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Mensch, Favre! Sie bleiben das große Rätsel der Liga

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Nein, ich werde mir heute Abend nicht die 2. Liga antun. Ich scha
 

Fever Pit’ch

23. November · Ausgabe #464 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Nein, ich werde mir heute Abend nicht die 2. Liga antun. Ich schaue Premier League: Ab 21 Uhr spielt der FC Southampton in Wolverhampton. Im Süden von England hat Trainer Ralph Hasenhüttl den Abstiegskandidaten zu einem Spitzenteam geformt. Schon vor Abschluss des 9. Spieltags liegt sein Klub vier Punkte vor Manchester City. Ein Sieg heute würde die Mannschaft bis auf einen Punkt an Jürgen Klopp und den Tabellenzweiten FC Liverpool heranführen. Zwei Kinder der Bundesliga an der Tabellenspitze in England: Es ist ja nicht so, dass es in der Welt keine guten deutschsprachigen Trainer gäbe, die für den DFB infrage kämen - falls man jemanden suchen sollte.
Einen verwurzelten Montag wünscht
Euer Pit Gottschalk

Mensch, Favre! Sie bleiben das große Rätsel der Liga
Lucien Favre stellt Erling Haaland
Lucien Favre stellt Erling Haaland
"Ich bin wirklich sauer auf ihn"
Von Alex Steudel
Was ist bloß mit Lucien Favre los? Der Mann hat die angesagtesten Nachwuchsspieler Europas um sich versammelt, am Wochenende preschte sein BVB auf Platz zwei der Bundesliga – und alles, was er macht, ist: bremsen, bremsen, bremsen. Ich kam nach dem 5:2 bei Hertha aus dem Staunen nicht heraus.
Ich dachte: Es ist verrückt, dieser Mann hat in Dortmund die Zukunft des Fußballs (Bellingham, Reyna, Haaland, Moukoko und Sancho sind zusammen jünger als Queen Elizabeth) plus viele ältere Top-Spieler unter seinen Fittichen, er ist Herausforderer Nummer eins mit dem BVB, aber er stapelt dauernd tief.
Haaland und Moukoko: Die Golden Boys Haaland und Moukoko: Die Golden Boys
Vor dem FC Bayern hat Trainer Favre offenbar Angst. Du musst nur das Wort Bayern sagen, schon winkt er ab. Vergleiche will er selbst dann nicht hören, wenn er die Münchner fast eingeholt hat wie jetzt. Vom Titel redet er nicht. Kein Wunder verlieren die Dortmunder ständig die direkten Duelle.
Ist er zu schüchtern für die Meisterschaft? Vielleicht hat das alles ja mit seiner Herkunft zu tun. Vielleicht will man als Schweizer Fußballer aus Gewohnheit nicht so gern wichtige Titel holen. Favre verließ die Schweiz vor 13 Jahren und hat seither nie mehr was Richtiges gewonnen.
Oder er hat eine Silber-Gold-Allergie. Ich befürchte das Allerschlimmste. Sollte der BVB wider Favres Willen 2021 Meister werden, lehnt er womöglich, auf dem Podium im Konfettiregen stehend, die Annahme der Schale ab mit der Begründung: Als Meister wären wir nächste Saison Favorit. Non, non, c'est schrägglisch. Das geht nischt.
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Ich gestehe, der Mann ist mir ein Rätsel. Diese zurückhaltende Art. Dass er nach dem Abpfiff in Berlin im Eifer des Gefechts vergaß, wie viele Tore Erling Haaland geschossen hatte – geschenkt. Dass der 20 Jahre alte Norweger seinem 43 Jahre älteren Chef im Gespräch mehrmals mit gestrecktem Finger auf die Brust pochen durfte, fand ich merkwürdig. Autorität und Führung sieht für mich anders aus.
Pieks’ mal als Spieler einem Trainer wie José Mourinho oder Jürgen Klopp vor laufenden Kameras so auf die Brust, und schau, was passiert. Du musst dann vermutlich die Woche drauf zur Strafe die Trikots der Kollegen waschen.
Favre sollte sich mal an großen Trainern orientieren; Mourinho zum Beispiel. Sobald der Portugiese einen neuen Job antritt und die Geschäftsstelle des Klubs betritt, guckt er sich kurz um und schreit dann: Pokale! Her mit den Pokalen! Ich will Pokale!
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Pokale wollen war immer schon Mourinhos erste Amtshandlung. Bei Favre ist es eher die Letzte.
Setzt man mit Mourinhos Einstellung Standards für die Spieler? Ja. Macht sie das selbstbewusster? Bestimmt. Bringt es die letzten Prozent? Klar.
Ich fürchte, Favre mag keinen Druck. Er legt in Dortmund die Latte tief. Gewinnt die Mannschaft ein Spiel, ist es super, verliert sie, ist es auch nicht weiter schlimm.
José Mourinho hat letzten November Tottenham Hotspur auf Platz 14 übernommen und mittlerweile auf Platz eins der Premier League geführt. Favre ist immer nur Zweiter.
Mourinho macht auf dicke Hose, Favre auf dünne. Warum bloß? Kann mir das jemand mal erklären?
Trainer, traut euch was! Trainer, traut euch was!
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