Real Madrid und Bayern München keineswegs kritisieren. Lediglich das Vorgehen der Fifa bei der Abstimmung stieß ihm noch immer etwas sauer auf.
Dietfried Dembowski ermittelt
Den Geldscheinen, mit denen der Weltverband wedelt, können aber auch die europäischen Klubs nur schwer widerstehen. Wie zuvor schon die vielen kleineren Verbände weltweit, denen Fifa-Präsident Gianni Infantino Anteile am Gewinn des Turniers versprochen hat.
Im Idealfall kann die ECA im Zuge der Verhandlungen sogar einige ihrer anderen Forderungen anbringen, etwa die Neuordnung des internationalen Terminkalenders. Eine Win-Win-Situation also.
Auch die angekündigte Champions-League-Reform passt da ins Bild. Egal, wie sie letztendlich aussehen wird. Übergeordnetes Ziel sei es, dass “mehr Vereine die Chance haben, innerhalb des europäischen Systems zu wachsen”, sagte Agnelli. Mehr Geld für alle. Wer sollte da schon ernsthaft etwas dagegen haben?
Pirmin Closse ist Redakteur beim Sport-Informationsdienst (SID)
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„Bayern ist in dieser Situation einfach weiter“
Für den Eurosport-Experten ist Bayern München weiterhin Favorit auf die Meisterschaft: „Sie sind einfach weiter in dieser Situation. Es gibt verschiedene Faktoren: das Heimspiel gegen Dortmund und die Erfahrungswerte. Die Durststrecke im Herbst hat Bayern eindrucksvoll überwunden und einen unglaublichen Lauf hingelegt. Die Spieler sind hungrig. Es ist für sie ein sehr wichtiger Titel. Sie würden es zwar nie zugeben, aber es gab jemand, der sie angestachelt und ein bisschen ins Mark getroffen hat, sodass Kritik aufkam. Andere Vereine wissen in solchen Situationen gar nicht, wo rechts und links ist. Beim FC Bayern geht man in solchen Situationen auf Angriff und rückt zusammen. Das machen sie exzellent und deswegen sind sie auch die Besten.“
„Es geht in dieser Konstellation um Millimeter“
Die Zieldefinierung des BVB befürwortet Sammer und findet, dass ein Meister aus Dortmund für die Liga wichtig wäre, gleichwohl die Bundesliga kein Wunschkonzert ist: „Für die Bundesliga wäre eine Meisterschaft von Borussia Dortmund schön. Gar keine Frage, auch aus dynamischen Gesichtspunkten. […] Es war von Borussia Dortmund richtig, dass sie der Mannschaft Ruhe und Zeit gegeben haben. Jetzt geht es auf die Zielgerade. Und es geht in dieser Konstellation um Millimeter. Man hat im Hinterkopf, dass man das Größte im deutschen Fußball anstrebt - die Meisterschaft. Die klare Zielformulierung gibt Orientierung, nicht mehr und nicht weniger.“
Sammer über Götze: „Eine der erfreulichsten Geschichten“
Seit einigen Monaten spielt Mario Götze bei Borussia Dortmund wieder eine tragende Rolle. In die Nationalmannschaft wurde der Offensivspieler dennoch nicht eingeladen. Für Eurosport-Experte Matthias Sammer braucht Götze „Ruhe und Zeit“, um auch wieder für Deutschland zu spielen. Die Entwicklung des 26-Jährigen sieht Sammer positiv: „Er hat im Laufe seiner Karriere schon einiges erlebt. Das wegzustecken und dann so einen Turnaround hinzubekommen und zurückzukommen – das ist eine der erfreulichsten Geschichten in dieser Saison.“
Sammer über Sané: „Wird seinem Talent langsam gerecht“
Eurosport-Experte Matthias Sammer sieht die Entwicklung von Leroy Sané positiv und eine Steigerung in seinen Leistungen. Vieles davon macht Sammer von Trainer Pep Guardiola bei Manchester City abhängig: „Sané ist einfach ein Spieler, der bei Pep Guardiola immer wieder gefordert und immer wieder weiterentwickelt wird. Er hat mittlerweile eine Konstanz erreicht, die seinem Talent, welches er immer gezeigt hat, gerechter wird. Ich freue mich für ihn und den deutschen Fußball.“
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